Einlochen am Cospudener See? – Erste öffentliche Diskussion zum Golfhotel-Projekt
Bernd Reiher
09.03.2009
Erstaunlich vage Vorstellungen: Das Podium zur Golfhotel-Veranstaltung.
Foto: Bernd Reiher
In der Aula des Markkleeberger Hildebrandt-Gymnasiums gab es am Abend des 4. März eine erste Informationsveranstaltung zu den Plänen für ein Golfhotel im Zöbigker Winkel des Cospudener Sees. Der 400 Personen fassende Saal war voll. Sitzplätze waren schon frühzeitig knapp.
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Auf der Podiumsseite waren neben den sich präsentierenden Investoren auch Markkleebergs OBM Klose, Bauamtsleiterin Kerstin Findeisen, Dr. Müller-Syring von der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Leipziger Land sowie Vertreter des Planungsverbandes Westsachsen und des Landratsamtes zu finden.
Insgesamt gelang es den Investoren an diesem Abend nicht, ihr Projekt ins rechte Licht zu rücken. Zwar versuchten sie ihr Vorhaben zu verteidigen, ernteten aber auch einige Lacher bei der eigentlichen Präsentation und sorgten später sogar für Hohn, als sie zugeben mussten, dass runde 30 bis 40 Prozent der Investitionssumme doch nicht aus der eigenen Kasse, sondern aus Töpfen der EU kommen sollen. Ein Fördermittelanteil, von dem bis dahin kaum etwas zu lesen war. Da wo diese Summe hätte stehen sollen, war auch bei Nachfrage nur die Angabe “einheimischer Investor“ zu finden.
Der einzige Schwachpunkt bei der Investorenvorstellung war das nicht. Weniger lustig allerdings waren die öfter eingestreuten Seitenhiebe in Richtung Medien. Sie sollen interne Bilder fälschlich veröffentlicht haben. Das hatte auf vielen Seiten für Unruhe gesorgt. Dumm nur, dass auch dabei die Unister schnell überführt werden kann. War es doch nicht irgend eine E-Mail-Adresse, über die diese Grafiken an die Presse verteilt wurden, sondern eine von Unister selbst.
Volles Haus: Markkleeberger und Leipziger wollten wissen, wie ernst der Vorstoß ist.
Foto: Bernd Reiher
Auch Markkleebergs OBM hatte im letzten Wahlkampf eine bessere Figur gemacht, als an diesem Abend. Er antwortete im Diskussionsteil teilweise nur ausweichend, monierte „unterschwellige Polemik“ auf der Besucherseite und merkte an, dass “drei 3 Milliarden, die investiert worden sind, nicht dafür gemacht wurden, dass man einen Trampelpfad um den See“ habe. Einen Höhepunkt lieferte er allerdings schon im Vorwort ab. Da wünschte er sich “Sachlichkeit und vor allen Dingen ein gegenseitiges Zuhören“, damit man “Argumente wirklich austauschen“ könne.
Wäre er selbst damit in Vorleistung gegangen, hätte es die Aufregung vor und an diesem Abend gar nicht gegeben.
Die einzigen schönen Worte Kloses waren auch das an diesem Abend nicht. Oft fiel das von den zu erwartenden Arbeitsplätzen oder denen „für unsere Kinder“. Dass aber genau dieses Argument in diesen zwei Stunden scheinbar überstrapaziert wurde, zeigte sich in der späteren Diskussion. Hier wurde der Versuch, “immer wieder über die Schiene der Arbeitsplätze zu argumentieren“ sogar als “moralisch verwerflich“ eingestuft. Zum Vergleich: Markkleeberg hat 26.000 Einwohner. 1.300 davon sind arbeitslos. Das sind 5 Prozent. Andere Kommunen haben da größere Probleme. Auch weil sie nicht vom Potenzial einer vor der Haustür liegenden Halbmillionenstadt profitieren.
Ungeklärte Situation: das leer stehende AGRA-Museum.
