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Planungsstopp für vierspurige B87n: BUND sieht Vernunft in das Projekt einziehen

Ralf Julke
Parthenaue im Leipziger Nordosten.
Parthenaue im Leipziger Nordosten.
Foto: Baumgärtel
"Es gibt Momente, da wird anscheinend bei der Bundesregierung in Berlin der Verstand wieder eingeschaltet", freut sich Hans-Udo Weiland, Vorsitzende des BUND Sachsen e.V. - Es geht um den geplanten Neubau der B 87 im Leipziger Nordosten, der vierspurig die Stadt Leipzig mit der Grenze zu Brandenburg verbinden sollte.

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Bürgerinitiativen und Naturschutzverbände protestieren seit Jahren gegen das Prestigeprojekt, dem augenscheinlich völlig überhöhte Planungsansätze zu Grunde liegen. 43.000 Fahrzeuge pro Tag stehen in den Planungsansätzen, ganz so, als würde da ein neuer Ballungsraum an die Metropolregion Leipzig/Halle angeschlossen. Es sind diese - bis heute nicht untersetzten Zahlen - die bislang einen vierspurigen Ausbau der 54 Kilometer langen Strecke als zwangsläufig erscheinen ließen. 360 Millionen Euro hätte ein solches Projekt gekostet.

Eine Zahl, über die Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) bei der Überprüfung der Straßenbauprojekte im November stolperte - und die ihm für diese Straße als völlig überzogen erschien. Er verwies das Projekt zur Neuplanung an den Freistaat Sachsen zurück - mit der Maßgabe, das Ganze nicht vier-, sondern nur noch zweispurig durchzuplanen.

Zwei wesentliche Streiter für den vierspurigen Ausbau fielen aus allen Wolken, als sie davon in der Oschatzer Allgemeinen Zeitung lasen: Der nordsächsische Landrat Michael Czupalla (CDU) und der Bundestagsabgeordnete Manfred Kolbe (CDU).

„Das ist für die gesamte Region ein schwerer Schlag", erklärte Kolbe am Wochenende gegenüber der LVZ. "Der Neubau der B 87 n zwischen Leipzig und Torgau ist das noch verbliebene zentrale Straßenbauvorhaben im Leipziger Raum und hat besonders für den Landkreis Nordsachsen eine absolut zentrale Bedeutung. Aus diesem Grund hatten alle politischen Kräfte vor Ort jahrelang daran gearbeitet, dieses Vorhaben 2004 als vordringlichen Bedarf und mit einer neuen vierspurigen Trassierung zu verankern.“

Sieht die Bürgerinitiative durch die B87n besonders bedroht: die Parthenaue.
Sieht die Bürgerinitiative durch die B87n besonders bedroht: die Parthenaue.
Foto: Baumgärtel

Doch nicht nur der Landkreis Nordsachsen hat das Problem, dass die Einwohnerzahlen - und damit auch die zu erwartende Verkehrsbelastung zurückgehen. In Südbrandenburg, das ja mit dieser autobahnähnlichen Bundesstraße angebunden werden sollte, prognostiziert das Bundesverkehrsministerium einen Rückgang des Individualverkehrs um über 10 Prozent. Der vierspurige Ausbau wäre völlig überdimensioniert.

"Offensichtlich ist es gelungen, Bundesverkehrsminister Ramsauer davon zu überzeugen, dass der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in Sachsen Recht hat, wenn er im Kampf gegen die B87n seit Jahren kritisiert, dass die Datenbasis für dieses Projekt völlig veraltet und damit der Nutzen der neuen Straße höchst fragwürdig ist", erklärt Hans-Udo Weiland. "Statt in einem längst fälligen überregionalen Verkehrskonzept unter Einbeziehung aller Verkehrsträger Sinn und Notwendigkeit einer neuen Verkehrsverbindung zu untersuchen und nachprüfbar zu belegen, arbeiten Landkreise und regionaler Planungsverband trotz aller warnenden Hinweise unbeirrt weiter und verschleudern damit die ohnehin viel zu knappen Steuergelder."

Mit der Entscheidung des Bundesverkehrsministers habe nun endlich auch das sinnlose Hin- und Hergeschiebe der Trasse seitens der Bürgerinitiative ein Ende, die sich zwar vehement und zu Recht gegen die Querung der Parthenaue wehre, aber offensichtlich nichts dagegen habe, dass Lärm und Feinstaub in die Eilenburger Region verlagert würden.

"Das Landratsamt Nordsachsen ist heute schon nicht mehr in der Lage, die ihm unterstehenden Straßen ordnungsgemäß zu unterhalten und den Winterdienst auch nur annähernd verkehrsgerecht durchzuführen", stellt Weiland fest. "Dennoch will Landrat Michael Czupalla (CDU) mit aller Gewalt immer mehr neue Straßen. Wer die eines Tages bezahlen soll, scheint ihm völlig gleichgültig zu sein. Jeder Umweltminister in Sachsen hat immer wieder Wählerstimmen heischend beklagt, dass der Straßenbau in Sachsen zu viele wertvolle Naturräume zerstört, aber keiner hat wirklich etwas dagegen getan, weder Flath, Tillich, Wöller noch Kupfer. Unisono tönt aus ihren Kehlen das absurde Credo, autobahnähnliche Schnellstraßen quer durch Sachsen würden Arbeitsplätze und wirtschaftlichen Aufschwung schaffen. Genau das Gegenteil ist der Fall, die Folgekosten kann keiner mehr bezahlen und ruinieren die ohnehin maroden Finanzen der Kommunen und des Landes endgültig."

www.bund-sachsen.de


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