Nach der jüngsten Sitzung der Fluglärmkommission des hiesigen Flughafens am 7. Dezember spricht der Leipziger Stadtrat Bert Sander von „verpassten Chancen“. Die Selbstverpflichtung zum Verzicht auf Flugzeuge vom Typ AN 26 bis Ende 2015 nennt er „Augenwischerei“. Die erneute Vertagung zur Bahnbelegung sei ebenso „enttäuschend“.
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Rund um den Flughafen Leipzig/Halle ist alles wie gehabt. „Im Weiteren ergab die Untersuchung der Fluglärmmessungen, anhand der Auswertung der Daten der letzten drei Jahre, keine wesentlichen Änderungen der Lärmsituation“, teilte die Fluglärmkommission nach ihrer letzten Sitzung am 7. Dezember 2011 mit. Dies hätte auch die Landesdirektion Leipzig so bestätigt.
Bleibt nur die Frage: Ist die Lärmsituation damit unverändert zumutbar, oder unverändert unzumutbar? Darüber gehen in der Region die Meinungen seit Jahren auseinander.
Die Fluglärmkommission meldete es jedenfalls als Fortschritt, dass die Post-Tochter European Air Transport Leipzig (EAT) eine Selbstverpflichtung abgegeben hat. Die Erklärung erfolgte gegenüber Sachsens Wirtschaftsministerium als Genehmigungsbehörde des Flughafens. „Dies beinhalte, dass die EAT bis spätestens Ende 2015 endgültig die sechs (Antonow) AN 26-Flugzeuge aus ihrer Flotte nehmen wird“, so die Kommission, die den Schritt nach eigenen Angaben begrüßte.
Der Leipziger Stadtrat Bert Sander von der Wählervereinigung nennt dies hingegen „Augenwischerei“. Das Mitglied der bündnisgrünen Ratsfraktion kritisiert, dass eine solche Selbstverpflichtung juristisch nicht einklagbar sei. Auch sei es bis 2015 noch eine lange Strecke, mithin ein eher „fernes Ende“.
„Die Kommission hätte Mut bewiesen, wenn sie die Bonusliste empfohlen hätte“, findet Lärmschutzaktivist Bert Sander. Stattdessen sei die Sitzung aus seiner Sicht eine Sitzung der „verpassten Chancen“.
Die Bonusliste zum Fernhalten der Donnervögel von Flughäfen halten Lärmschutzaktivisten für den besseren Weg. Davon ließen sich bislang bereits mehrere Airport-Betreiber und der Leipziger Stadtrat überzeugen. Die Leipziger Fluglärmkommission hingegen nicht.
Auch bei der 96. Sitzung zeigte sich Fluglärmkommission unfähig zum Handeln.
Kritik übte die Fluglärmkommission dann auch. Ihr fehle eine verbindliche Aussage zur Ausmusterung der AN12. Hierzu forderte sie eine Stellungnahme zur nächsten Sitzung im März 2012 ein.
Für ebenso "enttäuschend" hält Stadtrat Sander die erneute Vertagung einer Entscheidung zur Bahnverteilung am Flughafen. Die Unterausschussgruppe (UAG) – Bahnverteilung – hätte am 7. Dezember „einen detaillierten Sachstandsbericht“ vorgetragen, erklärte die Kommission. Der Schwerpunkt dieser umfassenden Betrachtung sei die „Definition der Lärmbetroffenheit“ gewesen. Nun gibt es hierbei mehrere wissenschaftliche Modelle, und „umfassend“ soll das Ganze ja auch sein. Also ist aus Sicht der FLK mehr Zeit erforderlich: „Die UAG stellte sich das Ziel, in der nächsten FLK-Sitzung, im Frühjahr 2012, Entscheidungsvorschläge für eine Verteilung der Flugbewegungen zu erarbeiten.“
„Die Rechnerei geht weiter“, zeigt sich Bert Sander zunehmend genervt, dabei sei die Bahnverteilung „etwas, was den Leuten auf den Nägeln brennt“.
Gast der Fluglärmkommission war der renommierte Fluglärmexperte Dieter Faulenbach da Costa. Seine Vorschläge für den aktiven Lärmschutz hatte sich der Leipziger Stadtrat zu Eigen gemacht. Dieses „Gesamtpaket von flugsicherungstechnischen sowie betriebsorganisierten Maßnahmen“ wurde in der Diskussionssitzung „intensiv diskutiert“. Fazit der Fluglärmkommission: Die aufgezeigten Maßnahmen sollen nun in einem engeren Fachkreise diskutiert sowie geprüft werden, um sie „gegebenenfalls“ der FLK zu empfehlen. Auch hier hätte sich Sander gewünscht, dass die Kommission die Chance beim Schopfe packt und gleich auf Realisierung der Vorschläge Faulenbachs drängt.
Doch auch der Stadt Schkeuditz ist es nachts zu laut. Sie legte einen Prüfauftrag vor, der die Verlagerung von lärmintensiven Flugzeugen außerhalb des Nachtzeitraumes bzw. der Nachtkernzeit fordert. „Dieser Auftrag wurde bis zur nächsten FLK-Sitzung an DHL/EAT und den Flughafen zur Prüfung übergeben“, so das vorläufige Ergebnis.
Gewählt wurde auf der Kommissionssitzung übrigens auch noch. Manfred Heumos als Vertreter der Stadt Schkeuditz wurde als Kommissionsvorsitzender ebenso im Amt bestätigt wie seine Stellvertreterin Angelika Freifrau von Fritzsch, im Hauptberuf Amtsleiterin für Umweltschutz der Stadt Leipzig.
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