Lippenbekenntnis oder Realität? Wolfram Leuze fragt nach den 5 Prozent für die Freie Szene
Daniel Thalheim
15.02.2012
Foto: Daniel Thalheim
Das Aus für die Cammerspiele ist auch Folge von doppelzüngiger Kulturpolitik, kommentiert Leipzigs Grünen-Fraktionsvorsitzender Wolfram Leuze die jüngsten Ereignisse um die Theaterinstitution am Connewitzer Kreuz. Zu der Ankündigung des Vorstandes der Cammerspiele Leipzig e. V., den Spielbetrieb der Cammerspiele zum Sommer 2012 zu beenden, kritisiert der Vorsitzende des Fachausschusses Kultur, Wolfram Leuze, auch Leipzigs OB Burkhard Jung.
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"Es ist eine erschreckende Nachricht: 'Cammerspiele stehen vor dem Aus'. Zwar kann man die Verantwortlichkeit dafür nicht der Stadt in die Schuhe schieben, Ursache für das angedrohte Ende ist das Auslaufen der über den Bund geförderten Kommunal-Kombi-Stellen. Trotzdem muss hinterfragt werden, was z. B. der Bürgermeister für Wirtschaft und Arbeit dazu getan hat, dieses Wegbrechen der Bundesförderung durch entsprechendes Gegensteuern abzufedern", bemerkt Wolfram Leuze kritisch am 15. Februar in Richtung Stadtverwaltung.
Wolfram Leuze, Bündnis 90 / Die Grünen, kritisiert das zögerliche Vorgehen der Stadtverwaltung bei "5 Prozent der Freien Szene".
Foto: Daniel Thalheim
Denn das Problem der so genannten "Instrumentenreform" der Bundesregierung ist schon seit 2011 bekannt. Damit gehen die Streichungen der kommunalen Förderbeschäftigungen einher, auf die vor allem die Vereine zurückgriffen. Auf die Problematik machten Vereine schon im Herbst 2011 aufmerksam. Leuzes Vorwurf geht auch in Richtung Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung und seiner einseitigen Kulturpolitik zu Gunsten der Betriebsstätten.
Der Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen im Stadtrat: "Was hat der Oberbürgermeister dafür getan, den Beschluss des Stadtrates vom 17.09.2008 über die Erhöhung des Etats für die Freie Szene bis zum Haushaltsjahr 2013 auf 5 % des Kulturhaushaltes Realität werden zu lassen? Kulturpolitik verkommt in Leipzig mehr und mehr zu einem Strauß inhaltsleerer Lippenbekenntnisse. Dies liegt auch darin begründet, dass dank einer unseligen Personalpolitik des Oberbürgermeisters die Verantwortung für die Kultur zwischen OBM - er verwaltet die Beletage der Hochkultur - und Bürgermeister für Kultur aufgeteilt ist. So bekommt die Hochkultur vom OBM jederzeit eine - aus ihrer Sicht sicher auch gerechtfertigte - Bestandsgarantie, während die den Charme der Kulturstadt Leipzig auch ausmachende Freie Szene bis zum heutigen Tag vergeblich um den durch Stadtratsbeschluss festgeschriebenen Anteil am Kulturhaushalt kämpfen muss."
Das ist auch die Kritik, die im Dezember 2011 seitens der Initiative für die Freie Szene, "Leipzig+Kultur", mehrfach geäußert wurde - und scheinbar auf taube Ohren stieß. Leuze: "Auf Dauer kann eine solche doppelzüngige Kulturpolitik nicht gut gehen." Auf die Situation der Cammerspiele eingehend teilt Leuze mit: "Die aktuelle Situation der Cammerspiele wird für den Fachausschuss Kultur Veranlassung sein, in seiner morgigen Sitzung einen Bericht des Bürgermeisters für Kultur dazu einzufordern und in einer der nächsten Sitzungen sich unmittelbar ein Bild von der Situation der Cammerspiele zu machen."
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