Nachtfluglärm am Flughafen Leipzig/Halle: Auch Verkehrsminister von Sachsen-Anhalt bekommt Unterschriftenpaket
Ralf Julke
18.10.2011
Startender Cargo-Flieger am Flughafen Leipzig / Halle.
Foto: Flughafen Leipzig / Halle, Uwe Schoßig
Wenn viele Schlafmützen sich einen Flughafen teilen, hat man natürlich auch viele Adressen, an die man sich wenden muss, damit ein paar kleine Missstände aus der Welt geschafft werden. Zum Beispiel das Fliegen alter, lauter russischer Transportmaschinen mitten in der Nacht über Städte und Dörfer. Am Donnerstag, 20. Oktober, bekommt auch der Verkehrsminister von Sachsen-Anhalt eine Petitionsliste überreicht.
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Der Minister für Landesentwicklung und Verkehr in Sachsen-Anhalt heißt Thomas Webel, ist Mitglied der CDU, hatte im Börde-Landkreis, wo er bis April Landrat war, den Spitznamen "Börde-Baron", und war jüngst auch noch der Überzeugung, es gäbe in Sachsen-Anhalt keine durch den Fluglärm des Airports Leipzig/Halle Betroffenen. Dass der Zorn der Betroffenen im Osten von Halle längst genauso groß ist wie im Nordwesten von Leipzig, weiß er vielleicht inzwischen. Vielleicht hat er sich ja kundig gemacht.
Hoffentlich bei den Richtigen.
In Schkopau zum Beispiel. Das ist eine Gemeinde im Saalekreis südlich von Halle - und sie liegt ebenfalls in den An- und Abflugrouten des Flughafens Leipzig/Halle. Und auch hier brummen oder dröhnen in der Nacht, je nach Windrichtung, veraltete Transportmaschinen über die Dächer. Deswegen hat auch die Gemeinde Schkopau - genauso wie der Stadtrat von Leipzig - einen Beschluss zur Begrenzung der Nachtflugerlaubnis am Flughafen Leipzig/Halle auf leisere Flugzeuge, der so genannten "Bonusliste", verabschiedet und in die Fluglärmkommission eingebracht.
Startender Cargo-Flieger am Flughafen Leipzig / Halle.
Foto: Flughafen Leipzig / Halle, Uwe Schoßig
Aber es ging den Schkopauern in dieser sonderbaren Abnickkommission genauso wie den Leipzigern: Auch ihre Initiative wurde abgebügelt, nachdem die DHL in der Fluglärmkommission ihre Interessen etwas deutlicher gemacht hat. Und wie das in Deutschland so ist, wenn politische Vertreter kein Rückgrat haben, überredet man die Vertreter der Wirtschaft dann zur "freiwilligen Selbstverpflichtung". Im Protokoll der 40. Sitzung der Fluglärmkommission liest sich diese Kapitulation so: "Die Kommission hat sich darauf verständigt, in der nächsten Sitzung einen Beschluss zu fassen, in dem DHL beauftragt wird, eine bindende Selbstverpflichtung zur Ablösung lauter Fluggeräte gegenüber der Genehmigungsbehörde abzugeben."
Die hat DHL eigentlich längst gegeben: Sie will die alten Klapperkisten bis 2016 durch neue Flugzeuge ersetzen. Man darf gespannt sein, ob sich die neue "Selbstverpflichtung" anders liest.
Die Stadt Halle hatte übrigens auch einen Antrag eingereicht: Sie will, dass die Flugrouten geändert werden und nachts eben - wie einst im Bebauungsplan für die Startbahn Süd nicht anders zu finden - das Stadtgebiet nachts überhaupt nicht mehr überflogen wird. Aber die neuen Flugrouten hat dann - mit Segnung der diversen Bundesverkehrsminister - die Deutsche Flugsicherung (DFS) einfach eingeführt. In Leipzig heißt das dann "kurze Südabkurvung".
Und wer soll das nun entscheiden? - Niemand, befand die Fluglärmkommission und bestellte auch hier den Verursacher zum Entscheider. Im Protokoll zu lesen: "Der Antrag der Stadt Halle zur Änderung der Flugrouten wurde als Prüfauftrag an die Deutsche Flugsicherung weitergegeben."
Auf der 40. Sitzung der Fluglärmkommission im März 2011 wurde also allen drei Kommunen, in denen die Bürger nun seit fünf Jahren unter dem nächtlichen Lärm leiden, beschieden, dass ihre Interessen nicht wirklich interessieren und ihre Anwesenheit in der Kommission eigentlich nur ein Alibi ist. Da können Stadträte beschließen, was sie wollen - es zählt nicht.
Die gegen Flug- und Bodenlärm engagierten Bürgerinitiativen im Umfeld des Flughafens Leipzig/Halle wollen trotzdem nicht aufgeben. "Wir haben eine Online-Petition organisiert, die von 2.220 Fluglärmbetroffenen mitgezeichnet wurde", sagt Michael Teske, Vorsitzender der IG Nachtflugverbot Leipzig/Halle e.V. Diese Petition wollen Vertreter der Bürgerinitiativen nun am Donnerstag, 20. Oktober, um 14:00 Uhr an den Verkehrsminister von Sachsen-Anhalt, Thomas Webel, übergeben.
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