Ein Pils ohne Pilz: Fraktion Bündnis 90/Die Grünen wird das Verbot von Heizpilzen in der Gastronomie in Leipzig unterstützen
Ralf Julke
30.12.2011
Grünen-Stadtrat Norman Volger.
Foto: Fraktion Bündnis 90/Die Grünen Leipzig
Es ist halt freie Wirtschaft. Da glauben nur die Narren des Königs, dass man rufen kann: "He, das ist freiwillig! Macht mal!" Und dann machen sie. "Freiwillige Selbstverpflichtung nennt man das. Es hat noch nie funktioniert. Auch nicht in Leipzig, wo die Mehrheit des Stadtrates noch Anfang 2011 glaubte, dass die Heizpilze an den Freisitzen von den Gastwirten freiwillig ausgemustert werden. Selbst die Grünen machten da mit.
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Doch eine Saison später haben sie eingesehen, dass der Märchenglaube auch bei Heizpilzen nicht funktioniert. Eine Anfrage der Linksfraktion hatte im Oktober ans Licht gebracht, dass die Freiwilligkeit in den beheizten Fußweghütten gar nichts verändert hatte. Also brachte sie zur Ratsversammlung im November ihren Verbotsantrag "Verbot von gasbetriebenen Wärmestrahlern" ins Verfahren. Im Januar beschäftigen sich die Fachausschüsse Umwelt und Ordnung und Wirtschaft und Arbeit damit. Im Februar steht er zum Beschluss. Diesmal werden die Grünen den Antrag unterstützen.
Sie haben sich auch noch einmal die wesentlichen Daten besorgt, die beschreiben, was Heizstrahler eigentlich mit der Umwelt anrichten.
Ein gasbetriebener Heizpilz stößt pro Stunde 2,5 bis 3,5 kg CO2 aus, was einer 25 km-langen Fahrt mit einem Kleinwagen entspricht. Ebenso kann man mit der Energiemenge für den Betrieb eines Heizpilzes in einer Saison (8 Stunden täglich über 210 Tage hinweg) vier gut gedämmte Wohnungen (70 m²) einen Winter lang beheizen. Während man für einen Heizpilz pro Tag (8 Stunden Laufzeit) 15 Euro zahlt, sind dies bei 4 Heizpilzen schon 60 Euro, in einem Monat (31 Tage) 1.860 Euro. Auch elektrische Heizstrahler sind keine Lösung, haben sie festgestellt. Laut Umweltbundesamt haben gasbetriebene und elektrische Heizstrahler bei der Energieerzeugung gleich große Energieverluste und produzieren etwa gleich viel CO2.
Grünen-Stadtrat Norman Volger.
Foto: Fraktion Bündnis 90/Die Grünen Leipzig
Wer die Zahlen auf den kalkulierten Jahresbetrieb eines Heizstrahlers umrechnet, kommt auf 4 Tonnen CO2. Das ist in ungefähr das, was ein Autofahrer im Jahr verursacht.
Eine Befragung der DEHOGA von 600 Leipziger Gastwirten hatte im Sommer ergeben, dass nur rund 100 bereit wären, auf Heizstrahler freiwillig zu verzichten. Die Linke hatte erwartet, das wenigstens die Hälfte mitmacht. Das sah also nicht wirklich nach einer Veränderung der Lage aus. Das sehen auch die Grünen so.
Stadtrat Norman Volger, umweltpolitischer Sprecher der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen: „Meine Fraktion hatte auf Freiwilligkeit und Einsehen gesetzt. Da die Ergebnisse jedoch weit hinter den Erwartungen zurück bleiben, machen wir uns für das Verbot von Heizpilzen in Leipzig stark. Wir hatten in die Hoffnung, dass neben der Kampagne der DEHOGA auch der Linke-Bürgermeister Rosental an die Vernunft der Gastronomen appellieren würde. Da vom Bürgermeister aber offensichtlich nichts unternommen wurde und seine eigene Partei dies ebenso sieht, werden wir dem Verbot zustimmen.“
Ein Verbot von Heizpilzen wird der Leipziger Gastronomie keinen wirtschaftlichen Todesstoß versetzen, ist sich Volger sicher. Städte wie München, Berlin, Hamburg, Hannover, Konstanz oder Pforzheim haben den Heizpilzen schon das Gas abgedreht. Auch Köln hat die Heizpilze aus dem Stadtbild verbannt, wenn auch aus ästhetischen Gründen, sie zerstören das Stadtbild der Kölner Altstadt.
Norman Volger weiter: „Umweltschutz gehört zu den wichtigsten Zukunftsthemen unserer Gesellschaft und es gibt kaum einen einfacheren und schnelleren Weg, die CO2-Emissionen zu senken, als die Abschaffung der Heizpilze in der Gastronomie.“
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