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Die ganze Stadt Leipzig in Zahlen: Das LIS ist seit dem 5. Oktober auch für die Öffentlichkeit freigeschaltet

Ralf Julke
Das LIS ist jetzt öffentlich zugänglich.
Das LIS ist jetzt öffentlich zugänglich.
Foto: Ralf Julke
Diesmal ist es keine neue Telefonanlage, keine neue Verwaltungssoftware oder ein neues Bürgerportal, das am Montag, 5. Oktober, online ging. Auch wenn LIS genau so klingt. Irgendwie. Es steht für Leipzig-Informationssystem. Und es ist was für Leute, die alles wissen wollen über Leipzig. Wirklich alles.

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Von der Zahl der Neugeborenen bis zu den angemeldeten Pkw, von den Erwerbstätigen bis zu den Wahlergebnissen. Alles Dinge, die man für gewöhnlich im "Statistischen Jahrbuch" der Stadt findet, einmal im Jahr erscheint das, 250 Seiten dick. Mit allen amtlich gesicherten Zahlen fürs Vorjahr. Das nächste soll in den nächsten Tagen erscheinen. Wieder gedruckt. Denn mancher hat nicht nur gern Papier zum Durchblättern in der Hand - man findet sich in Gedrucktem meistens noch besser zurecht.

Denn - so betont Leipzigs Verwaltungsbürgermeister Andreas Müller (SPD): "Wir befinden uns in einer Übergangsphase." In der Phase vom bedruckten Papier hin zum digitalen Angebot. Die letzten 20 Jahre waren auch ein Lernprozess. Und auch die Ämter der Stadt Leipzig haben gelernt: Der Traum vom voll digitalisierten Rathaus ist zwar ein schöner - aber er kostet auch eine Menge Geld, Zeit und Schweiß. Man kann zwar alle Veröffentlichungen des Amtes für Statistik und Wahlen als PDF ins Internet stellen. Wer will, kann sie sich also herunterladen, anschauen und auch ausdrucken.

Aber richtig arbeiten kann er damit nicht. Und wenn er Daten aus verschiedenen Jahren vergleichen will, weil er Entwicklungen sehen will, muss er gleich mehrere PDF-Hefte öffnen. Und klickt dann hin und her. Praktisch ist das nicht. Auch nicht für die Mitarbeiter des Rathauses, die die Zahlen für ihr Fachgebiet genauso brauchen. Wo soll man denn jetzt neue Kindergärten planen? - Dazu braucht man nicht nur die große allgemeine Geburtenzahl. Man braucht die Geburtenzahlen aus den Ortsteilen. Und das über Jahre.

Schon ist man mitten in einem Kernthema der Stadt. Denn die Förderung von Familien und Kindern gehört zu den strategischen Leitzielen der Stadt. Heißt natürlich im offiziellen Sprachgebrauch nicht so, sondern "Schaffung von Rahmenbedingungen für eine ausgeglichenere Altersstruktur". Was natürlich gute Bedingungen für die Familiengründung und das Kinderkriegen bedeutet. Dazu gehören auch die Schulen. Der Schulentwicklungsplan wird aktuell diskutiert. Und wirklich sinnvoll wird er erst, wenn er mit den richtigen Zahlen aus den Ortsteilen untermauert ist.

Da kann man sich dann im Detail streiten. Nicht, weil die Zahlen nicht stimmen, sondern weil wahrscheinlich die Decke wieder zu kurz sein wird und das Geld nicht für alle Notwendigkeiten reicht.

Wer Leipziger Zahlen sucht, wird im LIS fündig.
Wer Leipziger Zahlen sucht, wird im LIS fündig.
Foto: Ralf Julke

Aber Zahlen sind ein guter Ausgangspunkt. Ohne Zahlen lassen sich nachhaltige Entwicklungen gar nicht sichtbar machen. Und weil man das in der Verwaltung wusste, wurde 2006 beim Umweltforschungszentrum (UfZ) die Entwicklung eines Prototypen für ein kommunales Nachhaltigkeits-Informationssystem in Auftrag gegeben.

Klingt bombastisch. Dabei geht es nur um die nicht unwichtige Frage: Wie macht man all die Zahlen, die die Stadt und insbesondere ihr Statistik-Amt sowieso haben, digital nutzbar? Wie verknüpft man sie? Wie steckt man sie so in eine Datenbank, dass sich aus ihnen jederzeit die gewünschten Tabellen, Zeitreihen und Diagramme generieren lassen? Auf Knopfdruck. In Sekundenschnelle.

Der Prototyp aus dem UfZ zeigte, dass es ging, dass man mit den gewaltigen Datenbeständen, die in den Excel-Tabellen der Computer im Amt für Statistik und Wahlen steckten, genau so umgehen könnte. 2007 fielen dazu die nötigen Entscheidungen. Im Januar fand sich zum ersten Mal eine ämterübergreifende Arbeitsgruppe zusammen, um die Entwicklung eines LIS für Leipzig zu steuern. Aus zehn Ämtern und Einrichtungen kamen die Entsandten. Zwei bis drei Mal im Jahr treffen sie sich bis heute, verrät Lars Kreymann, Sachbearbeiter im Amt für Statistik und Wahlen. Denn: Was am 5. Oktober online ging, wird sich weiterentwickeln. "Wir sind noch nicht am Ende angelangt", verspricht Bürgermeister Andreas Müller.

