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Kassensturz: Leipzigs Arbeitslosenrate erstmals unter 12 Prozent

Ralf Julke
Der Motor brummt noch, auch wenn die konjunkturellen Zeichen für 2012 gerade eher auf Flaute stehen. In ganz Deutschland sanken auch im Oktober die Arbeitslosenzahlen. Das wirkt sich auch positiv in Sachsen aus. Wurde jüngst erst das Unterschreiten der 10-Prozent-Marke bei der Arbeitslosigkeit gefeiert, entwickelt sich derzeit alles auf die 9 Prozent hin.

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9,4 Prozent verzeichnet die Statistik für Oktober. Im gesamten Freistaat wird an Arbeitskräften rekrutiert, was nur motiviert, jung und flexibel ist. Ob das dann auch auskömmliche Beschäftigungsverhältnisse sind, wird man in anderen Statistiken sehen.

Zwar hängt Westsachsen aus strukturellen Gründen immer ein Stück hinter der sächsischen Entwicklung zurück - aber auch hier melden Arbeitsamt und Jobcenter eine weitere Verbesserung der Lage.

So ist der Landkreis Leipzig von den Zahlen her längst auf sächsischem Niveau, verzeichnete im Oktober mit 13.237 Arbeitslosen eine Quote von 9,3 Prozent. Schon im September waren es 9,5 gewesen. Wenn man um die engen Pendlerverflechtungen mit der Großstadt Leipzig weiß, relativiert sich das natürlich. Es zeigt aber auch, wie stark der Motor der Großstadt aufs Umland wirkt.

Im Landkreis Nordsachsen fiel die Arbeitslosenquote von 10,8 auf 10,7 Prozent. In Leipzig selbst von 12,3 Prozent auf nun erstmals unter 12 - auf 11,8 Prozent.

Das sind dann immer noch 30.866 Erwerbslose, die in Leipzig gezählt werden. Zum Vergleich: Im fast gleich bevölkerungsstarken Dresden sind es 24.355 - was eine Quote von 9,1 Prozent entspricht. Da freilich in den vergangenen Monaten die Reserven der Arbeitsagentur Leipzig, wo im wesentlichen die Empfänger von ALG I betreut werden, stark abgebaut wurden, schlägt sich der Beschäftigungseffekt im Oktober im Jobcenter ebenfalls nieder.

Die Zahl der arbeitslosen Arbeitslosengeld-II-Empfänger ist auf 25.240 Personen gesunken. Das sind 885 Personen weniger als im September dieses Jahres (26.125) und sogar 2.085 weniger als noch vor einem Jahr (27.325).

Alles nur Zahlen. Wenn man die jeweils zum Monatsende ausgelesenen Ziffern mit der Realität auf den Fluren von Arbeitsamt und Jobcenter vergleichen würde, wäre das ein Kommen und Gehen. Dynamik nennt man das. In einer Formulierung der Arbeitsagentur: "Auch im zurückliegenden Monat war die Arbeitslosigkeit sehr dynamisch. Im letzten Monat mussten sich 8.737 (Vormonat 8.870) Menschen im Agenturbezirk arbeitslos melden. Das waren 133 Menschen weniger als im September. Für 10.162 Menschen, das waren 1.805 weniger als im September, endete im zurückliegenden Monat die Arbeitslosigkeit."

Was dann die positive Differenz von 1.129 Personen ausmacht, die sich im Oktober aus der Arbeitslosenstatistik verabschieden konnten. Was dann auch positive Effekte im Jobcenter hat, die sich vielleicht auch einmal positiv im Haushalt der Stadt Leipzig niederschlagen. Von den Zahlen her ist das Jobcenter jetzt ungefähr da, wo OBM Burkhard Jung die damalige ARGE im Jahr 2009 sehen wollte.

„Die Zahl der arbeitslosen Menschen, die durch das Jobcenter Leipzig betreut werden, ist auch im Oktober gesunken. Besonders freuen wir uns über den weiteren Abbau bei den arbeitslosen Jugendlichen und bei den Langzeitarbeitslosen. Wir sehen, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Bei unseren Vermittlungsaktivitäten dürfen wir aber auch in Zukunft nicht locker lassen“, kommentierte Dr. Simone Simon, die Leiterin des Jobcenters, die Zahlen.


In der Stadt Leipzig gibt es insgesamt über beide Rechtskreise SGB III und SGB II hinweg im Vergleich zum Vormonat 1.129 arbeitslose Menschen weniger (- 244 im SGB III und - 885 im SGB II).

In ihrem Verantwortungsbereich sieht es nun so aus: Die Zahl der langzeitarbeitslosen Männer und Frauen ist mit 10.420 um 184 Personen niedriger als im Vormonat. Die Zahl der arbeitslosen Personen über 50 Jahre ist mit aktuell 6.698 im Vergleich zum Vormonat geringfügig um 11 gefallen. Die Zahl der arbeitslosen Frauen (aktuell 11.178) ist um 351 gefallen. Bei den Jugendlichen unter 25 Jahren (aktuell 2.436) ist im Vergleich zum September ein Abbau der Arbeitslosigkeit um 272 zu verzeichnen.

Womit die Zahl der Leistungsempfänger nach dem SGB II im Jobcenter Leipzig auf 74.597 Personen gesunken ist (September 2011: 75.916). Die Männer und Frauen wurden in 45.034 Bedarfsgemeinschaften (September 2011: 45.594) betreut. Unterstützendes Sozialgeld ist an 17.977 Personen (September 2011: 18.132) zur Auszahlung gekommen.

Die Zahlen lassen aber auch ahnen, dass eben doch nicht alle Gruppen gleichermaßen leicht in Beschäftigung kommen. Das merkt diesmal kritisch der DGB Sachsen an.

„Neben der berechtigten Freude über die stabile Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt müssen auch die Probleme auf dem Arbeitsmarkt angegangen werden“, sagt der stellvertretende Vorsitzende des DGB Sachsen, Markus Schlimbach. „Besonders ältere Arbeitnehmer, Schwerbehinderte und Alleinerziehende profitieren nicht von der guten Arbeitsmarktentwicklung. Gegen den allgemeinen Trend steigt die Zahl der arbeitslosen Schwerbehinderten noch an. Bei den älteren Arbeitnehmern im Hartz-IV-Bezug ist sogar ein Anstieg um über 8 Prozent gegenüber dem Vorjahr festzustellen. Die Zahl der arbeitslosen Alleinerziehenden verharrt seit Jahren konstant bei 41.000 Betroffenen."

Letzteres zwar die sächsische Zahl - aber es betrifft immerhin eine Bevölkerungsgruppe, die in der sächsischen Wirtschaft mittlerweile ebenfalls dringend gebraucht wird. Doch es fehlt noch an ausreichenden Einstiegsmodellen. Schlimbach mahnte eine stärkere Qualifizierung von Arbeitslosen an, die auch zu anerkannten Berufsabschlüssen führt: „Jeder vierte Langzeitarbeitslose hat keinen Berufsabschluss. Politik und Arbeitgeber sollten nicht nur über fehlende Fachkräfte jammern, sondern aktiv etwas für die Ausbildung von Arbeitslosen tun."

www.leipzig.de/jobcenter

SGB-II-Kommunikationskampagne „Ich bin gut“: www.jobcenter-ichbingut.de


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