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Miese Löhne und Millionäre: Jeder dritte Steuerpflichtige in Sachsen erzielte 2007 weniger als 10.000 Euro Einkünfte

Ralf Julke
Zahl der Millionäre wuchs auch in Sachsen.
Zahl der Millionäre wuchs auch in Sachsen.
Foto: Ralf Julke
Ist zwar ein Weilchen her, das Jahr 2007. Aber diesmal sind es nicht die Statistiker, die für das späte Nachreichen der Zahlen verantwortlich sind, sondern die "großzügigen gesetzlichen Abgabefristen für Steuererklärungen" im Lande D. Aber auch so erzählt die Einkommensteuer-Statistik von 2007 eine Menge über miese Löhne in Sachsen und die falschen Maßstäbe in einigen Manager-Köpfen, auch kommunalen.

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Den Namen nennen wir hier nicht. Aber der Mann war ja mit rund 200.000 Euro Einkünften in einem Job als kommunaler Manager in Leipzig nicht nur üppig alimentiert - er gehörte mit dieser Summe zu den 1,8 Prozent der Bestverdienenden im Freistaat Sachsen. Zu dieser Gruppe zählten im Jahr 2007 genau 31.719 Personen. Sie alle zahlten für Einkommen ab 100.000 Euro Einkommenssteuer.

Ob der nicht genannte Manager seine Steuern tatsächlich ordentlich gezahlt hat, wird nur das Finanzamt wissen. Unter den sächsischen Reichen ist der Bursche nicht einmal der reichste. Vielleicht wollte er es ja gern werden. Die Gier ist eine augenscheinlich bis heute nicht gezähmte Todsünde.

Manche von den Spitzenverdienern dieser Gruppe, die immerhin allein 5,5 Milliarden Euro an Einkommen versteuerte und dafür 1,6 Milliarden Euro an die Staatskassen überwiesen, haben sich ihr Einkommen auch über tatsächliche geschäftliche Erfolge erarbeitet. Manche von ihnen sind - auch in Leipzig - definitive Einkommensmillionäre.

Diese sind in Sachsen durchaus noch zu zählen. Das haben die Kamenzer Statistiker getan: "180 sächsische 'Einkommensmillionäre' verfügten über durchschnittlich 1,9 Millionen Euro Einkünfte. Diese wurden mit 36 Prozent steuerlich belastet. Im Vergleich zur letzten Lohn- und Einkommensteuerstatistik 2004 hat sich die Zahl der Steuerpflichtigen mit Einkünften von mindestens 1 Million Euro von ehemals 74 nun mehr als verdoppelt. Etwa jeder zweite 'Einkommensmillionär' lebte 2007 in einer der drei kreisfreien Städte Chemnitz, Dresden oder Leipzig. Bezogen auf die sächsische Bevölkerung gab es 4,3 'Einkommensmillionäre' je 100 000 Einwohner."

Ein paar dieser geschäftlichen Glückspilze leben also auch in Leipzig. Aber die Norm ist so eine Einkommenshöhe nicht. Das zeigt auch jede Bürgerumfrage, in der die Leipziger nach ihren Einkommen gefragt werden. Und das zeigt auch die Auswertung der sächsischen Einkommensteuerstatistik.

Von den rund 4,1 Millionen Einwohnern des Freistaats galten 2007 nur 1,8 Millionen als einkommensteuerpflichtig. Davon bleibt schon nach dem ersten Blick nicht viel übrig. Denn: "Jeder dritte der 1,8 Millionen sächsischen Steuerpflichtigen erzielte 2007 weniger als 10.000 Euro Jahreseinkünfte. Diese waren jedoch weitgehend steuerfrei."

Oder einmal in Zahlen ausgedrückt: Während die oberen 1,8 Prozent 5,5 Milliarden Euro Einkommen versteuerten und 1,6 Milliarden Euro für die Staatskasse beitrugen (was einer durchschnittlichen Belastung von 28,9 Prozent entsprach), hatten die 587.982 Steuerpflichtigen, die weniger als 10.000 Euro Jahreseinkommen hatten, zusammen alle nur ein Einkommen von 2,27 Milliarden Euro. Davon war, weil das ja praktisch alles fürs pure Leben draufgeht, nur eine Summe von 17 Millionen Euro steuerlich veranlagt worden.