Foto: Bernd Reiher
Ginge es Klose und Co. wirklich um die Arbeitsplätze, hätten sie es auch ohne Golfhotel schon mit genug offenen Baustellen zu tun. AGRA-Museum und SEEHAUS könnten vielen Menschen einen Platz zum Arbeiten bieten. Beide wurden mit ähnlichen Argumenten errichtet. Stehen heute aber ungenutzt in der Landschaft.
Stören tut das kaum jemand. Und der, der sich kümmern müsste, hat schon mit der Planung für die nächste Hütte zu tun. Natürlich geht es auch dabei um viele, viele Arbeitsplätze. Die aber dürften, wie man Unister so kennt, wieder eher nur im Billiglohn-Bereich untergebracht sein. Sechs Euro waren erst Ende Januar für die Büro-Stunde im Barfußgässchen angesagt. Beim Golfhotel im Zöbigker Winkel geht es um Tourismus – da dürfte für einen Großteil der Mitarbeiter kaum mehr zu erwarten sein.
Vielfältig und zumeist gar nicht von diesem Vorhaben begeistert klangen an diesem Abend die Argumente aus dem Publikum. Der anwesende Bernd Sikora meinte in Richtung der Investoren, dass ihr Vorhaben “vielleicht ein Modell am falschen Ort“ sein könnte. Gabriele Kretzschmar wunderte sich, “mit welcher Selbstverständlichkeit“ darüber hinweggegangen werde, dass ein Golfplatz dort entstehen könne, wo vorher Flächengestaltung mit öffentlichen Fördermitteln in Millionenhöhe geschah.
Unister in Erklärungsnot: Woher sollen die Millionen kommen?
Foto: Bernd Reiher
Auch der Steuerberater eines Anliegers meldete sich für das Saalmikrofon. Ihm erschienen die wenigen bisher vorgelegten Zahlen stark bedenklich. „Bei dem Areal“, das geplant sei, „und 40 Millionen Euro, geht das Ganze nicht auf.“ Er hoffe, dass bei der Wirtschaftlichkeitsbetrachtung ein “objektiver Berater“ genommen wird, “der nicht dafür bezahlt wird, dass er dann eine schwarze Zahl unten drunter malt.“ Viel Applaus gab es auch für Karl Heyde, als er forderte, “die Vorbehaltsfläche Golfplatz in eine Vorrangfläche Natur und Landschaft“ umzuwandeln.
Die Frage nach der nötigen Straße musste indes mehrmals gestellt werden. Beantwortet wurde sie erst kurz vor Schluss von Kerstin Findeisen aus dem Bauamt. Sie sagte: „Da wir uns noch in einem ganz frühen Stadium befinden, wurde überhaupt noch nicht über die Erschließungsfragen gesprochen.“ Das sei sicher ein ganz wichtiger Aspekt, darüber könne aber erst nachgedacht werden, “wenn wir wissen, wir wollen das Projekt angehen.“ Ein gut formulierter Satz. Für Beruhigung sorgte er nicht, wie besonders schön im Mitschnitt der ganzen Veranstaltung zu hören ist.
Der ist übrigens seit Freitag auch online zu finden. Ungekürzt, samt aller unfreiwilligen Komik und mit der ganzen schaurigen Schönheit dieser rund 120-minütigen Veranstaltung. Eine einzige Frage ist es, die darin fehlt. Es war der Zwischenruf “Wo sind die Umweltverbände?“ gleich zu Beginn, bei dem die Bandmaschine noch nicht lief. Ansonsten sind aber alle Sätze dabei. Vielleicht auch einige, von denen wir erst in ein paar Jahren wissen, dass der Absender das so niemals gesagt haben will. Zum Beispiel jenen des Herrn Dr. Klose mit den 3 Milliarden und dem Trampelpfad um den See. Dann könnte es aber auch sein, dass wir gar nicht mehr über die Sache reden müssen, weil Unister nicht auf das Fremdkapital gestoßen ist, nach dem die Firma momentan noch sucht.
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