Neue Verkehrszahlen für die B87: Die Planzahlen für den Neubau sind reine Luftnummern
Ralf Julke
10.01.2012
Durch die Parthenaue sollte die B87n führen.
Foto: Baumgärtel
Auch die deutschen Schulden (2 Billionen Euro) kommen nicht aus dem Nichts. Hier stecken reihenweise überdimensionierte Großprojekte drin, die niemand braucht. Und immer noch treiben die Schuldenmacher neue Projekte an - wie die B87 neu, die in der geplanten Dimension viel zu groß ist. Jetzt liegen die neuen Zählungen des Bundesamtes für Straßenwesen vor. Die alten Prognosen haben nichts mit der gezählten Realität zu tun.
Anzeige
Prognosen sind das eine, die Realität eine vollkommen andere – seit Mittwoch, 4. Januar, sind die Zahlen der manuellen Verkehrszählung 2010 für die B87, die sich durch Leipzig schlängelt und im Nordosten über Taucha und Torgau Richtung Brandenburg führt, öffentlich. Sauber abschnittsweise dargestellt, so dass der Interessent auch nachvollziehen kann, woher der Verkehr kommt, der auf der Bundesstraße fährt. Denn sie hat ja nicht auf voller Länge die gleiche Verkehrsdichte. Sie dient auch nur in Teilen dazu, den Wirtschaftsverkehr von der Metropole Leipzig Richtung Nordost zu führen. Auch nicht in dem immer wieder diskutierten Stück zwischen Leipzig und Torgau. Im Gegenteil.
Auf der B87 westlich Torgau von und nach Leipzig sind täglich gerade einmal 8.900 Fahrzeuge unterwegs, das sind gerade einmal 300 mehr als zur Zählung 2005. Von den für 2015 einmal vorhergesagten rund 25.000 ist die Region weit entfernt. Diese Zahl wird nur auf dem Teilstück erreicht, das direkt durch das Leipziger Stadtgebiet führt - als Jahnallee und Lützner Straße ist die B 87 hier eine der wichtigsten innerstädtischen Radialen zwischen Stadtzentrum und Leipziger Westen.
Das hat mit der seit fast 20 Jahren lang kolportierten Frequenz der Bundesstraße von Sachsen nach Brandenburg nichts zu tun.
Der Schwerverkehrsanteil (Busse und Lkw über 3,5 Tonnen) ist von 1.100 Lkw am Tag im Abschnitt Torgau zwar leicht auf 1.280 angestiegen. Doch das Ziel scheint gar nicht das strukturschwache Südbrandenburg zu sein (das sich von einer breiteren B87 auch wahre Ansiedlungswunder verspricht), sondern der nächste Autobahnzubringer.
Mit übertriebenen Zahlen wurde das Neubauprojekt B 87 begründet.
Foto: Baumgärtel
Zwischen Jesewitz und Eilenburg, also noch näher an der A14 und Leipzig fahren gar nur 7.600 Fahrzeuge am Tag, davon sogar nur noch etwas über 600 Lkw. Man sieht die Fahrzeuge regelrecht von der B87 verschwinden. Viele Ortskundige nutzen nämlich schon ab Eilenburg die S4 über Krostitz zur Anschlussstelle Leipzig-Mitte an der A14. Von Herzberg nach Zwethau, also über die Landesgrenze von Brandenburg nach Sachsen, pendeln nur rund 4.200 Fahrzeuge täglich.
"Diese Zahlen belegen einmal mehr, wie wenig nötig ein Neubau einer B87n ist", erklärt Bernd Brandtner, Mitglied im Kreisvorstand von Bündnis 90/Die Grünen in Nordsachsen.
"Die Klagen der Torgauer über hohe Verkehrsbelastungen, besonders durch den Lärm, sind also nur zum Teil auf den Fernverkehr der B87 zurückzuführen", fügt er hinzu. "Auch dazu geben die Zahlenwerke des BASt Auskunft. Zum Einen pendeln aus dem nahen Umland, also Belgern, Dahlen, Dommitzsch und Umgebung viele zur Arbeit oder zum Einkauf nach Torgau ein, zum Anderen erzeugen die Torgauer selbst Verkehr, wenn sie innerstädtisch ihre Wege mit dem Auto erledigen. Diese Belastungen lassen sich jedoch mit einer Umgehungsstraße nicht verringern."
