Polizeireform anno 2025: Nicht mal der Nachwuchs ist gesichert
Ralf Julke
16.01.2012
Sachsen Innenminister Markus Ulbig (CDU).
Foto: Matthias Weidemann
Das geplante sächsische Standortegesetz rechnet sich nur, wenn parallel dazu der Stellenabbau in der sächsischen Landesverwaltung massiv vorangetrieben wird. Das wird auch die Polizeistärke betreffen. "Polizei.Sachsen.2020" heißt das Konzept, mit dem auch in Leipzig die Personalstärke der Polizei um 20 Prozent reduziert werden soll. Entgegen den Versprechungen von Innenminister Markus Ulbig (CDU).
Anzeige
Bis zum Dezember 2012 sollen alle rechtlichen, personellen, technischen und liegenschaftlichen Voraussetzungen für die Umsetzung des Organisationskonzepts "Polizei.Sachsen.2020" geschaffen sein. Das betrifft die Region Leipzig ebenso stark wie andere Regionen Sachsens.
"Entgegen der Aussage des Innenministers, der Großraum Leipzig werde ebenso wie Limbach-Oberfrohna von einer Reduzierung der Stellen bis 2025 ausgenommen, sieht das Polizeikonzept für die Polizeidirektion Leipzig einen Stellenabbau von knapp 20 Prozent bis 2025 vor. Damit liegt der Stellenabbau in Leipzig sogar leicht über dem Landesdurchschnitt mit knapp 19 Prozent", stellt Eva Jähnigen, innenpolitische Sprecherin der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Sächsischen Landtag, fest. "Diese Pläne finde ich besorgniserregend, zumal Leipzig in den vergangenen drei Jahren beispielsweise im Bereich der Wohnungseinbrüche fast eine Verdoppelung verkraften musste."
2011 waren die Reviere und Polizeiposten der Polizeidirektion Leipzig mit einer Sollstärke von 1.758 Stellen ausgestattet. So hatte es auch eine Kleine Anfrage der Abgeordneten ergeben. Doch im Jahr 2025 soll die PD Leipzig nur noch über 1.412 Stellen verfügen. So ist es im Feinkonzept des Innenministeriums aufgeführt. Insgesamt soll die Zahl der Polizeistellen in Sachsen nach den Plänen von Ulbig von 13.911 im Jahr 2010 auf 11.280 im Jahr 2025 sinken.
Innenminister Markus Ulbig - hier beim Uniformwechsel der Polizei.
Foto: Matthias Weidemann
"Auch die mir bekannten Interventionszeiten – also die Zeit zwischen dem Anruf bei der Polizei bis zu ihrem Eintreffen vor Ort – insbesondere bei Gefahr für Leib und Leben, sprechen eine deutliche Sprache. So brauchte die Polizei im Polizeirevier Leipzig Südwest und in Markleeberg in sieben Fällen von Körperverletzung und häuslicher Gewalt im Schnitt 30 Minuten. Das ist zu lang und legt nahe, dass Leipziger Polizeireviere bereits jetzt personell nicht ausreichend ausgestattet sind", kritisiert Jähnigen. "Da Ulbig das Polizeikonzept wegen der Ermittlungen gegen Rechtsextremismus ändern und weniger Stellen als vorgesehen streichen will, sollte er auch das Kriterium der Interventionszeiten mit in das Konzept aufnehmen und die Stellenplanung daran ausrichten."
Ob er das tun wird, ist fraglich. Schon im September, als das "Feinkonzept" erstmals vorgestellt worden war, war die Kritik aus den Fraktionen heftig gewesen. Schon damals fielen die drastisch verlängerten Interventionszeiten auf und vielen Abgeordneten war nicht vermittelbar, dass Städte wie Taucha mit zwei, drei Polizisten ausreichend besetzt werden könnten. Bürgerpolizisten sollen allerorten das Verschwinden der Polizeipräsenz kaschieren.
Der Abbau von Polizeikräften wird zwar - wie all die anderen sächsischen Sparprogramme - unter dem Hinweis der zurückgehenden Bevölkerungszahl verkauft. Doch während das Konzept "Polizei.Sachsen.2020" einen Abbau der Personalstärke um 19 Prozent vorsieht, sieht selbst die Bevölkerungsprognose des Landesamtes für Statistik bis 2025 nur einen Rückgang der Bevölkerungszahl um 9 Prozent.
Die Polizeidirektionen Leipzig und Westsachsen sollen zwar zu einer einheitlichen Direktion verschmelzen. Doch da Leipzig eindeutig der Schwerpunkt im Kriminmalitätsgeschehen ist und als gut vernetzte Großstadt ein Schwerpunkt der sächsischen Drogenkriminalität ist, ist nicht wirklich damit zu rechnen, dass es hier bis 2025 einen Rückgang der Fallzahlen geben wird.
