Cross-Border-Leasing-Geschäfte: Leipzig bangt mit AIG
Ralf Julke
04.03.2009
Bettina Kudla.
Foto: Ralf Julke
Nicht nur die Steuereinnahmen 2009 bereiten Leipzigs Finanzbürgermeisterin Bettina Kudla derzeit Sorgen, denn wie sie nicht – wie prognostiziert – fließen, gerät so einiges im jüngst verabschiedeten Haushalt der Stadt in Schieflage. Jetzt sorgen die Cross-Boarder-Leasing-Geschäfte zusätzlich für Nervenkitzel.
Anzeige
Geschäfte, die im Leipziger Finanzgeflecht jahrelang eher im Dunkeln vor sich hindämmerten. Doch mit der drohenden Pleite des us-amerikanischen Versicherers AIG hätte auch Leipzig – wie hunderte andere Kommunen in Deutschland – auf einmal richtig Ärger mit seinen um 2000 getätigten Cross-Boarder-Leasings. Denn AIG spielte eine zentrale Rolle bei den Geschäften, mit denen bis 2003 Messehallen und Straßenbahngleise an US-Investoren verleast und sofort wieder zurück gepachtet wurden, um in den USA Steuervorteile einzustreichen.
Kommunen wie Leipzig konnten dadurch einen Steuervorteil aus den Vereinigten Staaten abschöpfen. „Hierdurch bot sich den Kommunen die Chance erhebliche Millionenbeträge für die kommunalen Unternehmen zu generieren“, erklärt Bettina Kudla das Modell. „Infrastruktureinrichtungen haben selbstverständlich einen erheblichen Wert und das ist der Grund für die hohen Vertragsvolumina bei diesen Geschäften.“
Besonders rührig beim Einfädeln der CBL-Verträge war Leipzigs damaliger Finanzbürgermeister Peter Kaminski.
Cross Boarder Leasing: Stürzt das Finanzkonstrukt jetzt ein?
Foto: Ralf Julke
Welche Zeitbombe da tickte, war den Verantwortlichen sehr wohl bekannt. Nicht ohne Grund zog der Freistaat Sachsen 2003 die Bremse, als die CBL-Freude in den finanziell klammen Kommunen überzusprudeln drohte. Von 15 sächsischen CBL-Geschäften hat Leipzig – ab 1999 finanziell notorisch in der Klemme – die meisten getätigt. Sechs davon allein die LVB, die nicht nur das Schienennetz, sondern auch Straßenbahnen verleaste. Die Messe verleaste ihre Glashalle. Und das letzte genehmigte Geschäft der Wasserwerke mit ihrem Leitungsnetz brachte allein 16 Millionen Euro.
Nun basiert freilich die Konstruktion von Cross-Border-Lease-Geschäften darauf, dass die Mietzahlungen über us-amerikanische Banken aus hinterlegten Geldern geleistet werden. "Sofern ein solches Cross-Border-Leasing reibungslos verläuft muss die Kommune keinerlei Zahlungen leisten, weil diese ausschließlich über die bei Banken hinterlegten Finanzmittel oder durch vertraglich gebundene Banken abgewickelt werden", teilt das Finanzdezernat jetzt mit. Und das hier ist der freundliche Ton der Bürgermeisterin selbst: „Gleichwohl haben das kommunale Unternehmen als auch die Kommune die Haftung für entsprechende Mietzahlungen übernommen. Fällt nun also eine involvierte Bank aus, könnten entsprechende Zahlungsstörungen auftreten."
Und AIB – ursprünglich ein reiner Versicherer – fungiert bei den Cross Boarder Leasings als Bank. Geht dieser Finanz-Gigant krachen, sind die hinterlegten Sicherheiten weg. Und Leipzig muss zahlen. Es sei denn – und das empfehlen derzeit einige Finanzfachleute – eine andere Bank tritt statt der AIB in den Vertrag ein. Was bei der derzeitigen Lage an den Finanzmärkten eher ein Wunschtraum ist.
„Die Stadt Leipzig erwartet ein weiteres Wirken der Bankenrettungspakete bei uns in Deutschland und in den Vereinigten Staaten", hofft Kudla. „Im Falle des Auftretens von Zahlungsstörungen würden wir sämtliche rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen, um solche Zahlungen abzuwehren. – Durch das erneute Engagement der US-Regierung ist eine Insolvenz von AIG verhindert worden, daher sind Zahlungsstörungen in der Durchführung der Verträge nicht zu erwarten.“
Zumindest vorerst nicht. – Aufgrund vertraglicher Verschwiegenheitsregelungen dürften sowohl die involvierten Banken als auch die genaue Höhe der Zahlungsverpflichtungen nicht benannt werden, erklärt das Finanzdezernat. Aber ziemlich sicher ist, dass es sich bei den Folgekosten um mindestens zweistellige Millionenbeträge handeln dürfte.
