Neue Zahlen zum Sterben in Sachsen: Manche Todesart ist durchaus selbst erworben
Ralf Julke
08.09.2011
Einmal im Jahr sammelt das Statistische Landesamt des Freistaates Sachsen auch die Zahlen zu den Todesursachen der Sachsen zusammen. Eigentlich ein Zahlenwerk, das nicht wirkliche Überraschungen bringt. Am Ende ist es eben doch meistens das Herz, das nach 2 bis 3 Milliarden Kontraktionen nicht mehr kann.
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Im Jahr 2010 verstarben in Sachsen insgesamt 50.909 Personen, davon 23.874 Männer (47 Prozent) und 27.035 Frauen (53 Prozent). Dies ist ein Anstieg von 544 Fällen (1,1 Prozent) gegenüber 2009. Die Sterbeziffer stieg nach Angaben des Statistischen Landesamtes damit von 1.205 je 100.000 Einwohner auf 1 225.
Zum Vergleich: Geburten gab es nur 35.091. Da kann sich jeder selbst ausrechnen, dass die Differenz von 15.818 den Hauptteil des Bevölkerungsschwunds ausmachte, den Sachsen 2010 zu verbuchen hatte: 19.255. Was immerhin der niedrigste Wert seit Jahren war. Ein Wert, der auch Hoffnung macht, dass zumindest die seit 20 Jahren andauernde Abwanderung gerade der jungen Leute aus Sachsen aufhört. Was ja ebenfalls Auswirkungen hat auf die Geburtenziffer.
Das mit dem Sterben folgt dann automatisch nach durchschnittlich 77 Jahren (Männer) oder 83 Jahren (Frauen). Kriege und andere menschliche Blödheiten einmal ausgeschlossen.
Vielleicht ist das sogar ein Problem heutiger Politiker, friedliche Gesellschaften managen zu müssen, die nun seit 66 Jahren zumindest keinen großen Krieg mehr aushalten müssen, der ganze männliche Jahrgänge verschlingt, wie das in den beiden von Deutschland angestifteten Weltkriegen ja der Fall war. Man kann also auch innenpolitische Probleme nicht mehr einfach dadurch lösen, dass man die jungen Männer in Uniformen steckt und nach Übersee verschickt - die USA erleben gerade die wirtschaftlichen Folgen dieser "Lösungen".
Dazu der moderne Wohlstand - und die Lebenserwartungen der Menschen steigen in Bereiche, die zu Bismarcks Zeiten, als die erste Sozialgesetzgebung geschmiedet wurde, für den Großteil der Bevölkerung unerreichbar waren. Am Ende der DDR lag die Lebenserwartung der Sachsen zum Beispiel bei 70 Jahren für die Männer und 77 Jahren für die Frauen. Das war noch eine Zeit, in der ein Bundessozialminister zuversichtlich behaupten konnte: "Die Renten sind sicher." Sind sie natürlich nicht, wenn Menschen sechs bis sieben Jahre älter werden, als in den alten Rentenformeln angenommen.
Deswegen sind auch Gesundheits- und Pflegekassen deutlich höher belastet, als noch vor 20 Jahren absehbar.
Folgerichtig nur, dass Krankheiten des Kreislaufsystems mit einem Anteil von 47 Prozent aller Sterbefälle (23.941 Verstorbene) auch 2010 die häufigste Todesursachengruppe in Sachsen blieben. 93 Prozent der Kreislauftoten waren älter als 64 Jahre. Frauen starben häufiger an einer Kreislauferkrankung, da sie im Durchschnitt älter werden als Männer. Das Zahlenverhältnis: 14.231 zu 9.710.
Zweithäufigste Todesursache waren bei 12.384 Personen nach wie vor die bösartigen Neubildungen (Krebs). Hier ist die Zahl der Männer, die an bösartigen Neubildungen starben (6.820) sichtlich höher als die der Frauen (5.564). Aber selbst hier gibt es Unterschiede, denn bösartige Neubildungen hängen eben doch in vielen Fällen mit dem konkreten Lebenswandel zusammen. Besonders auffallend ist das bei Krebs in den "Atmungs - und intrathorakalen Organen": Hier stehen 1.677 gestorbene Männer 499 gestorbenen Frauen gegenüber. 2007 lag das Verhältnis zum Vergleich bei 1.620 zu 500.
Wobei im Vergleich zu 1998 auffällig ist, dass die Fallzahlen bei Krebserkrankungen der "Atmungs- und intrathorakalen Organen" leicht sanken, im Bereich der Verdauungsorgane aber bei beiden Geschlechtern anstiegen.
An Krankheiten des Verdauungssystems verstarben 5,1 Prozent (2.591 Personen) und 5,0 Prozent (2.539 Personen) an Krankheiten des Atmungssystems. Zu den Krankheiten des Verdauungssystems gehören auch die Lebererkrankungen. Auch hier sind die gestorbenen Männer mit 843 gegenüber 318 Fällen bei den Frauen in der Überzahl. Genauso, wie sie bei den nichtnatürlichen Todes durch Verletzungen und Vergiftungen (insgesamt 2.175) mit 1.285 Todesfällen die Mehrzahl stellen.
Und das, obwohl auch unter den hier gezählten 1 .347 Unfällen die meisten in der häuslichen Umgebung (678 Fälle) geschahen. Was jetzt natürlich wieder die eine oder andere Zeitung animieren wird zu titeln "Zu Hause ist es doch gefährlicher als auf der Straße", denn bei Verkehrsunfällen wurden ja lediglich 185 Personen getötet. Aber im Verkehr verbringt der Mensch - egal, ob er läuft oder fährt - nur einen kleinen Bruchteil des Tages. Die meiste Zeit verbringt er - erst recht im Alter - natürlich in häuslicher Umgebung. Und während Frauen im höheren Alter damit rechnen müssen, sich dort oder auf ihren täglichen Wegen eine Verletzung der Hüfte oder des Oberschenkels zuzuziehen und möglicherweise daran zu sterben (251, Männer: 100 Fälle), ziehen sich Männer häufiger Verletzungen des Kopfes zu (243, Frauen: 136 Fälle). Auch das zumindest ein kleiner statistischer Blick in unterschiedliche Verhaltensweisen.
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