Und dazu kommt, dass Ulbig es möglicherweise nicht einmal schaffen wird, auch nur die Zahl von 11.280 Polizisten zu halten. Darauf hatte schon im September der innenpolitische Sprecher der Fraktion Die Linke im Sächsischen Landtag, Rico Gebhardt, hingewiesen: "Es werden keinesfalls 300 junge Polizistinnen und Polizisten jährlich eingestellt und ausgebildet, die dann auch im polizeilichen Vollzugsdienst tätig werden können. In der Regel bleiben von 300 Anwärtern nur rund 260 übrig, weil 40 aus verschiedenen Gründen vorher ausscheiden. Es gehört auch zur Wahrheit dazu, dass selbst 300 Einstellungen nicht ausreichen, um allein den Altersabgang von bis zu rund 600 Polizistinnen und Polizisten pro Jahr auch nur ansatzweise zu kompensieren. Dies ist Augenwischerei und bewusste Falschinformation."
Der Innenminister hat die tatsächlich aktuellen Probleme der Nachwuchssicherung genauso sträflich vernachlässigt wie der Kultusminister bei den Lehrern. Und eigentlich ist heute schon absehbar, dass in wenigen Jahren nicht nur die Bundeswehr mit großen Trucks durchs Land fährt, um dringend gebrauchten Nachwuchs zu gewinnen. Auch die Polizei wird es tun. Und dabei gewaltige Probleme haben, denn den cleveren Nachwuchs sichert sich jetzt die Privatwirtschaft.
Dass dann trotzdem noch diese nunmehr dritte "Polizeireform" in Sachsen durchexerziert wird, hat für Gebhardt nur einen einzigen Grund: "Es bleibt dabei, und die kommenden Jahre werden dies, wie bei allen vorausgegangenen 'Polizeireformen' in Sachsen deutlich beweisen, diese Polizeireform findet aus einem einzigen Grund statt: Um zu Lasten der öffentlichen Ordnung und Sicherheit in Sachsen Haushaltskonsolidierung zu betreiben."
In der Pressekonferenz zur Vorstellung des Feinkonzeptes "Polizei.Sachsen.2020" sicherte Innenminister Ulbig zu, dass die Polizei im Großraum Leipzig wegen der Bekämpfung der Drogenkriminalität vorerst nicht reduziert werde. Siehe dazu: www.mdr.de/sachsen/polizeireform106.html
Die sächsische Staatsregierung ist ja höchst besorgt um das Bild von Sachsen - nach innen und nach außen. Also hat sie mal wieder eine Image-Befragung durchführen lassen, 4.000 Leute befragen lassen durch die GMS Dr. Jung GmbH, 1.000 in Sachsen selbst, 1.000 im Rest von Ostdeutschland, 2.000 im Westen. Eigentlich eine Befragung, die die schöne Erkenntnis bestärkt: Nehmt euch nicht so wichtig. mehr…
Der Wald steckt voller Zeichen: Hinweisschilder für Gasleitungen, Wanderwege, Graffiti oder Markierungen an Bäumen. Alles hat – meistens – seinen Sinn. Die erleb-bar hat viele dieser Symbole entschlüsselt und die Ergebnisse in einer neuen Geocaching-Tour zusammengestellt. mehr…
Der erste Quartalsbericht für 2012 ist da. Die vierteljährliche Krankenstandsmeldung des Amtes für Statistik und Wahlen für die Stadt Leipzig. Lebt der Patient noch? Ist er gar auf dem Weg der Besserung? - Die Zahlenbasis wird immer unsicherer. Doch die neuen Zahlengrundlagen aus dem Zensus 2011 gibt es erst 2013. Oder gar erst 2014, befürchtet Peter Dütthorn. mehr…
Die Kinderpolizei der Agentur Schutzengel eröffnet pünktlich zum Kindertag 2012 – am 1. Juni – ihre erste Polizeiwache auf sächsischem Boden. In den Räumen der integrativen KITA Grünschnabel des Kinderschutzbundes Leipzig (Oststraße 185) wird die erste sächsische Kinderpolizeiwache ihren Platz finden. mehr…
Hört oder liest man ein Märchen nur mit dem logischen Verstand - dann will und wird so manches nicht zusammenpassen. Doch auch Herz und Phantasien lesen mit und dies ist das Entscheidende. Gerade bei Kindern nehmen Phantasien in den Gedanken den größten Raum ein. So dient das Märchen als Spiegel ihrer Erfahrung, Ängste, Wünsche und Träume. mehr…
