Handygate in Sachsen: Linke bringt den Datenskandal vor Gericht und lädt am Dienstag zur Diskussion
Ralf Julke
11.12.2011
Sächsische Datensammelei.
Montage: L-IZ
Seit Monaten hält die massenhafte Datenerhebung der Dresdner Ermittlungsbehörden im Zusammenhang mit den Demonstrationen um den 19. Februar die Öffentlichkeit in Atem. Selbst die Einwände des Datenschutzbeauftragten brachten die Staatsregierung nicht zur Einsicht, dass Datensammelei und konkrete Ermittlungen mit benennbaren Straftaten zweierlei Paar Schuhe sind. Jetzt will die Linke vor Gericht ziehen.
Anzeige
Der als Dresdner „Handygate“ bekannt gewordene Datensammel-Skandal soll umfassend juristisch aufgerollt und vor Gericht gebracht werden, kündigte die Linksfraktion im sächsischen Landtag am Freitag, 9. Dezember, an. Am Montag, 12. Dezember, will sie ihre konkrete juristische Vorgehensweise öffentlich machen.
Die sächsischen Behörden hatten mittels einer flächendeckenden „nichtindividualisierten Funkzellenabfrage“ am 19. Februar 2011 massenhaft Handydaten von Demonstrationsteilnehmern und unbeteiligten aus dem direkten und dem weiteren Umfeld des Demonstrationsgeschehens gesammelt und gespeichert. Diese Datensammlung umfasst über eine Million Verkehrsdatensätze mit über 320.000 Rufnummern. Zehntausende Anwohnerinnen und Anwohner sind genauso betroffen wie friedliche Demonstranten, Journalisten, Abgeordnete und Rechtsanwälte.
Und die Ermittlungsbehörden, die auch zehn Monate nach den Ereignissen keinerlei Zusammenhang zwischen Demonstrationsvorfällen und gesammelten Datensätzen öffentlich belegt haben, machen einfach weiter, wie jüngst erst eine Nachfrage des Grünen-Abgeordneten Johannes Lichdi ergab.
Und auch in einem anderen Bezug scheint das Vorgehen der Behörden im Umgang mit den Daten mehr als leger. Das kam im Zusammenhang mit einer Regierungsinformation und der Anhörung im Verfassungs- und Rechtsausschuss (VRA) am 7. Dezember zur Sprache. Danach hat die Staatsanwaltschaft Dresden offensichtlich keineswegs vor - entgegen der Forderung des Datenschutzbeauftragten - alle von der Erhebung der so genannten Bestandsdaten Betroffenen zu informieren.
Für Julia Bonk, Sprecherin für Daten- und Verbraucherschutz, und Klaus Bartl, Sprecher für Verfassung und Recht und Fraktions-Obmann im Ausschuss, ein Unding: "Alle Betroffenen einer Bestandsdatenerhebung zu informieren, entspricht der Regelanforderung der Strafprozessanordnung. Dies hatte auch der Datenschutzbeauftragte in seinem Sonderbericht ausdrücklich gefordert."
Sächsische Datensammelei.
Montage: L-IZ
Gelten die simplen Regeln des Strafrechts in Sachsen nicht mehr?
Die beiden Linken-Abgeordneten kritisieren: "Nun stellt sich die Staatsanwaltschaft Dresden auf den Standpunkt, dass nur die rund 800 Betroffenen informiert werden sollen, die ein förmliches Auskunftsersuchen gestellt haben. Bei allen andern - insgesamt wurden bis jetzt mehr als 54.000 Bestands-Datensätze ausgewertet - geht die Staatsanwaltschaft Dresden davon aus, dass bei ihnen kein Interesse an einer Auskunft gegeben ist und will sie nicht informieren."
Das scheinen dann lauter brave Bürger zu sein, die gar nicht wissen wollen, was der Staat mit ihren Daten anstellt. Doch Nicht-Informiertwerden ist immer noch etwas anderes als Ahnungslosigkeit, stellen Bonk und Bartl fest: "Das Ausmaß der Bestandsdatenerhebung verpflichtet aber gerade zur sauberen Aufklärung. Die ignorante Haltung der Staatsanwaltschaft Dresden verstärkt das Misstrauen vieler Bürgerinnen und Bürger gegenüber den Ermittlungsbehörden. Offensichtlich legt es die Staatsanwaltschaft Dresden darauf an, gerichtlich korrigiert zu werden."