Im Gegenteil, die gezählten 12.900 Fahrzeuge auf der B87 in Torgau erzählen auch von den negativen Wirkungen der Suburbanisierung in den 1990er Jahren. Zahlreiche Torgauer haben sich - wie auch die Leipziger - ein "Häuschen" in einem der entstehenden Wohnparks im Umland gebaut und pendeln nun in die Stadt. Die Einkaufs-Center auf der "grünen Wiese" induzieren weiteren Verkehr. Der ÖPNV aber, der Verkehrsleistungen von der Straße holen könnte, fährt am politisch gewollten Sparlimit.
Und so fordert auch Brandtner, was eigentlich auf der Hand liegt: "Alternativen wären eine gute Erschließung der Region mit öffentlichen Verkehrsmitteln, die viele Einzelfahrten erübrigen würden, sowie ein sinnvolles Rad- und Fußwegekonzept für die Stadt Torgau, welches in der Stadtentwicklung Vorrang vor Auto-gebundenen Lösungen erhalten sollte. Ein besonders wichtiges Element zur Förderung der Mobilität ohne Auto wäre ein Fußgänger- und Radfahrertunnel zur Unterquerung der Bahnlinie in Bahnhofsnähe, weil dadurch Krankenhaus, Arbeitsamt oder Einkaufszentrum leichter erreichbar werden und für die Bewohner im Stadtteil Nordwest auch der Bahnhof näher rückt."
Das wäre dann eine nachhaltige Verkehrspolitik, die für die tatsächlichen Probleme auch echte Lösungen findet. Und nicht wieder - wie bei der Größerdimensionierung der B87 - neue Schulden machen will für ein Projekt, das in dieser Dimension tatsächlich nicht gebraucht wird. Eine vierspurige Straße, wie sie auch der zum Sparen gezwungene Landrat von Nordsachsen, Michael Czupalla (CDU), immer wieder fordert, wird schlichtweg nicht gebraucht. Und von den bis zu 43.000 Fahrzeugen pro Tag, die bisher in den Planungsansätzen standen, ist die B 87 erst recht Lichtjahre weit entfernt.
Die manuelle Verkehrszählung 2010 des Bundesamt für Straßenwesen: www.bast.de
Das mit dem U-Boot-Bau haben wir ja traditionell ganz gut raus. Doch wo Dönitz noch so blöd war, die eigenen Männer zum Wolf spielen rauszuschicken, gibt’s die Stahlsärge heute im Dutzend billiger direkt ins geplante Kriegsgebiet. Ohne Besatzung versteht sich. Das Verhältnis zwischen Profit und Eigenverlust bleibt also diesmal intakt. mehr…
Überraschung beim 1. FC Lok: Kurz vor dem ersten Oberliga-Punktspiel im neuen Jahr hat Trainer Willi Kronhardt den bisherigen Kapitän Thorsten Görke in die zweite Mannschaft gesteckt. Zum neuen Kapitän wählte die Mannschaft Außenverteidiger Jens Werner. mehr…
Möglicherweise erlebt die Messestadt am Sonnabend, 25. Februar 2012 ein Rechtsrockkonzert. Die Hooligan-Band "Kategorie C" plant im "Großraum Leipzig" einen Balladenabend. Einladungen zum Auftritt geistern seit wenigen Tagen durch soziale Netzwerke. mehr…
Mit "Bonbons und Schokolade" wirbelten in den frühen Achtzigern vier junge Männer durch die DDR. Die Folge-Werke wurden noch besser aufgenommen. Dann in den Neunzigern das Aus. "Positiv" war das Comeback. Mit "Treibstoff" kommt Sänger und Bandkopf Mike Kilian auch nach Leipzig. Er hofft auf zahlreiche Besucher, Girls und vielleicht auf den einen oder anderen "Prinzen". mehr…
Im Zusammenhang mit dem Raubkopierer-Portal kino.to wurde bei einer Razzia in Sachsen und Hessen laut Generalstaatsanwaltschaft Dresden der Betreiber eines Zuliefererportals für kino.to festgenommen. Auch ein weiterer mutmaßlicher Mitstreiter des Betreibers von skyload.net, ein Hesse, ging den Strafverfolgern ins Netz. mehr…
