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Eiertanz ums Einheitsdenkmal: Zügig, straff und patriotisch? Aber für wen eigentlich?

Ralf Julke
Monika Lazar.
Monika Lazar.
So langsam wird es ernst mit dem Einheits- und Freiheitsdenkmal. Oder heißt es nun Freiheits- und Einheitsdenkmal? Selbst die Deutsche Gesellschaft und die Bundesregierung wählen mal diese, mal jene Variante, wenn sie über dieses seltsam unvorstellbare Denkmal berichten. Oder den begleitend gescheiterten Wettbewerb.

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Darüber informierte die Bundesregierung am 28. April ("Jurysitzung für das geplante Einheits- und Freiheitsdenkmal abgebrochen"). Die "Wettbewerbsjury zum Freiheits- und Einheitsdenkmal" habe ihre Sitzung ergebnislos abgebrochen, weil sich herausstellte, "dass mit Blick auf die hohen Anforderungen an dieses einzigartige Denkmal an einem historischen Ort die für die zweite Stufe des Wettbewerbs notwendige Anzahl von 20 geeigneten Entwürfen nicht zu erreichen war."

532 Arbeiten waren eingereicht worden. Die sollen nun, wie vorgesehen, vom 6. bis 31. Mai 2009 in Berlin (Kronprinzenpalais, Unter den Linden 3, täglich von 10 bis 20 Uhr) in einer Ausstellung präsentiert werden. Einige davon sollen von martialischer Hässlichkeit sein. So droht zumindest der Berliner Teil des Denkmals doch etwas länger und diskussionsreicher zu entstehen als zuvor gewünscht.

Bekanntlich soll ja Leipzig mit dem korrespondierenden Denkmal gleichen Themas bedacht werden. Und die Stadtverwaltung hat im April drei mögliche Standorte zur Diskussion gestellt. Es haben sich auch tatsächlich 657 Leipziger per Abstimung zu den Vorschlägen geäußert. Das soll jetzt, wie die Stadtverwaltung droht, auch im Abstimmungsprozess Berücksichtigung finden.

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11,4 Prozent der Umfrage-Teilnehmer lehnen ein Denkmal ab, 3,5 Prozent verweisen auf bereits bestehende Denkmäler. "Brauchen wir ein nationales Freiheits- und Einheitsdenkmal?" fragt die Deutsche Gesellschaft weiterhin beharrlich auf ihrer Website, auch nachdem es ihr durch fleißige Lobby-Arbeit gelungen ist, Leipzig als zweiten Standort zu sichern.

Eine nach wie vor berechtigte Frage. Die auch die Leipziger Bundestagsabgeordnete Monika Lazar beschäftigt. „Prinzipiell ist das Leipziger Einheitsdenkmal zu begrüßen. Es sollte aber nicht um die Fragestellung gehen, ob ein Denkmal errichtet wird oder ob nicht. Vielmehr muss die Frage in den Mittelpunkt gestellt werden, wie ein würdevoller Umgang mit der eigenen Geschichte aussehen kann", gibt die Politikerin von Bündnis 90/Die Grünen zu bedenken. „20 Jahre nach der friedlichen Revolution zeigt sich, dass eben dieser angemessene Umgang noch nicht gefunden wurde."

Besonders verstörend findet sie, wie die Diskussion um das Denkmal so langsam mit patriotischem Geschwätz aufgeladen wird. „Leipzig und die Bundesrepublik brauchen nicht noch mehr patriotische Denkmäler, sondern eine umfassende gesellschaftliche Debatte zu den Ergebnissen der friedlichen Revolution", findet sie. „Das Hantieren mit dem Wort Patriotismus in diesem Zusammenhang zeugt von wenig Fingerspitzengefühl. In einer Zeit in der die wirtschaftlichen Nöte zunehmen, den Menschen mehr Patriotismus zu empfehlen, befeuert die Abwertung von anderen gesellschaftlichen Minderheiten. Einschlägige Studien von der Universität Bielefeld belegen diese Wechselwirkung. Gerade in dieser Zeit sollte man so ein sensibles Thema nicht derart grobschlächtig behandeln."

Oder kaschiert der Rückgriff auf patriotisches Vokabular, was es in Deutschland immer wieder kaschiert hat: das tatsächliche Fehlen einer Einheit und das stille Wissen darum, dass dieses Land nach wie vor geteilt ist? Dass eben doch so manches nicht zusammengewachsen ist, "was zusammen gehört"?

Da klingt dann eher beängstigend, was Dr. Johannes Beermann, Chef der Sächsischen Staatskanzlei, nach dem ergebnislosen Ausgang des Berliner Wettbewerbs forderte: „Die Ereignisse zeigen, dass wir beim Freiheitsdenkmal für Leipzig zügig und konsequent voran schreiten sollten", erklärte er am 1. Mai, dem Feiertag aller Fleißigen. „Das Ziel der Staatsregierung ist es nach wie vor, am 9. Oktober dieses Jahres mit dem Wettbewerb für das Denkmal zu beginnen. Als Lehre aus den Berliner Ereignissen sollte nunmehr zügig eine Steuerungs- oder Arbeitsgruppe gebildet werden, die dann den Wettbewerb vorbereitet und straff organisiert."

Er denke dabei jedoch nicht an einen offenen Wettbewerb, sondern an einen Einladungswettbewerb. Daran könnten sich dann auf internationaler Ebene kompetente Bewerber beteiligen.

Bleibt trotzdem die unbeantwortete Frage: Wer braucht dieses Denkmal tatsächlich?


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