Kulturbürgermeister Michael Faber: Strukturen der freien Szene müssen gestärkt werden
Matthias Weidemann
28.05.2010

Michael Faber.
Foto: Matthias Weidemann
„Nichts Genaues weiß man nicht …“ Unter diesem Motto könnte man den Mittwochabend mit Kulturbürgermeister Michael Faber im vollbesetzten Bürgerbüro von Cornelia Falken, Landtagsabgeordnete der Linkspartei, verbuchen. Dabei lautete das eigentliche Thema der Diskussionsrunde „Zukunft Kultur – Wie viel ist drin für Leipzig?“.
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Weitere Teilnehmer waren Heike Engel, Geschäftsführerin des Anker e.V., Thomas Farken, Geschäftsführer des GeyserHaus e.V., und natürlich auch Cornelia Falken selber. Die Moderation lag in den Händen von Dr. Skadi Jennicke, ihres Zeichens kulturpolitische Sprecherin der Fraktion Die Linke im Stadtrat.
Vorgenommen hatte man sich, mit dem vor fast genau einem Jahr unter schwierigen Voraussetzungen zum Bürgermeister für Kultur gewählten Micheal Faber über die aktuelle Situation der Kultur in Leipzig zu debattieren. Außerdem sollte die Situation der Freien Szene, insbesondere der Soziokulturellen Zentren, dargestellt werden. Ein weiterer Schwerpunkt sollten Fragen zur kulturellen Bildung sein.

In der Bürgersprechstunde: Michael Faber und Skadi Jennicke.
Foto: Matthias Weidemann
Der letzte Punkt der Agenda wurde gleich zu Anfang von Skadi Jennicke gestrichen. Grund: Wegen eines dringenden Termins sah sich Michael Faber gezwungen, die Runde schon nach anderthalb Stunden zu verlassen. Dieser Zeitdruck wollte der sicher gut gemeinten Sache nicht so recht bekommen. So wurden denn viele Fragen, die eigentlich einer tieferen Erörterung wert gewesen wären, nur oberflächlich durchgehechelt. Ein Umstand, der dem obersten Verwalter der Leipziger Kultur sicher nicht ganz so ungelegen kam. Konnte er doch so geschickt konkreten Fragen nach eventuellen Kürzungen im Kulturbereich ausweichen.
Dass diese angesichts der Tristesse in den städtischen Kassen und der allgemeinen Lage überhaupt unausweichlich sind, war allen Beteiligten klar. Wer allerdings von diesen schmerzhaften Beschneidungen betroffen sein wird, das blieb an diesem Abend in der Schublade mit der Aufschrift „unbeantwortete Fragen“. Nur soviel ließ der Kulturbürgermeister durchblicken: „Es läuft doch letztendlich darauf hinaus, welche Prioritäten man setzt und was verzichtbar ist. Wobei ich im Bereich der Kultur grundsätzlich gerne auf gar nichts verzichten will. Aber in Leipzig müssen 17 Millionen Euro eingespart werden, wovon alleine ich eine Million einsparen muss.“

Bürgersprechstunde im Abgeordnetenbüro von Cornelia Falken.
Foto: Matthias Weidemann
Einwänden von Besuchern, dass bei der sogenannten Hochkultur wie Oper, Gewandhaus oder Centraltheater gespart und nach Leistung bezahlt werden solle, trat Michael Faber entschieden entgegen: „Wir kommen nicht weiter, wenn wir das Eine gegen das Andere ausspielen, sprich Freie Szene gegen die städtischen Betriebe.“ Dabei weiß man von Seiten der Stadt die Arbeit insbesondere der soziokulturellen Zentren durchaus zu schätzen. Wahrscheinlich nicht zuletzt auch aufgrund der Tatsache, dass Kulturtreffpunkte wie der Anker oder das GeyserHaus große Resonanz und Akzeptanz erfahren.
Heike Engel vom Anker: „Immerhin erwirtschaften wir 50 Prozent unseres Etats aus eigenen Mitteln.“ Sorgen macht sich indes Thomas Farken vom GeyserHaus um die Jugendarbeit: „Alles andere läuft eigentlich zu unserer Zufriedenheit. Aber unser großes Sorgenkind ist und bleibt die Jugendarbeit. Hier müssen wir den Finger in die Wunde legen. Das ist eine wichtige Frage für die Zukunft der Stadt. Da muss investiert und nicht gespart werden, sonst sehen wir schwarz.“
Auf die von Seiten der Besucher geäußerte Kritik an den Subventionen der großen Häuser angesichts deren geringer Auslastung antwortete Michael Faber mit einer Richtigstellung: „In der Presse wurden falsche Zahlen hinsichtlich der Auslastung der Oper genannt. Wahr ist, dass die Oper immerhin eine Auslastung von 73 Prozent, die Musikalische Komödie 80 Prozent und das Ballett ebenfalls 80 Prozent hat.“

Kulturbürgermeister Michael Faber.
Foto: Matthias Weidemann
Dem Centraltheater unter der Leitung des in der Öffentlichkeit nicht unumstrittenen Intendanten Sebastian Hartmann bescheinigte der Kulturbürgermeister eine „problematische Entwicklung“ und ließ durchblicken, dass sich hier wohl Änderungen anbahnen: „Man steht vor der Frage, ob wir im Centraltheater eine Einspur-Inszenierungskunst haben wollen oder eine liberale, freiere Art der Inszenierung. Wir sind kurz davor, über das Centraltheater zu entscheiden, geht es oder geht es nicht.“
Alles in allem sprach der Kulturbürgermeister sich dafür aus, die Strukturen der freien Szene zu stärken. „Wenn wir das systematisch fördern, dann finden auch Einzelpersonen in diesen Treffpunkten und Zentren hier und da ein Stückchen Arbeit. Seien es nun Grafiker, Maler oder andere selbständig tätige Künstler. Das muss unser Ziel sein.“
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