Nachtfluglärm über Leipzig: Daniela Kolbe und Wolfgang Tiefensee unterstützen Petition gegen Südabkurvung
Ralf Julke
20.12.2011
Wolfgang Tiefensee.
Foto: Robert Weigel
Seit 2007 kämpfen nicht nur die Bürger im Leipziger Nordwesten, seit damals kämpft auch die Stadt Leipzig beharrlich gegen das, was die Deutsche Flugsicherung (DFS) so schnippisch "Kurze Südabkurvung" nannte. Bis dahin war eigentlich für Stadt und Bürger selbstverständlich, dass die Flugzeuge, die die 2006 fertiggestellte Startbahn Süd des Flughafens Leipzig/Halle nutzen, das Stadtgebiet umfliegen.
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Nichts Anderes hatte der öffentlich ausgelegte Bebauungsplan suggeriert, nichts Anderes war bei den Verhandlungen um den Nachtflugbetrieb insbesondere für die DHL zur Sprache gekommen. Doch im Juni 2007 nahm die Deutsche Flugsicherung GmbH auf einmal neue Flugrouten in Betrieb. Seitdem sind über 60.000 Leipziger fast jede Nacht vom Fluglärm betroffen. Seitdem kurven die teilweise uralten Frachtflieger nicht nur bei Ostwind übers Stadtgebiet. Vorzugsweise um Mitternacht, um 1 Uhr und 2 Uhr, wenn der Mensch in der Regel gerade im Tiefschlag liegt.
Schon damals ging die Stadt in Protest gegen die neuen Flugrouten. Adresse war der damalige Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD). Er ließ die "Südabkurvung" kurzzeitig außer Betrieb nehmen und prüfen. Am Ende stand ein seltsamer Kompromiss: Es wurde statt der ersten Variante der "Südabkurvung" eine zweite Variante aufgelegt, die rein faktisch die Stadtteile Grünau und Rückmarsdorf entlasten sollte. Die Zahl der rechnerisch Betroffenen sank so von 61.100 auf 37.300. Das wurde so 2009 in der Fluglärmkommission als Alternativroute beschlossen. Die Stadt Leipzig stimmte zu - äußerte in einem Verwaltungsstandpunkt von Oktober 2009 aber weiterhin heftige Bedenken. Ihr Ziel blieb die Komplettabschaffung der umstrittenen Route.
Dumm nur, dass ausgerechnet die Betroffenen, die Kommunen und ihre Bewohner, bei der Gestaltung von Flugrouten nicht mitzureden haben. "Es wurde ausgeführt, dass die fachliche Erarbeitung der Flugrouten sowie die Verteilung des Luftverkehrs entsprechend Luftverkehrsgesetz ausschließlich der Deutschen Flugsicherung GmbH (DFS) und dem Luftfahrt-Bundesamt obliegt. Die Stadt Leipzig hat diesbezüglich keine rechtlichen Eingriffsmöglichkeiten", heißt es deshalb im Verwaltungsstandpunkt.
Unterstützt die Petition gegen die Südabkurvung: Wolfgang Tiefensee.
Foto: Robert Weigel
Man brauchte sich also nicht zu wundern, dass mit der "Alternativroute" keinerlei Entlastung für die Leipziger zu spüren war. Im Gegenteil. Mittlerweile sind immer mehr Stadtteile Leipzigs vom nächtlichen Fluglärm bedroht. Die Frachter setzen selbst dann, wenn sie zur Landung von Osten auf dem Flughafen einfliegen, von Westen kommend direkt übers Stadtgebiet, reißen auch die Bewohner Großzschochers und Markkleebergs aus dem Schlaf, um in spitzem Winkel hinter Taucha beizudrehen.
Fast vergessen, dass seit 2007 eine Petition beim Bundestag liegt, die auf die Abschaffung der "Südabkurvung" drängt. Und was er als Verkehrsminister nicht ändern konnte, versucht Wolfgang Tiefensee nun als einfacher Bundestagsabgeordneter zu ändern. Gemeinsam mit der SPD-Bundestagsabgeordneten Daniela Kolbe unterstützt er jetzt die 2007 beim Deutschen Bundestag eingegangene Petition „Gegen die neue Südabkurvung am Flughafen Leipzig/Halle“. Der Leipziger Bürgerinitiative gegen die Neue Südabkurvung haben sie ihre Unterstützung zugesagt.
