Sachsens Bildungspolitik frustriert das ganze Land: Grünen-Sprecherin Claudia Maicher im Interview
Gernot Borriss
20.05.2012
Grünen-Landesvorsitzende Claudia Maicher.
Foto: Gernot Borriss
Sachsens Grünen-Sprecherin Claudia Maicher wirft der Staatsregierung einen „selbst organisierten Bildungsnotstand“ vor. „Die Bildung unserer Kinder eignet sich eben nicht zum Totsparen“, sagt die Leipzigerin im L-IZ-Interview. Sie fordert zudem eine Verkehrspolitik, „die über die großen Zentren hinaus schaut und Bus und Bahn intelligent verknüpft“.
Anzeige
Frau Maicher, haben die Grünen mit den Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein ihre Piraten-Delle überwunden?
Die Wahlen in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen haben vor allem gezeigt, dass die Wähler eine starke grüne Politik honorieren, sowohl aus der Opposition als auch aus Regierungsbeteiligung heraus. Wir haben bei fast allen Wahlen in den letzten Jahren zugelegt. Grüne sind in sämtliche Landesparlamente eingezogen, erstmals auch überall im Osten.
Wir sind damit die drittstärkste politische Kraft. Ich sehe keine Piraten-Delle. Dass eine neue Partei entsteht, die besonders Nichtwähler an die Urnen holt, ist für die Demokratie ja nicht schlecht. Aber die Antworten zur Energiewende, Bildungspolitik, Bürgerbeteiligung, Datenschutz und vernünftigen Finanzpolitik haben wir und dafür werden wir gewählt.
Plötzlich ist Rot-Grün wieder in aller Munde. Was spricht denn aus Ihrer Sicht für eine Neuauflage dieser Kombination ab 2013 im Bund?
Die schwarz-gelben Regierungen im Bund und in Sachsen stehen für eine antriebs- und richtungslose Politik. Die Menschen wählen die Politik von CDU und FDP reihenweise ab, weil sie einen Politikwechsel wollen. Uns Grünen geht es deshalb auch 2013 nicht um die Neuauflage einer Koalition, sondern um die Umsetzung unserer politischen Inhalte: 100 Prozent erneuerbare Energien, aktive Bürgergesellschaft, ökologische Transformation der Wirtschaft, soziale Gerechtigkeit, faire Bildungschancen.
Dafür streben wir eine Zusammenarbeit mit der SPD an. Aber Fakt ist, einen echten Politikwechsel wird es nur mit starken Grünen geben!
Grünen-Landesvorsitzende Claudia Maicher.
Foto: Gernot Borriss
Gehen wir in hiesige Gefilde. In Leipzig sieht Grünen-Fraktionschef Wolfram Leuze für Ihre Fraktion keine verlässlichen Partner, auf Landesebene steht die Schuldenbremse zwischen Rot und Grün. Was bleibt da, als auf die Kraft der eigenen Ideen zu setzen?
Natürlich sollte jede Partei auf die Kraft der eigenen Inhalte setzen. Regieren ist doch kein Selbstzweck. Wir Grüne sind überzeugt, dass in Leipzig und im Land eine andere Politik notwendig ist. Wenn wir mit Vorschlägen zur Informationsfreiheit, zu umweltfreundlichen Verkehrskonzepten, einer Teilhabe sichernden Sozialpolitik oder mit einer vernünftigen Haushaltspolitik überzeugen können, ist das ein Erfolg.
Klar brauchen wir für die Umsetzung Partner, aber wir machen keine Politik für Koalitionen, sondern für die Menschen in Leipzig und in Sachsen.
Was spricht denn aus Ihrer Sicht eigentlich für die Aufnahme einer Schuldenbremse in die Landesverfassung in den nächsten Monaten?
