Sachsens Verfassungsschutz wird zum Demokratie-Motor: Forum starke Demokratie hat nicht-öffentliches KommunalWiki gestartet
Ralf Julke
20.12.2012
Die umstrittene Verfassungsschutz-Ausstellung im Leipziger Neuen Rathaus.
Foto: Ralf Julke
Es war eine kleine, zurückhaltende Meldung aus dem Sächsischen Innenministerium am Dienstag, 18. Dezember: "Forum starke Demokratie“ wird ausgebaut. Wer das Forum sucht, landet direkt beim Sächsischen Verfassungsschutz, der sich ein Jahr nach dem Bekanntwerden der "NSU"-Gruppe nicht etwa in Fehleraufarbeitung professionalisiert, sondern so tut, als sei er tatsächlich der Vorreiter der demokratischen Stärkung des Landes.
Anzeige
Unter besagter Überschrift verkündete das Innenministerium die Startbereitschaft der Intranet-Plattform „KommunalWiki gegen Extremismus“. Das Landesamt für Verfassungsschutz hatte den Start schon einen Tag vorher bekannt gegeben. War ja nicht wirklich relevant für die Öffentlichkeit. Denn mitlesen sollen die Bürger ja nicht, was die Schlapphüte aus Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und Sachsen da online an Informationen sammeln.
Das beim Landesamt für Verfassungsschutz Sachsen angesiedelte „Forum starke Demokratie“ hat in diesem Zusammenhang die Intranet-Plattform „KommunalWiki gegen Extremismus“ mitgestaltet. Sie wird gemeinsam von den Verfassungsschutzbehörden Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und Sachsen inhaltlich betreut. Für öffentliche Stellen der Kommunal- und Landesverwaltung ist das „KommunalWiki“ ab sofort unter einer geschützten Adresse erreichbar, die man auf der Website des LfV finden kann.
Innenminister Markus Ulbig: „Ein ganz wichtiger Teil der Arbeit für die Heimat und gegen deren Feinde liegt bei den Städten und Gemeinden. Wir unterstützen dieses Engagement auf vielfältige Weise. Der Verfassungsschutz versteht sich hier als Nachrichten-Dienstleister und Ansprechpartner für Kommunen. Dieses Angebot werden wir in den nächsten Jahren konsequent weiter ausbauen.“
Die Plattform soll extremismusbezogenes Hintergrundwissen vermitteln. In diesem Zusammenhang sollen auf der Plattform regelmäßig aktualisierte Informationen zum Extremismus im Freistaat Sachsen, aber auch zu seinen kommunalen Bezügen (z. B. regionale Lagebilder) sowie entsprechende Arbeitsmaterialien Strategien und Handlungsvorschläge bereitgehalten werden.
Außerdem würden auch der Austausch und die Diskussion unter den Nutzern eine wichtige Rolle spielen. Das „KommunalWiki“ lebe davon, dass sich viele dort aktiv einbringen und ihr Wissen mit anderen teilen.
Wäre eigentlich ein logischer Schritt, wenn man sich da auch mit den bürgerlichen Initiativen zusammen getan hätte, die die rechtsextreme Szene im Land seit Jahren deutlich besser beobachten als die diversen Ämter und Behörden. Aber es ist genau das Denken, das die sächsische Regierung nun seit Jahren pflegt: Sie hält den Kampf für die Demokratie für eine hoheitliche Angelegenheit und will die Zivilakteure möglichst außen vor lassen.
Die umstrittene Verfassungsschutz-Ausstellung im Leipziger Neuen Rathaus.
Foto: Ralf Julke
Auch könnten gezielte Fragen an eine Kommune gestellt werden, die zuvor ein erfolgreiches Projekt vorgestellt hat, heißt es aus dem Ministerium, das dann auch, um Missverständnisse zu vermeiden, extra betont: „Insofern - und auch um Missbräuche zu vermeiden - ist das Kommunal-Wiki ungeeignet für einen Zugang der breiten Öffentlichkeit über das Internet. Es handelt sich um eine reine Intranet-Plattform.“
Und auch das „Forum starke Demokratie“ ist nicht wirklich dazu konzipiert, den öffentlichen Diskurs voranzubringen. Seit Sommer 2011 führt der sächsische Verfassungsschutz unter diesem Label regelmäßig und in verschiedenen Regionen Sachsens Informationsveranstaltungen zu Themen mit Extremismusbezug durch. Diese richten sich gezielt vor allem an Entscheidungsträger aus Kommunen und Landesverwaltung und sollen deren Handlungssicherheit bei extremistischen Aktivitäten stärken, erklärt das Ministerium.