Betroffen von der Funkzellenabfrage waren auch zwei Abgeordnete der Linksfraktion: Rico Gebhardt und Falk Neubert. Sie haben nun den Dresdner Rechtsanwalt André Schollbach damit beauftragt, rechtliche Schritte einzuleiten.
Welche Schritte dies im Einzelnen sind, wollen sie auf einer Pressekonferenz am Montag, dem 12. Dezember, erzählen.
Einen Tag später laden die beiden Abgeordneten der Linksfraktion Julia Bonk und Dietmar Pellmann in Leipzig zu einer Podiumsdiskussion zum Thema ein.
Mit „Demokratie-Gate – Sachsen außer Kontrolle“ ist die Diskussion über die sächsische Demokratie nach der Handydatenaffäre betitelt, die sich noch einmal mit den widerrechtlichen Hausdurchsuchungen, den Ermittlungen wegen angeblicher Bildung krimineller Vereinigungen und der Auswertung von circa einer Million Handydaten durch die Ermittler beschäftigt.
Gegen den Jenaer Pfarrer Lothar König, bei dem die Dresdner Behörden mit einer frühmorgendlichen Haus- und Bürodurchsuchung für Furore gesorgt haben, hat die Staatsanwaltschaft Dresden in der vergangenen Woche Anklage erhoben wegen des Vorwurfs eines schweren Landfriedensbruch und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte. Der Prozess soll vor dem Amtsgericht Dresden verhandelt werden.
Verständlich also, dass die Linke ihre Leipziger Diskussions-Veranstaltung „Demokratie-Gate – Sachsen außer Kontrolle" nennt.
In der "Podiumsdiskussion zum Zustand der sächsischen Demokratie“ soll zunächst die Ausspähung der Handydaten untersucht werden. Außerdem wird eine Antwort auf die Frage versucht, was für Auswirkungen das Verhalten der Sicherheitsbehörden auf jede Art von zivilgesellschaftlichem Protest haben wird. Zugleich wollen die Linken versuchen, Vorschläge zur Erhaltung und Weiterentwicklung einer lebendigen Demokratie zu erarbeiten.
Podiumsdiskussion am Dienstag, 13. Dezember, 19 Uhr im Filmtheater „Cineding“ (Großer Saal, Karl-Heine-Straße 83).
Eröffnung durch Dr. Dietmar Pellmann, stellvertretender Vorsitzender der Linksfraktion im Landtag. Eingangsstatement durch Julia Bonk, Sprecherin für Daten-, Verbraucherschutz und neue Medien der Fraktion. Neben den Genannten kommen Florian Bokor (Piratenpartei Sachsen), Kristin Pietrzyk (Rechtsanwältin) und die Journalistin Jennifer Stange zur Diskussion. Filmeinspielung zu den Ereignissen um den 19. Februar 2011 in Dresden und danach Podiumsdiskussion und Fragerunde aus dem Publikum.
Das mit dem U-Boot-Bau haben wir ja traditionell ganz gut raus. Doch wo Dönitz noch so blöd war, die eigenen Männer zum Wolf spielen rauszuschicken, gibt’s die Stahlsärge heute im Dutzend billiger direkt ins geplante Kriegsgebiet. Ohne Besatzung versteht sich. Das Verhältnis zwischen Profit und Eigenverlust bleibt also diesmal intakt. mehr…
Überraschung beim 1. FC Lok: Kurz vor dem ersten Oberliga-Punktspiel im neuen Jahr hat Trainer Willi Kronhardt den bisherigen Kapitän Thorsten Görke in die zweite Mannschaft gesteckt. Zum neuen Kapitän wählte die Mannschaft Außenverteidiger Jens Werner. mehr…
Möglicherweise erlebt die Messestadt am Sonnabend, 25. Februar 2012 ein Rechtsrockkonzert. Die Hooligan-Band "Kategorie C" plant im "Großraum Leipzig" einen Balladenabend. Einladungen zum Auftritt geistern seit wenigen Tagen durch soziale Netzwerke. mehr…
Mit "Bonbons und Schokolade" wirbelten in den frühen Achtzigern vier junge Männer durch die DDR. Die Folge-Werke wurden noch besser aufgenommen. Dann in den Neunzigern das Aus. "Positiv" war das Comeback. Mit "Treibstoff" kommt Sänger und Bandkopf Mike Kilian auch nach Leipzig. Er hofft auf zahlreiche Besucher, Girls und vielleicht auf den einen oder anderen "Prinzen". mehr…
