Ein E-Mail-Wechsel für Hase und Igel: Kein Gesetz, kein Lärmschutzbeauftrager
Ralf Julke
02.10.2012
Flugzeug über Leipzig.
Foto: Ralf Julke
Wie setzt man den Schlusspunkt in einer E-Mail-Runde, in der der Befragte seine Position gar nicht ändern darf oder will? Am 17. September berichtete die L-IZ über einen skurrilen Briefwechsel zwischen dem Leipziger Fluglärmaktivisten Dr. Lutz Weickert und dem Sächsischen Ministerium für Wirtschaft und Arbeit. Es ging um die Einsetzung eines Fluglärmbeauftragten durch das Land Sachsen.
Anzeige
Andere Bundesländer haben längst einen. Berlin, Hessen, Hamburg, Bayern und Baden- Württemberg wären da zu nennen. Das animierte den Leipziger Stadtrat am 15. September 2010 zu einem Beschluss, bei der sächsischen Staatsregierung auf die Einsetzung eines solchen unabhängigen Lärmschutzbeauftragten zu drängen. Denn der Lärmschutzbeauftragte des Flughafens Leipzig/Halle selbst schien als Ansprechpartner für die vom nächtlichen Fluglärm betroffenen Bürger genauso hilfreich wie die eingesetzte Fluglärmkommission - die Wünsche von Bürgern und Kommunen fanden hier keinen Widerhall.
Im Informationssystem der Stadt ist der Beschluss auch zwei Jahre danach noch als "in Arbeit" ausgewiesen. Es hat sich also nichts getan. Was Weickert dazu brachte, als betroffener Bürger selbst einmal in Dresden anzufragen. Den kuriosen E-Mail-Wechsel hat die L-IZ am 17. September publiziert. Noch ohne Pointe. Die Pointe war sogar längst geschrieben. Aber das musste sich Lutz Weickert dann von Bernd Merzdorf, Sachbearbeiter im Bürgerbüro der Sächsischen Staatskanzlei, doch noch unter die Nase reiben lassen.
Flugzeug über Leipzig.
Foto: Ralf Julke
Bernd Merzdorf am Dienstag, 25. September:
"Sehr geehrter Herr Dr. Weickert,
ich unterstreiche letztmalig, dass Ihre Fragen bezüglich eines Lärmschutzbeauftragten auf dem Flughafen Leipzig/Halle sowohl inhaltlich als auch rechtlich ordnungsgemäß beantwortet wurden. Dabei nehme ich ergänzend auch auf das Schreiben des Sächsischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr vom 8.9.2010 an Sie zur gleichen Thematik Bezug, wo Ihnen dies bereits mitgeteilt wurde (s. Anlage).
Ich bitte um Verständnis, wenn keine weiteren Antwortschreiben zu dieser Thematik erfolgen."
Damals hatte sich Weickert auch schon an die Staatsregierung gewendet. Und die Antwort vom Wirtschaftsministerium war dann auch recht deutlich: "In Deutschland gibt es keine gesetzliche Pflicht einen Lärmschutzbeauftragten zu ernennen. Diese ist aber zwingend erforderlich, um eine solche Stelle bei der Behörde einrichten zu können. Freiwillige Maßnahmen sind unter Beachtung einer schlanken Verwaltung nicht zu rechtfertigen."
Die Argumentation kannte Weickert ja schon. Er ist also genau da wieder angekommen, wo er im August vor zwei Jahren angefangen hat. Das nennt man das Hase-und-Igel-Syndrom.
Eine Antwort hat er sich trotzdem nicht verkneifen können.
Lutz Weickert am Sonntag, 30. September:
"Sehr geehrter Herr Merzdorf,
wie Sie aus dem beiliegendem Schreiben des SMWA unschwer ersehen, war Ihre bisherige Antwort weder 'inhaltlich als auch rechtlich ordnungsgemäß' beantwortet. Die richtige Antwort wäre gewesen:
Weil die Landesregierung dafür kein Geld ausgeben will!
