Leipzig Lakers: Von der Playstation in die Regionalliga
Marko Hofmann
24.03.2011
Christoph Hempel.
Foto: Marko Hofmann
Noch nicht mal mehr drei Wochen, dann entscheiden die Mitglieder des BBV Leipzig über eine Fusion mit den Leipzig Lakers, dem neuesten Projekt im Leipziger Basketball. Eine freche Kopie der großen L.A. Lakers, die beim Playstation-Spielen entstand und nun den Leipziger Basketball verändern könnte.
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Lakers-Vorsitzender Christoph Hempel gab L-IZ.de einen Einblick in die Ideen der Leipzig Lakers und erklärte auch, warum eine Damen-Mannschaft in der 1. Bundesliga derzeit keinen Sinn hat. - Rechtsanwalt Christoph Hempel haut liebend gern in die Tasten, wenn er mal keine Akten auf seinem Schreibtisch liegen hat. Dann wechselt er vom Bürostuhl auf den Klavierhocker und schaltet sein E-Piano ein. Doch dazu fehlte ihm in letzter Zeit immer häufiger die Zeit. Geht am 12. April mit der Fusion zwischen dem BBVL und seinem Verein, den Leipzig Lakers, alles klar, wird er wohl das E-Piano einpacken können. L-IZ.de sprach mit dem 30-Jährigen über die Fusion, tiefhängende Körbe und eine besondere Freundschaft.
In einer Pressemitteilung des BBVL war zu lesen, dass die Leipzig Lakers und der BBVL eine Fusion anstreben. Wer sind die Leipzig Lakers überhaupt?
Los ging alles mit einer Wette mit meiner Freundin. Wir spielten Playstation, sie hat die Los Angeles Lakers genommen, ich die New York Knicks. Ich habe verloren und gesagt ‚Du bist schon so ein L.E. Laker“. Ich habe dann T-Shirts mit L.E. Lakers machen lassen und gesagt, dass wir jetzt einen Verein gründen.
Die Leipzig Lakers haben das Potenzial, die L.A. Lakers frech zu kopieren. Man hat das Leipziger Neuseenland, dazu passt Lakers recht gut. Die Farben von Leipzig sind blaugelb, das passt wunderbar zum Purple und Gold der L.A. Lakers und dann natürlich das Wortspiel L.E. und L.A. Ich bin der Meinung, dass man aus Nichts einen soliden Verein nur aufgrund einer Idee aufbauen kann. Nächstes Jahr wollten wir eigentlich in der Landesliga starten, da uns die neuseenBaskets Borna das Startrecht für die Männer-Landesliga angeboten hatten.
Der Stand ist aber mittlerweile überholt …
Genau. Das war der Stand bis zum Februar. Dann rief mich die Präsidentin des BBVL, Monika Seidel, an und schlug ein Treffen vor. Bis dahin bestanden die Leipzig Lakers nur aus einer Design-Firma, unserem Blog und mir. Mittlerweile hat unser Verein sieben Spieler, die spielen wollen/würden und sich ungefähr auf Bezirksliga-Niveau befinden. Und dann hätten wir ein paar höherklassige Spieler in der Hinterhand, die auch für uns spielen würden und deren Bedingungen wir auch erfüllen könnten. Dazu gibt es den Vorstand und ehemalige Basketballspieler, die Interesse an der Nachwuchsarbeit haben und etwas aufbauen wollen.
Wie lief denn das Treffen mit Frau Seidel? Hat sie gleich eine Fusion angeboten und wie hat sie überhaupt von den Leipziger Lakers erfahren?
Im ersten Telefonat hat sie eine Fusion im Prinzip schon angeboten. Sie kam durch einen ihrer Spieler auf uns, der ihr von dem Projekt erzählt hatte und sie hat sich das Projekt dann mal angeguckt und war von der Euphorie und unserem Blog begeistert. Sie wollte sowieso aufhören und hat mir dann gleich im ersten Gespräch gesagt, dass eine weitere Konkurrenz nichts bringt und fragte, ob wir nicht irgendwie zusammenfinden könnten. Nach wenigen Gesprächen war dann klar, dass wir fusionieren wollen.
Ich kann mir vorstellen, dass der USC über die Leipzig Lakers so glücklich ist, wenn die auch die Herrenmannschaft des BBVL übernehmen …
Das kann ich nicht sagen. Ich kenne Dr. Werner Scholz (Geschäftsführer des USC/Anm. d. Red.) und auch Dimitris Polychroniadis. Wir saßen letztes Jahr zusammen, um über Konzepte für den USC zu reden. Davon ist letztlich nicht so viel umgesetzt worden, denn dort gibt es andere Strukturen als bei uns. Als nun bekannt wurde, dass eine Fusion mit dem BBVL geplant ist, hat Dr. Scholz angerufen und viel Erfolg gewünscht. Er erwartet natürlich auch, dass wir ordentlich Konkurrenz bieten. Ich denke, wir werden gut miteinander umgehen. Sport ist nun mal Wettbewerb und jeder, der in Konkurrenz steht, muss eben noch ein Stück besser werden. Wir haben aber auch eine andere Ausrichtung und werden einiges anders machen.
Vorsitzender der Leipzig Lakers: Christoph Hempel.
