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Kassensturz: Teuerungen 2011 treffen besonders junge Familien

Ralf Julke
"2011 bleibt ein teures Jahr für die Verbraucher!" schreiben Sachsens Statistiker zum Jahresfinale. "Zum Jahresende erhöhten sich die sächsischen Verbraucherpreise saisontypisch um 0,7 Prozent und lagen damit 2,2 Prozent über denen des Vorjahres." 2,2 Prozent sind eigentlich - auf die letzten zehn Jahre betrachtet - eine ganz normale Teuerungsrate.

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Sie wirkt sich nur heftig aus, weil sie wichtige Dinge des täglichen Bedarfs richtig teuer macht. Ohne dass die meisten Sachsen dafür irgendwo auf ihrem Konto einen winzigen Puffer haben. Die Einkommen wachsen längst nicht so schnell wie die Inflation. Leipziger Einkommenszahlen für 2010 und 2011 liegen zwar noch nicht vor. Aber der Trend ist auch schon an der Spanne von 2005 bis 2009 ablesbar. Da stiegen die durchschnittlichen Einkommen der Leipziger von 14.538 auf 15.157 Euro im Jahr, also um 4,3 Prozent. Jedes Jahr also um ein rundes Prozent.

Die Verbraucherpreise aber stiegen im selben Zeitraum um 8,1 Prozent - praktisch das Doppelte - an. Besonders die Energiepreise sorgten dafür, dass das tägliche Leben spürbar teurer wurde. Mit dem Ausbruch der Weltfinanzkrise wurde der Trend zwar gedämpft, weil dadurch auch die Ölpreise wieder sanken.

Aber mit der Erholung der Weltwirtschaft ab 2010 sind auch die Verbraucherpreise wieder in ihren üblichen Aufwärtstrend eingestiegen. Seit 2005 haben sie nunmehr 13,3 Prozent zugelegt.

Und dabei geht es gar nicht um die kleinen saisonalen Ausschläge, die das statistische Landesamt auch diesmal wieder hervorhebt: "Erwartungsgemäß musste man für Weihnachts- und Silvesterreisen (19,8 Prozent) deutlich tiefer als für Reisen im November in die Tasche greifen. Auch die 'Anmietung einer Ferienwohnung' (67,4 Prozent) oder die Buchung eines 'Flugtickets' (4,8 Prozent) belastete die Haushaltskasse." Das sind alles Dinge, die sich ein Großteil der Sachsen von ihren Alimenten gar nicht mehr leisten können.

Die fangen nämlich schon an zu rechnen, wenn sie Oma Erna in Mutzschen oder Ilmenau besuchen wollen. Denn während sie selbst im Geldbeutel keinen Cent mehr haben als vor einem Jahr, hat die Deutsche Bahn mit frechem Hinweis auf die inflationären Preise ihrerseits Inflation gespielt. Das Landesamt dazu: "Infolge der neuen Bahntarife verteuerte sich dieser Transportweg im Schnitt um vier Prozent." Das ist - wie man sieht - etwa das doppelte der Inflationsrate. Was natürlich insbesondere mit den Treibstoffpreisen zu tun hat. Wenn die Weltwirtschaft brummt, schluckt sie Öl. Das macht den Brennstoff immer teurer.

Auch wenn das Landesamt für Statistik im Dezember von "leichten Entspannungen" spricht: "Leichte Entspannungen zeigten sich dagegen an den sächsischen Tankstellen, da sowohl 'Super' (-1,3 Prozent) als auch 'Diesel' (-2,3 Prozent) günstiger wurden." Das sind - das muss gesagt sein - die leichten Entspannungen gegenüber dem November 2011. Tatsächlich ist das Zeug, das man sich so in den Tank des Autos füllt, übers Jahr um 4,3 Prozent teurer geworden. Und damit im Schnitt so teuer wie zum Ausbruch der Krise 2008. Wie singt doch Frank Schöbel in einem seiner beschwingten Lieder? - "Man kann sich dran gewöhnen ..."

Kann man natürlich nicht. Denn der so genannte "Peak Oil", an dem die weltweite Ölfördermenge nicht mehr gesteigert werden kann, liegt hinter uns, liegt - nach verschiedenen Betrachtungen der Förderstatistiken - entweder im Jahr 2006 oder im Jahr 2008. Die Welt wirtschaftet jetzt also an den Grenzen des Förderbaren. Und diese Grenzen sind mittlerweile draußen in der Tiefsee - was dann zu immer folgenschwereren Ölkatastrophen bei Tiefseebohrungen führt. Wie 2010 im Golf von Mexiko. Man hat es fast schon vergessen. 2011 listet Wikipedia die von den chinesischen Medien mehr oder weniger kleingeschriebene Katastrophe in der Bohaisee im Gelben Meer auf. Im November 2011 fand dann die Ölkatastrophe vor der brasilianischen Küste statt. Die Bedingungen, unter denen Öl gefördert wird, verschärfen sich zusehends - mit immer größeren Risiken und entsprechend großen Umweltschäden. Auch das wird Kraftstoff in den nächsten Jahren immer teurer machen. Die Zeit des Benzintankens geht unweigerlich zu Ende.