Doris Dörrie setzt sich in ihren Filmen gern mit Antihelden auseinander. Oft sind ihre Protagonisten liebevolle Außenseiter vom Bodensatz der Gesellschaft. Nach ihrem durchwachsenem Ausflug in die Welt der übergewichtigen Friseuse Kathi ("Die Friseuse", 2010) hat die Münchenerin mit "Glück" ein rührseliges Liebesdrama inszeniert. mehr…
Gerhard Pötzsch vertritt die Leipziger SPD als kulturpolitischer Sprecher und als Mitglied im Betriebsausschuss Kulturstätten im Stadtrat. Was er von der Debatte um das Actori-Gutachten hält und um was es sich bei Kultur allgemein drehen sollte, erzählt er im L-IZ-Kurzinterview. mehr…
Der Beschuldigte schweigt eisern, doch die Staatsanwaltschaft hat offenbar genug Indizien gesammelt, um eine Anklage wegen Mordes zu erheben. Genau das hat jetzt die Leipziger Strafverfolgungsbehörde im Falle der im letzten November getöteten Studentin getan. mehr…
Detlev F. (54) sah gezeichnet aus, als Richter Norbert Göbel am Dienstag, 21. Februar, kurz vor 12 Uhr im Landgericht das Urteil verkündete. Der Oschatzer soll sechseinhalb Jahre ins Gefängnis. Staatsanwältin Anett Schneider warf dem gelernten Eisenbahner vor, in 50 Fällen drei seiner sieben Kinder missbraucht zu haben. Nachdem die Verfahrensbeteiligen einen Deal aushandelten, gestand er und zeigte Reue. mehr…
Nach einer 5:7-Niederlage am letzten Wochenende in Königs Wusterhausen und einem 5:3-Heimsieg gegen Breitenhagen haben die Hockeyherren des Leipziger Sport-Club weiter alle Chancen auf den Klassenerhalt. Den Verbleib in der Regionalliga können die Schleußiger bereits am kommenden Sonnabend beim Tabellenletzten HTC Spandau klarmachen. mehr…
Es tut sich was in letzter Zeit an der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig. Ob Förderungen oder Wissenschaftspreise, das „Einheimsen“ von Drittmitteln wird in Zeiten einer rigiden Sparpolitik seitens der Landesregierung zu einer immer wichtigeren und unverzichtbareren Einnahmequelle. Da kommt der Leipziger Uni ihre hohe Qualität in Sachen Forschung sehr zugute. mehr…
Am Donnerstag, 23. Februar, beginnt die Immobilien-Messe in Leipzig. Sie ist ein Gradmesser. Sogar ein ganz guter. Denn wenn Häuser und Grundstücke in einer Ecke der Welt liegen bleiben wie Blei, dann geht's dieser Weltecke ganz bestimmt nicht gut. Aber so ist es nicht. Im Gegenteil: Sogar die Mieten steigen. mehr…
In Leipzig sind demnächst die Saurier im Linienbetrieb unterwegs. Ab dem ersten März ziert ein neuer Straßenbahnzug im Dinosaurierdesign die Straßen der Stadt. Die fauchenden Abbilder der Urzeitgestalten des Saurierparks in Kleinwelka, nordwestlich von Bautzen gelegen, fahren dann für drei Jahre über die Bahngleise der Leipziger Verkehrsbetriebe. mehr…
Am Lindenauer Markt suchen zehn große Schaukästen Künstler zwecks Gestaltung. Im Mai 2012 soll auf Anregung der dortigen Immobilien- und Standortgemeinschaft das unabhängige Projekt Kunstraum [10].lindenau entstehen. Die Schaukästen von 3,5 Metern im Quadrat sind Teil des architektonischen Konzepts am künftigen Einkaufszentrum. mehr…
Da kann man jetzt wieder gespannt sein, wie andere das aufbereiten, was die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) am Dienstag, 21. Februar, als neues Ranking präsentiert hat. Natürlich mit Leipzig drin. Zehn deutsche Städte hat die FAZ zusammen mit der Unternehmensberatung Roland Berger verglichen. Titel: "Deutschlands lebendigste Städte". mehr…