Wovon Leipziger träumen: Nadine Weise und die Widersprüche in der Stadtpolitik
Daniel Thalheim / Text: Nadine Weise
27.12.2011
Nadine Weise träumt
Foto: Kristen Stock
Als Sprecherin der Interessengemeinschaft West kennt sie die Tücken des Leipziger Politik-Alltags. Was die Doktorandin möchte, ist Kultur anders. Wo steht Leipzig? Wohin geht Leipzig? Alles Kultur, oder was? Oder alles doch nur eine Marketingidee?
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Träume sind der Anfang der Wirklichkeit
Bei einem der größten subkulturellen Musikfestivals weltweit habe ich Leipzig für mich entdeckt und beschlossen, dem schönen Thüringen abtrünnig zu werden. Das ist inzwischen über zehn Jahre her! Mittlerweile habe ich ein Studium erfolgreich abgeschlossen, mit ehemaligen Kommilitonen die Projektagentur 'projektum' gegründet, schreibe nebenbei an meiner Doktorarbeit, engagiere mich ehrenamtlich in verschiedenen kulturellen bzw. kulturpolitischen Initiativen und kann mir nicht mehr vorstellen, irgendwo anders zu leben.
Ein Traum von einer Stadt
Leipzig fasziniert mich immer wieder mit seinen ganz verschiedenen Facetten. Es bietet die Möglichkeiten einer Großstadt, aber mit den Vorteilen einer Kleinen: hier kann ich jeden Abend vielfältige Kulturangebote wahrnehmen und kann mich manchmal gar nicht entscheiden; hier können Bewohner ihren Stadtteil noch selbst gestalten und Nachbarn kennen einander; hier können sich selbst Studierende noch Parkett und Flügeltüren leisten; hier gibt es viel Grün und sogar eine einzigartige Seenlandschaft – alles bequem mit dem Fahrrad erreichbar. Derartige Faktoren tragen zu der hohen Lebensqualität in Leipzig bei und erzeugen eine unvergleichbare Wohlfühl-Atmosphäre.
Ich träume von einer Stadt, die ihre traditionell vielfältige Kulturlandschaft zu schätzen weiß – gleich ob Hoch- oder Subkultur!
Foto: Kristen Stock
In Leipzig kann man seine Träume verwirklichen
Leipzig bietet vor allem einen großen Möglichkeits- und Freiraum: die günstigen Mieten, der großzügige öffentliche Raum und viel geistiger Horizont sind der Nährboden für innovative, kreative und soziale Entwicklungen! Hier hat man die Möglichkeit seine Ideen und Wünsche in die Tat umzusetzen – die Leipziger Freiheit macht diese Stadt aus - und gemeint ist hier nicht die schlecht vermarktete Version davon! Alle Rahmenbedingungen zusammen erlauben es mir mich selbst zu verwirklichen und meine Träume zu leben – und das nicht nur mir!
Auch die vielbeschworene Kultur- und Kreativwirtschaft hat hier eine Heimat gefunden: ein offenes Völkchen, ein schönes Städtchen und eine unbeschreibliche kulturelle Vielfalt ermöglichen Existenzgründungen und Projekte, wie in kaum einer anderen Stadt.
Eines der vielen möglichen Beispiele ist die Gründung der Interessengemeinschaft Kultur West, die über 100 Kulturschaffende als auch Interessierte vereint, um den Leipziger Westen gemeinsam und kreativ zu entwickeln.
Ein langer Weg bis Träume wahr werden
Der Verwirklichung von Träumen liegen allerdings immer wieder auch Stolpersteine im Weg. Einer von vielen Stolpersteinen ist die Stadt selbst. Während meiner Tätigkeiten als Sprecherin der Interessengemeinschaft Kultur West sowie als selbstständige Unternehmerin hatte ich mehrfach den Eindruck, dass sich manche Beamte nicht als Dienstleister der Bürgerinnen und Bürger verstehen, sondern als Herrscher über einzelne Ämter oder Fachgebiete. Dafür weiten einige Beamte sogar ihre Entscheidungshoheiten aus und verkennen dabei ihre eigentlichen Kompetenzen respektive Aufgaben.