Die Verschuldungen der öffentlichen Haushalte in Deutschland und in Europa sorgen für zunehmende Probleme in Krisenzeiten. Für den notwendigen ökologischen, sozialen und generationengerechten Umbau in Sachsen brauchen wir einen dauerhaft handlungsfähigen Freistaat – und zwar ohne unseren Kindern übermäßige Schulden aufzuladen. Wir Grüne wollen eine Schuldenbremse, die die Wirkungen von konjunkturellen Auf- und Abschwüngen auf die Einnahmen berücksichtigt sowie die finanzielle Handlungsfähigkeit von Land und Kommunen bei schweren Naturkatastrophen und außergewöhnlichen Notsituationen ermöglicht.
Nach 20 Jahren und neuen gesellschaftlichen Entwicklungen sehen wir aber noch mehr Modernisierungsbedarf in der sächsischen Verfassung. Wir wollen Klimaschutzziele, Datenschutz und Informationsrechte sowie mehr Demokratie in der Verfassung verankern.
Breite Kritik gab es zuletzt wegen des offenkundigen Lehrermangels im Freistaat. Was läuft falsch in Sachsens Bildungspolitik?
Grünen-Landesvorsitzende Claudia Maicher.
Foto: Gernot Borriss
Was Schüler, Lehrer und Eltern an Sachsens Schulen erleben, ist einem Land, dessen Regierung sich an jeder Stelle der Bildungsspitzenposition rühmt, unwürdig: Unterricht ohne Lehrer, Fremdsprachenverlosung, fehlender Lehrernachwuchs und Zeugnisse ohne Noten, weil zu viele Schulstunden ausfielen. Das frustriert das ganze Land.
Die Regierung hat das Problem bis heute nicht erkannt. Inzwischen rühmt sich die zuständige Kultusministerin schon mit Selbstverständlichkeiten: Der Unterricht für das kommende Schuljahr sei abgesichert. Wir brauchen in Sachsen eine vorausschauende Bildungspolitik. Die Geburtenzahlen sind ebenso bekannt wie das Rentenalter der Lehrer.
Was wir nicht brauchen, ist ein selbst organisierter Bildungsnotstand. Die Bildung unserer Kinder eignet sich eben nicht zum Totsparen.
Im Frühsommer kommt es in Chemnitz zum sächsischen Bahngipfel. Was sollte aus grüner Sicht dabei herauskommen?
Man hat den Eindruck, dass Sachsen Schritt für Schritt von überregionalen Bahnverbindungen abgekoppelt wird. Sachsens Ministerpräsident und der Verkehrsminister Morlok erklären immer, sie würden sich bei der Bahn für Sachsen stark machen. Aber offenbar sind das alles leere Worte, oder es mangelt ihnen an Durchsetzungskraft. Jedenfalls passiert nichts.
Was vor Jahren mit der Abkopplung von Chemnitz begann, hat sich später mit weniger ICEs nach Dresden fortgesetzt. Und auch für Leipzig werden immer wieder Ausdünnungen diskutiert.
Was erwarten Sie von der Staatsregierung in diesem Punkt?
Wir erwarten von Ministerpräsident Tillich und FDP-Verkehrsminister Morlok, dass sie massiv gegen die von Bahn-Chef Grube angekündigte Einstellung des Interregio Express zwischen Dresden und Nürnberg intervenieren. Außerdem muss eine zweigleisige, elektrifizierte Schienentrasse zwischen Chemnitz und Leipzig verbindlich vereinbart werden, damit dort schnelle Fernzüge fahren können und Chemnitz auch in das mitteldeutsche S-Bahn-Netz eingebunden wird. Auch für das Vogtland brauchen wir eine Lösung für den Anschluss an das S-Bahnnetz Richtung Leipzig.
Jeder zweite Sachse lebt im ländlichen Raum. Deswegen müssen alle Verantwortlichen zu einer gemeinsamen landesweiten Strategie finden, die über die großen Zentren hinaus schaut und Bus und Bahn in der Region intelligent und verlässlich verknüpft. Mit unserem Konzept „Sachsentakt 21“ haben wir Grünen dafür eine realistische Grundlage vorgelegt.
