Weihnachtswetter in Leipzig: Nicht weiß, aber böig und feucht
Ralf Julke
22.12.2011
Für den Heiligabend ist leichter Niesel vorhergesagt.
Foto: Ralf Julke
Wer jetzt große, bunte Regencapes, Regenschirme, bunte gefütterte Gummistiefel, Kapuzenanoraks und schöne dichte Regenmäntel für seine Lieben als Geschenk besorgt hat, der hat für den Gabentisch 2011 wohl genau das Richtige besorgt. Oder besorgen lassen. Denn auch der Weihnachtsmann kommt in diesem Jahr mit Regenpelerine.
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Derweil fluchen all die Wetterjournalisten, die sich mit Tief "Louis" Schnee versprochen hatten im ganzen Land. Sie haben sich mal wieder getäuscht. Das Tief war nur ein kurzer, spektakulärer Gast, sorgte für Schneetreiben, Windböen und - jaja, man kann's schon nicht mehr lesen - Verkehrschaos. Letzteres eigentlich so langsam ein kleiner Hinweis darauf, wie anfällig deutsche Infrastrukturen mittlerweile schon für gar nicht so spektakuläre Wetterkapriolen sind.
Oder sind es die Journalisten, die mittlerweile überdrehen, weil sie es aus dem Kino so gewohnt sind? Und dann fehlen für die Ereignisse, die tatsächlich heftig ausfallen, die Worte?
Im letzten Jahr fehlten sie ja. Da gab es ein für Deutschland seltenes Ereignis: Das Land war tatsächlich zum Heiligabend fast komplett eingeschneit. Nur oben an der Küste sorgte der Einfluss der maritimen Luft dafür, dass es noch ein paar schneelose Fleckchen gab. Im Osten Deutschlands schneite es dafür kräftig. Zu kräftig für die mittlerweile straff auf Taille gesparten Verkehrsstrukturen. Und was man in den letzten Jahren nur von der Deutschen Bahn kannte - liegengebliebene Züge im Schnee - das erlebten die Leipziger diesmal auch mit ihren Straßenbahnen. 27 Zentimeter Schnee waren zu viel für das damalige Krisenmanagement der LVB. Straßenbahnen blieben stecken. "Schon wieder", stöhnte so mancher Fahrgast. Denn kurz zuvor hatte Eisregen ebenso für einen Ausfall aller Straßenbahnen gesorgt.
Mit Schnee ist zu Weihnachten in Leipzig nicht unbedingt zu rechnen.
Foto: Ralf Julke
Das soll 2011 nicht wieder passieren. Die Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) haben nach ihren Kräften vorgesorgt und für den Schneefall auch ein altes Instrument aus Zeiten wieder reaktiviert, als Schneefälle in größerer Menge noch etwas häufiger vom Himmel kamen: das Freifahren der Gleise im Nachtbetrieb. Wenn also noch Schnee kommen sollte ...
Vorerst hat "Louis" ausgeschneit. Die drei Flocken, die am Montag, 19. Dezember, aus dem Himmel rieselten, waren vorerst die letzte Winterbotschaft.
Offiziell hat zwar der kalendarische Winter gerade begonnen. Am heutigen 22. Dezember ist mitd der längsten Nacht auch noch offizielle Wintersonnenwende. Ab heute werden die Tage wieder länger.
Trotzdem werden einige romantische Kinder wieder aus dem Fenster schauen und sich Schnee wünschen. Aber der ist in den nächsten Tagen nicht zu erwarten. Die großen Strömungen sind nicht danach.
Wer sich wasserfest kleidet, ist am 24. Dezember wohl genau richtig beraten.
Foto: Ralf Julke
"Statt einer weiteren Abkühlung mit einer Einwinterung auch im Flachland soll sich in den nächsten Tagen eher eine Westströmung durchsetzen, so dass im Wesentlichen feucht-milde Luft vom Atlantik zu uns herantransportiert wird", kommentiert das Stefan Külzer vom Deutschen Wetterdienst.
Dadurch gehen die Niederschläge in Lagen unterhalb von rund 1.000 Meter allmählich in Regen über und bei Temperaturen von 2 Grad am Alpenrand und bis zu 10 Grad am Niederrhein setzt sich auch in den Mittelgebirgen Tauwetter durch.
Da hilft also nicht einmal die Flucht in die sonst eher schneebedeckten Mittelgebirge. Im Gegenteil: Es wird so warm, dass das Tauwetter am Freitag, 23. Dezember, die Schneefallgrenze sogar bis auf 1.500 Meter Höhe verschieben wird. Alles was drunter ist, bekommt das Wasser in flüssiger Form gesprüht.
Die Temperaturen steigen auf 5 Grad im Südosten Bayerns, bis zu 11 Grad an Ems und Rhein. Bei überwiegend starker Bewölkung fällt hin und wieder etwas Regen.
"An Heilig Abend wird es dann allerdings wieder etwas kälter, da die Strömung vorübergehend auf nordwestlichen Richtungen drehen und ein Schwall kälterer Meeresluft zu uns vorstoßen soll", meint Külzer. "So wird die Schneefallgrenze im Tagesverlauf allmählich wieder auf etwa 500 Meter absinken, aber in den Niederungen bleibt es bei Temperaturen zwischen 3 und 8 Grad bei Regen, der zum Abend hin nachlässt."
Kann also der Weihnachtsmann damit rechnen, dass er dann ohne Regencape seine Arbeit verrichten kann. Schnee wird's trotzdem nicht.
Stefan Külzer: "Die Chancen auf weiße Weihnacht sind somit in den Niederungen sehr gering, in den mittleren Lagen der Mittelgebirge mäßig, in den Hochlagen der Mittelgebirge bei rund 800 m und darüber dagegen hoch."
Und für Leipzig heißt das so über den Daumen gepeilt: 5 Grad warm soll's werden, Windböen zotteln an den Rauschebärten und ein leichter Regen ist möglich. Gut zum Ausprobieren der schönen neuen wasserfesten Outdoor-Bekleidung.
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