Springen Sie direkt: Zum Textanfang (Navigation überspringen) Zur Hauptnavigation Zur Suche


Springen Sie direkt: Zum Textanfang (Navigation überspringen) Zur Hauptnavigation Zur Suche




Tagesübersicht Leipziger Internet Zeitung
Alle Nachrichten von: heute | gestern | vorgestern

Demo gegen Neonazi-Treffen: JLO-Unterstützer planten in Leipziger NPD-Zentrum den Großaufmarsch in Dresden

Patrick Limbach & Michael Freitag
Demo an der Odermannstraße
Demo an der Odermannstraße
Foto: Patrick Limbach
Bereits am Sonntagnachmittag haben rund 120 Menschen spontan gegen ein Neonazi-Treffen im NPD-Zentrum in der Leipziger Odermannstraße demonstriert. Grund für die Zusammenkunft: die Vorbereitung des diesjährigen Großaufmarschs am 13. Februar in Dresden.

Anzeige

Rund 7.000 Neonazis möchten dann den deutschen Opfern alliierter Luftangriffe am 13. Februar 1945 gedenken. Hinter dem für geschichtlich Unvorbereitete harmlos klingenden Vorhaben verbirgt sich eine Geschichtssicht, die sich mit der Faktenlage im Zweiten Weltkrieg und den Ergebnissen weitgehender Nachforschungen bis heute eher schlecht verträgt. Am 13. Februar 1945 begann ein verheerender Bombenangriff der Alliierten auf Dresden, welcher bis zu 25.000 Opfer in der sächsischen Landeshauptstadt forderte. In mehreren Wellen wurde die Stadt bis in den 14. Februar 1945 hinein bombardiert, dabei wurden 70 Prozent der Industrie, nahezu alle Elbbrücken und etwa ein Drittel der damals 222.000 Wohnungen im Stadtgebiet zerstört.

Das zumindest sagen die Zahlen aus den Unterlagen des "Dritten Reichs" und eine Historikerkommission, welche unter der Leitung von Rolf Dieter Müller (Wissenschaftlicher Direktor am Militärgeschichtlichen Forschungsamt - MGFA) in den Jahren von 2005 bis 2008 die Opferzahlen abermals in der genannten Höhe bestätigte. Weitreichende Untersuchungen in Ämtern, alten Unterlagen, Datenabgleichungen zwischen den einzelnen Angaben führte zu dem Ergebnis, dass zwischen 18.000 bis 25.000 Einwohner und Flüchtlinge bei den Bombenangriffen in Dresden ums Leben kamen.

Demonstration gegen Nazis am 24. Januar 2010 an der Leipziger Odermannstraße
Demonstration gegen Nazis am 24. Januar 2010 an der Leipziger Odermannstraße
Foto: Patrick Limbach

In guter Tradition wird in der neonazistischen Szene eben diese Zahl bestritten und deutlich nach oben gerechnet, während man in der Szene umgekehrt nach wie vor die Opferzahlen in den Konzentrationslagern der Deutschen klein redet. Diese beständigen Revisions- und Verklärungsversuche zur deutschen Geschichte im Zweiten Weltkrieg seitens meist junger Männer von heute, steht dabei in einer langen Tradition, welche schon bei Joseph Goebbels begann. In seiner Rolle als Chef der deutschen Propaganda nutzte auch er Dresdens Bombardierung, um die deutsche Kriegsschuld zu relativieren und gegen Ende des Krieges immer stärker eine Opferrolle der Deutschen zu konstruieren.

In ähnlicher Manier soll dies abermals auch am 13. Februar 2010 in Dresden geschehen, wenn sich bis zu 7.000 rechte Kameraden aus Deutschland und Europa einfinden wollen. Angreifer werden hier zu Opfern und ein zu Beginn weitgehend von Krieg und Expansion begeistertes deutsches Volk zur gebeutelten Nation erklärt. Käme sogar hin, nähme man an, Adolf Hitler wäre damals allein mit Sturmgewehr, Klappspaten und Tornister in Polen eingefallen. Eigentlich ein amüsantes Bild, wie der ehemalige Meldeläufer des 1. Weltkrieges im Jahre 1939 alleine über die deutsch-polnische Grenze stürmt, wären da nicht die unzähligen Menschen, die dem Nationalsozialismus zum Opfer gefallen sind.