In den bisherigen acht Veranstaltungen wurden rund 400 Teilnehmer zum gebotenen und zielführenden Umgang mit extremistischen Aktivitäten geschult. Weitere Veranstaltungen sind in Vorbereitung.
Das Erstaunliche ist: Während man in öffentlichen Verlautbarungen immer nur allgemein von Extremismus redet, wurde man zum Beispiel bei der Pilotveranstaltung im Juni 2011 in der Landesdirektion Leipzig konkret: Im Zentrum standen thematisch das "Lagebild Rechtsextremismus im Freistaat Sachsen", der "Umgang mit Rechtsextremismus in der Kommune aus Sicht der Zivilgesellschaft" und die "Erläuterung der rechtlichen Grundlagen zum Umgang mit Rechtsextremisten in kommunalen Vertretungen anhand von Fallbeispielen." Im Herbst startete die Schwerpunktreihe "Nutzung von Objekten für rechtsextremistische Konzerte“. Was erstaunlich zu einigen jüngsten Zugriffen der Leipziger Polizei passt.
Augenscheinlich begreift man innerhalb des Verfassungsschutzes den Rechtsextremismus in Sachsen tatsächlich als das eigentliche Problem.
Kerstin Köditz, Sprecherin für antifaschistische Politik der Fraktion Die Linke, findet den jetzt gestarteten "KommunalWiki" trotzdem demokratisch eher zweifelhaft.
"Die Parlamentarische Kontrollkommission (PKK) hat anlässlich des desaströsen Versagens des Landesamtes für Verfassungsschutz Sachsen festgestellt, dass es dringlich einer deutlichen Verbesserung der Analysefähigkeit des Geheimdienstes bedarf. Auf Maßnahmen in diese Richtung warten wir noch immer vergeblich. Stattdessen versucht das Amt offenbar, seinen ramponierten Ruf dadurch aufzubessern, dass es wieder einmal eine Propagandaoffensive startet. Es ist nicht hinzunehmen, dass sich das Landesamt mit dem 'KommunalWiki gegen Extremismus' Kompetenzen anmaßt, die ihm einfach von seinen Aufgaben her nicht zustehen", erklärt sie dazu. "Es ist erst recht nicht hinnehmbar, dass dies der Öffentlichkeit und vor allem der parlamentarischen Kontrolle entzogen ist. Diese Kontrolle auf Landesebene wird noch zusätzlich dadurch erschwert, dass dieser 'KommunalWiki' im Verbund mit den Geheimdiensten anderer Bundesländer stattfindet."
Die umstrittene Verfassungsschutz-Ausstellung im Leipziger Neuen Rathaus.
Foto: Ralf Julke
Sie befürchtet, dass es sich um einen ähnlichen Orwellschen Neusprech handelt wie beim „Forum starke Demokratie" für Entscheidungsträger der Verwaltung, das ihr eher eine weitere Variante der speziellen „sächsischen Demokratie" zu sein scheint.
"Ich stelle fest, dass Innenminister Ulbig in eigener Selbstherrlichkeit eine Ausweitung der Aufgabenstellung des Landesamtes für Verfassungsschutz vornimmt", sagt sie dazu. "Gleichzeitig hat er eine in ihrer Zusammensetzung zweifelhafte Kommission zur Aufgaben- und Funktionskritik dieses Amtes vorgestellt, die erstens keine entsprechenden Vorschläge in diese Richtung unterbreitet hat und über deren Aufgabenstellung und Kompetenzen zweitens die zuständigen parlamentarischen Gremien bisher in keiner Weise unterrichtet worden sind."