Stadträtin Katharina Krefft und Stephan Stach, Stadtbezirksbeirat im Leipziger Osten laden alle Interessierten ein, gemeinsam Ideen für ein neues Gymnasium im Leipziger Osten zu sammeln. Das Treffen findet am Sonntag, 23. Juni, um 15:00 Uhr im Stadtteilpark Rabet (in Spielplatznähe) statt. Die Veranstalter laden zu Kaffee und Kuchen ein. mehr…
In der Ratsversammlung am Mittwoch, 19. Juni, steht die alljährliche Vorlage zur Planung der Ausbildungsplätze in der Stadtverwaltung 2013/2014 zu Abstimmung. Im kommenden Jahr will die Verwaltung 55 Ausbildungsplätze anbieten. Teil der Vorlage ist auch die Auswertung des Bewerbungsganges für das Ausbildungsjahr 2012/13. Doch vollmundigen Versprechungen der Vergangenheit folgen wieder keine Taten. mehr…
10 Jahre sind vergangen seit die Amazonen das letzte Mal in die Schlacht gegen die Männer zogen. Damals brachte die Niederlage nicht nur Penthesilea und Achilles und Hippolyte und Herakles zusammen, es wurde auch ein Männertoleranzedikt für den Frauenstaat erlassen. Mit den griechischen Helden kamen jedoch auch die griechischen Verhältnisse in den Haushalt. mehr…
Das Sportcenter in Markranstädt ist ab Montag, 17. Juli, wieder für den Schul- und Vereinssport geöffnet, teilt die Stadtverwaltung Markranstädt mit. Aufgrund der winterlichen Wetterlage drang ab Januar 2013 verstärkt Wasser hauptsächlich über die undichten Lichtbänder im Dach des Gebäudes ein, so dass das Sportcenter geschlossen werden musste. mehr…
Nach Strom und Telekommunikation sollen nun auch Wasser und Abwasser den Regeln des europäischen Binnenmarktes folgen. So will es die EU-Kommission. Aber Wasser ist keine übliche Handelsware, sondern elementares Menschenrecht und Kernelement öffentlicher Daseinsvorsorge. Wären die Leipziger Wasserwerke betroffen, wenn sich an der Richtlinie nichts wesentliches mehr ändert? Müsste die Wasserversorgung dann europaweit ausgeschrieben werden? Wie hat sich die Stadt Leipzig positioniert? mehr…
Familien erwartet am Wochenende ein buntes Workshop-Programm bei SK-SPORT in der Oststraße 20 in Reudnitz. Los geht's am Samstag, 22. Juni, morgens mit dem nächsten Zirkus-Workshop für Einsteiger. Von 10:00 bis 12:00 Uhr können sich Interessierte mit der erleb-bar in verschiedenen Zirkusdisziplinen ausprobieren: Jonglieren, Einrad, Yo-Yo, Diabolo, Cigar Boxes und mehr. mehr…
Am 22. Juni, 11 Uhr feiert mit „Onkel Richards phantastische Welten“ ein musikalisches Best-of Richard Wagner für Kinder ab zehn Jahre Premiere. Regisseurin Marion Firlus hat wie schon 2008 und 2011 im Rahmen des Bachfests Leipzig eine musikalische Biografie zur Grundlage ihrer Stückentwicklung gemacht. Onkel Richard ist Komponist und schreibt Musik zu Geschichten, die er sich selbst ausgedacht hat. Und da er der Meinung ist, dass solche Geschichten gar nicht lang genug sein können, braucht man drei Tage, um sich sein längstes Werk anzuhören. mehr…
