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Kein Golfresort: Unister zieht sich vom Hotelprojekt am Cospudener See zurück

Redaktion
Ufer zugebaut mit Villen.
Ufer zugebaut mit Villen.
Montage: Ingenieurbüro Morgenstern
Am 18. März sollte das geplante Projekt für ein Golfhotel am Südstrand des Cospudener Sees im Markkleeberger Stadtrat zur Entscheidung kommen. Am 17.03. verkündete die in Leipzig heimische Unister GmbH per Pressemitteilung, dass sie sich vom 40-Millionen-Euro-Projekt zurückziehe.

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Als wesentlichen Grund nannte sie, "dass die Markkleeberger Stadträte wiederholt massiv bedroht wurden." Es scheint zumindest einen anonymen Brief an das Rathaus zu geben, in dem angedroht werde, "die Häuser der Stadtratsmitglieder in Brand zu stecken, die am Mittwoch für das Hotelprojekt am Cospudener See stimmen."

Ernstzunehmen sei der. Meint Unister und weiß auch, dass der Brief bereits der Polizei übergeben wurde. Was zumindest erstaunt, denn so eine Nachricht hätte man doch eher aus der Pressestelle des Markkleeberger OBM erwartet.

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„Wir haben der Stadt Markkleeberg ein erstklassiges Angebot gemacht. Bei einem Projekt dieser Größenordnung - es handelt sich um ein Golfresort mit 220 Zimmern, Wellnessoase, Tagungsmöglichkeiten, Golfplatz, Golfvillen, einer kleinen öffentlichen Marina sowie Seepromenade mit Restaurants und Freisitz - sind wir darauf angewiesen, dieses gemeinsam mit der Stadt und deren Einwohnern und nicht gegen diese zu realisieren", erklärt Dr. Jan Mauelshagen, Leiter des strategischen Managements der Unister GmbH. "Wir waren mehr als überrascht, wie sehr dieses Projekt von Anfang an polarisiert hat und persönliche Befindlichkeiten und Partikularinteressen einer sachlichen Auseinandersetzung mit der Projektidee im Wege standen."

Eine erstaunliche Aussage, wurde doch noch vor wenigen Wochen versucht, das ganze Projekt als noch längst nicht realisierungsreif darzustellen - und auf einmal sollte es im Schnelldurchlauf den Stadtrat passieren. Da würden sich auch gestandene Investoren nicht wundern, wenn Bürger sich mit ihren "persönlichen Befindlichkeiten und Partikularinteresen" zu Wort melden. Das ist nämlich ihr gutes Recht.

Ein Beteiligungsverfahren, das bei einem Projekt dieser Größenordnung sogar gesetzlich verankert ist, hat bis heute nicht stattgefunden.

Romantische Cospuden-Kulisse: Noch ohne Villen und Golfhotel.
Romantische Cospuden-Kulisse: Noch ohne Villen und Golfhotel.
Foto: Bernd Reiher

So recht kann man da der Aussage nicht glauben: "Der Investor plante ein Golfresort in Einklang mit den örtlichen Gegebenheiten zu entwickeln, ohne den Charakter des Cospudener Sees nachteilig zu verändern. Ruhe, Natur und Erholung waren tragende Säulen des Konzepts. Neben Übernachtungsgästen waren insbesondere Markkleeberger und Tagestouristen als wichtige Zielgruppe des Resorts angesprochen. Ihnen sollten attraktive Rückzugs- und Erholungsmöglichkeiten sowie ein vielfältiges gastronomisches Angebot offeriert werden."

Unister als Investor stelle sich nun der Verantwortung, das Projekt nicht um jeden Preis zu realisieren, teilt das Unternehmen mit. Unter diesen Umständen sei zudem nicht mit einer sachbezogenen, unbefangenen Stimmabgabe zu rechnen.

„Wir bedauern außerordentlich, dass wir die Investitionsidee am Südufer des Cospudener Sees zu den Akten legen müssen", erklärt auch Thomas Wagner, Geschäftsführer der Unister GmbH. "Die Stadt Markkleeberg verpasst eine einmalige Chance, sich ein stabiles wirtschaftliches Standbein zu schaffen und die Region nachhaltig sowie umsichtig auf der touristischen Landkarte zu verankern."

So würde der zugebaute Südstrand aussehen.
So würde der zugebaute Südstrand aussehen.
Montage: Ingenieurbüro Morgenstern

„Ein solches Hotelprojekt kann nur dann erfolgreich sein, wenn alle Beteiligten an einem Strang ziehen", erklärt er weiter. "Diese notwendige politische und gesellschaftliche Geschlossenheit war in Markkleeberg nicht vorhanden, so dass Unister sich selbst im Falle eines positiven Stadtratsbeschlusses nicht auf den nötigen Rückhalt verlassen kann. Unter diesen Umständen ist das Projekt von Anfang an zum Scheitern verurteilt."

Ist das Weltfremdheit? Verwechselt der Geschäftsführer da nicht die so gern öffentlich beschworene "Geschlossenheit" von Parteien mit dem Recht der Bürger auf Meinungsfreiheit und Meinungsvielfalt? Gerade wenn es um ein sensibles Stück öffentlichen Raumes geht und eben nicht um Investitionen in Privatbesitz?

Spätestens wenn der Solidarpakt auslaufe, müsse sich Markkleeberg strategisch positioniert haben, um als eigenständige Kommune zu überleben, meint Wagner. Markkleeberg verpasse aus Sicht der Unister GmbH gegenwärtig die Chance, den Cospudener See umsichtig zu entwickeln sowie dringend benötigte Arbeitsplätze und Steuereinnahmen zu generieren.

Als wenn es am Cospudener See tatsächlich nur um Markkleeberger Partikularinteressen ginge. "Das investorenfeindliche Klima in Markkleeberg ist erschreckend", stellt Unister fest. Und erklärt, stets bemüht und bereit gewesen zu sein, sich an einer konstruktiven Auseinandersetzung mit allen Anspruchsgruppen zu beteiligen.

Positiv hervorzuheben seien deshalb beispielsweise der Oberbürgermeister der Stadt Markkleeberg, Dr. Bernd Klose, weitere Stadtratsmitglieder verschiedener Fraktionen sowie die involvierten städtischen Planungsämter, die aktiv nach gemeinsamen Lösungen suchten. Genau jener Personenkreis also, der bislang versucht hat, das Projekt aus einer öffentlichen Diskussion herauszuhalten.

"An anderen Stellen fiel es hingegen von Beginn an schwer, berechtigte Einwände von Vorwänden zu unterscheiden. Eine sachliche Diskussion über eine erste vorliegende Projektskizze hinaus kam so nicht ansatzweise zustande, zumal verschiedene Verbände und Initiativen anstelle eines Dialogs vorschnell teils pauschalisierte Aussagen und Halbwahrheiten ohne genaue Kenntnis des Sachverhalts verbreiteten, die in einer destruktiven und emotional negativ aufgeheizten Grundstimmung mündeten", erklärt Unister weiter.

„Wir bedauern die Entscheidung, unser Investitionsangebot zurücknehmen zu müssen", sagt Dr. Jan Mauelshagen abschließend. "Wir halten jedoch an den Hotelplänen fest und werden uns jetzt im gesamten Bundesgebiet nach Alternativen umsehen, bei denen die Unister GmbH als Partner willkommen ist."


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