„Anders wachsen – Eine sächsische christliche Initiative gegen die Ideologie des Wirtschaftswachstums“ lautet das Thema eines Vortrags- und Gesprächsabends am Freitag, 10. Februar. Die Veranstaltung im Pfarrhaus der Gnadenkirche Leipzig-Wahren, Rittergutsstraße 2, beginnt um 20 Uhr. mehr…
Die Selbsthilfegruppe für Kinderlose sucht neue Mitstreiter zum regelmäßigen Erfahrungsaustausch. Nächster Treff ist am kommenden Mittwoch, 8. Februar, um 19 Uhr im Soziokulturellen Zentrum „Die Villa“ (Beratungsraum 3. Etage, Lessingstraße 7), teilt das Gesundheitsamt mit. mehr…
Ganz unbekannt ist Anne Dorn als Lyrikerin nicht. Aber trotzdem feiert die 1925 in Wachau bei Dresden Geborene mit 86 eine Premiere: Erstmals erscheinen ihre Gedichte in einem eigenen Band - und das noch als Nummer 1 der Reihe "Neue Lyrik", die im Poetenladen erscheint. Ein Auftakt in Quittegelb. mehr…
Die Fördermittelvergabe durch den schwarz-gelb regierten Freistaat orientiere sich offenbar weniger an den tatsächlichen Problemlagen als an Parteipräferenzen, meint Ilse Lauter. Eine solche Einschätzung lege die jüngste Analyse der Dresdner Vergabepraxis für die Jahre 2007 bis 2010 nahe, nach der Leipzig insgesamt 600 Millionen Euro weniger Mittel erhalten hat als die Landeshauptstadt. mehr…
„Zum jetzigen Zeitpunkt sind Kürzungen bei der Förderung im Bereich erneuerbare Energien und energieeffizientes Bauen das völlig falsche Signal. Es fehlt ein schlüssiges Gesamtkonzept. Die Energiewende ist so nicht zu schaffen“, erklärt Reinhard Schröter, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer zu Leipzig, vor der Sitzung des Vermittlungsausschusses (8. Februar) zwischen Bund und Ländern zur steuerlichen Förderung der energetischen Gebäudesanierung. mehr…
Das Viertelfinale im europäischen Cupwinners Cup ist für die Handballerinnen des HC Leipzig zum Greifen nah. Im Achtelfinal-Hinspiel am Sonntag gab die Madsen-Sieben ihren mazedonischen Gästen von Metalurg Skopje einen 12-Tore-Rucksack mit auf die Heimreise. Ob der schwer genug ist, wird sich bereits am kommenden Sonntag herausstellen. mehr…
Die beiden sind eigentlich putzig. Mutti macht in Frankreich Wahlkampf und der Kleine kommt sicher auch mal vorbei, wenns 2013 losgeht. Obwohl man kaum glaubt, dass dies etwas nützen sollte. Und natürlich nur wenn er gegen den bösen Sozialisten die Wahl gewinnt. Heute saßen sie traut vereint vor der ZDF-Kamera und erklärten die Welt. mehr…
Martin Scorsese ist Cineasten bekannt für harte Stoffe. Seine Mafia-Trilogie hat längst Kultstatus. Zuletzt tischte er dem Publikum mit "Shutter Island" (2010) einen düsteren Psychothriller auf. Sein Kinderfilm-Debüt "Hugo Cabret" entpuppt sich dagegen als leicht verdauliche Kost höchster Güte. mehr…
Kettcar ist mit "Zwischen den Runden“ zurück. Und wie! Vor allem anders als erwartet. War ihre letzte Scheibe „Sylt“ eine wütende, eher weniger positive Bestandsaufnahme der Gegenwart, so dominieren jetzt die persönlichen, auch ruhigeren Töne. Auf einmal gewinnen die Texte enorm an Bedeutung. Für Radio Mephisto ist die CD schon jetzt das Album der Woche. mehr…
Armin Zarbock ist Schauspieler. Sonst oft in den Leipziger Cammerspielen zu sehen, verschlägt es ihn am 8. Februar ins Horns Erben. Zusammen mit Susanne Bolf und August Geyler erzählt er die Geschichte von Adolf Südknecht und Familie. Mal historisch verbürgt, mal halb wahr, mal völlig erfunden. Armin Zarbock erzählt mehr. mehr…
"Stellplatzbaupflicht - Fluch oder Segen?" heißt eine Veranstaltung im Tapetenwerk am 8. Februar. In der "K3 Werkstatt" im Haus K diskutieren Verkehrsexperten über den Sinn oder Unsinn von Parkplätzen. Die so genannte Stellplatzbaupflicht gehört dazu. Jürgen Kasek, Vorsitzender BUND Regionalgruppe Leipzig, gab der L-IZ im Interview einen Einblick rund um das Auto und seinen Stellraum. mehr…
Dietmar Pellmann rechnet gern. Eigentlich ist der Landtagsabgeordnete der Linken studierter Historiker. Aber mit Zahlen lässt sich Geschichte ganz hübsch illustrieren. Diesmal hat er den Finanzminister nach den sächsischen Staatspensionären gefragt. 4.519 gab es davon zum Stichtag 31. Dezember 2011. Dazu 816 Witwen und Waisen. mehr…
Während Bürgerinitiativen in Frankfurt, München, Berlin und Leipzig verzweifelt darum kämpfen, den Fluglärm über ihren Köpfen eingedämmt zu bekommen, hat die EU-Kommission gerade eine Verordnung auf den Weg gebracht, die Betriebsbeschränkungen an Flughäfen aufheben kann, wenn sie den Wettbewerb einschränken. mehr…
Der Leipziger Südraum vor etwas mehr als 20 Jahren, vom Tagebau verwüstete Mondlandschaften, aufgerissene, erodierte Erde, ungesund silbrig glänzende Seen. Jedem, der einem damals erzählt hätte, dass hier einmal ein florierender Touristikstandort mit kristallklaren Seen und „blühenden Landschaften“ entstehen werden, hätte man den Vogel gezeigt. mehr…
Radball-Leipzig steht erstmals im deutschen Pokalfinale. Als Zweitplatzierte der Vorschlussrunde löste das Leipziger Duo Sven Broedel und Nils Dreyhaupt am Samstag die Endspieltickets. In heimischer Halle gelangen zwei Siege und ein Remis. Nächster Höhepunkt ist nun das Bundesliga-Heimturnier am 25. Februar in der Kleinen Arena. mehr…