In Vorbereitung ihrer Demonstration am 13. Februar 2010 trafen sich am Sonntag, ab zirka 12 Uhr, etwa 20 Freunde der anderen Geschichtsschreibung im "Nationalen Zentrum" an der Leipziger Odermannstraße. Neben Mitgliedern der NPD fanden sich im NPD-Zentrum Anhänger der "Jungen Landsmannschaft Ostdeutschland" (JLO), der "Freien Kräfte" sowie der NPD-Nachwuchsorganisation "Junge Nationaldemokraten" (JN) ein. Der sächsische JN-Vorsitzende Tommy Naumann war ebenso zugegen, wie Marcus Großmann, der vor seiner Tätigkeit für die sächsische NPD bei der völkisch-nationalen Ordnungsdienstorganisation "Selbstschutz Deutschland" aktiv gewesen ist, welche aus der Organisation "Selbstschutz Sachsen-Anhalt", kurz "SS-SA", hervorging. Abkürzungen sagen hier wohl mehr als tausend Erklärungen.

Demonstration gegen den Aufmarsch am 13. Februar in Dresden und die zurückliegenden Razzien der Polizei
Demonstration gegen den Aufmarsch am 13. Februar in Dresden und die zurückliegenden Razzien der Polizei
Foto: Patrick Limbach

Gegen halb drei begannen die etwa 120 Demonstranten ihren Protestzug gegen die Vorbereitungen hinter dem Blechzaun. Die Teilnehmer skandierten lautstarke Anti-Nazi-Parolen. Ein Transparent mit der Aufschrift "Antifa statt Verbote" nahm direkten Bezug auf die Razzia am vergangenen Dienstag gegen das zivilgesellschaftliche Blockade-Bündnis "Dresden Nazifrei!". Sebastian Olotup, der die Leipziger Proteste gegen den braunen Großaufmarsch koordiniert, kritisierte nochmals die Durchsuchungen: "Wir sehen das Problem nicht im Aufruf zu Blockaden einer NS-Demo, sondern in diesem Aufmarsch selbst, der davon ausgehenden Verbreitung menschenverachtender Einstellungen und Verdrehung historischer Fakten."

Gegen 15.20 Uhr erreichten ihre Teilnehmer die Odermannstraße/Ecke Lützner Straße. Näher als ca. 150 Meter sollten sie nach dem Willen von Polizei und Ordnungsamt nicht an das NPD-Zentrum herankommen. Die Odermannstraße war beidseitig für den Verkehr abgeriegelt. Vor dem Bürgerbüro des NPD-Abgeordeneten Winfried Petzold versammelten sich eine Handvoll Neonazis, um das Treiben an der Kreuzung zu beobachten. Mit so viel öffentlicher Aufmerksamkeit hatten sie offenbar nicht gerechnet. Der mutmaßliche Gastgeber Tommy Naumann begann sichtlich aufgeregt mit seinem Handy zu telefonieren. Die Präsenz der Gegendemonstranten sorgte aber auch bei der Polizei für Verwirrung. Die Beamten konnten zeitweise verspätete Neonazis und Gegendemonstranten nicht auseinanderhalten und ließen die NPD-Anhänger erst nach einer Personalienkontrolle hinter die Absperrung.

Die Demonstration nahm insgesamt einen friedlichen Verlauf, die Vorbereitungssitzung der Neonazis in der Odermannstraße auch. Bis auf ein unschönes Ende, was Polizei und Medien wieder ungern berichteten: Als nach Auflösung der Gegendemonstration gegen 16.00 Uhr eine größere Menschenmenge von der Lützner Straße aus versuchte, den Lindenauer Markt zu erreichen, setzten Polizeibeamte gegen die Gruppe Pfefferspray ein. Mehrere Personen wurden leicht verletzt.


Funktionen

del.icio.us Mister Wong Technorati Blogmarks Yahoo! My Web Google Bookmarks




Weitere aktuelle Nachrichten der L-IZ.

Am 10. Februar: Canella-Trio musiziert für die Orgel in der Emmauskirche

„Pro Organo“ - eine Konzertreihe zugunsten der Orgel in der Emmauskirche Sellerhausen - beginnt am Freitag, 10. Februar, mit einem Familienkonzert. „Pro Organo“ heißt die Konzertreihe mit der die evangelische Kirchgemeinde Sellerhausen Spenden für die notwendige Reparatur und Erneuerung ihrer Orgel in der Emmauskirche (Wurzner Straße 160) sammelt. mehr…

Am 8. Februar im Fundbuero: Freiheit und Demokratie – Eine offene Debatte

Am Mittwoch, 8. Februar, um 19:00 Uhr lädt Das Fundbuero ein zur Diskussion unter dem Thema „Freiheit und Demokratie – Eine offenen Debatte.” - Freiheit und Demokratie, das waren die zentralen Forderungen im Herbst 1989. Mit dem Ende der SED-Herrschaft, den Runden Tischen und den ersten freien und geheimen Wahlen zur Volkskammer im März 1990 waren diese Forderungen erfüllt. mehr…