Die Linke will sowohl das „KommunalWiki" als auch die genannte Dreier-Kommission zum Thema ihres parlamentarischen Agierens zum Beginn des neuen Jahres machen.
Der erste Beton trocknet: Heute haben Ordnungsbürgermeister Heiko Rosenthal und Branddirektions-Leiter Karl-Heinz Schneider den Grundstein für das neue Feuerwehrtechnische- und Ausbildungs-Zentrum gelegt. Wegen des sperrigen Namens wird es als FTAZ abgekürzt. Es ist eines der größten Bauprojekte, die Leipzig derzeit hat. Für rund 21 Millionen Euro entsteht auf einer Fläche von 4,8 Hektar ein Gebäudekomplex, in welchem sowohl die Feuerwache Südwest als auch das Ausbildungs-Zentrum untergebracht werden. mehr…
Musik für Kaiser und Könige bieten die Capella Antiqua und namhafte Solisten am 31. Mai 2013 im Merseburger Dom. Das Sonderkonzert gilt der Dachmarke „Straße der Romanik“, die seit 20 Jahren über 60 Denkmale in Sachsen-Anhalt vereint. Die Landschaft zwischen Harz und Saale bildet derzeit den authentischen Drehort für den Hollywood-Film „The Monuments Men“. - Ein Interview mit Thomas Spindler, Percussionist bei der Capella Antiqua. mehr…
„Dass jemand ohne Rücksicht auf die eigene Gesundheit anderen zur Seite springt, zeugt von außergewöhnlicher Zivilcourage. Wir sind ihm unendlich dankbar, denn dieser Mann hat unserer Kollegin mit seinem Eingreifen das Leben gerettet“. Mit diesen Worten bedankte sich Christine Westphal, Mitglied der Geschäftsleitung im Jobcenter Leipzig, am Donnerstagabend bei dem Mann, der durch sein beherztes Eingreifen am Dienstag einen 34-jährigen Täter bei einem Hammerangriff auf eine Mitarbeiterin im Jobcenter gestoppt hatte. mehr…
Frank Heinrich wird Sachsens neuer Chefankläger. Justizminister Jürgen Martens ernannte den Juristen am Donnerstag zum Leitenden Oberstaatsanwalt bei der Generalstaatsanwaltschaft Dresden. Sein Amt tritt er zum 1. Juni 2013 an. „Ich freue mich, dass mit Frank Heinrich eine äußerst kompetente Persönlichkeit für die Generalstaatsanwaltschaft Dresden gewonnen werden konnte", kommentiert Martens die Personalie. mehr…
Und noch ein kostbares Stück deutscher Statistik: Paul M. Schröder vom Bremer Institut für Arbeitsmarktforschung und Jugendberufshilfe e.V. hat sich dieser Tage einmal die sogenannte "Integrationsquote" der 410 Jobcenter in Deutschland näher angeschaut. Arbeitsagentur und Jobcenter versuchen ja immer wieder auch durch beeindruckende Integrationszahlen den Eindruck zu vermitteln, sie seien geradezu erfolgreich in ihrem Tun. Womit sie natürlich auch das ganze dahinter stehende Regelungskonvolut legitimieren. mehr…
Was wusste Sachsens Verfassungsschutz Anfang 2000 wirklich über das Treiben des rechtsextremen Terror-Netzwerks NSU? Die Frage bewegt seit Dienstag die Gemüter. Das SWR-Magazin "Report Mainz" zitierte aus einem Schreiben des Landesamts an den damaligen sächsischen Innenminister Klaus Hardraht (CDU), in dem der Geheimdienst terroristische Anschläge durch die abgetauchten Neonazis befürchtete. L-IZ.de fragte bei dem Dresdner Juristen nach. mehr…
Leipzigs Unweltbürgermeister Heiko Rosenthal riss einen Zaun ein: ganz planmäßig beim ersten symbolischen Baggerbiss am Bürgerbahnhof Plagwitz. Bevor die Arbeiten am ersten Bauabschnitt eines Gleis-Grünzuges auf dem Areal des ehemaligen Güterbahnhofs richtig beginnen können, muss jedoch die Zauneidechse nebst Nachwuchs weiter gewandert sein. mehr…