In einem Gespräch mit Tiefensee, Kolbe und SPD-Mitgliedern des Petitionsausschusses stellten Andreas Müller, Gerd Näther und Lutz Weickert, Vertreter der Leipziger Bürgerinitiative „Gegen die Neue Südabkurvung“, jüngst ihre Ausarbeitungen zum Thema vor.
Aus der Präsentation geht hervor, dass der Weg- und Zeitunterschied zwischen der Standard-Südabkurvung und der kurzen Südabkurvung etwa 32 Kilometer bzw. 3 Minuten beträgt. Das ist geradezu lächerlich im Vergleich zu den Routen, die die DHL-Flieger jede Nacht zurücklegen. Erst am 12. Dezember hatte der Flughafen stolz verkündet, woher das alles einfliegt, was da nächtens und tagsüber über Leipzig brummt: "Im Frachtverkehr werden von Leipzig/Halle aus 58 Flughäfen in 34 Ländern auf vier Kontinenten angeflogen. Neben zahlreichen europäischen Destinationen zählen hierzu ebenso Ziele wie New York, Cincinnati, Hongkong, Delhi, Singapur, Seoul und Lagos. Hinzu kommen die Aktivitäten der ab Leipzig/Halle eingesetzten AN-124-Frachtmaschinen von Volga-Dnepr und Antonov Design Bureau sowie Frachtcharterflüge."
Auch Daniele Kolbe unterstützt die Petition.
Foto: Robert Weigel
Drei Minuten sparen auf der Route nach Delhi oder Singapur? Das hat mit der eigentlichen Aufgabe der DFS, die Flugsicherheit zu gewährleisten, nichts mehr zu tun.
Gleichzeitig kann die kurze Südabkurvung durch den engen Flugradius bis zu 100 kg mehr Kerosinverbrauch verursachen.
Auch ein unabhängiges Gutachten vom Juni 2011, welches von der Stadt Leipzig in Auftrag gegeben wurde, empfiehlt die Abschaffung der kurzen Südabkurvung, um die Kapazität des Flughafens zu erhöhen und die Lärmbelastung zu verringern. Die übers Stadtgebiet abgekürzten Flugrouten haben tatsächlich nur geringe Auswirkungen auf den Kostenfaktor der Flüge. Auch deshalb nicht, weil der Flughafen Leipzig/Halle nach wie vor mit niedrigen Start- und Landegebühren agiert.
So sieht es auch Wolfgang Tiefensee. Da eine Beeinträchtigung der Wirtschaftlichkeit des Flughafens Leipzig/Halle von den Betreibern nicht nachgewiesen wurde beziehungsweise Anfragen zu einer Stellungnahme ganz und gar unbeantwortet blieben, sieht Wolfgang Tiefensee keine Gefährdung der Existenz des Flughafens Leipzig/Halle.
Daniela Kolbe ergänzt, dass auch keine ökologischen Gründe für die kurze Südabkurvung angeführt werden können, da zwar die Flugstrecke kürzer ist, aber der Kerosinverbrauch höher sein kann.
Und es steht durchaus die Frage, ob die 3 Minuten früher stattfindende Landung eines Frachtfliegers wirklich wichtiger ist als die Gesundheit der Leipziger. Für wen ist so ein Flughafen tatsächlich da? Für die Manager von DHL, die in der Nähe der Bonner Firmenzentrale leben und Leipzig für eine menschenleere Einöde halten?
Beide SPD-Bundestagsabgeordneten heben die Bedeutung der Gesundheit der Leipziger Bürgerinnen und Bürger hervor. Nun sei es wichtig, dass mit politischen Mitteln das weitere Überfliegen von Leipziger Wohngebieten gestoppt werde, erklären sie. Die SPD-Bundestagsfraktion will darauf hinarbeiten, dass die Petition zügig abgeschlossen wird. Die Unterstützung der Petition durch Wolfgang Tiefensee und Daniela Kolbe ist sicher.
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