Im April 2007 gab die Dienstberatung des Oberbürgermeisters Grünes Licht für LIS, im Dezember war das Funktionsmodell gebrauchsfähig. Brauchte man noch eine Software, um die vielen Daten zu managen. DUVA heißt sie und wurde 2009 für 40.000 Euro angeschafft. "Obwohl man die Anschaffung nicht nur für das LIS rechnen kann", sagt Jens Vöckler, Leiter der Abteilung Information im Statistik-Amt. Denn das ganze Amt arbeitet jetzt mit diesem Datenmanagement. Immerhin stecken schon heute über 125.000 Datensätze drin. Und immer wenn neue dazukommen, werden sie aktuell eingepflegt.

Was der Besucher der LIS-Site in einer besonderen Rubrik auch aktuell sehen kann. Denn unter "Veröffentlichungen" findet man nicht nur - wie schon gewohnt, alle Veröffentlichungen des Amtes für Statistik und Wahlen als PDF aufgelistet. Hier gibt es auch einen Link "Aktuelle Jahrbuch-Ausgabe".

Generierte Karte: Zuwanderung nach Leipzig.
Generierte Karte: Zuwanderung nach Leipzig.
Quelle: Stadt Leipzig / Amt für Statistik und Wahlen
Hier kann man das neue Jahrbuch der Stadt Leipzig quasi schon auf dem aktuellsten Stand lesen, bevor es gedruckt wird. "Gedruckt wird es, wenn alle Daten beisammen sind", sagt Ruth Schmidt, die Leiterin des Amtes. Aber viele Daten sind schon vorher da. Und weil sie sofort eingepflegt sind, kommen sie auch sofort in die Tabellen, in denen sie später im gedruckten Jahrbuch erscheinen. Eine Datumsangabe hinter den einzelnen Kapiteln im "Aktuellen Jahrbuch" zeigt, wie frisch die hinterlegten Zahlen sind. Vom 4. Oktober zum Beispiel stammt die Aktualisierung der Kfz-Zahlen in Leipzig.

Was nicht überrascht, ist: Die Zahl der Motorräder hat zum ersten Mal die Zahl 10.000 überschritten. 10.230 Motorräder waren zum 1. Januar in Leipzig registriert. Und so, wie es die letzten sonnigen Tage in Leipzig geknattert hat, werden es im nächsten Jahr noch einmal 1.000 mehr sein.

Wichtig für Zahlen-Sucher ist: Das neue Angebot findet man nicht mehr unter der gewohnten Adresse des Amtes für Statistik und Wahlen unter www.leipzig.de/statistik. Dort gibt es aktuell noch einen Link, der den Besucher weiterführt auf die neue Seite des Leipzig-Informationssystems: statistik.leipzig.de.

Wer einmal da ist, kann nach Herzenslust suchen und kramen. Alle statistischen Daten zur Stadt findet er in der Rubrik "Stadt-Daten", in der Rubrik "Kleinräumige Daten" wird das alles auf Ortsteilebene dargestellt. Und das Aufregende für Leute, die so etwas gern bildhaft vor sich sehen, ist die Möglichkeit, die Tabelle in ein Balkendiagramm oder in eine Stadtkarte umzuwandeln. Und die kann man dann exportieren oder auch gleich drucken und weiternutzen. Was eines der wichtigsten Anliegen des Systems ist - denn wenn jemand ein Buch über Leipzig macht, wissenschaftlich arbeitet oder einen Artikel für die Zeitung schreibt, braucht er oft auch Kartenmaterial oder eindrucksvolle Diagramme. Die kann er jetzt - mit der entsprechenden Quellenangabe - sofort nutzen.

Generierte Karte: Geburten nach Ortsteilen in Leipzig.
Generierte Karte: Geburten nach Ortsteilen in Leipzig.
Quelle: Stadt Leipzig / Amt für Statistik und Wahlen
"Und uns erspart das natürlich viele direkte Nachfragen im Amt", sagt Ruth Schmidt. Was nicht nur Autoren und Journalisten draußen im Lande betrifft, sondern eben auch die Stadtverwaltung. Die kann nämlich schon seit Dezember 2009 im Intranet der Stadtverwaltung auf das LIS zurückgreifen und damit arbeiten und hübsche bunte Grafiken für die eigenen Präsentationen erzeugen. Und da das alles so gut funktioniert, wurde das LIS am gestrigen Mittwoch, 5. Oktober, auch im Internet frei geschaltet.

Und in einigen Ämtern hat man auch schon Vorstellungen, wie es weiter geht. So sollen künftig auch die Fördergebiete im LIS darstellbar werden, so wie im - gedruckten - Fördergebietskatalog. Das Besondere: Sie stimmen meistens nicht mit den Ortsteilgrenzen überein. Was auch auf die Grundschulbezirke zutrifft. Das nächste Thema. Angemeldet ist auch der Wunsch, Zahlen nach dem Monitoring-Ansatz sichtbar zu machen - etwa dem Einzelhandelsmonitoring: Wo verschwinden Geschäfte und Verkaufsflächen, wo kommen neue hinzu?

Viele Daten hat die Stadt ja. Und es ist durchaus die Frage, wie sie auch sinnvoll sichtbar gemacht werden. "Nichts ist schlimmer, als wenn man eine Datenflut hat, die nicht nach einem sinnvollen Ordnungssystem gelesen werden könne", sagt Andreas Müller. Das LIS zeigt jetzt zumindest, was mit den Daten einer Stadt alles angestellt werden kann. Es erleichtert auch die Arbeit im Amt für Statistik und Wahlen, nachdem die letzten drei Jahre eben nicht nur der Programmierung dienten, sondern auch der Fleißarbeit, all die Daten an der richtigen Stelle ins System zu bekommen.

Wer wissen will, wo Leipzig steht, sollte sich die Adresse statistik.leipzig.de merken.


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