Kassensturz: Neue Einwohnerzahl für Juli - und eine kleine Unschärfeberechnung
Ralf Julke
08.11.2011
Die Zahl sieht hübsch aus: 525.505. Das ist die amtliche Einwohnerzahl für Leipzig im Juli 2011. Stimmt zwar nicht, wie die Statistiker wissen. Aber ist amtlich. Die schöne Messestadt legt an Bevölkerung zu und liegt in der Statistik nun längst wieder deutlich vor Dresden. Das wurde im Juli vom Landesamt für Statistik mit 524.523 Einwohnern vermessen.
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Aber im Frühjahr fand ja auch die große Zählung für den Zensus statt. In den Auswertungsstellen wird jetzt emsig gerechnet. Irgendwann in einem Jahr bekommt das deutsche Volk dann das Ergebnis verkündet, das mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Bevölkerungsschwund ausweist. Zumindest einen statistischen.
Das wird auch für Sachsen und Leipzig sichtbar werden. Peter Dütthorn, in Leipzig für die Zensus-Organisation zuständig, hat da so seine Vermutungen, wo das hingehen könnte. Und die Wahrscheinlichkeit, dass die amtliche Einwohnerzahl auch in Leipzig deutlich nach unten korrigiert wird, ist hoch. Eine Fünf, sagt er, steht dann wohl doch noch vorn. Genau sagen aber, wie stark die Korrektur ausfallen wird, kann er auch noch nicht. Was sich in 20, 30 Jahren an minimalen Fehlern in der amtlichen Zählung zusammenfindet, das kann am Stichtag schon einmal ein paar Tausend gezählte Personen ausmachen.
Zuletzt erlebt 2009/2010, als die Register in Sachsen abgeglichen und bereinigt wurden und rund 4.000 Leipziger, die gar keine mehr waren, aus der Statistik gestrichen wurden. Im Effekt hatte Leipzig kurzzeitig ein paar gezählte Einwohner weniger als die Landeshauptstadt Dresden, die das auch gleich als sportliche Nachricht aussandte.
2012 wird das alles recht lächerlich erscheinen. Da werden beide Städte ein ganzes Stück tiefer neu starten, vermutet Peter Dütthorn. Wie groß der Rechenfehler aktuell ist, könnte der Blick aufs Einwohnermelderegister zeigen, das der wahrscheinlich richtigen Einwohnerzahl deutlich näher kommt. Die Differenz zur vom Landesamt für Statistik für den 31. Dezember 2010 gemeldeten Zahl von 522.883 beträgt mehr als 14.000. 508.775 Leipziger waren zum selben Zeitpunkt offiziell beim Ordnungsamt registriert.
Wenn die Differenz der Wirklichkeit nahe kommt, dann hat Leipzig in diesem Sommer ganz offiziell die 511.000 Einwohner-Marke geschafft. Und da die Stadt ja weiterwächst, wird die 525.000, die richtige 525.000, wohl in den nächsten Jahren trotzdem erreicht. Aber bis zum Herbst 2012 bleibt es ein Vermuten. Was auch auf alle anderen Zahlen aus der sächsischen Statistik zutrifft. Auf die 4.137.047 Einwohner im Freistaat zum Beispiel. Oder die 996.935 Bewohner des Regierungsbezirks Leipzig. Was ja sogar ein Zuwächs wäre zum Dezember 2010, als hier noch 996.516 gezählt wurden.
Was ja bedeuten würde, dass Leipzig mittlerweile schneller wächst als die beiden Landkreise drumherum schrumpfen.
Der Landkreis Leipzig etwa hatte eine leicht Bevölkerungsschrumpfung von 267.410 auf 266.425. Im Landkreis Nordsachsen ging's im ersten Halbjahr von 206.223 auf 205.006. Von einer Parität der kreisfreien Großstadt zu den angegliederten Kreisen ist schon längst nicht mehr die Rede.
Aber wie gesagt: Das sind statistische Zwischenergebnisse mit hohem Unschärfegrad. Vielleicht sollte man in den nächsten Monaten wirklich jedes Mal die 14.108 Einwohner von den amtlichen Zahlen für Leipzig abziehen und ist dann nicht ganz so überrascht, wenn im November 2012 ein Ergebnis ganz in diesem Bereich verkündet wird. Rückwirkend, versteht sich. Denn der Zuwachs an Geburten und die positive Differenz bei der Zuwanderung sind ja da. Der Trend hält an. Mancher nennt das demografische Entwicklung und weiß trotzdem nicht, was das für politische Entscheidungen bedeutet.
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Vielleicht sollte man einigen Politikerinnen einen Wecker zum Geburtstag schenken.
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