Arbeitslosenquote sinkt auch im September: Sachsen erstmals wieder unter zehn Prozent
Redaktion
30.09.2011
Da war am Donnerstag, 29. September, sogar der arbeitsmarktpolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Alexander Krauß, happy: Erstmals seit Jahren war die Arbeitslosenquote in Sachsen im September 2011 wieder einstellig vor dem Komma, sie rutschte auf 9,6 Prozent.
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"Auf dem Arbeitsmarkt erleben wir derzeit eine Epochenwende", meint Krauß. Die Zahl der Jobs wachse, die Arbeitslosenquote sinke, jeder Lehrling könne einen Ausbildungsplatz finden. Bereits im vergangenen Jahr habe Sachsen das erste westdeutsche Bundesland in der Arbeitslosenstatistik abgehängt: Bremen.
"Wir marschieren flotten Schrittes in Richtung Vollbeschäftigung - vor sechs Jahren noch unvorstellbar", zeigt sich Krauß euphorisch. Trotz der sonnigen Aussichten auf dem Arbeitsmarkt gebe es für die Tarifparteien noch genügend Arbeit. "Uns muss es stärker gelingen, Langzeitarbeitslose in Lohn und Brot zu bringen", so Krauß. Auch Mütter würden immer noch auf dem Arbeitsmarkt benachteiligt. "Das können wir uns nicht leisten - weder aus arbeitsmarktpolitischer noch aus familienpolitischer Sicht", erklärte der CDU-Politiker.
Klingt richtig gut und kraftvoll. Fehlt aber die Hälfte. Denn dass "Mütter" - und vor allem alleinerziehende Mütter - auf dem Arbeitsmarkt schlechte Karten haben, ist auch ein politisches Problem, hat mit einem funktionierenden ÖPNV, intakten Infrastrukturen und vor allem verfügbaren und bezahlbaren Kita-Plätzen zu tun. Ein Thema, bei dem die sächsische CDU nach wie vor auf den Weihnachtsmann wartet.
Handeln ist gefragt, nicht tröten.
Dass sich auch der Wirtschaftsminister Sven Morlok (FDP), freut, ist zwangsläufig. Er zieht den Schluss: „Sachsens Unternehmen halten Kurs und das zeigt sich auch nachhaltig am Arbeitsmarkt. Sachsen setzt sich positiv von der Entwicklung in Ostdeutschland ab.“
Nicht ganz: Sachsen ist jetzt wieder die statistische Nummer 2 im Osten. In den letzten Monaten war das benachbarte Brandenburg vorbeigezogen, schaffte im September übrigens auch den nicht unwichtigen psychologischen Sprung von 10,0 auf 9,9 Prozent Arbeitslosenquote. Der sächsische Sprung von 10,8 auf 9,6 war natürlich größer. Auch deutlich größer als beim Nachbarn Thüringen, wo die Quote von 8,6 auf 8,1 sank.
Für Sachsen bedeutete das immerhin ein Absinken der Arbeitslosenzahl um 11.789. Ein Viertel davon allein in Leipzig, wo im September gleich einmal 2.302 Personen aus der Statistik verschwanden, die Arbeitslosenzahl sank hier offiziell auf 31.995. Die Bundesagentur spricht von "Herbstbelebung". Denn auch in allen anderen Bundesländern fielen die Zahlen. Und das, obwohl die einschlägigen Wahrsager der Umfrageinstitute schon seit Wochen finstere Zeiten für die Konjunktur verheißen.
Ein wenig erklärt Dr. Michael Lange, stellvertretender Geschäftsführer des Jobcenters Leipzig, die deutliche Reduzierung insbesondere der Zahl der arbeitslosen Arbeitslosengeld-II-Empfänger in Leipzig. „Im Bereich des Jobcenters Leipzig ist die Zahl der arbeitslosen Menschen auch im September weiter gesunken, und zwar kräftig. Zum einen sind zahlreiche Jugendliche in eine Berufsausbildung eingemündet oder haben ein Studium aufgenommen. Durch die vielfältigen Vermittlungsaktivitäten meiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter konnten aber auch in der Personengruppe der Langzeitarbeitslosen und der über 50-Jährigen erfreuliche Ergebnisse erzielt werden. Beachtlich sind diese Ergebnisse insbesondere vor dem Hintergrund gesunkener Beschäftigungsmöglichkeiten auf dem 2. Arbeitsmarkt."
Die Zahl der arbeitslosen Arbeitslosengeld-II-Empfänger in Leipzig ist im Monat September auf 26.125 Personen gesunken. Das sind 1.822 Personen weniger als im August dieses Jahres (27.947) und sogar 1.943 weniger als noch vor einem Jahr.
Was dann auch bedeutet, dass die Zahl der Leistungsempfänger nach dem SGB II im Jobcenter Leipzig im September auf 75.916 Personen sank. Im August waren es noch 77.200. Die Männer und Frauen wurden noch in 45.594 Bedarfsgemeinschaften betreut. Im August 2011 waren es noch 46.345.
In allen Personengruppen sanken die Werte. Die Zahl der langzeitarbeitslosen Männer und Frauen ist mit 10.604 um 459 Personen niedriger als im Vormonat und mit –1.397 deutlich geringer als noch vor einem Jahr. Auch die Anzahl der arbeitslosen Personen über 50 Jahre ist mit aktuell 6.709 im Vergleich zum Vormonat um 306 gefallen. Die Zahl der arbeitslosen Frauen (aktuell 11.529) ist um 918 gefallen.
Bei den Jugendlichen unter 25 Jahren (aktuell 2.708) ist im Vergleich zum August ein Abbau der Arbeitslosigkeit um 601 zu verzeichnen.
„Diese Zahlen zeigen, dass die gute Entwicklung keinen Bogen um Ältere und Menschen, die schon längere Zeit keine Arbeit hatten, macht. Die Unternehmen stellen ein und sichern sich damit auch die Fachkräfte für die Zukunft", stellt in diesem Zusammenhang Elke Griese, die Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Leipzig, fest.
Und das ändert natürlich den Fokus auf die Zahlen. Denn einen immer größeren Anteil an dieser Entwicklung hat der zunehmende Mangel an Fachkräften und qualifiziertem Nachwuchs. Und wo seit nunmehr zwei Jahren landesweit deutlich weniger junge Leute in den Arbeitsmarkt strömen, ergibt sich für viele Unternehmen zwangsläufig die Notwendigkeit, auch auf Personengruppen zurückzugreifen, die bisher immer schlechte Vermittlungschancen hatten.
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