Kassensturz: Verwendung klimawirksamer Stoffe in Sachsen zog 2010 deutlich an
Ralf Julke
27.12.2011
Selbst in der Umweltbilanz des Freistaats Sachsen bildet sich ab, wenn bestimmte Industriezweige ihre Produktion aufdrehen - oder drosseln. Das betrifft nicht nur das klimawirksame Kohlendioxid (CO2), sondern auch ein paar andere klimawirksame Stoffe. Am 23. Dezember gab das Landesamt für Statistik dafür die Bilanz für 2010 bekannt, das erste Jahr nach dem Krisenloch.
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532,1 Tonnen klimawirksame Stoffe wurden danach 2010 durch die sächsischen Unternehmen im Rahmen ihrer wirtschaftlichen Tätigkeit verwendet. Mehr als in den Vorjahren. Unübersehbar war die Delle, die die Finanzkrise 2008/2009 verursacht hatte. Eine Krise, die eben auch eine Absatzkrise war.
Nachdem in den beiden letzten Jahren ein deutlicher Rückgang der Verwendungsmenge zu verzeichnen war, lag die Menge der verwendeten klimawirksamen Stoffe 2010 rund ein Viertel über der des Vorjahres. 2009 waren es noch 424,9 Tonnen gewesen.
Diese Entwicklung wurde durch die deutlich stärkere Verwendung von Stoffen der Stoffgruppe FKW und H-FKW bestimmt. Dahinter verbergen sich Fluorkohlenwasserstoffe (FKW) und teilhalogenisierte Fluorkohlenwasserstoffe (H-FKW). Mit einem Verbrauch von insgesamt 382,1 Tonnen war das die bisher größte Verwendungsmenge seit 1998.
Dem gegenüber stand der wesentlich verminderte Einsatz chlorfreier Stoffersatzgemische mit ähnlichen Eigenschaften (Blends). Hiervon kamen 2010 im Vergleich zum Vorjahr 21,3 Tonnen weniger zum Einsatz.
Nach Mitteilung des Statistischen Landesamtes kam der mengenmäßige Hauptanteil der Verwendungsmenge (433,1 Tonnen = rund 81 Prozent) als Kältemittel zum Einsatz. Der höchste Verbrauch fiel dabei bei der Erstbefüllung von Autoklimaanlagen im Wirtschaftszweig „Herstellung von Kraftwagen und -motoren“ an (199,3 Tonnen). Gegenüber dem Vorjahr wurden in diesem Wirtschaftszweig rund 39 Prozent mehr bestimmte klimawirksame Stoffe verwendet. Mehr Autos für die Welt bedeutet eben auch - mehr Kältemittel in den eingebauten Klimaanlagen.
21,9 Prozent (94,9 Tonnen) der insgesamt verwendeten Kältemittel wurden bei Instandhaltungs- und Wartungsarbeiten in bestehenden Anlagen nachgefüllt, um einen vorausgegangenen Kältemittelverlust auszugleichen. Gute Frage: Wohin sind sie entwichen?
Das Statistische Landesamt: "Klimawirksame Stoffe fördern den Treibhauseffekt. Da sich die verwendeten Stoffe größtenteils in geschlossenen Systemen befinden, tritt eine Schädigung der Umwelt nur im Falle ihrer Freisetzung in die Atmosphäre auf." Da aber allein 94,9 Tonnen nachgefüllt wurden, "um einen vorausgegangenen Kältemittelverlust auszugleichen", ist also mindestens diese Menge auch freigesetzt worden. Und wohin die klimawirksamen Kältemittel entschwinden, wenn die in Sachsen gebauten Autos den Weg alles Irdischen gehen, darf ebenso gefragt werden.
Bei einer fachgerechten Entsorgung wird auch das Kältemittel abgesaugt. Der Verkehrsclub Deutschland geht aber davon aus, dass sich 10 Prozent der Kältemittel jedes Jahr durch Unfälle, Undichtigkeiten und unsachgemäße Verschrottung in die Atmosphäre verflüchtigen.
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