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Was einen Leipziger Parteichef an einem Preußenkönig beeindruckt. CDU-Vorsitzender Detlef Schubert im Interview

Gernot Borriss
Detlef Schubert, Vorsitzender der Leipziger CDU.
Detlef Schubert, Vorsitzender der Leipziger CDU.
Foto: Gernot Borriss
Die Entwicklung eines völlig rückständigen Agrarlandes durch den Zuzug von Menschen und das Anwerben von Spezialisten aus allen Himmelsrichtungen sieht Leipzigs CDU-Chef Detlef Schubert als den größten Verdienst von Preußenkönig Friedrich II. (1712 – 1786). Ein Interview zum 300. Geburtstag des stets kontrovers diskutierten Monarchen.

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So richtig zum Aufreger taugt der wohl begabteste aller Hohenzollernherrscher heute nicht mehr. Vor gar nicht allzu langer Zeit war das noch anders. Die DDR-Oberen verwirrten vor einem guten Vierteljahrhundert mit der Wiederaufstellung des bekannten Reiterstandbildes Unter den Linden in Berlin Freund und Feind gleichermaßen. Die Anwesenheit der Bundeswehr und des damaligen Bundeskanzlers Dr. Helmut Kohl (CDU) bei der Umbettung Friedrichs nach Potsdam bescherte Anfang der 1990er Jahre dem frisch wieder vereinigten Deutschland so etwas wie eine geschichtspolitische Kontroverse.

Nun jährt sich der Geburtstag des Monarchen, in dem mancher einen Philosophen sieht, zum 300. Male. Und in Leipzig wirkt ein Politiker, der Friedrich den Großen als sein historisches Vorbild versteht.

„Es ist schon eine geraume Zeit her, als ich mich mit dem ‚Alten Fritz’ vertiefend beschäftigte“, so der CDU-Chef der Messestadt Detlef Schubert zu L-IZ, „denn so nannten mich einst meine Schulfreunde.“ Das wiederum habe sein besonderes Interesse an dieser Person ausgelöst.

Vor 300 Jahren, am 24. Januar 1712, erblickte der spätere Preußen-König Friedrich II., genannt der Große, das Licht der Welt. In einem Zeitungsbeitrag haben Sie ihn als Ihr historisches Vorbild bezeichnet. Was fasziniert Sie an ihm?

Mich faszinieren an Friedrich dem Großen insbesondere seine Willenskraft, seine Standhaftigkeit und die Vielzahl seiner Talente, die er trotz schwerer Kindheit und einer ständigen Umgebung mit den dem Vater hörigen Domestiken entwickelte.

Welche Leistungen Friedrichs des Großen beeindrucken Sie am meisten?

Er entwickelte die Infrastruktur und Wirtschaft eines völlig rückständigen Agrarlandes durch den Zuzug von Menschen und das Anwerben von Spezialisten aus allen Himmelsrichtungen, gleich welcher Religionsgemeinschaft diese angehörten und gegen den Widerstand der damaligen Besitzstandwahrer. Das waren insbesondere der Landadel und die Kirche. Er war, wie die meisten Könige seiner Zeit, ein absolutistischer Herrscher, aber hatte einen starken Hang zur Philosophie der Aufklärung.

Detlef Schubert, Vorsitzender der Leipziger CDU.
Detlef Schubert, Vorsitzender der Leipziger CDU.
Foto: Gernot Borriss

Der wohl begabteste aller Hohenzollernherrscher polarisierte die Zeitgenossen seit seinen Lebzeiten. Haben Sie Verständnis für die Kritiker?

Ja, selbstverständlich verstehe ich seine Kritiker. Dennoch muss man die machtpolitische Ausgangssituation der damaligen Zeit sehen, und da unterschieden sich seine Methoden der Machtausübung nicht von den anderen Mächtigen seiner Zeit.

Besonders rücksichtslos ging das friderizianische Preußen in den Schlesischen Kriegen gegenüber Sachsen vor. Die Leipziger Bürgerschaft ächzte unter den Lasten der preußischen Besatzung. Wie ordnen Sie dies als Leipziger Politiker ein?

Einen Bezug zur Leipziger Politik im 21. Jahrhundert lässt sich meines Erachtens nicht herstellen. Wir leben nicht mehr in Fürstentümern und führen - Gott sei es gedankt - keine Erbfolge- oder Kabinettskriege mehr.

Das Gegenteil ist der Fall. Wir können uns des Länder übergreifenden Finanzausgleiches sicher sein.

Friedrich wollte den Muslimen, wenn sie denn sein Land besiedelten, Moscheen bauen. Inwieweit könnte diese Maxime für das Zusammenleben der Menschen in Deutschland heute von Belang sein?

Auch heute kann ich, was die Religionen angeht, nur zur Toleranz aufrufen. Im Übrigen habe ich als evangelischer Christ schon in vielen nichtevangelischen Gotteshäusern gebetet. Auch in Moscheen und wie meine arabischen Freunde, die auch in christlichen Kirchen beten.

Den fortwährenden Koalitionswechsel erhob Friedrich fast zum politischen Überlebensprinzip. Für heutige Parteipolitiker eine Handreichung unter den Bedingungen eines Vielparteiensystems?

Ich möchte nicht den Koalitionen das Wort reden. Dennoch sind sie legitime Instrumente der Politik, wenn sie nicht zum bloßen Machterhalt oder der Machterlangung dienen. Wenn ich aber an Sachsen im Speziellen denke, war die Zeit der CDU-Alleinregierungen die erfolgreichste, die unser Land je hatte.


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