Nadine Weise
Foto: Kristen Stock
So werden im Leipziger Westen und mittlerweile auch im Süden offenbar willkürliche Amtsentscheidungen zum Todesurteil für Kultureinrichtungen: nachdem man anfänglich froh über kulturelle Ansiedlungen in den Stadtteilen war, sollen sie nun – nach erfolgreicher Gentrifizierung – wieder weichen. Nicht zuletzt deswegen wurde die Interessengemeinschaft Kultur West gegründet und versucht derartigen Entwicklungen entgegen zu wirken. Ich bin froh, dass es in Leipzig eine Vielzahl an ambitionierten und engagierten Menschen gibt, die auch ohne Förderung und gegen Widerstände Stadtteile entwickeln, beleben und durch kulturelle Vielfalt attraktiv machen!
Ich träume von einer Stadt, die ihre Potentiale und Stärken erkennt und auch nach Außen sichtbar macht!
Warum fokussiert sich Leipzig nicht auf seine Stärken? Wir sind weder Bach-, Messe-, Auto-, Buch-, noch irgendeine andere gelabelte Image-Stadt! Leipzig steht für Freiraum und die viel proklamierte Leipziger Freiheit! Es ist wichtig sich dieser einzigartigen Atmosphäre zu besinnen und sie zu bewahren. Welche andere Großstadt hat in der Innenstadt noch Baulücken, einen derartigen Wohnungsleerstand und ganze Fabriken zu verkaufen? Das ist nicht immer nur schlecht und muss nicht immer schnellstmöglich mit Konsumtempeln aufgewertet werden! Nein, das ermöglicht auch mitten in der Innenstadt Kunstprojekte auf Brachen oder ein internationales Fotografiefestival und prägt so die Wahrnehmung Leipzigs als offene, lebendige und facettenreiche Stadt.
Ich träume von einer Stadt, die ihre traditionell vielfältige Kulturlandschaft zu schätzen weiß – gleich ob Hoch- oder Subkultur!
Leipzig ist herausragend in seiner kulturellen Infrastruktur: unzählige Kulturvereine und -initiativen beherbergen unabhängige Kunsträume oder auch Galerien und eine neue Leipziger Schule, haben legendäre Clubs und Musikprojekte hervorgebracht, ermöglichen international einzigartige Festivals und eine experimentierfreudige Theaterszene. Ich kenne kaum eine andere Stadt, in der sich so viele kreative Freigeister versammeln und dafür kämpfen ihre Visionen zu verwirklichen.
Wenn ich hingegen die Diskussion um die Zukunft der kommunalen Kultureinrichtungen verfolge, dann verstehe ich die Stadtoberen nicht! Statt zu schauen, wo eventuell weitere Mittel zur Finanzierung der Kulturstätten zu akquirieren wären, gab unser Oberbürgermeister eine Studie in Auftrag, die sich ausschließlich mit der Kürzung von Mitteln auseinander setzen sollte! Doch warum wurden nur die Bühnen analysiert und nicht die Museen?
Auch muss die Frage erlaubt sein, warum beispielsweise das international renommierte Gewandhausorchester nicht vom Bund gefördert wird oder ob es speziell hier noch ungenutzte Möglichkeiten in der Akquise von privaten Fördermitteln gibt. Interessant wäre auch, welche Potentiale die Kultureinrichtungen in Leipzig überhaupt haben – vielleicht braucht es gar keine Kürzungen, sondern professionelle Unterstützung im Fundraising und bei der Erhöhung der Publikumszahlen, um damit tendenziell selbstfinanzierte als auch selbstständige Eigenbetriebe zu entwickeln?
