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Atommüllendlager in Leipzig gesucht: Kampagnennetzwerk Campact sorgt für Gesprächsstoff

Daniel Thalheim
Atomendlager im Leipziger Süden bis ins Zentrum gesucht
Atomendlager im Leipziger Süden bis ins Zentrum gesucht
Foto: Daniel Thalheim
Ein Castor-Transport in Leipzig? Sirenen, Strahlenschutzanzüge, Geigerzähler und rhythmisches Getrommel sorgten am heutigen Nachmittag in der Südvorstadt bis hin zum Marktplatz vor dem Alten Rathaus für staunende Gesichter, fluchende Autofahrer und Staus.

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Veranstalter der Straßenaktion ist das Kampagnennetzwerk „Campact“, das zusammen mit Leipziger Umweltgruppen, attac, Greenpeace, Klimaallianz Leipzig sowie dem Ökolöwen Umweltbund Leipzig rund 150 Aktivisten gegen die Atommüllendlagerung in Deutschland lautstark protestierten.

Gegen halb drei Uhr Nachmittag begann die Aktion mit einer einführenden Rede des Campact-Geschäftsführers Christoph Bautz. Ziel der Demonstration: Findet sich in der Leipziger Innenstadt ein geeignetes Endlager für Atommüll? Um das heraus zu finden, wurden die Demonstrationsteilnehmer in Strahlenschutzanzüge gesteckt, mit Geigerzählern und Lupen bewaffnet, um dann die Karl-Liebknecht-Straße hin zum Leipziger Markt zu ziehen. Dort befindet sich bereits eine Bohrattrappe für eine Probebohrung vor Ort.

Auf Tour durch die großen Städte: Ein lauter Hinweis, wie teuer Atomstrom eigentlich ist
Auf Tour durch die großen Städte: Ein lauter Hinweis, wie teuer Atomstrom eigentlich ist
Foto: Daniel Thalheim

Natürlich richtet sich die Aktion an die Politik und die Menschen. Die Endlagerung von Atommüll ist in Deutschland ein gefährliches Problem. Denn wo die einen von einem sauberen Atomstrom sprechen, der billig sei, gibt es den schlichten Umstand, dass Atomkraftwerke gefährlich und der Atommüll in kostenspieliger Endlagerung einen hohen Preis hat. Bezahlt durch die Allgemeinheit, vermutlich Jahrtausende lang und ohne Lösung derzeit.

Daneben existieren die aktuellen gesundheitlichen Gefahren, auf die Bautz auch aufmerksam macht, „Bereits nach vier Jahrzehnten sind in der Asse die Lagerpläne der Atomlobby in Salzlauge ersoffen. Das jetzt bekannt gewordene Original-Gutachten des Physikalisch Technischen Bundesamts belegt, dass Gorleben höchstens 1.100 Jahre dicht hält – eine Farce angesichts des Millionen Jahre strahlenden Atommülls“.

Campact-Geschäftsführer Christoph Bautz und Jürgen Kasek (Bündnis 90 / Die Grünen Leipzig) suchen gemeinsam
Campact-Geschäftsführer Christoph Bautz und Jürgen Kasek (Bündnis 90 / Die Grünen Leipzig) suchen gemeinsam
Foto: Daniel Thalheim

Campact-Geschäftsführer Christoph Bautz zur heutigen Aktion, „Wir wollen herausfinden, inwiefern Leipzig als Endlager geeignet ist. Am Markt werden wir Bohrkerne heraus legen und genau analysieren“ . Man richtet sich dabei kurz vor den Wahlen an die politischen Parteien, dass sie am Atomausstieg festhalten. „Wir wollen Druck für einen schnellen Atomausstieg machen“, so Bautz weiter.