Das komplette "Wassertouristische Nutzungskonzept" (WTNK) von 2007 steht zur Disposition. Beschlossen hat es zwar eigentlich niemand, kein demokratisch legitimiertes Gremium hat es als Handlungsgrundlage für das Leipziger Neuseenland abgestimmt. Aber alle jüngeren Aktivitäten der Steuerungsgruppe Leipziger Neuseenland bauen darauf auf. Auch die Vorlage zum Elster-Saale-Kanal, die am 19. Juni im Stadtrat abgestimmt werden soll. mehr…
Am 9. Mai erklärte das Leipziger Umweltdezernat die zeitweise Sperrung des Floßgrabens für Boote. Grund ist der seltene Eisvogel, der in diesem Frühjahr im Floßgraben wieder brütet. Und seither wogt die Diskussion: Ist das zu viel der Einschränkung, zu wenig? Und was bedeutet das eigentlich für das ganze Wassertouristische Nutzungskonzept (WTNK) im Neuseenland? - Der Ökolöwe sieht die Untere Naturschutzbehörde im richtigen Fahrwasser. mehr…
Die Wagner-Festtage in Leipzig neigen sich dem Ende entgegen und erreichen mit einer festlichen Sekt-Matinee und der Aufführung des Stummfilmes Richard Wagner aus dem Jahr 1913 und der Klavierbegleitung durch den Pianisten Olav Kröger am Sonntag, dem 26. Mai um 11:30 Uhr in den Passage Kinos einen weiteren Höhepunkt. mehr…
Aufgrund der sehr hohen Nachfrage bietet die Medienwerkstatt Leipzig einen zusätzlichen Fotolaborkurs für Einsteiger an. Am 30. Mai vermittelt Alina Simmelbauer ab 16:00 Uhr allen Anfängern die Grundlagen in der analogen Schwarz-Weiß-Entwicklung. In vier Stunden Praxis wird die Arbeit im Fotolabor anschaulich erläutert und geübt. mehr…
Die Kindergruppe des Bund für Umwelt und Naturschutz Leipzig erweitert in diesem Jahr ihr Umweltbildungsangebot. Zum ersten Mal bieten die „Leipziger BUNDspechte“ ein naturpädagogisches Sommercamp an. Dieses richtet sich an alle naturbegeisterten Kinder zwischen 8 und 12 Jahren und findet vom 14.07. bis 20.07.2013 statt. mehr…
Die Universität Leipzig erinnert am Donnerstag, 30. Mai, um 11 Uhr mit einer öffentlichen Gedenkveranstaltung an den 45. Jahrestag der Sprengung der Universitätskirche St. Pauli. Auf dem Leibnizforum im Innenhof des neuen Campusareals wird Universitäts-Rektorin Prof. Dr. Beate Schücking die Veranstaltung eröffnen und die Teilnehmer zusammen mit Dr. Ulrich Stötzner vom Paulinerverein e.V. begrüßen. Anschließend spricht der Dekan der Theologischen Fakultät, Prof. Dr. Klaus Fitschen. mehr…
Am Samstag, den 8. Juni wird auf dem Gelände des Stadtteilparks „Wasserschloß“ (Zugang über Georg-Schwarz-Straße Höhe Hausnummer 134) im Leipziger Stadtteil Leutzsch das Musikfestival „Leutzsch rockt!“ zum nunmehr vierten Mal über die Bühne gehen. Der Eintritt ist frei. mehr…
Am Samstag, den 25. Mai, laden der SPD-Ortsverein Südwest, Daniela Kolbe, MdB und Holger Mann, MdL zu einer Radtour durch die SPD-Geschichte ein. Die Fahrradtour startet um 14 Uhr am Gründungsort des ADAV/der SPD n der Dresdner Straße 20 (Die Tour endet ca. 16 Uhr im Erich-Zeigner-Haus in der Zschocherschen Straße 21, wo neben dem 6. Referenten/Zeitzeugen eine Gartengrillparty und eine historische Filmvorführung auf die Radler wartet. mehr…