6. Sächsischer Klimakongress der Grünen: In Sachen "Energiewende" geht es um knallharte Unternehmensinteressen
Redaktion
03.12.2012
Kohlekraftwerk Lippendorf - vom Cospudener See aus gesehen.
Foto: Ralf Julke
Am Samstag, 1. Dezember, veranstalten die sächsischen Grünen ihren 6. Sächsischen Klimakongress in der Technischen Universität Dresden. Sie hatten ihn - irgendwie dürfte das L-IZ-Lesern durchaus vertraut sein, unter das Motto „Wohlstand = Wachstum?“ gestellt. Denn unser Wohlstand basiert bislang auf einer exzessiven Vergeudung von Energie. Vom Inhalt des aktuellen Wachstumsbegriffes braucht man da eigentlich gar nicht zu reden.
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Denn hier wird alles als Wachstum gezählt, was irgendwie Umsatz generiert, egal, wie groß der Ressourcen- und Energieverbrauch dabei ist und wie teuer die Folgekosten. Die gern versteckt und dann später über exorbitante Staatsausgaben wieder dem Steuerzahler aufgebürdet werden. Oder - wie jetzt wieder per 1. Januar 2013 - als steigende Stromkosten an die kleinen und mittleren Energieverbraucher.
Energiepolitik ist tatsächlich Verteilungspolitik. Es geht um die simple Frage, ob die alten Energiemonopole den Markt weiter dominieren, oder ob Regionen und Kommunen künftig unabhängiger werden - nicht nur vom Schwanken der Weltmarktpreise, sondern auch vom Zugriff der großen Energieerzeuger.
Die Grünen-Fraktionschefin Antje Hermenau kritisierte in ihrer Eröffnungsrede im Hörsaalzentrum an der TU Dresden, dass die Energiewende in Deutschland unter der schwarz-gelben Bundesregierung zum Stillstand zu kommen droht. "Mittlerweile ist Deutschland vom Vorreiter auf dem internationalen Parkett zum Bremser beim Klimaschutz geworden. Dabei könnte sich die EU deutlich herausforderndere Ziele setzen. 20 Prozent C02-Minderung sind in der EU schon fast erreicht. Bis zum Jahr 2020 wäre eine Reduktion der Treibhausgase von 30 und mehr Prozent möglich."
Als Grund für den Widerstand von CDU und FDP machte Hermenau "knallharte Wirtschaftsinteressen" aus. "Die Erzeugung des Stroms aus erneuerbaren Energien liegt zur Hälfte in der Hand der Bürgerinnen und Bürger sowie kleiner und mittlerer Unternehmen. Die vier großen Stromkonzerne verlieren einen Teil ihrer Wirtschaftsmacht. Insofern ist das Braunkohle-Mantra von Ministerpräsident Stanislaw Tillich und CDU und FDP in Sachsen keine Überraschung."
Prof. Martin Jänicke (FU Berlin), Mitglied der Wachstums-Enquetekommission des Bundestages, warnte davor, die Diskussion über Pro und Contra des Wachstums zu überschätzen. Trotz niedrigem Wachstum verzeichnete Deutschland in den letzten Jahren einen deutlichen Arbeitsplatzzuwachs, ein Sinken der Arbeitslosigkeit, einen Rückgang des Rohstoffverbrauchs und die Minderung des CO2-Ausstoßes. Während Deutschland seine Fortschritte im Energiesektor mit einem starken Ausbau der erneuerbaren Energie erreicht hätte, wurden diese in Großbritannien mit einer Schwerpunktsetzung auf die Effizienztechnologien erreicht. Ein Null-Wachstum helfe dem Klimaschutz nicht. Nötig wäre eine Politisierung der Klimadebatte.
Was die Sache im Grunde auf einen Punkt bringt: Es geht um die Wahl des richtigen Wachstums. Weg von der Verbrennung fossiler Energie und der extremen Abhängigkeit von Importen hin zu einer Wirtschaft, die Energieeffizienz verbindet mit einer hochgradigen Nutzung erneuerbarer Energien.