Die Statistiker sahen auf die Preisentwicklung freilich eher mit einem weihnachtlichen Blick. Der Gabentisch stand bei ihnen im Fokus der Betrachtung. "Für den Gabentisch empfahlen sich besonders Artikel aus dem Bereich 'Bekleidung und Schuhe' (-1,1 Prozent), da die Händler aufgrund des ausbleibenden Winters bereits mit tollen Schnäppchen lockten. Angebote gab es zudem bei 'fotografischen und IT-Geräten' (-0,3 Prozent), 'Spielen, Spielzeug und Hobbywaren' (-1,3 Prozent), nicht jedoch bei 'Büchern' (0,6 Prozent) oder 'Schmuck und Uhren' (0,6 Prozent)."


Und nicht nur das Öl war Preistreiber. Auch die sächsische Regierung hat sich 2011 als Preistreiber entpuppt. Sie redet zwar gern von Einsparungen. Aber so richtig hat aus der Staatsministerriege noch keiner begriffen, dass Kosten nicht einfach verschwinden, wenn ein forscher Minister oder eine gehorsame Ministerin sie einfach aus seinem oder ihrem Budget streicht und dann in die Welt hinaus posaunt, wie sparsam er oder sie sind.

Denn: "Den stärksten Anstieg verzeichnete die Hauptgruppe 'Bildungswesen' (14,0 Prozent) aufgrund des Wegfalls des kostenlosen Vorschuljahres." Und weil der Freistaat seine Beiträge zu den Nebenkosten der Kitas schon seit Jahren eingefroren hat, gehen auch diese Steigerungen ungepuffert in die Zahlungsverpflichtung der Kommunen und der betroffenen Eltern. Was dann in Leipzig zur geplanten Erhöhung der Elternbeiträge geführt hat - mit entsprechenden Protesten der Eltern vorm Rathaus. Ist nur dummerweise immer wieder die falsche Adresse. Der Kostentreiber sitzt in Dresden.

Für viele der jungen Eltern sind die Steigerungen existenziell. Denn sie haben ja auch all die anderen Kostensteigerungen im täglichen Bedarf zu verkraften.

„Bekleidung und Schuhe“ wurden übers Jahr um 4,2 Prozent teurer. Das ist eine Menge Holz, wenn die Kinder wachsen.

Kraftstoffe wurden schon erwähnt - auch das geht ins Geld, wenn der Kita-Platz nur am anderen Ende der Stadt gefunden wird.

Haushaltsenergie wurde seit letztem Weihnachten um 8,1 Prozent teurer - darunter Strom um 4,6 Prozent, Gas um 6,9 Prozent, Heizöl um 15,9 Prozent. Da werden sich eine Menge Eltern hüten, den Kindern auch noch stromfressende Spielzeuge zu schenken.

An anderer Stelle einsparen kann man das Geld ja nicht. Auch die Nahrungsmittel wurden übers Jahr um 2,6 Prozent teurer. Darunter Fleischwaren: plus 5,6 Prozent. Fische und Fischwaren: plus 5,2 Prozent.

Kleiner Lichtblick: Obst wurde in diesem Jahr um 1,5 Prozent billiger, Gemüse um 12,8 Prozent. Was Vater und Mutter wenig tröstet. Denn seit 2005 ist beides trotzdem um 21,4 bzw. 26,6 Prozent teurer geworden. Aber nicht alles Gemüse ist wieder billiger geworden. Möhren wurden um 18 Prozent teurer. Selbst für Apfelsaft legt man 14 Prozent mehr hin. Dass Gurken, Zucchini, Zitronen und Tomaten dafür etwas billiger wurden - vielleicht tröstet das die figurbewusste Mama. Papa wird sich eher die Augen reiben, denn Bohnenkaffee wurde in diesem Jahr um 18 Prozent teurer. Auch das zum Teil eine Folge des brummenden Weltmarktes - dann steigt in den arbeitsamen Nationen nämlich die Nachfrage nach dem Muntermacher, während die Anbauflächen keineswegs mitwachsen.

Preiswerter wurden hingegen die Geräte der modernen Kommunikation: Software für den Computer um 17 Prozent, Notebooks und Fernsehgeräte um 16 Prozent und Mobilfunkgeräte (Handys) ohne Vertrag um 14 Prozent. Aber wie man hört, will China ja die Preise für seltene Erden erhöhen. Damit wird die ganze Elektronik zum nächsten Weihnachtsfest wieder teurer.


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