Jeder Dritte verdiente nicht mal 10.000 Euro im Jahr.
Jeder Dritte verdiente nicht mal 10.000 Euro im Jahr.
Foto: Ralf Julke

Aber unübersehbar: Für ein Drittel der Steuerpflichtigen waren derartige prekäre Einkommen in Sachsen die Norm. Ein weiteres Drittel (609.863) gab Einkünfte zwischen 10.000 und 25.000 Euro an. Auch hier ist ein großer Teil noch im Bereich von einigen Steuerbefreiungen oder niedrigen Sätzen. Deswegen verdiente diese Gruppe mit 10,2 Milliarden Euro zwar fast das Fünffache der unteren Einkommensgruppe - trug aber auch nur mit 596 Millionen Euro zum Steueraufkommen bei. Was immerhin eine Belastung von 5,8 Prozent im Schnitt war.

Etwas höher veranlagt wurden dann die 404.555 Sachsen, die zwischen 25.000 und 50.000 Euro im Jahr verdienten. Was immerhin einer Einkommenssumme von 14 Milliarden Euro entsprach, die dann mit 1,78 Milliarden Euro besteuert wurde. Steuerbelastung; 12,7 Prozent. Es ist also auch in der sächsischen Steuerstatistik nicht ablesbar, dass die Steuerquoten in Deutschland zu hoch wären. Die immer neu entfachte Diskussion um Steuersenkungen geht weit am tatsächlichen finanziellen Problem der Bundesrepublik vorbei.

Selbst in der nächsthöheren Einkommensgruppe derer, die zwischen 50.000 und 100.000 Euro versteuerten - und das sind etliche Angestellte im mittleren und höheren Staatsdienst in Sachsen, stieg die Steuerbelastung nur auf 19 Prozent. Diese Einkommensgruppe, zu der 148.516 Personen gehörten, hatte immerhin ein Gesamt-Einkommensvolumen von 9,8 Milliarden Euro und führte 1,86 Milliarden an die Finanzkasse ab.

Die Einkommensgruppen ab 25.000 Euro Jahreseinkommen trugen also über 5,2 Milliarden Euro Einkommensteuer zur Gesamtsumme von 5,8 Milliarden bei. Und das sieht, wenn man es von der Spitze der Pyramide aus betrachtet, ja richtig ungerecht aus. Eine Diskussion um Steuersenkungen kann man nur aus dieser Perspektive führen. Es ist eine Neiddiskussion: Warum zahlen die Geringverdiener eigentlich weniger Steuern als die Millionäre?

Man kann auch die sächsischen Normalverdiener vergleichen mit den Leuten, die - zum Beispiel - im Staatsdienst gut verdienen, die Einkommensgruppe von 10.000 bis 25.000 mit der von 50.000 bis 100.000. Die einen tragen 596 Millionen Euro zum Steueraufkommen bei, die anderen 1,86 Milliarden.

In der ersten Gruppe behielten die Steuerpflichtigen im Schnitt 15.810 Euro Jahresverdienst zurück, von dem sie dann ihre Sozialbeiträge, Versicherungen, Mieten und täglichen Einkäufe finanzieren konnten.

In der anderen Gruppe, die auch gern mal über die schreckliche Steuerlast stöhnt, behielten die Steuerpflichtigen im Schnitt 53.536 Euro Jahreseinkommen für sich.

Vielleicht sollte man künftig, wenn wieder einer der großen Malocher Steuersenkungen verlangt, einfach fragen, was er auf seinem Gehaltszettel stehen hat - und bei wem er eigentlich arbeitet.

Aber Gehälter gehören ja in Deutschland, wie man weiß, zu den großen Geheimnissen. Was auch dazu führt, dass alle, die über gerechte Bezahlung nachdenken im Land, im Dunkeln tappen. Dass so miserable Bezahlungen, wie sie ein Drittel der steuerpflichtigen Sachsen erhielten, aber keineswegs zu Wohlstand und selbstbestimmtem Leben beitragen, ist eigentlich einleuchtend.


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