Neue Karten im Nationalatlas: Rechtsextremismus in Deutschland
Redaktion
03.07.2009
Rechtsextremismus in Deutschland.
Die neuen Karten, die das Leibniz-Institut für Länderkunde (IfL) auf der Internetseite “Nationalatlas aktuell“ online gestellt hat, haben es in sich. Sie zeigen die Verteilung von Fremdenfeindlichkeit und rechtsextremer Gewalt in Deutschland.
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Es sind gesamtdeutsche Phänomene. Auch das zeigen die Karten. Doch die regionale Verteilung ist sehr ungleich.
Rund 20.000 politisch motivierte Straftaten mit rechtsextremem Hintergrund registrierten die Verfassungsschutzämter 2008 in Deutschland, 3.000 mehr als im Vorjahr. Bei den Strafdelikten wie bei der Verbreitung und gesellschaftlichen Akzeptanz rechter Ideologien bestehen indes klare regionale Unterschiede, wie die jetzt die unter http://aktuell.nationalatlas.de abrufbaren Karten und Diagramme anschaulich zeigen.
Rechtsextremismus in Sachsen.
Karte: IfL, Screenshot: LIZ
Danach ist politisch motivierte Kriminalität von rechts, bezogen auf die Gesamtbevölkerung, in Ostdeutschland häufiger als im Westen und Süden. Rechtsextreme Parteien wie NPD und Republikaner erreichen in den neuen Bundesländern, aber auch im östlichen Bayern, fast durchweg höhere Stimmenanteile als im übrigen Deutschland. Und auch die Darstellung zum Medienecho rechter Gewalt zeigt deutliche Schwerpunkte im Osten.
Orientierungslosigkeit in Regionen mit sinkender Wirtschaftskraft, die Abwanderung von besser Qualifizierten und eine höhere Neigung zu “autoritativen Lösungen gesellschaftlicher Probleme“ werden in dem Beitrag als einige der Gründe genannt.
Der Autor, Diplomgeograph Sebastian Schipper von der Goethe-Universität Frankfurt, weist in seinem Artikel auch auf die methodischen Schwierigkeiten bei der Dokumentation und räumlichen Darstellung dieser Phänomene hin. Beispielsweise lässt sich die Verbreitung rechtsextremer Ideologien nur indirekt über das Wahlverhalten fassen. Ein Zusammenhang zwischen hohen Wahlergebnissen für rechtsextreme Parteien und dem lokalen Auftreten rechter Gewalt ist allerdings nicht feststellbar, zumindest wenn man das Medienecho als – ebenfalls nicht unproblematisches – Messinstrument rechter Kriminalität heranzieht.
Todesopfer rechtsextremer Gewalt. Die Leipziger Opfer starben 1994, 1996 und 1998.
Karte: IfL, Screenshot: LIZ
Selbst einheitliche Kriterien bei der Beurteilung politisch motivierter Straftaten, wie sie die Verfassungsschutzämter seit 2001 verwenden, sind kein Garant für die Verlässlichkeit der Daten. Zu viele gesellschaftliche Faktoren beeinflussen die Kriminalstatistik – gerade bei politisch motivierten Delikten: „Die Statistiken zur politisch motivierten Kriminalität sind immer auch durch den Filter des gesellschaftlichen Umfeldes zu sehen, der zu ihren Ergebnissen in kaum quantifizierbarer Weise mit beiträgt“, gibt Schipper zu bedenken. Auch kartographische Darstellungen seien darum nicht “objektiv“.
Als Hilfsmittel könnten sie aber Erkenntnisse über Verteilungsmuster und damit Anhaltspunkte für regional angepasste Strategien gegen Rechtsextremismus bieten.
Aber auch – was gerade die Karten zum "Medienecho" zeigen – Anhaltspunkte für verschiedene Strategien des Nicht-Wahrnehmens. Denn es gibt durchaus auch Gebiete mit einem höheren Prozentsatz rechtsextremistischer Straf- und Gewalttaten – nur das Medienecho dazu ist vergleichsweise schwach. Während – etwa in Berlin – das Medienecho deutlich massiver ist als die zu Grunde liegenden Vorkommnisse mit rechtsextremistischem Hintergrund.
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