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Flug(hafen)lärm in Leipzig: Selbst der Flughafenchef findet Gesamtbelastung "unerträglich"

Ralf Julke
Nächtlicher Start am Flughafen Leipzig/Halle.
Nächtlicher Start am Flughafen Leipzig/Halle.
Foto: FH Leipzig / Halle
Sie nennt es immer wieder Prüfung. Aber in Wirklichkeit prüft die Landesdirektion Leipzig ja nichts, wenn es um die nächtliche Lärmverursachung am Flughafen Leipzig / Halle geht. Sie lässt sich einfach die Flugzahlen des Flughafens geben, errechnet daraus ein "Lärmschutzgebiet". Und das war's.

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Keine Messungen zu Überflügen oder den berühmt-berüchtigten Südabkurvungen. Keine Messungen im direkten Ein- und Ausfluggebiet. Auch die Messtationen des Flughafens sind nur innerhalb des „Lärmschutzgebietes“ angeordnet. Wer draußen wohnt, hat Pech. Da zeigt sich auch Bert Sander enttäuscht, der seit einem Jahr für die Wählervereinigung Leipzig im Stadtrat sitzt. Denn das Problem ist ja nicht für Leipzig einzigartig. Über 5 Millionen Bundesbürger klagen über Schlafstörungen durch Fluglärm - besonders jene, die im Einzugsgebiet von Flughäfen liegen, die auch - wie Leipzig - einen Nachtflugbetrieb unterhalten. Es ist ein gewaltiger Unterschied, ob ein kühner Pilot am Tage "mal schnell" übers Stadtgebiet zieht oder ob er nachts die scharfe Kurve nimmt und auch noch über dichtbebautem Gebiet steil nach oben zieht. Dann zittern auch in Wahren und Böhlitz-Ehrenberg die Scheiben.

Normalerweise hofft der Bürger dann auf die Sorgfaltspflicht durch die verantwortlichen Behörden. Doch die Leipziger Landesdirektion hält weitere Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung vor Nachtfluglärm für nicht erforderlich.

"Zur Begründung dieser Position wird immer die gleiche Leier angeschlagen, die aktuell selbst so manchen Leipziger Stadtrat einlullt: Das Schallschutzgebiet, so heißt es ununterbrochen, sei mittlerweile doch immerhin doppelt so groß, wie es den gesetzlichen Vorschriften nach eigentlich sein müsste", kritisiert Sander. "Die Mär vom angeblich deutschlandweit vorbildlichsten Schall- und Nachtschutzgebiet vermittelt den Eindruck, als ob Schallschutzfenster und Lüfter geradezu ein Segen für die Leipziger Region seien."

Alle innerhalb der "Lärmschutzzone" angeordnet: Messstationen des Flughafens.
Alle innerhalb der "Lärmschutzzone" angeordnet: Messstationen des Flughafens.
Karte: FH Leipzig / Halle

Die Bezeichnung „Nachtschutz-Zone“ würde aber eben nicht bedeuten, wie man auf den ersten Blick meinen könnte, dass das bezeichnete Gebiet vor Lärm geschützt werden soll. Vielmehr sei in diesen Zonen die obligatorische Nachtruhe aufgehoben.

"Nach §2 des Gesetzes zum Schutz gegen Fluglärm wird in diesen Territorien ein nächtlicher Dauerlärmpegel von 50 Dezibel mit Spitzen bis zu 6x53 Dezibel überschritten", erklärt Sander die Tücken des Wortes. "Ehrlicherweise sollte man daher auch nicht von 'Nachtschutz-Zone', sondern von 'Nachtlärmgebieten' sprechen. Darüber hinaus wird eine weitere schwerwiegende Tatsache tunlichst verschwiegen, nämlich, dass mit der Feststellung dieser sogenannten 'Schutzzonen' u. a. auch erhebliche Eingriffe in die gemeindliche Raumordnung bzw. kommunale Selbstverwaltung verbunden sind, konkreter gesagt, dass in den dementsprechend ausgewiesenen Zonen ein Bauverbot für Wohnungen und schutzbedürftige Einrichtungen wie Schulen, Krankenhäuser etc. herrscht."

Angesichts dieser Tatsachen stelle sich allerdings die Frage, was an der Erweiterung der Schallschutzzone überhaupt zu bejubeln sei. "Sollte sich der Flughafen bzw. DHL nicht vielmehr darum bemühen, durch endlich aktive Lärmschutzmaßnahmen (Stichwort 'Bonusliste') die Lärmschutzzone so klein wie nur irgend möglich zu halten", fragt der Stadtrat. "Dieser Zielsetzung folgt, wie wir nun zum wiederholten Mal schmerzhaft erfahren mussten, zwar nicht die Landesdirektion Leipzig, wohl aber mittlerweile der Flughafenchef Dierk Näther."

Und Sander zitiert dabei aus einem Schreiben an den Bundesminister für Verkehr, Bau- und Stadtentwicklung, Peter Ramsauer, das der Flughafenchef am 14. Juli 2010 geschrieben hat: "Trotz Inanspruchnahme von passiven Lärmschutzmaßnahmen (Lärmschutzprogramm des Flughafen Leipzig/ Halle) ist auf Grund der Bündelung der Verkehrsträger und teilweise Verfehlung der Wirkung aktiver Lärmschutzmaßnahmen die Gesamtbelastung für die Bürger unerträglich geworden."

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