Doch das Rathaus beschäftigt sich lieber damit, Einsparungen in der freien Szene zu generieren und die vom Stadtrat beschlossenen '5 Prozent für Leipzig' möglichst nicht umsetzen zu müssen. Aus meiner Sicht eine völlig verkehrte Umgangsweise mit dem Faktor Kultur, der für die Lebensqualität in dieser Stadt als auch den Wirtschaftsstandort Leipzig essentiell ist.
Ich träume von einem Leipzig als einer florierenden mitteldeutschen Metropole, einem lebendigen urbanen Raum und einem Anziehungspunkt für Kulturinteressierte, Kreative als auch Unternehmen. Doch dafür braucht es vor allem die Wertschätzung für ehrenamtlich geleistete Kulturarbeit, ein ehrliches Interesse an der vielfältigen Kultur und ein Bekenntnis zu deren entscheidender Bedeutung für diese Stadt!
"Neue Schulen braucht die Stadt". Zu diesem Thema lädt die Leipziger SPD Jugend am Donnerstag, 24. Mai, ab 19:00 Uhr in die SPD Geschäftsstelle (Rosa-Luxemburg-Straße 19/21) ein. Gemeinsam mit dem Leipziger Landtagsabgeordneten Holger Mann wird über den Neu- und Ausbau sowie die Sanierung von Schulen in Leipzig diskutiert. mehr…
Die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH (LMBV) hat am 22. Mai während einer Bilanzpressekonferenz auf das letzte Jahr zurück geblickt und gleichzeitig eine Vorausschau gewagt. Die besagt, dass man eine weitere Milliarde Euro benötigen wird, um die LMBV-eigenen Bergbaufolgelandschaften zu rekultivieren. mehr…
Unter dem Motto „Von Panitzsch bis Paris“ sind ab 27. Mai in der Kirche Panitzsch Bilder in Öl von Margitta Pötzsch zu sehen. Zur Vernissage und zum Galerierundgang mit der Leipziger Künstlerin wird am Pfingstsonntag um 17 Uhr herzlich eingeladen. mehr…
Am Donnerstag, dem 7. Juni, lädt der Swingin'LE Tanzklub wieder zum kostenlosen Schnupperkurs ein. Swing und Lindy Hop im Rhythmus der 30er und 40er Jahre, als Amerika noch ein unbeschwertes Lebensgefühl hatte. Der einstündige Kurs beginnt 19:00 Uhr. mehr…
Am 25. Mai geht's los, dann überschwemmen wieder Menschen in schwarzen und bunten Kostümen die Stadt, duften nach Patschuli, geben sich betont lässig, obwohl sie völlig aufgewühlt sind. Zu Pfingsten ist Leipzig wieder Schauplatz des Wave Gotik Treffens. Der Plöttner Verlag ist dabei. Unter anderem mit dem dicken Buch zu "Death in June" von Aldo Chimenti. Der Besucher wird an seinem Stand auf dem agra-Gelände aber auch ein Plakat erstehen können, das durchaus ungewöhnlich ist. mehr…
Von wegen, Strom aus Kohle würde nicht subventioniert und sei deshalb eine preisgünstigere Alternative zu erneuerbaren Energien. Die Kosten werden nur nicht auf den Strompreis aufgeschlagen, die fließen als Subvention - zum Beispiel bei Kosten für die Sanierung der ostdeutschen Braunkohlereviere. Und die werden - wie die LMBV am Mittwoch mitteilen musste - noch höher, als bisher geplant. mehr…
"Fertigstellungstermin des A 72-Abschnitts von Rochlitz bis Borna verschiebt sich auf Sommer 2013", teilte Staatssekretär Roland Werner gemeinsam mit dem DEGES-Geschäftsführer Dirk Brandenburger am Dienstag, 22. Mai, mit. Eine scheinbar beiläufige Meldung im Rahmen eines Großbauprojekts, dessen Planungen und Kosten mittlerweile genauso aus dem Ruder gelaufen sind wie die des Leipziger City-Tunnels. Natürlich hat das Gründe. mehr…