Was ja jeder verstehen kann, da diese von 2009-2012 den Fracht- und Militärbetrieb am FLH mit ca. 206. Mio. € unterstützen musste. Da ist natürlich kein Geld für den Schutz der Bevölkerung vorhanden
Inzwischen haben Ihre Antworten auch das Interesse der lokalen Presse gefunden. Siehe: http://
www.l-iz.de/Politik/Sachsen/2012/09/Kein-Laermschutzbeauftragter-am-Flughafen-Leipzig-Halle-43748.html
Der Beschluss des Stadtrates Leipzig RBV-500/10 vom 15.09.2010 zum Einsatz eines Fluglärmschutzbeauftragten durch das Land ist im Ratssystem als 'in Arbeit' gekennzeichnet. Ich gehe davon aus, dass sich die Leipziger LT-Abgeordneten und die Stadtverwaltung Leipzig weiter um die Realisierung des Beschlusses gegenüber der Landesregierung einsetzen. Insofern werde ich mir, zu gegebener Zeit, erneut das Recht zur Nachfrage nehmen.
Der 1. August naht. Es sind nur noch etwas mehr als zwei Monate. Und ziemlich sicher ist schon abzusehen, dass Leipzig den Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für die unter Dreijährigen nicht wird erfüllen können. Die Stadtverwaltung gab sich im November 2012 zwar sehr ambitioniert, die Bedarfsdeckung durch Neubauten, Kapazitätserweiterungen und Modul-Kitas doch noch zu erfüllen. Aber die meisten geplanten Einrichtungen stehen 2013 nicht zur Verfügung. Die Eltern zeigen sich natürlich entsprechend besorgt. mehr…
Am 15. Mai wurde im Sächsischen Landtag der CDU/FDP-Antrag "Polizeipräsenz im Internet erhöhen - Soziale Netzwerke zur Polizeiarbeit nutzen!" behandelt. Ein Antrag wie aus der Wunschkammer des braven Bürgers, der das Internet sowieso für eine gefährliche Welt hält und sich jetzt auch dort ein paar präsente Ordnungshüter wünscht. Und so eine Art Kooperation zwischen wachsamem Bürger und aufmerksamer Polizei. Und der naive Glaube an die "sozialen Netzwerke". mehr…
Diese emotionale Aufwallung schaffte es längst zum Klassiker im reichlich gefüllten, goldenen Spruchbeutel der City-Tunnel-Prosa: "Ich will die Milliarde nicht sehen!", entfuhr es Ende der 1990er Jahre dem damaligen Sächsischen Staatsminister für Wirtschaft und Arbeit, Kajo Schommer. Gemeint war, die geplante Investitionssumme für den City-Tunnel auf eine Milliarde zu begrenzen - D-Mark, wohlgemerkt, denn in einer anderen Währung rechnete damals auch ein Mitglied des Dresdner Kabinetts nicht. mehr…
Am Freitag, dem 24. Mai um 20:15 Uhr, ist der Bestsellerautor Martin Walker bei Lehmanns Media zu Gast und liest aus seinem aktuellen Bruno-Krimi „Femme Fatale“. Der im französischen Périgord lebende Ire ist nicht nur Schriftsteller, Historiker und politischer Journalist („The Guardian“), sondern auch ein sehr, sehr sympathischer Zeitgenosse und Medienliebling. mehr…
Am Sonntag, den 26. Mai um 10 Uhr wird es während des beliebten Familienfrühstücksbuffets im Unikatum Kindermuseum spannend, denn Museumsmitarbeiterin Annekatrin Naumann möchte die Gäste ab 4 Jahren zu Zeitjägern machen und sie mit auf eine aufregende Schatzsuche durch die aktuelle Ausstellung „Ach du liebe Zeit!“ und den Hofgarten nehmen. mehr…
Der letzte Rundgang der Reihe „Sanierungs- und Fördergebiete“ des Stadtforums Leipzig findet am Montag, 27. Mai, um 17:30 Uhr am Platz der Biedermannstraße/Ecke Bornaische Straße, gegenüber der Litfaßsäule, statt. Es handelt sich um einen Rundgang durch das Sanierungsgebiet Connewitz, mit Standpunkten an der Biedermannstraße und Auerbachstraße, dem Herderplatz und Kronengarten sowie den Stadthäusern Hermannstraße. mehr…
Am Sonntag, 26. Mai, ist um 19 Uhr in der Kirche Panitzsch eine musikalische Annäherung an die romantischen Kompositionen Richard Wagners aus der Richtung des Jazz zu erleben. Unter dem Motto „Wagner in Jazz“ hat Stephan König anlässlich des 200. Geburtstages von Wagner musikalische Themen aus Wagner-Opern für sein Jazz-Trio bearbeitet. mehr…
