Umständlicher als die Uni-Riesen Leipzig konnte man am Sonnabendabend nicht zu seiner Ernte kommen. Die Basketballer dominierten ihr Auswärtsspiel bei den Licher Basketbären früh, brachen dann ein, kamen zurück, lagen 90 Sekunden vor dem Ende wieder fünf hinten, um dann einen 12:0-Lauf zu starten und doch noch 87:81 (38:39) zu gewinnen.
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„Endlich ich“, sang einst eine sonore Männerstimme in einer Werbung für das Licher Biergebräu. „Endlich Sieg“, werden sich die Uni-Riesen nach ihrem Auftritt bei den Licher BasketBären, dem Tabellen-Sechsten gedacht haben, denn dieses Auswärtsspiel wogte stets hin und her und kulminierte in einer aufregenden Schlussphase.
Dass noch soviel Spannung reinkommt, war nach dem überzeugenden ersten Viertel der Grünweißen gar nicht vorgesehen. Die 350 km weit gereisten Riesen hatten zu Beginn die Verantwortung auf mehreren Schultern verteilt. André Spalke, Mo Pratt, Lamar Morinia, Walter Simon oder auch Ralph Schirmer punkteten im Anfangsviertel, zeitweise führten die Uni-Riesen mit 15 Punkten.
Bis zu Pause hatte sich das Bild allerdings gewandelt. Lich hatte sich in der Viertelpause Mut und Zielwasser angetrunken und holte Punkt um Punkt auf. Vor allem Robin Christen und Tyrone Bradshaw liefen jetzt heiß und das war nicht gut für die Uni-Riesen, weil der 20-jährige Christen auch noch einen sehr guten Tag erwischt hatte. Am Ende des Spiels hatte er drei neue persönliche Bestmarken aufgestellt. 21 Punkte, aber auch acht Rebounds in einem Spiel gelangen dem Jungspund noch nie, was am Ende zu einem Effektivitätswert von 19 führte.
Die Uni-Riesen brauchten ganze sieben Anläufe, um den ersten Korb im zweiten Viertel zu treffen. Diese Visierverstellung zu Beginn des Viertels zog sich bis zum Ende der Halbzeit. Zwölf mal warfen sie aus dem Spiel Richtung Korb, nur drei Versuche landeten im Ring. „Viel schlimmer war aber, dass wir defensiv die Linie verloren haben. Unsere Abstimmungsprobleme hat der Gegner gut ausgenutzt“, erklärte Trainer Dimitris Polychroniadis nach dem Spiel. Die Folge: Die Gastgeber führten zur Pause, wenn auch knapp mit einem Punkt.
Ralph Schirmer (l.) und Kai-Uwe Kranz (m.) fraßen die Licher BasketBären in der Schlussminute
Foto: Jan Kaefer (Archiv)
Ein Glück, dass die zweite Hälfte mit Walter Simons Korb aus Nahdistanz besser los ging. Auch wenn der prompt vom sich nun auch immer mehr einmischenden Brandon Chappell beantwortet wurde: Die Riesen hatten die Sachlage verstanden und in der Pause gut zugehört. 90 Sekunden nach dem Sprungball zu Beginn der zweiten Hälfte hatten sie die Führung zurückergattert und hielten diese auch bis kurz vor Ende des Viertels in der Hand. Doch Unkonzentriertheiten und Schwächen beim Rebound kosteten die Führung erneut, sodass es nach 30 Minuten quasi wieder von vorn losging. Beim Stande von 59:59 gingen beide Mannschaft ein vorletztes Mal vom Parkett, noch nicht wissend, dass das letzte Viertel noch mal ein Zacken schärfer wird als das ohnehin enge Match schon war.
Es begann mit leichten Vorteilen für die BasketBären, die bis vier Minuten vor dem Ende immer mindestens einen Punkt vor ihren Gästen lagen und auch über viele Werfer ihren Weg ins Ziel fanden. So konnte es sich die Uni-Riesen neben der kritischen Beäugung von Chappell, Christen und Bradshaw keineswegs leisten, Guy Aud oder Javon Baumann aus den Augen zu lassen, denn auch diese beiden trugen sich mit sieben beziehungsweise acht Punkten auf Score-Sheet ein. Fünf seiner Punkte markierte Aud im letzten Viertel. Doch in der 37. Minute wurde es erneut wieder eng auf der Anzeigentafel, die Führung wechselte nun binnen 1:20 dreimal. Eine Aktie an der neuerlichen Bären-Führung sollte Kai-Uwe Kranz haben, der, kurz nachdem er die Uni-Riesen per Dreier – na klar - mit 74:73 in Führung gebracht hatte, ein technisches Foul kassierte, nachdem er sich ein Wortgefecht mit einem Gegner geliefert haben soll.
Die zwei Freiwürfe und den anschließenden Ballbesitz nutzten die Gastgeber zur Führung, die folgenden Angriffe zum Ausbau der Führung. 93 Sekunden vor dem Ende waren die Basketbären mit sechs Punkten weg und so gut wie im Ziel. Doch dann wollten die Licher zuviel, verloren schnell wieder den Ball und den Faden. Tyrone Bradshaw musste nach fünf Fouls vom Parkett genommen werden und musste mit ansehen, wie seine Mitspieler die Führung herschenkten. Insbesondere Ralph Schirmer nutzte die sich bietende Chance exzellent. Ganze neun Punkte markierte der ehemalige BasketBär in den letzten 90 Sekunden. Ganze 15 von 19 Freiwürfen warf Ralph Schirmer im gesamten Spiel ins Ziel. Versuch 18 und 19 23 Sekunden vor dem Ende dürften dabei die wichtigsten gewesen sein, denn mit ihnen zogen die Gäste endgültig davon. Mit einem Dreier kurz zuvor, machte auch Kranz wieder alles gut. Nach dem Spiel zeigte sich Trainer Polychroniadis entsprechend erleichtert. „Vielleicht hat es gut getan, dass wir letzte Woche bis zum Schluss durchgezogen haben, denn genau das haben wir heute gebraucht, um doch noch zu gewinnen.
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