Prof. Niko Paech (Uni Oldenburg) appellierte für eine stärkere Fokussierung auf Klimaschutz und Globale Gerechtigkeit. Er setzte der Idee des 'Grünen Wachstums' die 'Postwachstumsökonomik' entgegen. Vor Deutschland stehe die Aufgabe, den CO2-Ausstoß pro Einwohner und Jahr von heute durchschnittlich 11 Tonnen bis zum Jahr 2050 auf zwei Tonnen zu reduzieren. Ohne eine Schrumpfung des westlichen Wohlstandsmodells wären diese Ziele nicht zu erreichen.
Kohlekraftwerk Lippendorf - vom Cospudener See aus gesehen.
Foto: Ralf Julke
Aus den Foren:
Der Kongress wurde mit der Arbeit in verschiedenen Foren fortgesetzt. So wurde diskutiert, wie die Autobelastung in den Städten reduziert werden könnte. Zur Veränderung der Verkehrsmittelwahl bedürfe es starker positiver Bilder und eines Imagewandels. Die Kampagne des Bundesumweltministeriums "Kopf an – Motor aus!" wäre dafür ein nachahmenswertes Beispiel.
In der Debatte um das Wachstum wurde daran erinnert, dass Zinsen für gestern aufgenommenes Kapital heute verdient werden müssen. Der demografische Wandel scheint zusätzlich zum Wachstumszwang beizutragen. Politik müsse für eine gerechtere Verteilung der Wachstumsfrüchte - Privateinkommen und Unternehmensgewinne - sorgen. So könne der Gesamtbedarf an gesellschaftlich notwendigem Wachstum vermindert werden.
Im Forum zum Vergabegesetz wurde deutlich, dass Vergaben der öffentlichen Hand in Sachsen noch viel zu oft von kurzfristigem Denken geprägt sind. Billig kommt so im Nachhinein oft teuer. Vergaberecht sei die Übersetzung klima- und sozialpolitischer Ziele in reale Politik.
Im Forum zu den Kosten des Waldumbaus wurde auf die Wohlfahrtswirkung des Waldes für die gesamte Bevölkerung hingewiesen. Der notwendige Waldumbau zur Klimaanpassung und die Unterschutzstellung für Naturschutz und Biodiversität zöge finanzielle Einbußen für die privaten Waldbesitzer nach sich. Zur Finanzierung wäre ein landesweites Gesamtprogramm aus Waldklimafonds, Waldumweltmaßnahmen, Waldklimaprojekten eine sinnvolle Strategie.
Zu besserem Klimaschutz fehlten heute keine Informationen mehr. Doch dass Verhaltensveränderungen von allein eintreten, sei illusionär, diskutierte ein weiteres Forum. Dazu seien unsere Normalitätsvorstellungen und Eigeninteressen zu konträr. Neben ehrlichen, globalen Preisen für fossile Brennstoffe und Landnutzung, wurden auch gesetzliche Zielsetzungen vorgeschlagen. In diesen könnten programmatische Klimaschutzziele festlegt werden, in Sachsen etwa auch das Verbot neuer Braunkohletagebaue.
Wie kann die Informations- und Kommunikationsbranche "grüner" werden, fragte sich das Forum zu Green IT. Heute beträgt der Stromverbrauch für die private Nutzung bereits über zehn Terrawattstunden, und er steigt weiter. Für mehr Energieeffizienz sei deshalb die Mikro- und Nanotechnologieforschung besonders wichtig. Doch die Umwelt-Labels laufen derzeit der technischen Entwicklung hinterher und bieten keine zuverlässigen Aussagen über einen sparsamen Verbrauch von Geräten für die private Nutzung. Kein Wunder, dass das Verbraucherverhalten noch viel zu wenig Einfluss auf die Entwicklung der IT-Märkte habe. Wichtig, so die Diskussion, sei, das IT-Recycling zu regulieren und die Vorschriften für Rückgabe und Verwertung durch die Hersteller zu verbessern.
Diskutiert wurde in einem Forum über die Nachhaltigkeit von Geldanlagen. Wo 'nachhaltig' drauf steht, müsse auch 'nachhaltig' drin sein und so für Kunden zu einer wesentlichen Entscheidungshilfe werden. Es sollte mehr Möglichkeiten für sichtbare Alternativen im Finanzmarkt geben. Finanzmärkte könnten zum Motor gegen den Klimawandel werden, dafür sei ein fundamentaler Wandel der Bankenlandschaft und ein Umdenken der Anlagestrategien notwendig.