Schnicksenpogo: Nel Arta landet mal wieder im schlimmsten Schlamassel

Nel Arta mal wieder in Schwierigkeiten: Schnicksenpogo.
Nel Arta alias Cornelius Artjens hat ein Problem. Sie ist ein bisschen außer Rand und Band. Verständlich nach ihrem recht turbulenten Ausflug nach Brasilien, wo sie ihre Geschlechtsumwandlung eigentlich perfekt machen lassen wollte. Aber billig ist auf dem Markt der Geschlechtsumwandlungen mordsgefährlich. Und das Abenteuer endet keineswegs mit der geglückten Rückkehr nach Deutschland. mehr…

Schlamperei im Amtsgericht: Lok-Schläger kommen nach Überfall straffrei davon

Sein Opfer wird den 11. Juli 2008 nie vergessen: Bei sommerlichen Temperaturen soll Andreas S. in der Nähe des Mockau Centers einen jungen Fan der BSG Chemie Leipzig angegriffen haben. Der Lok-Fan, der von seinen Freunden "Bowale" genannt wird, schlug laut Anklage mehrfach auf sein wehrloses Opfer ein. Der 16-Jährige erlitt eine Platzwunde, entkam aber zunächst seinem Peiniger. mehr…

Untersuchungsausschuss zur NSU-Zelle: SPD-Fraktion wirbt weiter für gemeinsamen Einsetzungsbeschluss

Martin Dulig.
Am Donnerstag, 2. Februar, und Freitag, 3. Februar, kam die SPD-Fraktion im Sächsischen Landtag zu ihrer Jahresauftaktklausur in Radebeul zusammen. Neben dem diesjährigen Schwerpunktthema „Starke Wirtschaft. Faire Arbeit. In Sachsen.“ wurden auch aktuelle parlamentarische Initiativen beraten. So diskutierten die Abgeordneten die weitere Vorgehensweise bezüglich eines Untersuchungsausschusses rund um das Thema der Zwickauer Terrorzelle. mehr…

Uni-Riesen vs. Hanau 80:68 - Die Kraft der sechs Streifen

Ralph Schirmer am Ball. Die Teilnahme an den Playoffs hat er mit seinem Team nun sicher.
Was für ein wichtiger Sieg für die Uni-Riesen. Die Grünweißen besiegten in ihrem Heimspiel am Freitagabend die zuvor fünfmal siegreichen White Wings Hanau mit 80:68 (49:36) und sicherten sich damit die Playoff-Teilnahme um den Aufstieg in die ProA. Doch die Schlussphase geriet zur Nervenschlacht. Spielentscheidend waren insgesamt sechs dunkelgrüne Streifen. mehr…

Schwarwels Fenster zur Welt: Gut(ti) getortet

Gutti getortet! Hahahaaha! Hä? Das könnte man einen klassischen Zielkonflikt nennen. Oder schlicht ein Zeichen für galoppierende Hirnschmelze durchs "24-Stunden-Netzen". Eigentlich hätte die Torten schmeißende "Hedonistische Internationale" einen Aufnahmeantrag für den Gockel dabei haben sollen. Oder wär gleich zu Hause geblieben. Aber eitle Menschen unter sich im hippen Berlin - da konnte man schlecht widerstehen, da musste man hin. mehr…

SC DHfK-Handballer: Nur noch 20 Spiele mit Philipp Seitle

Philipp Seitle auf dem Sprung.
Die Handballer des SC DHfK Leipzig müssen die kommende Saison ohne Spielgestalter Philipp Seitle planen. Das 26-jährige Kraftpaket wechselt im Sommer zurück in seine Heimatregion und wird dort für den Noch-Ligakonkurrenten TV Neuhausen auflaufen. mehr…

Rotwein saufendes Schunkelmonster: Daniel Orange im Interview

Jim Cantona nennt sich der Gitarrist der Rocker aus Altenburg. Er nahm sich Zeit, um etwas aus dem Nähkästchen zu plaudern. "Daniel Orange" hat 2012 einiges vor. Der Klampfer stellt viele Live-Auftritte in Aussicht, schaut zurück und nach vorne. Wie aber alles am Ende klingen wird, verrät Jim noch nicht. mehr…

Lok: Präsident verkauft seine Anteile von Sponsor Goldgas & weitere Verstärkungen in Sicht

