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Leipzigs Arbeitsmarkt im August: Macht sich der Nachwuchsmangel schon jetzt bemerkbar?

Ralf Julke
Was kann in einem Urlaubsmonat wie dem August auf dem Arbeitsmarkt eigentlich passieren? Die Gazetten füllen ihre Spalten mit neuen Owei!-Gesängen über das befürchtete Ende des Konjunkturaufschwungs, auch wenn die Fabriken noch arbeiten. Wenn die Zahl der Arbeitslosen im August wächst, hat das meist nur mit dem zu tun, was die Arbeitsagentur so "saisonalen Effekt" nennt.

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Saisonal bedeutet in diesem Fall: Erst einmal melden sich Tausende Schulabgänger bei den Arbeitsagenturen an. Sicherheitshalber. Auch ein, zwei Monate Warten auf einen Ausbildungs- oder gar Arbeitsplatz müssen überbrückt werden nach dem Schulende. Den Effekt gab's in Leipzig im Juli. Im August ist er auch in der bundesdeutschen Statistik ablesbar: Minimal wuchs die deutsche Arbeitslosigkeit um 5.000 Personen (auf nun 2.945.000 Personen). "Saisonbereinigt", wie es die Agentur nennt, sank sie aber: um 8.000 Personen. 8.000 junge Leute fanden schneller einen Job oder Ausbildungsplatz, als man erwartet hatte.

So langsam macht sich die Erscheinung des fehlenden Nachwuchses auch deutschlandweit bemerkbar. Doch unübersehbar schlägt der Mangel an jungem Nachwuchs im Osten deutlich früher und heftiger zu. Denn während die Augustzahlen deutschlandweit leicht anstiegen, sanken sie etwa in Sachsen wieder deutlich: um -2.492 Personen.

Ein Effekt, der sich auch im Agenturbezirk Leipzig zeigte. Und den Susan Heine, Bereichsleiterin U25 der Agentur für Arbeit Leipzig, deshalb auch bemerkenswert fand. "Im August sank die Zahl der Arbeitslosen. Das ist besonders erfreulich, weil es nicht typisch für diesen Monat ist. Regelmäßig stieg in den letzten Jahren sowohl im Juli als auch im August die Zahl der Arbeitslosen an, um im September wieder zu sinken. Der Grund für das Anwachsen liegt bei der Altersgruppe bis 25 Jahre. Im Juli und auch im August melden sich viele junge Leute, die nach der Ausbildung nicht sofort eine Arbeit finden. Das trifft häufig bei Studenten und auch bei überbetrieblich Ausgebildeten zu. Dass es dennoch nicht zu einem Anstieg der Arbeitslosigkeit im August kam, das ist ein positives Zeichen für die Lage auf dem Arbeitsmarkt im gesamten Agenturbezirk. Auch in diesem Monat trifft zu, dass die Arbeitslosenzahl in den zurückliegenden Jahren noch nie so niedrig war wie im vergangenen Monat."

Ist es ein positives Zeichen? - Für die Statistik auf jeden Fall: In der Stadt Leipzig sank die offiziell registrierte Arbeitslosigkeit um immerhin 183 Personen auf nunmehr 34.297. Gleichzeitig stieg die Zahl der gemeldeten freien Stellen um 185 auf 3.022.

Im Detail sieht es durchaus nicht so simpel aus. Denn im Bereich des SGB III, in dem sich junge Absolventen in der Regel erst einmal anmelden, sank die Zahl der gezählten Arbeitslosen lediglich um 4 Personen. Die restlichen 179 Personen, die aus der Statistik verschwanden, können dem SGB II zugeordnet werden.

Das Jobcenter analysiert die Zahl so: "In nahezu allen Personengruppen sanken die Werte. Die Zahl der langzeitarbeitslosen Männer und Frauen ist mit 11.063 um 87 Personen niedriger als im Vormonat und mit –1.217 deutlich geringer als noch vor einem Jahr. Auch die Anzahl der arbeitslosen Personen über 50 Jahre ist mit aktuell 7.015 im Vergleich zum Vormonat um 51 gefallen. Die Zahl der arbeitslosen Frauen (aktuell 12.447) und die der Jugendlichen unter 25 Jahren (aktuell 3.309) ist im Vergleich zum Juli gestiegen."


Was den Erklärungsversuch von Susan Heine zumindest relativiert. Denn die 51 Personen von über 50 Jahren, die im August aus der Statistik verschwanden, entspricht in ungefähr der Zahl der Arbeitslosen in Leipzig, die Monat für Monat in "Rente" gehen. Was natürlich nicht ausschließt, dass junge Leute schneller in Arbeit kamen als in den Vorjahren. Es bedeutet aber auch, dass der Nachwuchs für den Arbeitsmarkt wohl immer seltener schafft, die Abgänge der älteren Jahrgänge in den Ruhestand zu kompensieren. Dem Arbeitsbereich des Jobcenters kommt das eher auf einem Umweg zugute: Es rutschen weniger Menschen in die Bedürftigkeit, als aus dem Betreuungsbereich des Jobcenters herausrutschen, und sei es eben in den Ruhestand.

Dr. Michael Lange, stellvertretender Geschäftsführer des Jobcenters Leipzig, versucht das für seine Behörde positiv zu formulieren: "Im Bereich des Jobcenters Leipzig ist die Zahl der arbeitslosen Menschen auch in diesem Monat weiter gesunken. Die vielfältigen Vermittlungsaktivitäten meiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben somit schon zum 4. Mal in Folge zur Reduzierung der Zahl der arbeitslosen Arbeitslosengeld-II–Empfänger in Leipzig geführt. Beachtlich sind diese Ergebnisse insbesondere vor dem Hintergrund gesunkener Beschäftigungsmöglichkeiten auf dem 2. Arbeitsmarkt."

Im Ergebnis heißt das: Die Zahl der Leistungsempfänger nach dem SGB II im Jobcenter Leipzig ist im August auf 77.200 Personen gesunken. Im Juli 2011 waren es noch 77.586. Die Männer und Frauen wurden in 46.345 Bedarfsgemeinschaften betreut, womit diese Zahl im August ebenfalls marginal sank - um 36 Bedarfsgemeinschaften.

Das sind auch weiterhin viel zu hohe Zahlen für eine Stadt wie Leipzig. Wenn die 3.022 gemeldeten freien Stellen schon der Vorbote des Herbstes sind, sollten alle Zahlen aus Arbeitsagentur und Jobcenter ab September eigentlich deutlich sinken.


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