Große Befragung "Jugend in Leipzig" (3): Über Zukunftsängste, finanzielle Sorgen und Ärger in der Partnerschaft
Ralf Julke
06.03.2012
Broschüre "Jugend in Leipzig".
Foto: Ralf Julke
Junge Leute schlagen sich mit allerlei Problemen herum. Probleme gehören zum Leben. Das ändert sich auch jenseits des 27. Lebensjahres nicht. Dass finanzielle Probleme das ganze Leben dominieren, ist dagegen so normal nicht. Irgendwann sollten junge Leute auf eine gesicherte Einkommensbasis kommen. Aber wann nur?
Anzeige
Dass 13 Prozent der 12- bis 17-Jährigen in Leipzig finanzielle Probleme haben, man kann es noch verstehen. Auch wer jung ist hat Wünsche. Und nicht alle kann man sich mit 33 Euro Taschengeld im Monat erfüllen. Das ist der Leipziger Durchschnitt. So hat es die Befragung „Jugend in Leipzig“ ergeben. Jungen bekommen durchschnittlich 34, Mädchen 32 Euro. Jüngere Schüler bekommen weniger, ältere etwas mehr. Gymnasiasten bekommen sogar durchschnittlich etwas weniger als Mittelschüler. In der 10. Klasse beträgt die Differenz sogar 30 Euro zu 43 Euro.
Woran das liegt, darüber kann auch der Sozialbürgermeister nur rätseln. Denn weniger Wünsche als ihre Altersgenossen haben die Gymnasiasten garantiert nicht. Vielleicht, so vermutet Thomas Fabian, werden sie von ihren Eltern nur zu etwas mehr Eigenverantwortung angehalten. Und suchen sich öfter einen Job, um sich das Geld selbst zu verdienen, das sie für Hobby und Freizeit brauchen. Bis zur 10. Klasse verdienen zwar Mittelschüler sichtlich mehr in solchen Jobs als Gymnasiasten - danach aber springen die eigenen Verdienste der Gymnasiasten deutlich in die Höhe. Was besonders auffällt: Kinder, deren Eltern beide Vollzeit arbeiten, haben mit 72 Euro im Monat deutlich höhere Verdienste als Kinder mit nur einem Elternteil in Vollzeit (51 Euro) oder mit Eltern, die überhaupt nicht Vollzeit arbeiten (30 Euro). Das sind alles Durchschnittsergebnisse aus der Befragung, doch sie lassen ahnen, dass die wirtschaftliche Situation im Elternhaus auch schon früh das Verständnis der jungen Leute für selbstverantwortliches Handeln prägt.
Sozialbürgermeister Thomas Fabian.
Foto: Ralf Julke
Was noch nicht bedeutet, dass sie ihr Schicksal souverän meistern. Im Gegenteil: Die Jugend bleibt auch im 21. Jahrhundert eine Zeit der Ungewissheit und der Unsicherheiten. Mittelschüler sind genauso häufig von Zukunftsängsten geplagt wie Gymnasiasten (25 bzw. 26 %), Berufsschüler mit 40 Prozent freilich deutlich häufiger.
Und das Erstaunliche: Die Zukunftsangst wächst sogar noch mit höherem Alter, erreicht bei den 18- bis 21-Jährigen mit 39 % ihren Höhepunkt und lässt danach nicht wirklich nach. Auch die 25- bis 27-Jährigen sind noch zu 34 Prozent von Zukunftsangst geplagt. Und das kann durchaus ein Maß sein für die Unsicherheit des ganz speziellen Leipziger Arbeitsmarktes - oder für das Ergebnis von 30 Jahren "Liberalisierung" des Arbeitsmarktes in ganz Deutschland, was gerade für junge Leute lange Zeiten der Unsicherheit, der Jobsuche und der finanziellen Armut bedeutet.
Dass 43 Prozent der 19- bis 21-Jährigen von finanziellen Problemen bedrängt werden, kann man noch verstehen. Viele von ihnen stecken ja noch in Ausbildung und Studium, versuchen aber trotzdem schon, sich einen eigenen Hausstand aufzubauen. Aber dass auch die 22- bis 24-Jährigen und die 25- bis 27-Jährigen zu 41 bzw. 40 Prozent angeben, von finanziellen Problemen bedrängt zu werden, das hat eine Menge mit miserablen Einstiegschancen ins Berufsleben zu tun.
Broschüre "Jugend in Leipzig".
Foto: Ralf Julke
Wenig bis nichts hat es mit den üblichen Ursachen zu tun, die gern genannt werden, wenn es um Jugendprobleme in Deutschland geht. Mit Polizei und Gericht haben nur 6 Prozent der über 22-Jährigen zu tun. Ärger in der Partnerschaft haben dafür 28 bis 30 Prozent. Aber auch das wäre ein trügerisches Bild, würde hier eine himmlische Null auftauchen. Auffällig ist nur, dass die Probleme mit Partnerschaften zunehmen, je niedriger der Schulabschluss ist.