Welche Auswirkungen auf Leipzigs Infrastruktur wird der Citytunnel Ende 2013 haben? Dieser Frage gingen Studierende der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus (BTU) im Rahmen von zwei Projekten nach. Im Mittelpunkt ihrer Untersuchungen standen dabei mögliche neue Wegebeziehungen. Die Ergebnisse werden vom 25. Mai bis 15. Juni in der 5. Etage des Neuen Rathauses im Ausstellungsbereich des Stadtplanungsamtes gezeigt. mehr…
Jamal Engel hat für die SG Leipzig Leutzsch im Gästeblock-Streit Stellung bezogen. Auf dem Familienportal "Tüpfelhausen" gab der Vorstandssprecher den Fans der BSG Chemie Leipzig einen Korb. 29 Fanclubs hatten ihn zuvor gebeten, ihnen beim Aufeinandertreffen beider Clubs am 9. Juni den Norddamm zur Verfügung zu stellen. Sie befürchten, dass der Platz im Gästeblock für rund 1.000 – 1.500 Chemie-Fans nicht ausreichend sei. mehr…
"Grimms Märchen" ist seine vierte Show am Leipziger Centraltheater. Showmaster, Regisseur, Liedermacher und Schauspieler Rainald Grebe ließ in Leipzig Indianer vom Marterpfahl los, blickte in die "WildeWeiteWelt" und klettert seit Christi Himmelfahrt für Grimms Kinder- und Hausmärchen aus dem Sarg. Wir sind Grimm! Da bleibt kein Auge trocken, oder Herr Grebe? mehr…
Der Nachfolger für den umstrittenen Intendanten des Centraltheaters, Sebastian Hartmann soll ein „alter Bekannter“ werden. Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung hat im Einvernehmen mit den städtischen Vertretern der Auswahlkommission sowie dem Betriebsausschuss Kultur und dem Fachausschuss Kultur dem Stadtrat den Schauspieldirektor des Chemnitzer Theaters, Enrico Lübbe, als neuen Intendanten des Schauspiels Leipzig vorgeschlagen. mehr…
Anzeige. Es gibt viele gute Gründe bei der AOK PLUS versichert zu sein. Einer davon: Keine Zusatzbeiträge bei der Gesundheitskasse für Sachsen und Thüringen. Ein weiterer Grund: Mit dem Wahltarif AOK PLUS aktiv können Sie sich zusätzlich bis zu 600 Euro Prämie sichern. Also machen Sie sich die doppelte Freude! mehr…
Biodiversivität ist ein sperriges Wort, dem aber aufgrund weiter um sich greifender Umweltzerstörungen auf unserem Planeten immer mehr Bedeutung zukommt. Die Artenvielfalt auf der Erde ist zunehmend bedroht. 60.000 Tier- und Pflanzenarten stehen auf der Roten Liste. Auch der Leipziger Zoo hat sich die Arterhaltung auf die Fahne geschrieben, gibt 165.000 Euro jährlich für Schutzprojekte aus und hat sich mit dem künftigen Deutschen Zentrum für Integrative Biodiversivitätsforschung (iDiv) einen wichtigen Partner an Bord geholt. mehr…
„Wenn jeder hier im Raum begreift, dass Energiesparen nötig ist und beim eigenen Griff zum Lichtschalter beginnt, dann ist es egal, ob es ab heute einen neuen Umweltminister gibt“, machte Schulleiter Thomas Graupner am Dienstag, 22. Mai, im Berufsschulzentrum 7 deutlich, worum es bei der neuen Bildungsinitiative Energie geht. mehr…
Der Vorsitzende der FDP-Fraktion im Leipziger Stadtrat Reik Hesselbarth hat den Beschlussvorschlag von Kulturbürgermeister Faber zur Umsetzung des Finanzierungsanteils für die Freie Szene scharf kritisiert. Denn statt einen Vorschlag zu machen, wie der Stadtratsbeschluss von 2008 bis 2013 erfüllt werden kann, hat Kulturbürgermeister Michael Faber am 16. Mai eine Verschiebung des Termins vorgeschlagen. mehr…