Markkleeberger See: Erster Abschnitt des Geopfades ist bis zum Herbst fertig
Matthias Weidemann
23.01.2012
Auch am Markkleeberger See verläuft der Geo-Pfad.
Foto: Matthias Weidemann
So negativ die Folgen des Tagebaus für die Landschaft und Umwelt waren, für einige Berufsgruppen war der Raubbau an der Natur ein wahrer Glücksfall. Damit sind nicht die Bergleute gemeint, sonder Archäologen, Geologen und Paläontologen. Für die war die aufgerissene Erde so etwas wie ein aufgeschlagenes Buch, in dem sie die Erdgeschichte studieren konnten.
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Diesen Umstand wollen Markkleeberg und Großpösna nun touristisch nutzen. An den dem Tagebau folgenden Seen soll bis zum Herbst 2012 in einem ersten Bauabschnitt ein 13 Kilometer langer Geopfad mit 16 Informationsstelen eingerichtet werden. Den aktuellen Stand des Projektes stellten Fachleute im kleinen Lindensaal im Rathaus von Markkleeberg vor.
Viele waren gekommen, um sich darüber zu informieren, was dreieinhalb Jahre nach dem Start des Projektes geschehen ist. Ergebnis: Bis zum Herbst dieses Jahres soll der erste Bauabschnitt fertig sein. Und der sieht folgendermaßen aus: Von der Promenade des Markkleeberger Sees bis zum Grunaer Hafen am Störmthaler See wird der Geopfad in den nächsten Monaten mit 16 rund drei Meter hohen Stelen versehen, die über die Geo-Geschichte der Region informieren.
Auch am Markkleeberger See verläuft der Geo-Pfad.
Foto: Matthias Weidemann
Die 100.000 Euro, die das Ganze kostet, kommen aus dem Fördertopf der Europäischen Union für die Integrierte ländliche Entwicklung (Ile). Die Kultur- und Umweltstiftung der Sparkasse Leipzig hat zusätzlich 10.000 Euro gespendet und ermöglichte auf diese Weise den Aufbau der ersten Stele, die nicht innerhalb des Gebietes der Ile liegt.
Mit einer Träne im Knopfloch erklärte Arnold Müller von der Leipziger Uni: „Der Tagebau Espenhain war für uns Geologen ein wunderbares Fenster in die Erdgeschichte.“ Da war von versteinerten Bäumen und von anderen wichtigen, Epoche machenden Fossilienfunden die Rede. Dieses Buch ist jetzt geschlossen und als Ausgleich gibt es den Geopfad, für dessen Lage auch die Nähe zum Bergbau-Technik-Park als Argument angeführt wurde. „Ich hoffe, dass es uns gelingt, Geologie und Technik so aufzubereiten, dass wir es alle mit Freude anschauen werden.“
Stelen an der Tagebauseen sollen die Geologische Geschichte nachlesbar machen.
Foto: Matthias Weidemann
Ralph von Rauchhaupt, Sachgebietsleiter Kultur, erklärte, wie schwierig der Weg zum Geo-Pfad war: „Ursprünglich sollten die drei Meter hohen Stelen aus Cortenstahl sein. Letztlich haben wir uns aber für lasierten Beton entschieden, weil das Material kostengünstiger in der Anschaffung und der Unterhaltung ist“, sagte von Rauchhaupt. Corten-Stahl bildet durch Bewitterung auf der Oberfläche eine besonders dichte Sperrschicht aus fest haftenden Sulfaten oder Phosphaten aus, die unter der eigentlichen Rostschicht ist und die das Bauteil vor weiterem Verrosten schützt.
Geologin Gerda Standke erläuterte die Standorte und Themen der Stelen. Vier von insgesamt acht am Markkleeberger See werden an der Promenade zu finden sein und sich mit Archäologie, der Tagebaugeschichte, dem erdgeschichtlichen Archiv und der Eiszeit befassen.
Die fünfte Stele wird unweit des Kanuparks installiert und stellt den Einfluss der Nordsee dar, die sechste soll den Titel „Kälteschock – Absturz ins pleistozäne Eishausklima“ tragen. Die siebte und achte werden links und rechts des Kanals zum Störmthaler See aufgebaut und Details zu tertiären Flusslandschaften und dem Leben auf dem Meeresgrund erläutern. Unweit des Bergbau-Technik- Parks wird man an der neunten Stele über den Klimawandel und die Veränderung des Meeresspiegels im Tertiär informiert.
Auf dem Hochweg am Störmthaler See bekommen die anderen sieben ihren Platz. Deren Themen sind die Entwicklung von der Kaltzeit bis in die Jetztzeit, die Küsten der Leipziger Bucht und die Spurensuche am Meeresgrund, die Anatomie des Kreislaufs der Gletscher, der tiefere Untergrund, Phänomene in den Tertiärschichten, Haie, Schildkröten und Seekühe sowie Tagebaulandschaften. „Unser größtes Problem war, aus der Fülle der Informationen das Wichtigste herauszufiltern und anschaulich zusammenzufassen“, betonte Standke.
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