Aber die Frage können auch die Statistiker in dieser Auswertung nicht wirklich beantworten: Ist hier der Bildungsgrad ausschlaggebend? Oder doch wieder das eigentliche Problem jedes Wirtschaftsunternehmens, und eine Familie ist ja eines: das der finanziellen Ausstattung? Und in vielen jungen Familien ist sie miserabel.
Und die Vermutung liegt nahe, dass mies bezahlte Jobs, prekäre Beschäftigungen, familienfeindliche Einsatz- und Arbeitszeiten und was der modernen Erfindungen von "Mobilität und Flexibilität" noch so sind, nicht nur Familiengründungen erschweren, sondern auch Partnerschaften negativ beeinflussen.
Junge Leute mit Hauptschulabschluss klagen zu 79 Prozent über finanzielle Probleme, bei jungen Leute mit Realschulabschluss sind es 54 Prozent. Aber auch bei jungen Leuten, die ihr Studium abgeschlossen haben, sind es noch 28 Prozent.
Was zumindest deutlich macht, dass auch jenseits des Schulabschlusses nicht alles so ist, wie es sein müsste, wenn diese Gesellschaft tatsächlich Wert auf intakte Familien, saubere Einstiege ins Berufsleben und starke Eltern mit selbstbewussten Kindern legen würde. Entsprechend gebrochen sind für einen Großteil der jungen Leute eben nicht nur die Bildungsbiografien, sondern auch die frühen Erwerbsbiografien.
Die Befragung lieferte auch neue Zahlen zum Drogenkonsum - auch dem der legalen Drogen Alkohol und Nikotin - und zur Freizeitbeschäftigung der jungen Leute. Mit zwei durchaus positiven Botschaften: Es wird weniger geraucht. Und es wird mehr gelesen.
Der Bericht "Jugend in Leipzig" is541t für 15 Euro (bei Versand zuzüglich Versandgebühr) erhältlich beim Amt für Statistik und Wahlen und steht kostenfrei zum Download auf www.leipzig.de/statistik unter der Rubrik „Veröffentlichungen“ zur Verfügung.
Postbezug: Stadt Leipzig, Amt für Statistik und Wahlen, 04092 Leipzig; Direktbezug: Stadt Leipzig, Amt für Statistik und Wahlen, Burgplatz 1,Stadthaus, Zi. 228
Diese emotionale Aufwallung schaffte es längst zum Klassiker im reichlich gefüllten, goldenen Spruchbeutel der City-Tunnel-Prosa: "Ich will die Milliarde nicht sehen!", entfuhr es Ende der 1990er Jahre dem damaligen Sächsischen Staatsminister für Wirtschaft und Arbeit, Kajo Schommer. Gemeint war, die geplante Investitionssumme für den City-Tunnel auf eine Milliarde zu begrenzen - D-Mark, wohlgemerkt, denn in einer anderen Währung rechnete damals auch ein Mitglied des Dresdner Kabinetts nicht. mehr…
Am Freitag, dem 24. Mai um 20:15 Uhr, ist der Bestsellerautor Martin Walker bei Lehmanns Media zu Gast und liest aus seinem aktuellen Bruno-Krimi „Femme Fatale“. Der im französischen Périgord lebende Ire ist nicht nur Schriftsteller, Historiker und politischer Journalist („The Guardian“), sondern auch ein sehr, sehr sympathischer Zeitgenosse und Medienliebling. mehr…
Am Sonntag, den 26. Mai um 10 Uhr wird es während des beliebten Familienfrühstücksbuffets im Unikatum Kindermuseum spannend, denn Museumsmitarbeiterin Annekatrin Naumann möchte die Gäste ab 4 Jahren zu Zeitjägern machen und sie mit auf eine aufregende Schatzsuche durch die aktuelle Ausstellung „Ach du liebe Zeit!“ und den Hofgarten nehmen. mehr…
Der letzte Rundgang der Reihe „Sanierungs- und Fördergebiete“ des Stadtforums Leipzig findet am Montag, 27. Mai, um 17:30 Uhr am Platz der Biedermannstraße/Ecke Bornaische Straße, gegenüber der Litfaßsäule, statt. Es handelt sich um einen Rundgang durch das Sanierungsgebiet Connewitz, mit Standpunkten an der Biedermannstraße und Auerbachstraße, dem Herderplatz und Kronengarten sowie den Stadthäusern Hermannstraße. mehr…
Am Sonntag, 26. Mai, ist um 19 Uhr in der Kirche Panitzsch eine musikalische Annäherung an die romantischen Kompositionen Richard Wagners aus der Richtung des Jazz zu erleben. Unter dem Motto „Wagner in Jazz“ hat Stephan König anlässlich des 200. Geburtstages von Wagner musikalische Themen aus Wagner-Opern für sein Jazz-Trio bearbeitet. mehr…