Foto: Marko Hofmann
Die Körbe werden tiefer hängen …
Nein, das wird leider nicht funktionieren. Ich meine eher im Bereich Vermarktung und Image. Wir wollen all das Potenzial binden, was man beim USC nicht binden konnte. Ich wollte früher als USC-Fan auch noch ein paar Leute für den Verein begeistern. Viele haben aber aus bestimmten Gründen abgelehnt, die sich beim USC nicht ändern lassen. Wir sind da aber flexibel und bauen das so, dass es genau zur Zielgruppe passt.
SC DHfK, SG LVB, USC und bisher der BBVL müssen sich als Nicht-Fußballvereine und derzeit noch unterklassig einiges einfallen lassen, um in Leipzig Aufmerksamkeit zu erzeugen. Wie wollen Sie bei dieser Konkurrenz Geldgeber und Zuschauer gewinnen?
Ja, es klingt erstmal nach einer Herkules-Aufgabe und die wird es auch. Der Trick ist, bei der Vermarktung alles richtig zu machen, was man richtig machen kann. Ich denke, das kann funktionieren. Wir wollen von Anfang an alles so professionell gestalten wie möglich. Für die Landesliga rechneten wir mit einem Etat von 5.000 Euro und nun wollen wir einen Etat von 50.000 Euro erreichen. Das ist natürlich das Minimum. Wir spielen auch noch ein Stück unter dem USC. Die ersten Herren würde bei einem Aufstieg, wonach es aussieht, immer noch eine Klasse tiefer als die Zweite vom USC spielen, also in der 2. Regionalliga. Und bei den Damen muss man sehen. Es wird wohl so sein und wurde auch schon so besprochen, dass man in die Regionalliga geht.
Ach so?
Ja, wir starten dort neu, denn um in der 2. Bundesliga oben mitzuspielen, braucht man denselben Etat wie diese Saison. Der Hauptsponsor zieht sich aber zurück. Es wäre also ein verlorenes Jahr, denn wir wollen möglichst erfolgreich spielen, was dann auch Zuschauer ziehen wird. Derzeit besteht noch die Option in einer Stadt bei Leipzig zu spielen, die ich hier noch nicht verraten möchte. Als Lakers kann man auch im Neuseenland spielen und die Hallen in Leipzig sind nicht so rosig für das Premium-Produkt, was wir anbieten wollen. Der Nachwuchs spielt natürlich trotzdem hier, denn wir würden die Hallenzeiten vom BBVL übernehmen.
Am 12. April ist die Mitgliederversammlung, die über eine Fusion entscheiden soll. Was erwarten Sie für ein Ergebnis und wie geht’s dann weiter?
Die positive Sache ist: Der jetzige Vorstand des BBVL unterstützt das Ganze. Der sportliche Leiter Peter Maciej bezeichnet die Fusion als alternativlos. Wir gehen jetzt selbst noch in die Mannschaften und sprechen mit den Mitgliedern. Ich wünsche mir ein klares Votum, denn ein Neuanfang mit einer kleinen Mehrheit täte schon sehr weh. Die ersten Gespräche im Verein waren gut und wenn man danach geht, könnte es eine klare Mehrheit werden.
Was passiert nach einem überzeugenden Votum in den nächsten Schritten?
Sitzt auch gern am E-Piano: Christoph Hempel.
Foto: Marko Hofmann
Dann liegt viel Arbeit vor uns. Im Moment kann man noch nicht mit Sponsoren reden, weil noch viele Fragen offen sind. Nach einer positiven Entscheidung würde das einfacher werden. Die Strukturen werden wir erstmal übernehmen, die Geschäftsstelle kennen wir schon. Dann werden wir die neue Saison planen und genau schauen, was möglich ist. Wir sollten auf jeden Fall nicht träumen. Ich möchte, dass es nachhaltig funktioniert.
Und was wird aus den Spielerinnen, die jetzt beim BBVL spielen?
Die Amerikanerinnen kann man nicht halten. Mit einigen Spielerinnen aus der Damenmannschaft haben wir bereits gesprochen und waren vom Feedback überrascht. Keine war sich für die Regionalliga mit den Leipzig Lakers zu schade, sondern es war durchaus Euphorie da. Mit den Herren haben wir noch nicht gesprochen. Ich glaube, da wird der Großteil bleiben. Wenn man die 2. Regionalliga angehen will, muss man sich sicherlich verstärken. Da muss man abwarten, was die sportliche Leitung und der Coach wollen.
Haben Sie auch schon mit Damen-Trainer Jaroslaw Zyskowski geredet?
Er hat Interesse signalisiert, bleiben zu wollen und etwas aufzubauen. Wenn die Fusion kommt, setzen wir uns noch mal zusammen. Wenn er bleibt, soll es natürlich schnell in die 1. Liga gehen. Ein paar Jahre in der Regionalliga herumzudümpeln würde er nicht wollen.
Angenommen, in der Frauen-Basketball-Bundesliga würde doch wieder ein Platz frei. Gehen die Leipzig Lakers dann doch gleich von 0 auf 100?
Ich gehe davon aus, dass das ausgeschlossen ist. Es sei denn, da kommt ein neuer Großsponsor, der die ersten Damen finanziert, allerdings ohne den Namen ändern zu wollen. Aus meiner Sicht ist die erste Liga ohne Großsponsor absolut nicht finanzierbar. Natürlich ist es schwer, wieder hochzukommen, aber ich denke, wir haben das Know-How im Verein, um das zu schaffen.
Schon an die LA Lakers herangetreten?
Ja. Es gibt da die Möglichkeit einer Partnerschaft. Davon hat man zwar keine finanziellen Vorteile, aber dafür kann man sich „offizieller Partner der Los Angeles Lakers“ nennen.
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