Entwicklung im Leipziger Neuseenland (5): Hoffen auf Fördermittel zum Weiterbauen
Matthias Weidemann
30.04.2012
Dispatcherturm am Störmthaler See.
Foto: Matthias Weidemann
Warten ist eine der großen Tugenden, die von den Anrainern des Leipziger Neuseenlandes gefordert wird. Warten auf eine bessere Zukunft, die mit Paragraph-4-Mitteln des Verwaltungsabkommens positiv gestaltet werden soll. Auf eine solche Zukunft hofft auch Dr. Gabriela Lantzsch, Bürgermeisterin von Großpösna, und mit ihrer Gemeinde verantwortlich unter anderem für die Entwicklung rund um den Störmthaler See.
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Die Bürgermeisterin hatte die Reisegruppe aus Bundes- und Landtagsabgeordneten, angeführt von Mitgliedern der Steuerungsgruppe Leipziger Neuseenland (LNL), am 16. April in den Dispatcherturm am Seeufer geladen, von wo aus man einen herrlichen Rundumblick genießt.
„Was wir in Eigenleistung erbringen konnten, haben wir erbracht. Aber wir müssen zugeben, dass wir die komplette Erschließung aus eigenen Mitteln einfach nicht schaffen. Deshalb appellieren wir an die Politik, uns nicht auf halbem Wege verhungern zu lassen. Der Störmthaler See hat ein tolles Entwicklungspotential, das nicht brach liegen darf.“
Die Reisegruppe an der künftigen Schleuse zum Störmthaler See.
Foto: Matthias Weidemann
Zu dem Entwicklungspotential gehöre auch die im LNL einzigartige Strukturierung der Uferlinie des Störmthaler Sees. Das schließe Elemente wie den ehemaligen „Ausfahrtsschlauch“, die Magedeborner Halbinsel, die Grunaer Bucht oder das Steilufer im Bereich zwischen Störmthal und Güldengossa ein. Somit sei der See im ehemaligen Tagebaubereich Espenhain für vielfältige Nutzungen und Funktionen geradezu prädestiniert. Deren Bandbreite reiche von einem intensiven Freizeit- und Erholungsbetrieb über Sachzeugen wie den Bergbau-Technik-Park bis hin zu Nachfolgeflächen mit einem hohen Naturschutzfaktor.
Fähre zur Vineta auf dem Störmthaler See.
Foto: Matthias Weidemann
Doch hat der Störmthaler See auch ein originelles Projekt in Sachen Kultur mit dem so viel zitierten Begriff „Alleinstellungsmerkmal“ zu bieten. Was es damit auf sich hat, erläutert Rüdiger Pusch vom Leipziger Krystallpalast: „Damit ist natürlich die Vineta als einzigartiges, überregional ausstrahlendes Kunstprojekt mit starker Reflexion auf das Leipziger Neuseenland gemeint. Sie bildet inmitten des Störmthaler Sees einen ganz besonderen Veranstaltungsort für Hochzeiten, Kulturveranstaltungen und exklusive Feierlichkeiten. Sie symbolisiert die verlorene Magdeborner Kirche. Als schwimmendes, kirchenähnliches Gebäude soll sie an die durch den Espenhainer Braunkohleabbau abgebaggerten Siedlungen erinnern.“
Hubbrücke vom Störmthaler zum Markkleeberger See.
Foto: Matthias Weidemann
Inzwischen habe man sich den Dispatcherturm gesichert und ist mittten in den Ausbauarbeiten, um von hier einen Anlaufpunkt für Exkursionen und kulturelle Veranstaltungen zu haben. Der kulturelle und gastronomische Betrieb liegt in den Händen des Krystallpalast Varietés. Und auch hier hofft man wieder mal auf den schon viel zitierten Gewässerverbund, um die Attraktivität des Standortes zu steigern, mehr Besucher anzulocken.
Diese Hoffnung nimmt mit dem Bau der Schleuse zum Markkleeberger See konkrete Formen an. Ob das neue Verwaltungsabkommen in Verbindung mit den Paragraph-4-Maßnahmen konkrete Hoffnung annehmen wird, bleibt noch abzuwarten. Anlass dafür gibt allerdings die bisherige Entwicklung und das sichtbar Erreichte.
Im Zeitraum von 1998 bis 2002 standen zunächst die so genannten 2b-Maßnahmen zur Gefahrenabwehr aus dem Grundwasserwiederanstieg, zur Altlastensanierung sowie zur Erhöhung der Möglichkeiten, die Region in der Folge sinnvoll und strukuriert zu nutzen, im Mittelpunkt. Mit dem Inkrafttreten des Verwaltungsabkommens III Braunkohlesanierung zum 1. Januar 2003 konzentrierten sich die Ziele dieser zusätzlichen Landesaufwendungen auf die schon bekannten Paragraph-4-Maßnahmen als Voraussetzung für die geplante Nachnutzung.
Insgesamt stellte der Freistaat Sachsen bisher folgende Mittel zur Verfügung: Von 1998 bis 2002 91,9 Millionen Euro, von 2003 bis 2007 50 Millionen Euro und von 2008 bis 2012 40 Millionen Euro. Dagegen nehmen sich die 30 Millionen Euro, die sich die Steuerungsgruppe LNL für den Zeitraum von 2013 bis 2018 wünscht, fast bescheiden aus.
Prof. Andreas Berkner von der Steuerungsgruppe: „Wir müssen es auch hinnehmen, wenn es weniger wird. Aber dann werden wir um schmerzhafte Einschränkungen nicht umhin kommen.“ Dann bleibt jetzt nur noch Abwarten und weiterhin die Werbetrommel rühren. Schließlich stirbt auch hier wie immer die Hoffnung zuletzt.
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