Im Bahn-Forum wurde die dringend notwendige Entkoppelung der Netzstruktur vom Bahnbetrieb diskutiert. Anstatt mit Prestige-Infrastrukturprojekten wie Stuttgart 21 und den ICE durch den Thüringer Wald den Großteil der Bundesfinanzen für die Schiene zu binden, wäre die Konzeption eines deutschlandweiten Integralen Taktfahrplanes viel wichtiger. Für Sachsen wäre mit einer Grundinvestition von rund 1 Milliarde Euro in den nächsten zehn Jahren eine Verdoppelung der Fahrgastzahlen bei gleichbleibenden Betriebskosten möglich. Aber dies ist auch die Summe, die mittlerweile in Leipzig für den CityTunnel verbuddelt wurde.
Infos zum 6. Sächsischer Klimakongress "Wohlstand = Wachstum?": www.wir-sind-klima.de/klimakongress/klimakongress-2012.html
Manche Zahlen verblüffen einfach, die das Sächsische Landesamt für Statistik so herausgibt. So vermeldete es am Mittwoch, 22. Mai, dass im Jahr 2011 jeder Einwohner in Sachsen durchschnittlich 16.017 Euro für den privaten Konsum ausgegeben hat, 484 Euro bzw. 3,1 Prozent mehr als 2010. Das wären im Monat 1.334,75 Euro. Das sind 300 Euro mehr, als etwa der durchschnittliche Leipziger 2011 an Einkommen hatte. So manche Statistik macht tatsächlich keinen Sinn - auch wenn die Zahlen stimmen. mehr…
Nächster Schritt beim Brückenbauprojekt Antonienstraße. Der Bau- und Finanzierungsbeschluss für den Neubau der beiden Brücken zwischen Kleinzschocher und Grünau passierte in dieser Woche die OB-Dienstberatung. Im Juli 2013 soll der Stadtrat über die Vorlage entscheiden. Die Bauarbeiten sind zwischen 2014 und 2016/2017 geplant. mehr…
Nebst Rhabarber, in hübschem Rot und Grün, drängeln sich noch weitere Stangen saisongerecht aus dem Boden direkt auf den Teller, denn es ist schließlich Spargelzeit. Ob man nun die weißen Exemplare bevorzugt oder einen gekonnten Griff zur grünen Sorte wagt - besonders jetzt ist der Spargel jung und frisch, quietscht schön im rohen und schmeckt perfekt im gegarten Zustand. mehr…
Das Career Center der Universität Leipzig veranstaltet vom 27. bis 31. Mai unter dem Motto "Vorausschauen mit Weitblick" seine dritte Karrierewoche. Sie bietet den Studierenden zahlreiche Möglichkeiten, sich auf ihren zukünftigen Karriereeinstieg vorzubereiten und mit potenziellen Arbeitgebern in Kontakt zu treten. mehr…
Am 27. und 28. Mai tagt die Rektorenkonferenz der deutschen Musikhochschulen (RKM) an der Hochschule für Musik und Theater (HMT) Leipzig. In der RKM tauschen sich die Hochschulleitungen aller 24 Musikhochschulen in Deutschland mit Gästen aus Wissenschaft, Politik und Kultur nicht öffentlich über Fragen der Hochschulpolitik aus und treiben die Entwicklung der bundesdeutschen Musikhochschulen voran. mehr…
In diesem Jahr findet die bundesweite Aktionswoche „Alkohol? Weniger ist besser!“ bereits zum vierten Mal statt. Hintergrund ist, dass der Alkoholkonsum in Deutschland viel zu hoch ist. 1,3 Millionen Menschen sind alkoholabhängig, 9,5 Millionen Menschen konsumieren Alkohol in riskanter Weise. Alkohol ist allgegenwärtig, auf der Gartenparty, am Arbeitsplatz, im Sportverein. mehr…
Am Samstag, 25. Mai, veranstaltet der SPD-Ortsverein Leipzig-Mitte ein Kinderfest im Johannapark Leipzig. Unter dem Motto „Mitten in Leipzig“ kann vor Ort gemalt, geknabbert und auf der Hüpfburg getobt werden. Die Mitglieder des Ortsvereins wollen die Gelegenheit nutzen, um vor Ort mit den Bürgerinnen und Bürgern ins Gespräch zu kommen. mehr…