Wenn plötzlich der Computer streikt, die Internetverbindung nicht zustande kommt oder der Drucker sich nicht anschließen lässt, kann nun geholfen werden. Ein kurzer Anruf bei Student@Home genügt und engagierte Informatik-Studenten aus Leipzig kommen ins Haus, um den Hilfesuchenden mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. mehr…
Passend zum Sommeranfang findet am 21. Juni die Fête de la musique, das Fest der Musik in Leipzig und in 520 weiteren Städten in 160 Ländern statt. Das Deutsch-Französische Bildungszentrum eröffnet im Jahr des 50-jährigen Jubiläums der deutsch-französischen Freundschaft das diesjährige Musikfest. mehr…
Nach den Veranstaltungen im letzten Jahr auf dem Stöckelplatz im Leipziger Osten und dem Lindenauer Markt im Leipziger Westen wird die Veranstaltungsreihe „Leipzig und seine Hunde“ in diesem Jahr im Kolonnadenviertel weitergeführt. Am Mittwoch, 26. Juni, stehen Jörg Zimmermann (Leiter des Stadtordnungsdienstes im Ordnungsamt), Michael Sperlich (Geschäftsführer des Tierheims Leipzig) sowie Vertreter des Veterinär- und Lebensmittelaufsichtsamtes und des VDH Landesverband Sachsen e. V. von 14 bis 16 Uhr auf dem Dorotheenplatz als Gesprächspartner zur Verfügung. mehr…
Die Wilhelm-Külz-Stiftung und die Gedenkstätte Museum in der Runden Ecke, Leipzig, laden am Mittwoch, den 19. Juni, um 18:00 Uhr, in die Gedenkstätte Museum in der „Runden Ecke“, Dittrichring 24, zu einem Vortrag, unter dem Titel „Der 17. Juni 1953 in Sachsen“ mit der Historikerin Dr. Heidi Roth, ein. mehr…
Im Dokumentarfilm „Schlimmer als Knast. Die Jugendwerkhöfe der DDR“ von Katarina Schickling kommen Jugendliche zu Wort, die mehrere Monate im Geschlossenen Jugendwerkhof Torgau verbringen mussten. Der Film wird am 19. Juni um 19:00 Uhr in der Kinobar Prager Frühling (Haus der Demokratie Leipzig), Bernhard-Göring-Straße 152, gezeigt. mehr…
Auf den ersten Blick sieht es wieder wie so ein Diät-Ratgeber aus - schwungvoll hebt eine Blondine am Meeresstrand ab - vom Gewicht befreit. Aber es ist kein Diät-Buch. Eher das Gegenteil. Und wer mit Diäten nun fort und fort seine schlechten Erfahrungen gemacht hat, darf zugreifen und umdenken. Es ist wie so oft: Man kann sich Gesundheit und einen gefälligen Körper nicht kaufen. Schon gar nicht im Supermarkt. mehr…
Am Sonntag, 23. Juni, findet ab 14 Uhr im Umfeld des Centraltheaters das große Abschlussfest des Centraltheaters statt. Bereits ab 22. Juni wird deshalb die Bosestraße im Bereich vom Ring bis zur Gottschedstraße gesperrt. Diese Sperrung wird am 23. Juni um den Kreuzungsbereich Bosestraße/Gottschedstraße erweitert und bleibt bis zum 24. Juni, 10 Uhr, aktiviert. mehr…
Themen des Tages: Fußball: André Schönitz neuer Chemie-Trainer, Vier Spieler verlassen die BSG +++ Fußball: 1.FC Lok holt ugandischen Nationalspieler Gerald Muwanga +++ Fußball: "Fußballfest der guten Tat" zugunsten geistig Behinderter in Rötha +++ Basketball: Kleine Uni-Riesen sind Sachsenmeister. mehr…
- Schaltung: eine Woche vorher, 3 Tage nachher
- Termine Stadtrat 2013 am 23.01., 20.02., 20.03., 17.04., 15.05., 19.06., 10.07., 18.09., 16.10., 21.11., 11.12.
- Positionierung: in ungeraden Monaten: Die Linke oben, Die Grünen unten