Doch mit Leipzig ist dabei nicht Schluss. Bautz zur Tour des Bündnisses: „Zwölf Städte stehen auf dem Plan unserer Aktion. Es ist unser fünfter Stopp inzwischen. Wir waren schon in Berlin, Hamburg, Hannover und Bremen mit einigen hundert Leuten“. Bautz gibt einen Ausblick auf die danach folgende Podiumsdiskussion mit den Leipziger Bundestagskandidaten. „Wir wollen wissen, wie die energiepolitischen Rezepte der einzelnen Parteien aussehen“, erklärt Bautz weiter, „Alle Direktkandidaten sind hier vertreten, außer die FDP. In allen anderen Städten hatten wir kontroverse Diskussionen und ich denke, das werden wir auch in Leipzig haben“.

Bautz kündigt bei einem Kippen des bestehenden Atomausstiegs in der nächsten Legislaturperiode eine Renaissance der Anti-Atom-Bewegung an.

Nähere Infos:
www.endlagersuche.de

"Magda und Vanillesoße": Acht Leipziger begleiten als Samba-Trommler den Zug in die Innenstadt
"Magda und Vanillesoße": Acht Leipziger begleiten als Samba-Trommler den Zug in die Innenstadt
Foto Daniel Thalheim

Achtung Atommüll: Christoph Bautz im Kurzinterview

Längere Laufzeiten für veraltete Atomreaktoren, Atomstrom sei klimafreundlich und Atomausstieg sind politische Themen, die seit den Siebziger Jahren bestehen. In der Politik sorgen sie nicht seit gestern für Zündstoff. Offenbar scheint diese Problematik noch nicht ganz in der Bevölkerung angekommen zu sein oder muss zumindest immer wieder ins Gedächtnis gerufen werden. Campact-Geschäftsführer Christoph Bautz im Kurzinterview mit der L-IZ.

Warum diese Aktion in Leipzig?
Bautz: Wir gehen heute in Leipzig auf Endlagersuche. Wir wollen herausfinden, ob die Leipziger Innenstadt geeignet ist für 500 Tonnen Atommüll, der jährlich in deutschen Atomkraftwerken entstehen. Wir sind bundesweit auf Tour und gehen durch insgesamt zwölf Städte. Wir wollen die Menschen auf die ungelöste Atomproblematik aufmerksam machen.

Wir wollen sagen, dass wir so schnell wie möglich raus aus dieser Risikotechnologie müssen. Pläne, wie sie CDU / CSU und FDP haben, den Atomausstieg zu kippen, verbieten sich unserer Meinung nach.

Sie werden nach dieser Aktion eine Podiumsdiskussion mit den Spitzenkandidaten in Leipzig durchführen. Welche Politiker sind eingeladen worden?

Bautz: Es wurden Politiker aller Parteien eingeladen. Nur die FDP war nicht in der Lage, einen Vertreter auf das Podium zu schicken. An der Debatte nehmen Thomas Feist von der CDU, Monika Lazar von den Grünen, Axel Troost von den Linken sowie Daniel Werner von der SPD teil. Wir diskutieren überall mit den Kandidaten zum neuen Bundestag, damit die Bürger wissen was sie erwartet, wenn sie den einen oder anderen Kandidaten wählen.

Dass heute kein FDP – Politiker dabei ist, liegt aber daran, dass beide schon lange im voraus geplante Termine haben und diese wahrnehmen müssen. Ein dritter hat uns ohne erkenntlichen Grund abgesagt.

Wie verliefen bisher die Aktionen in den anderen Städten?

Bautz: Es gab eine rege Beteiligung. Wir waren immer so zwei- bis vierhundert Menschen. Sehr viele Medien haben darüber berichtet, die Bevölkerung hat intensiv Anteil genommen, viele waren erstaunt. Viele haben spontan Beifall geklatscht dafür, dass wir mit dieser Aktion Druck machen. Es gab viel Unterstützung und viele kreative Aktionen und jede Menge Spontanität. Die Leute sind mit Fässern in die Geschäfte gegangen und haben geschaut, ob sie dort endlagern können.

Sie haben an den unmöglichsten Stellen die „Strahlenbelastung“ zu messen angefangen. Auf der einen Seite alles sehr bunt und mit viel Spass. Auf der anderen Seite haben wir auf die ungelöste Problematik der Atommüll-Endlagerung aufmerksam gemacht.


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