"Neue Schulen braucht die Stadt". Zu diesem Thema lädt die Leipziger SPD Jugend am Donnerstag, 24. Mai, ab 19:00 Uhr in die SPD Geschäftsstelle (Rosa-Luxemburg-Straße 19/21) ein. Gemeinsam mit dem Leipziger Landtagsabgeordneten Holger Mann wird über den Neu- und Ausbau sowie die Sanierung von Schulen in Leipzig diskutiert. mehr…
Die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH (LMBV) hat am 22. Mai während einer Bilanzpressekonferenz auf das letzte Jahr zurück geblickt und gleichzeitig eine Vorausschau gewagt. Die besagt, dass man eine weitere Milliarde Euro benötigen wird, um die LMBV-eigenen Bergbaufolgelandschaften zu rekultivieren. mehr…
Unter dem Motto „Von Panitzsch bis Paris“ sind ab 27. Mai in der Kirche Panitzsch Bilder in Öl von Margitta Pötzsch zu sehen. Zur Vernissage und zum Galerierundgang mit der Leipziger Künstlerin wird am Pfingstsonntag um 17 Uhr herzlich eingeladen. mehr…
Am Donnerstag, dem 7. Juni, lädt der Swingin'LE Tanzklub wieder zum kostenlosen Schnupperkurs ein. Swing und Lindy Hop im Rhythmus der 30er und 40er Jahre, als Amerika noch ein unbeschwertes Lebensgefühl hatte. Der einstündige Kurs beginnt 19:00 Uhr. mehr…
Am 25. Mai geht's los, dann überschwemmen wieder Menschen in schwarzen und bunten Kostümen die Stadt, duften nach Patschuli, geben sich betont lässig, obwohl sie völlig aufgewühlt sind. Zu Pfingsten ist Leipzig wieder Schauplatz des Wave Gotik Treffens. Der Plöttner Verlag ist dabei. Unter anderem mit dem dicken Buch zu "Death in June" von Aldo Chimenti. Der Besucher wird an seinem Stand auf dem agra-Gelände aber auch ein Plakat erstehen können, das durchaus ungewöhnlich ist. mehr…
Von wegen, Strom aus Kohle würde nicht subventioniert und sei deshalb eine preisgünstigere Alternative zu erneuerbaren Energien. Die Kosten werden nur nicht auf den Strompreis aufgeschlagen, die fließen als Subvention - zum Beispiel bei Kosten für die Sanierung der ostdeutschen Braunkohlereviere. Und die werden - wie die LMBV am Mittwoch mitteilen musste - noch höher, als bisher geplant. mehr…
"Fertigstellungstermin des A 72-Abschnitts von Rochlitz bis Borna verschiebt sich auf Sommer 2013", teilte Staatssekretär Roland Werner gemeinsam mit dem DEGES-Geschäftsführer Dirk Brandenburger am Dienstag, 22. Mai, mit. Eine scheinbar beiläufige Meldung im Rahmen eines Großbauprojekts, dessen Planungen und Kosten mittlerweile genauso aus dem Ruder gelaufen sind wie die des Leipziger City-Tunnels. Natürlich hat das Gründe. mehr…
Welche Auswirkungen auf Leipzigs Infrastruktur wird der Citytunnel Ende 2013 haben? Dieser Frage gingen Studierende der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus (BTU) im Rahmen von zwei Projekten nach. Im Mittelpunkt ihrer Untersuchungen standen dabei mögliche neue Wegebeziehungen. Die Ergebnisse werden vom 25. Mai bis 15. Juni in der 5. Etage des Neuen Rathauses im Ausstellungsbereich des Stadtplanungsamtes gezeigt. mehr…
Jamal Engel hat für die SG Leipzig Leutzsch im Gästeblock-Streit Stellung bezogen. Auf dem Familienportal "Tüpfelhausen" gab der Vorstandssprecher den Fans der BSG Chemie Leipzig einen Korb. 29 Fanclubs hatten ihn zuvor gebeten, ihnen beim Aufeinandertreffen beider Clubs am 9. Juni den Norddamm zur Verfügung zu stellen. Sie befürchten, dass der Platz im Gästeblock für rund 1.000 – 1.500 Chemie-Fans nicht ausreichend sei. mehr…
"Grimms Märchen" ist seine vierte Show am Leipziger Centraltheater. Showmaster, Regisseur, Liedermacher und Schauspieler Rainald Grebe ließ in Leipzig Indianer vom Marterpfahl los, blickte in die "WildeWeiteWelt" und klettert seit Christi Himmelfahrt für Grimms Kinder- und Hausmärchen aus dem Sarg. Wir sind Grimm! Da bleibt kein Auge trocken, oder Herr Grebe? mehr…