Im Zusammenhang mit dem Raubkopierer-Portal kino.to wurde bei einer Razzia in Sachsen und Hessen laut Generalstaatsanwaltschaft Dresden der Betreiber eines Zuliefererportals für kino.to festgenommen. Auch ein weiterer mutmaßlicher Mitstreiter des Betreibers von skyload.net, ein Hesse, ging den Strafverfolgern ins Netz. mehr…
Doris Dörrie setzt sich in ihren Filmen gern mit Antihelden auseinander. Oft sind ihre Protagonisten liebevolle Außenseiter vom Bodensatz der Gesellschaft. Nach ihrem durchwachsenem Ausflug in die Welt der übergewichtigen Friseuse Kathi ("Die Friseuse", 2010) hat die Münchenerin mit "Glück" ein rührseliges Liebesdrama inszeniert. mehr…
Gerhard Pötzsch vertritt die Leipziger SPD als kulturpolitischer Sprecher und als Mitglied im Betriebsausschuss Kulturstätten im Stadtrat. Was er von der Debatte um das Actori-Gutachten hält und um was es sich bei Kultur allgemein drehen sollte, erzählt er im L-IZ-Kurzinterview. mehr…
Der Beschuldigte schweigt eisern, doch die Staatsanwaltschaft hat offenbar genug Indizien gesammelt, um eine Anklage wegen Mordes zu erheben. Genau das hat jetzt die Leipziger Strafverfolgungsbehörde im Falle der im letzten November getöteten Studentin getan. mehr…
Detlev F. (54) sah gezeichnet aus, als Richter Norbert Göbel am Dienstag, 21. Februar, kurz vor 12 Uhr im Landgericht das Urteil verkündete. Der Oschatzer soll sechseinhalb Jahre ins Gefängnis. Staatsanwältin Anett Schneider warf dem gelernten Eisenbahner vor, in 50 Fällen drei seiner sieben Kinder missbraucht zu haben. Nachdem die Verfahrensbeteiligen einen Deal aushandelten, gestand er und zeigte Reue. mehr…
Nach einer 5:7-Niederlage am letzten Wochenende in Königs Wusterhausen und einem 5:3-Heimsieg gegen Breitenhagen haben die Hockeyherren des Leipziger Sport-Club weiter alle Chancen auf den Klassenerhalt. Den Verbleib in der Regionalliga können die Schleußiger bereits am kommenden Sonnabend beim Tabellenletzten HTC Spandau klarmachen. mehr…
Es tut sich was in letzter Zeit an der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig. Ob Förderungen oder Wissenschaftspreise, das „Einheimsen“ von Drittmitteln wird in Zeiten einer rigiden Sparpolitik seitens der Landesregierung zu einer immer wichtigeren und unverzichtbareren Einnahmequelle. Da kommt der Leipziger Uni ihre hohe Qualität in Sachen Forschung sehr zugute. mehr…
Am Donnerstag, 23. Februar, beginnt die Immobilien-Messe in Leipzig. Sie ist ein Gradmesser. Sogar ein ganz guter. Denn wenn Häuser und Grundstücke in einer Ecke der Welt liegen bleiben wie Blei, dann geht's dieser Weltecke ganz bestimmt nicht gut. Aber so ist es nicht. Im Gegenteil: Sogar die Mieten steigen. mehr…
In Leipzig sind demnächst die Saurier im Linienbetrieb unterwegs. Ab dem ersten März ziert ein neuer Straßenbahnzug im Dinosaurierdesign die Straßen der Stadt. Die fauchenden Abbilder der Urzeitgestalten des Saurierparks in Kleinwelka, nordwestlich von Bautzen gelegen, fahren dann für drei Jahre über die Bahngleise der Leipziger Verkehrsbetriebe. mehr…
Am Lindenauer Markt suchen zehn große Schaukästen Künstler zwecks Gestaltung. Im Mai 2012 soll auf Anregung der dortigen Immobilien- und Standortgemeinschaft das unabhängige Projekt Kunstraum [10].lindenau entstehen. Die Schaukästen von 3,5 Metern im Quadrat sind Teil des architektonischen Konzepts am künftigen Einkaufszentrum. mehr…
Da kann man jetzt wieder gespannt sein, wie andere das aufbereiten, was die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) am Dienstag, 21. Februar, als neues Ranking präsentiert hat. Natürlich mit Leipzig drin. Zehn deutsche Städte hat die FAZ zusammen mit der Unternehmensberatung Roland Berger verglichen. Titel: "Deutschlands lebendigste Städte". mehr…