Im Rahmen der Festwoche "150 Jahre SPD" macht die Dialog-Box der SPD in Leipzig in der Petersstraße, Höhe Hugendubel, Station. Neben der Bewerbung der Veranstaltungen rund um die Festwoche "150 Jahre SPD" möchte die SPD Leipzig die Dialog-Box nutzen, um mit den Leipzigerinnen und Leipzigern zu verschiedenen Themen ins Gespräch zu kommen. Der Dienstag, 21. Mai, steht dabei ganz im Zeichen der europäischen Bürgerinitiative "Wasser ist Menschenrecht". mehr…
Ein Vortrag am Mittwoch, dem 22. Mai, 19 Uhr, im Ariowitschhaus, Hinrichsenstr. 14, beleuchtet das Verhältnis Martin Luthers zu den Juden. Referent dieser Veranstaltung der Jüdisch-Christlichen Arbeitsgemeinschaft ist Professor Martin Steinhäuser. mehr…
Mit Krebs ist nicht zu spaßen. Krebs ist kein Spaß. Vielleicht ist die moderne Zivilisationskrankheit Krebs die Kehrseite unserer Spaßgesellschaft. Die keine spaßige ist, auch wenn sie alles, was wichtig ist, in einen Spaß zu verwandeln scheint. Nicht nur Regina Rose fragt wohl zu recht, welche Rolle unsere moderne Lebensart für die Ausbreitung der "Volkskrankheit" Krebs hat. mehr…
Es gab ja in letzter Zeit einige verächtliche Bemerkungen von gut bezahlten Politikern gegenüber Bürgern, die auf verschiedene Weise versuchen, ihre Interessen in politische Entscheidungsprozesse einzubringen. "Wutbürger" war so ein arroganter Begriff. Dabei können selbst Großprojekte sinnvoller, nachhaltiger und vor allem zielführender geraten, wenn Politik frühzeitig die Diskussion mit den Betroffenen sucht. Das ist bei den Planungen zur neuen B 87 sogar passiert. mehr…
Am 9. Mai verfügte das Leipziger Umweltdezernat eine Sperrung des Floßgrabens für den Bootsverkehr. Nur noch zu bestimmten Zeiten am Wochenende dürfen Boote den Floßgraben passieren, in dem der seltene Eisvogel brütet. Doch nicht nur die erste Ausnahmeverfügung für eine Bootstouranbieter sorgt für Unmut. Besonders betroffen zeigt sich der Sächsische Kanuverband. In einer Stellungnahme fordert er einen völlig anderen Umgang mit dem sensiblen Gewässer. mehr…
Wie die Polizeidirektion Leipzig in einer gemeinsamen Mitteilung mit der Staatsanwaltschaft übermittelte, wurde am gestrigen 19. Mai gegen 20 Uhr „ein Mann tot im Gleisbett aufgefunden.“ Ort des Fundes war der Bahnhof Leipzig-Leutzsch am Ritterschlösschen in der Gustav-Esche-Straße. Da eine Straftat in solchen Fällen nie ausgeschlossen werden kann, haben auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft die Untersuchungen der Rechtsmedizin begonnen. mehr…
Erst mal großes Tamtam, dann Stille am Wasser. Im Beisein von Umweltminister Frank Kupfer wurde am Samstag, 18. Mai, die Kanupark-Schleuse zwischen dem Markkleeberger und Störmthaler See im Leipziger Neuseenland offiziell freigegeben. „Nach zwei Jahren Bauzeit können wir heute einen wichtigen Schritt zur wassertouristischen Erschließung des Leipziger Neuseenlandes tun“, sagte Frank Kupfer. Er war extra an Bord der "MS Wachau" gestiegen, die künftig die Schleuse Richtung Störmthaler See befahren darf. mehr…
Mieten sind ja ein Thema, das langsam prickelnd wird in Leipzig. Wenn eine Stadt attraktiv ist, füllt sie sich nicht nur mit Bewohnern, auch Mieten und Bauen werden wieder lukrativ. Und wo das Angebot knapp wird, steigen die Mieten. Das ist in Leipzig bislang nur punktuell der Fall, auch wenn einige Spieler auf dem Markt etwas Anderes erzählen. Aber diese Punkte sind natürlich interessant. Auch wer Gewerberaum sucht, muss auf die konkrete Lage achten. mehr…
Am 22. April gab es nicht nur eine Einwohneranfrage - sondern gleich ein ganzes Bündel. Zeichen auch dafür, dass in der Leipziger Politik vieles gar nicht so klar ist, wie es sich die Akteure wohl denken. Eines der diffusesten Themen ist der Fluglärm. Auch nachts dröhnen die Flugmaschinen über Leipziger Stadtgebiet. Und keiner scheint zu wissen, warum sie das tun. Die "kurze Südabkurvung" soll's nach offizieller Auskunft nicht sein. mehr…
Das jährliche Kolloquium "Neue Forschungen zur ägyptischen Kultur und Geschichte" versammelt am Donnerstag, 23. Mai, Nachwuchswissenschaftler und gestandene Forscher der Universitäten, ägyptischen Museen und Akademien von Leipzig und Berlin zum Austausch über aktuelle Erkenntnisse und Fortschritte von Projekten. Zu der zum 42. Mal stattfindenden Veranstaltung (seit 1971) findet als Festvortrag die 24. Siegfried-Morenz-Gedächtnis-Vorlesung statt. mehr…