Von Kommunistenschweinen, Immunitäten und rechtlichen Konsequenzen: Prof. Dr. Bernd-Rüdiger Kern im Interview Teil 1
Patrick Limbach
12.01.2010
Prof. Dr. Bernd-Rüdiger Kern
Foto: Patrick Limbach
Es hat Ärger gegeben an der altehrwürdigen Alma Mater Lipsiensis. Ein Streit über Äußerungen, politische Haltungen, Burschenschaften und nun auch über den Umgang miteinander bis hinauf zum sächsischen Landtagsabgeordneten Volker Külow. Und alles dreht sich um Äußerungen von Prof. Dr. Bernd-Rüdiger Kern.
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L-IZ.de: Der Stein des Anstoßes war eine Pressemitteilung seitens des StuRa, in welcher Ihnen vorgeworfen wurde, in einer Lehrveranstaltung Studenten als "Kommunistenschweine" beschimpft zu haben. Sie hatten diesen Vorwurf im Laufe der medialen Berichterstattung wohl auch eingeräumt.
Wie kam es zu dieser Äußerung?
Prof. Kern: Ein Student war in meiner Vorlesung und hatte sinngemäß gesagt: "Kein Raum für Faschistenveranstaltungen. Wer das auch so sieht wie ich, geht raus." Dann ist er gegangen. Daraufhin hab ich gesagt: "Hau bloß ab, kommunistische Arschlöcher brauchen wir hier sowieso nicht."
L-IZ.de: Wie wurde aus dem Arschloch ein Schwein?
Prof. Kern: (lacht) Das kann ich nicht beantworten. Ich selber hab hinterher auch nicht mehr so genau gewusst, was ich gesagt habe. Deswegen habe ich auf die ersten Befragungen auch gesagt, das es sein kann, dass ich es gesagt habe. Ich habe irgendwas Unangemessenes gesagt. Aber mir wurde hinterher von meinen Mitarbeitern und Studenten gesagt, nein, "kommunistische Arschlöcher" sei als Begriff gefallen.
Hat dieser Vorfall für Sie im Nachgang dienstrechtliche Konsequenzen gehabt?
Nein.
Prof. Dr. Bernd-Rüdiger Kern im Interview
Foto: Patrick Limbach
L-IZ.de: Warum, denken Sie, hat der Student sich so geäußert?
Prof. Kern: Na, ich nehme an, weil ich am Vortag bei einer Verbindung war und eine Erstsemesterveranstaltung gemacht hab.
L-IZ.de: Als der Student aufsprang, hat er dann alleine den Saal verlassen oder ist da noch jemand mitgekommen?
Prof. Kern: Maximal vier. Ich glaube aber, er ist alleine gegangen. Wenn welche gegangen sind, dann ganz wenige.
L-IZ.de: Haben Sie gegen Herrn Dr. Külow, wie von einer Leipziger Tageszeitung berichtet, eine Strafanzeige wegen Verleumdung erstattet?
Prof. Kern: Ja.
L-IZ.de: Was genau fordern Sie jetzt von Herrn Dr. Külow?
Prof. Kern: Es sind sozusagen zwei Dinge. Bei Herrn Külow ist es einmal ein Strafverfahren. Darauf hab ich im Prinzip keinen Einfluss. Nachdem ich seine Presseerklärung gesehen habe, die ja schon ziemlich unter aller Kanone ist, um es vorsichtig auszudrücken, hab ich noch eine Anzeige wegen Beleidigung nachgeschickt. Das andere ist üble Nachrede und Verleumdung. Das dürfte auch alles erfüllt sein.
L-IZ:.de Und was fordern Sie zivilrechtlich von Herrn Dr. Külow?
Dass er die Äußerungen widerruft und in der Zukunft unterlässt.
Herr Dr. Külow hat unserer Redaktion auf Nachfrage mitgeteilt, dass er nicht beabsichtigt, diese Erklärung zu unterschreiben. Werden Sie Klage einreichen?
Nehme ich mal an, ja.
L-IZ.de: Lassen Sie uns doch mal auf diese Veranstaltung zu sprechen kommen. Warum fand Ihre Einführungsveranstaltung für Neuimmatrikulierte am 19.10. ausgerechnet in den Räumlichkeiten der Burschenschaft Arminia statt?
Prof. Kern: Warum nicht? (Pause) Weil ich eine Einladung von der Arminia hatte, sie dort abzuhalten.
L-IZ.de: Nehmen Sie öfters Einladungen von Burschenschaften wahr?
Prof. Kern: Ja.
L-IZ.de: Bei welchen Verbindungen haben Sie noch gesprochen in der Vergangenheit?
Prof. Kern: Ich glaube bei etlichen. Diese Erstsemesterveranstaltungen sind relativ üblich.
L-IZ.de: Ist es üblich, diese Veranstaltungen bei Studentenverbindungen abzuhalten?
Prof. Kern: Ja.
L-IZ.de: Machen das noch mehrere Ihrer Kollegen?
Prof. Kern: Ich denke mal, ja. Wenn Sie jetzt fragen wer, werde ich es Ihnen nicht sagen.
Lesen Sie morgen den zweiten Teil des Interviews mit Prof. Dr. Kern zu Von Kommunistenschweinen, Immunitäten und rechtlichen Konsequenzen.
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