Kassensturz: Immer weniger junge Leute in Leipzig bleiben ohne Ausbildungsstelle
Redaktion
08.11.2011
Auch die Arbeitsagentur Leipzig bekommt in diesem Jahr deutlich zu spüren, dass sich der Wind auf dem Ausbildungsmarkt gedreht hat. Deutlich weniger Schulabgänger fragen nach Lehrstellen - und die Anzahl an Lehrstellenangeboten aus der Region steigt deswegen rasant.
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3.642 Ausbildung Suchende ließen sich in den zurückliegenden 12 Monaten in der Arbeitsagentur und den Jobcentern registrieren. Das waren 6,1 Prozent weniger als 2010/2009, teilt die Arbeitsagentur Leipzig mit. In diesem Zeitraum waren es noch 3.879 und 2009/2008 sogar 4.845 Schulabgänger, die in eine Ausbildung gehen wollten.
„Die Trends sind sehr eindeutig. Die Bewerberzahlen gingen weiter zurück und die Zahl der Ausbildungsstellen, die die Unternehmen melden, stieg stetig an. Das macht es jungen Leuten einfacher, eine Lehrstelle, aber Firmen schwieriger, einen Lehrling zu finden. Wir merken diese unterschiedlichen Entwicklungen ganz deutlich bei unseren Ausbildungsbörsen im Agenturbezirk. Immer mehr Betriebe und Einrichtungen nehmen daran teil und versuchen, auch auf diese Weise junge Leute als Nachwuchs zu gewinnen. Wir brauchen heute die Unternehmen nicht mehr zu drängen, an den Fachkräftenachwuchs von morgen zu denken. Die Personalentscheider wissen schon seit einiger Zeit selbst sehr genau, dass der Wettbewerb um die künftigen Mitarbeiter in unserer Region längst begonnen hat“, erläutert Hermann Leistner, der Sprecher der Agentur für Arbeit Leipzig.
Insgesamt standen in diesem Jahr 3.782 - davon 3.204 betriebliche - Ausbildungsstellen zur Verfügung. Bei den betrieblichen Lehrstellen war das im Vergleich zum Vorjahr ein Zuwachs von 12,3 Prozent. 2009/2010 waren es 2.854 und 2008/2009 wurden der Arbeitsagentur Leipzig 2.681 Lehrstellen zur Vermittlung gemeldet.
Die einzelnen Geschäftsbereiche des Agenturbezirkes geben ein unterschiedliches Bild ab. So gab es in der Stadt Leipzig für 2.314 Mädchen und Jungen immerhin 2.606 Ausbildungsstellen, im Geschäftsstellenbereich Borna dagegen für 605 Bewerberinnen und Bewerber nur 379 Lehrstellen und in Geithain für 95 Schulabgänger 90 Ausbildungsstellen.
Im Delitzscher Raum konnten 400 junge Leute unter 531 Lehrstellen auswählen, dagegen im Eilenburger Raum gab es für 228 Suchende 176 Angebote. „Aber die Suche nach einer Ausbildungsstelle bleibt natürlich nicht auf den Wohnort beschränkt. Viele sind mobil und auch flexibel und haben neben ihrem Traumberuf auch Alternativen entwickelt“, sagt Leistner.
Die TOP 3 der gesuchten Ausbildungsberufe stimmten mit den TOP 3 der angebotenen Ausbildungsstellen überein. Die meisten wollen Verkäufer/in (291), Kaufmann/frau im Einzelhandel (230) oder Bürokaufmann/frau (216) erlernen und genau diese Berufe, nur in leicht geänderter Reihenfolge, bieten die Unternehmen im Arbeitsagenturbezirk Leipzig auch am häufigsten an. So gab es im zurückliegenden Beratungsjahr von Oktober 2010 bis Ende September 2011 für die Ausbildung zum Kaufmann/frau im Einzelhandel 262, zur Verkäufer/in 191 und zum Bürokaufmann/frau 171 Ausbildungsstellen.
„Das zeigt sehr deutlich, dass die allermeisten jungen Leute sehr realistische Vorstellungen von den Möglichkeiten in der Region haben. Dazu haben sicher auch die vielen Beratungsgespräche unserer Berufsberaterinnen und Berufsberater mit den Jugendlichen und auch ihren Eltern in den Schulen und in der Arbeitsagentur beigetragen“, meint Leistner.
Aber das Angebot zeigt auch, wie dienstleistungsfixiert die Leipziger Wirtschaft noch immer ist - was logischerweise auch Folgen für Karriere- und Einkommensmöglichkeiten hat.
Schaut man sich verschiedene Wirtschaftsbereiche an, so waren von insgesamt 3.782 Ausbildungsstellen 2.246 Dienstleistungsberufe, 1.340 Fertigungsberufe, 104 landwirtschaftliche und 92 weitere Berufe.
Unversorgt mit einer Lehrstelle blieben bis Ende September nur 99 von 3.642 jungen Leuten. Dagegen blieben 232 von 3.782 Ausbildungsstellen unbesetzt.
Seit einigen Wochen hat schon das Beratungsjahr 2011/2012 begonnen.
„Viele große Unternehmen suchen jetzt schon für den Ausbildungsstart 2012 die Bewerberinnen und Bewerber aus. Deshalb rate ich den jungen Leuten, sich sehr gut zu informieren, damit sie den Bewerbungsschluss auf keinen Fall verpassen. Und damit alle für ihre Stärken und Talente den richtigen Ausbildungsberuf besser finden, empfehle ich einen Blick auf unsere Internetseiten unter planet-beruf.de und ich-bin-gut.de und natürlich die Beratung durch unsere Berufsberaterinnen und Berufsberater“, so Leistner.
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