Kassensturz: Leipzig hatte schon im Juni über 525.000 Einwohner
Ralf Julke
25.10.2011
Jetzt ist es offiziell: Im Juni hat Leipzig die Zahl von 525.000 Einwohnern überschritten. Damit wurde sogar die vorläufig vom Landesamt für Statistik prognostizierte Zahl von 524.827 übertroffen. Dresden wurde jetzt offiziell mit 524.519 Einwohnern zum 30. Juni gezählt. Hier waren 524.286 prognostiziert worden.
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Woran das liegt, dass die beiden Städte die vorläufigen Zahlen so deutlich übertrafen, werden die Statistiker ganz bestimmt irgendwann verraten. Zu vermuten wäre, dass eine Entwicklung sich in den letzten Jahren deutlich verstärkt hat - die Abwanderung aus den eher ländlichen Regionen in die beiden Leuchtturmstädte des Landes.
Auch wenn das so nicht an Sachsens Autobahnen steht, aber statistisch betrachtet gibt es eine Art "Rette sich, wer kann". Und die Staatsregierung verstärkt den Effekt mit ihrer neuerlichen Planung zu einer weiteren Zentralisierung von Behörden noch. Es ist schlichtweg keine Zukunftsperspektive für junge Leute, die eine Familie gründen und eine zukunftsfähige Existenz aufbauen wollen, wenn im näheren Umkreis die Schulen schließen, die Ärzte fehlen und selbst die Polizeistationen ausgedünnt werden.
Da nutzen auch neue Autobahnzubringer und Gewerbegebiete nichts. Im Gegenteil: Auch die IHKs stellen mittlerweile fest, dass das Problem des Fachkräftemangels zuerst und wesentlich ausgeprägter die Unternehmen in den Landkreisen trifft.
Es ist nicht mehr nur so, dass der in den 1990er Jahren für Städte wie Leipzig geltende Trend der Suburbanisierung, in dem Zehntausende in neue Eigenheimsiedlungen im Speckgürtel der Stadt zogen, sich umgekehrt hat in eine seit 1999 anhaltende Re-Urbanisierung, bei der gerade junge Leute in die attraktiven Gründerzeitviertel der Innenstadt drängen. Es ist eine ausgeprägte innersächsische Wanderungsbewegung aus den Landkreisen in die strukturell besser ausgestatteten Großstädte in Gang gekommen.
Und das 1999 und 2000, als Leipzig zum Wachstum noch 14 Ortsteile eingemeinden musste, noch kaum wahrnehmbar. Bis 2001 überstieg selbst der Saldo aus Sterbefällen und Geburten den zaghaften Wanderungsgewinn in Leipzig. Doch ab 2002 wurde der Wanderungsgewinn in der Leipziger Bevölkerungsstatistik sichtbar - die Bevölkerungszahl stieg von 493.052 auf 494.795 - und von da ab stieg auch merklich und beharrlich die Geburtenzahl. Die Tatsache, dass hauptsächlich junge Leute auf der Suche nach Ausbildungs- und Studienplatz nach Leipzig kamen, machte sich in fröhlichem Babygeschrei deutlich.
2005 - und das ist ja tatsächlich noch nicht lange her - erreichte Leipzig wieder die 500.000-Einwohner-Marke. Verwaltungsbürgermeister Andreas Müller eilte sogar höchstpersönlich in die Geburtsklinik, um das 500.000. Einwohnerlein zu begrüßen.
Zwei Jahre später lebten wieder 510.000 Menschen in der Stadt. Ende 2010 waren es über 522.000. Und dass nun schon im Juni die 525.000 erreicht wurden, zeigt, wie stark der Konzentrationsprozess in Sachsen mittlerweile ist. Damit ist auch die Zahl 530.000 in die Nähe gerückt. So viele Einwohner hatte das - damals flächenmäßig noch etwas kleinere Leipzig - 1989.
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