Im Rahmen der Festwoche "150 Jahre SPD" macht die Dialog-Box der SPD in Leipzig in der Petersstraße, Höhe Hugendubel, Station. Neben der Bewerbung der Veranstaltungen rund um die Festwoche "150 Jahre SPD" möchte die SPD Leipzig die Dialog-Box nutzen, um mit den Leipzigerinnen und Leipzigern zu verschiedenen Themen ins Gespräch zu kommen. Der Dienstag, 21. Mai, steht dabei ganz im Zeichen der europäischen Bürgerinitiative "Wasser ist Menschenrecht". mehr…
Ein Vortrag am Mittwoch, dem 22. Mai, 19 Uhr, im Ariowitschhaus, Hinrichsenstr. 14, beleuchtet das Verhältnis Martin Luthers zu den Juden. Referent dieser Veranstaltung der Jüdisch-Christlichen Arbeitsgemeinschaft ist Professor Martin Steinhäuser. mehr…
Mit Krebs ist nicht zu spaßen. Krebs ist kein Spaß. Vielleicht ist die moderne Zivilisationskrankheit Krebs die Kehrseite unserer Spaßgesellschaft. Die keine spaßige ist, auch wenn sie alles, was wichtig ist, in einen Spaß zu verwandeln scheint. Nicht nur Regina Rose fragt wohl zu recht, welche Rolle unsere moderne Lebensart für die Ausbreitung der "Volkskrankheit" Krebs hat. mehr…
Es gab ja in letzter Zeit einige verächtliche Bemerkungen von gut bezahlten Politikern gegenüber Bürgern, die auf verschiedene Weise versuchen, ihre Interessen in politische Entscheidungsprozesse einzubringen. "Wutbürger" war so ein arroganter Begriff. Dabei können selbst Großprojekte sinnvoller, nachhaltiger und vor allem zielführender geraten, wenn Politik frühzeitig die Diskussion mit den Betroffenen sucht. Das ist bei den Planungen zur neuen B 87 sogar passiert. mehr…
Am 9. Mai verfügte das Leipziger Umweltdezernat eine Sperrung des Floßgrabens für den Bootsverkehr. Nur noch zu bestimmten Zeiten am Wochenende dürfen Boote den Floßgraben passieren, in dem der seltene Eisvogel brütet. Doch nicht nur die erste Ausnahmeverfügung für eine Bootstouranbieter sorgt für Unmut. Besonders betroffen zeigt sich der Sächsische Kanuverband. In einer Stellungnahme fordert er einen völlig anderen Umgang mit dem sensiblen Gewässer. mehr…
Wie die Polizeidirektion Leipzig in einer gemeinsamen Mitteilung mit der Staatsanwaltschaft übermittelte, wurde am gestrigen 19. Mai gegen 20 Uhr „ein Mann tot im Gleisbett aufgefunden.“ Ort des Fundes war der Bahnhof Leipzig-Leutzsch am Ritterschlösschen in der Gustav-Esche-Straße. Da eine Straftat in solchen Fällen nie ausgeschlossen werden kann, haben auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft die Untersuchungen der Rechtsmedizin begonnen. mehr…
Erst mal großes Tamtam, dann Stille am Wasser. Im Beisein von Umweltminister Frank Kupfer wurde am Samstag, 18. Mai, die Kanupark-Schleuse zwischen dem Markkleeberger und Störmthaler See im Leipziger Neuseenland offiziell freigegeben. „Nach zwei Jahren Bauzeit können wir heute einen wichtigen Schritt zur wassertouristischen Erschließung des Leipziger Neuseenlandes tun“, sagte Frank Kupfer. Er war extra an Bord der "MS Wachau" gestiegen, die künftig die Schleuse Richtung Störmthaler See befahren darf. mehr…
Mieten sind ja ein Thema, das langsam prickelnd wird in Leipzig. Wenn eine Stadt attraktiv ist, füllt sie sich nicht nur mit Bewohnern, auch Mieten und Bauen werden wieder lukrativ. Und wo das Angebot knapp wird, steigen die Mieten. Das ist in Leipzig bislang nur punktuell der Fall, auch wenn einige Spieler auf dem Markt etwas Anderes erzählen. Aber diese Punkte sind natürlich interessant. Auch wer Gewerberaum sucht, muss auf die konkrete Lage achten. mehr…