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Leipziger Arbeitsmarkt: Kleine Freude im November - vorsichtige Worte zum kommenden Frühjahr

Ralf Julke
29.813 Arbeitslose in Leipzig im November. Im Oktober waren es noch 30.866. „Damit ist die Zahl der Arbeitslosen in der Stadt Leipzig erstmals unter die 30.000er-Marke gesunken. Das ist ein gutes Zeichen. Der bevorstehende Winter wird zwar wieder ein Ansteigen bringen, aber im Frühjahr sollte es gelingen, an diese positive Entwicklung anzuknüpfen“, meint die Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Leipzig, Elke Griese.

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Dreht sich der Leipziger Arbeitsmarkt tatsächlich endlich zum Positiven? Kann die seit 15 Jahren anhaltende hohe Arbeitslosigkeit tatsächlich endlich abgebaut werden? Und damit die Belastung für den städtischen Haushalt?

So ein paar Zweifel äußerte am Mittwoch, als Arbeitsagentur und Jobcenter die neuen Arbeitsmarktzahlen vorstellten, zumindest Dr. Simone Simon, Geschäftsführerin des Leipziger Jobcenters. „Mit den guten Entwicklungen in den vergangen Monaten sind wir insgesamt zufrieden", sagte sie. "Aber ich bin mir sicher, dass es noch weitere Potenziale zur Reduzierung der Arbeitslosenzahlen und der Zahl der Leistungsempfänger gibt. Ich möchte vor allem bei den Arbeitgebern der Region dafür werben, auch den Bürgern eine Chance zu geben, die in der Vergangenheit bei der Stellenbesetzung kaum Berücksichtigung fanden. Hier sind vor allem lebensältere Menschen, Alleinerziehende und Menschen mit Handicap oder Migrationshintergrund gemeint."

Womit sie die Hauptproblemfelder nennt, die seit Jahren den Abbau der hohen Arbeitslosigkeit in Leipzig bremsen. Denn Leipzig hat ein Strukturproblem: Die meisten neuen Arbeitsplätze entstanden und entstehen im Dienstleistungssektor und verlangen in der Regel hochflexibles, mobiles und einsatzbereites Personal. Und das in der Regel für wenig Geld. Das hat mit niedrigen Qualifikationen, wie zuweilen behauptet wird, nicht immer zu tun. Im Verarbeitenden Gewerbe steigt die Zahl der Angestellten seit fünf Jahren auch deshalb nicht, weil der Arbeitskräftebedarf vor allem über Zeitarbeiter gedeckt wird.

Die tauchen statistisch unter "Dienstleistungen" auf. Der Pool der Personen, die bereit sind, hier Feuerwehr zu spielen, ist zwangsläufig begrenzt. Und gerade die von Simone Simon genannten Personenkreise sind nicht wirklich die Aspiranten auf diese Tätigkeiten. Das wird ein Problem für alle Unternehmen, die jetzt merken, dass der Nachwuchs rar wird. Das Problem ist kein faktisches, sondern ein organisatorisches: Wer künftig Leute sucht, muss immer zwangsläufiger gute Rahmenbedingungen für Familien anbieten.

Dass die Zahl der registrierten Arbeitslosen in Leipzig so stark sank im November, hat auch damit zu tun, dass der Bedarf von schnell rekrutierbarem Personal hoch ist. Mittlerweile höher als das Angebot. Die Zahl der von der Arbeitsagentur betreuten flexiblen Arbeitskräfte ist mittlerweile auf 5.380 gesunken. Wie gering diese Zahl tatsächlich ist, zeigt ein Vergleich mit der Dynamik in der Arbeitsvermittlung.

9.952 Personen haben sich im November im gesamten Agenturbezirk arbeitslos gemeldet - gleichzeitig konnten 11.029 in neue Beschäftigung vermittelt werden. Da reicht der Pool der in der Arbeitsagentur gemeldeten Personen natürlich nicht mehr aus. Deswegen profitiert seit ein paar Monaten auch das Jobcenter zunehmend von der stärkeren Nachfrage.

Die Zahl der arbeitslosen Arbeitslosengeld-II-Empfänger ist im Monat November auf 24.433 Personen gesunken. Das sind 807 Personen weniger als im Oktober dieses Jahres (25.240) und sogar 2.273 weniger als noch vor einem Jahr (26.706). Bei insgesamt 1.053 Arbeitslosen, die im November in Leipzig weniger gezählt wurden, kamen immerhin 4 von 5 aus dem Jobcenter.

Leipzig hatte damit übrigens auch sachsenweit den höchsten Abbau bei der Arbeitslosigkeit. Dresden konnte seine Zahl um 594 Personen senken, hat jetzt offiziell 23.761 Arbeitslose, was einer Quote von 8,9 Prozent entspricht. Die sächsische Quote liegt mittlerweile bei 9,4, die Leipziger bei 11,4. Im Oktober lag sie noch bei 11,8. Fast vergessen, dass Leipzig erst in diesem Jahr schaffte, erst unter 13, dann unter 12 Prozent zu kommen.


Doch wenn es um die vom Jobcenter Betreuten geht, zeigt sich auch, welcher Problemberg da tatsächlich über die Jahre angewachsen ist. Denn hier sind ja nicht nur die offiziell Arbeitsfähigen gemeldet. Hier sind auch alle Personen mit registriert, die mit ihnen in den so genannten Bedarfsgemeinschaften leben.

Die Zahl der Leistungsempfänger nach dem SGB II im Jobcenter Leipzig ist von 74.968 im Oktober auf immerhin 73.489 Personen im November gesunken. Sie wurden nun noch in 44.094 Bedarfsgemeinschaften (Oktober 2011: 44.981) betreut.

Dabei zeigt sich im Leipziger Umland eine durchaus andere Entwicklung. Denn während Leipzig selbst im November die Arbeitslosenzahl verringern konnte, gab es in Nordsachsen einen leichten Zuwachs um 157 Personen, im Landkreis Leipzig um 11. Das freilich von einem etwas anderen Niveau aus, denn Nordsachsen hat jetzt eine Arbeitslosenrate von 10,8 Prozent, der Landkreis Leipzig von 9,3 Prozent, was in beiden Fällen auch damit zu tun hat, dass einige Tausend Erwerbstätige aus diesen beiden Kreisen täglich zur Arbeit nach Leipzig einpendeln. Der Jobmotor ist die Kreisfreie Stadt Leipzig. Was dann das nächste Arbeitsfeld ins Spiel bringt: die verkehrlichen Anbindungen ins Umland.

Ein weites Feld. Aber man kann die Aussage von Simone Simon auch als Befürchtung lesen. Denn als Dienstleister profitiert Leipzig derzeit noch von der funktionierenden Weltwirtschaft. Was aber, wenn sich die aufgehäuften Billionen-Schulden der westlichen Staaten tatsächlich als Sand fürs Wirtschaftsgetriebe erweisen? Was passiert dann im Frühjahr? Denn auch das gehört zur Wirtschaftsstruktur in Leipzig: Sie bekommt ihren Sprit vor allem aus dem Export. Nachhaltig auf sich selbst gestellt funktioniert sie noch nicht.

www.jobcenter-ichbingut.de

www.ich-bin-gut.de


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