Michael Notzon
Lok Leipzigs Präsident Michael Notzon ist nicht mehr Geschäftsführer beim Lok-Hauptsponsor goldgas. Zusammen mit den anderen drei bisherigen Anteilseignern hat der Geschäftsmann seine Anteile am Gasversorger an den Finanzinvestor Fonds bluO verkauft. Auswirkungen auf den FCL soll das jedoch nicht haben, würde also weiterhin eingeplanten Verstärkungen nicht im Weg stehen. mehr…

Schließen Sie ihre Hütte ab! - Neues aus der Polizeifunkanstalt Leipzig

Die Leipziger Polizei ist nicht müde auf eine wichtige Verhaltensregel hinzuweisen. Es geht nicht ums Radfahren ohne Licht, oder um Geisterfahrten mit dem Auto oder Schwarzfahren mit der Tram. Anscheinend gibt es ein paar Leipziger, die so vertrauensselig sind, dass sie ihre Wohnung unverschlossen verlassen. Erneut kommt ein Hinweis aus dem Pressebüro der Polizei zum Verlassen der eigenen Häuslichkeiten: "Schließen Sie Ihre Hütte ab!" mehr…

Galerie Schwind: Geburtstagsausstellung gratuliert Gero Künzel zum Fünfzigsten

Gero Künzel wird 50. Seit 1990 gehört der Erfurter Maler zum Künstlerstamm der 1989 gegründeten Galerie Schwind. Es ist in Leipzig das Zuhause der "Leipziger Schule" geworden. Der einstige Meisterschüler von Bernhard Heisig ist einer ihrer Vertreter. Die Galerie Schwind ehrt ihn im Februar und März im Tübkehaus in der Springerstraße mit einer Geburtstagsausstellung. mehr…

Richard-Wagner-Verband Leipzig: Erstes Licht fällt auf eine Kooperation zwischen Leipzig und Israel

Noch 2001 endete eine Wagner-Aufführung von Dirigent Daniel Barenboim in Israel mit einem Eklat. Eigentlich wird Richard Wagner in Israel boykottiert. Der Leipziger Sohn galt selbst als "anti-jüdisch". Sogar Philosoph Friedrich Nietzsche wendete sich mit Grausen von ihm ab. Adolf Hitler soll aufgrund des Hörens von Wagner-Opern "erleuchtet" worden sein. Israelis setzten Wagner als Soundtrack für den Holocaust gleich. Es gibt viele Gründe, Wagner nicht zu mögen. Jetzt scheint es anders zu werden. mehr…

Senioren-Residenz in Gohlis: Semmelhaack will Pflegewohnstift im August 2012 fertigstellen

Pflegewohnstift Gohlis.
Ende August dieses Jahres wird das Pflegewohnstift Gohlis in Leipzig fertiggestellt. Das teilt die Wohnungsbaugesellschaft Th. Semmelhaack GmbH mit. Mit einem Investitionsvolumen von rund 13,5 Millionen Euro entsteht an der Ecke Lindenthaler/Georg-Schumann-Straße derzeit eine Pflegeeinrichtung mit 122 Einzelzimmern auf einer Fläche von insgesamt rund 6.765 Quadratmetern. mehr…

Neulich im Landgericht: Bewährungsstrafe nach Parkplatz-Attacke

Landgericht Leipzig
Dass sich die Kooperation mit der Justiz lohnen kann, beweist der Prozess gegen Tom M. Das Landgericht verurteilte den 23-jährigen Colditzer am Freitag wegen räuberischer Erpressung und Körperverletzung zu 14 Monaten auf Bewährung. Er hatte am 7. März 2010 offenbar aus Liebe zusammen mit seiner damaligen Partnerin deren Ex-Freund abends auf dem Aldi-Parkplatz in der Essener Straße in einen Hinterhalt gelockt, angegriffen und ausgeraubt. Die magere Beute: Ein Handy und 110 Euro. mehr…

Springen Sie direkt: Zum Textanfang (Navigation überspringen) Zur Hauptnavigation Zur Suche


Anzeigen.
Zur Website der Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) GmbH

VERKEHRSMELDUNGEN:

NACHRICHTEN:

SCHNELLER SERVICE:

Theater der Jungen Welt
Abendveranstaltungen
Weitere Termine unter: www.tdjw.de
Aktuelle Dossiers.
Anzeigen.
Leipziger Leselust Leipziger Leselust ... seit 2004 bespricht die L-IZ regelmäßig die neuesten Bücher Leipziger Autoren und Verlage.
Link-Tipps.
Bildblog



Anzeige