Nach dem Rekordjahr 2012 ist Leipzig auch wieder erfolgreich in das Jahr 2013 gestartet. Die Anzahl der Gästeankünfte stieg im 1. Quartal 2013 um 5,9 Prozent auf 277.344, teilt die Leipzig Tourist und Marketing GmbH (LTM) mit. Bei den Übernachtungen gab es sogar eine zweistellige Zuwachsrate. Leipzig verzeichnete insgesamt 512.479 Übernachtungen, was einer Steigerung von 10,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. mehr…
Am 31. Mai 2013 um 9:00 Uhr lädt die Fakultät Bauwesen der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig (HTWK Leipzig) alle Interessierten herzlich zur Eröffnung der Wanderausstellung zum Preis und Förderpreis des Deutschen Stahlbaues 2012 ein. Die Ausstellung wird bis zum 6. Juni 2013 im Nordtreppenhaus der vierten Etage des Geutebrück-Baus der HTWK Leipzig, Karl-Liebknecht-Straße 132, zu sehen sein. Der Eintritt ist frei. mehr…
Es gibt mindestens acht Wagner-Verbände in Mitteldeutschland und mindestens 20 Orte, in denen sich Spuren Richard Wagners oder zumindest Erinnerungen und aktenkundige Nachweise finden lassen. Die ersten 36 Jahre seines Lebens und damit ungefähr die Hälfte brachte der komponierende Sachse in Mitteldeutschland zu. Von seiner Geburt in Leipzig 1813 bis zu seiner Flucht aus Dresden 1849. Erstaunlich dabei: Diese simple Tatsache galt es 2013 erst wiederzuentdecken. mehr…
Kleinere Brötchen, klares Konzept, neuer Trainer: Der 1. FC Lok Leipzig befindet sich im Wiederaufbau. Neu-Trainer Carsten Hänsel kommt dabei eine entscheidende Rolle zu. Der 30-Jährige soll im kommenden Jahr die Klasse halten. Das sei realistisch, alles andere nur Märchen. Wen er halten und wie er spielen will, erklärte Hänsel am Freitag den Medien. mehr…
Der erste Beton trocknet: Heute haben Ordnungsbürgermeister Heiko Rosenthal und Branddirektions-Leiter Karl-Heinz Schneider den Grundstein für das neue Feuerwehrtechnische- und Ausbildungs-Zentrum gelegt. Wegen des sperrigen Namens wird es als FTAZ abgekürzt. Es ist eines der größten Bauprojekte, die Leipzig derzeit hat. Für rund 21 Millionen Euro entsteht auf einer Fläche von 4,8 Hektar ein Gebäudekomplex, in welchem sowohl die Feuerwache Südwest als auch das Ausbildungs-Zentrum untergebracht werden. mehr…
Musik für Kaiser und Könige bieten die Capella Antiqua und namhafte Solisten am 31. Mai 2013 im Merseburger Dom. Das Sonderkonzert gilt der Dachmarke „Straße der Romanik“, die seit 20 Jahren über 60 Denkmale in Sachsen-Anhalt vereint. Die Landschaft zwischen Harz und Saale bildet derzeit den authentischen Drehort für den Hollywood-Film „The Monuments Men“. - Ein Interview mit Thomas Spindler, Percussionist bei der Capella Antiqua. mehr…
„Dass jemand ohne Rücksicht auf die eigene Gesundheit anderen zur Seite springt, zeugt von außergewöhnlicher Zivilcourage. Wir sind ihm unendlich dankbar, denn dieser Mann hat unserer Kollegin mit seinem Eingreifen das Leben gerettet“. Mit diesen Worten bedankte sich Christine Westphal, Mitglied der Geschäftsleitung im Jobcenter Leipzig, am Donnerstagabend bei dem Mann, der durch sein beherztes Eingreifen am Dienstag einen 34-jährigen Täter bei einem Hammerangriff auf eine Mitarbeiterin im Jobcenter gestoppt hatte. mehr…
Frank Heinrich wird Sachsens neuer Chefankläger. Justizminister Jürgen Martens ernannte den Juristen am Donnerstag zum Leitenden Oberstaatsanwalt bei der Generalstaatsanwaltschaft Dresden. Sein Amt tritt er zum 1. Juni 2013 an. „Ich freue mich, dass mit Frank Heinrich eine äußerst kompetente Persönlichkeit für die Generalstaatsanwaltschaft Dresden gewonnen werden konnte", kommentiert Martens die Personalie. mehr…