FC Sachsen-Insolvenz: Neue Zahlen und angespannte Nerven
Robert Weigel
12.03.2009
Vorläufiger Insolvenzverwalter Heiko Kratz und FC-Geschäftsführer Lars Schauer unter Druck
Beim derzeit zahlungsunfähigen FC Sachsen ist jetzt das Insolvenzprüfungsverfahren angelaufen. Insolvenzanwalt Heiko Kratz, aktuell Chef über jeden Euro beim Leutzscher Regionalligisten, hat sich ins Zahlenwerk eingearbeitet und mit der maroden Lage vertraut gemacht.
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„Nach dem, was ich bis jetzt gesehen habe, denke ich, dass der Verein langfristig und nachhaltig überleben kann“, erklärte der 38-Jährige heute im Bauch des Zentralstadions der versammelten Pressezunft.
Auf 500.000 Euro bezifferte er die aktuellen Zahlungsrückstände, etwa 200.000 werden bei fortlaufendem Spielbetrieb bis zum Saisonende noch dazu kommen. Damit dürfte der gesamte grün-weiße Schuldenberg bis Juni auf etwa 2,5 Millionen Euro anschwellen. Auch deshalb, weil Kratz auf der Habenseite mit dem Schlimmsten rechnet, bei Zuschauereinnahmen und Sponsoren-Geldern keine Wunderdinge erwartet.
In den kommenden Wochen erhöhter Abstimmungsbedarf bei der Rettungsaktion
Den größten Teil der Kosten verursache bisher das Personal, weshalb der Jurist den Angestellten schon mal die Eigenkündigung zum 1. April ans Herz legte. Denn ab dem Tag fließt auch kein Insolvenzausfallgeld mehr vom Arbeitsamt, stehen Kicker und Verwaltungsangestellte faktisch mit leeren Händen da. Kratz und Geschäftsführer Lars Schauer gehen dennoch davon aus, „dass ein Großteil der Mannschaft weiter machen wird.“ Trainer Dirk Heyne hatte das Bekenntnis zum Ehrenamt bereits vorher abgegeben, will wie Geschäftsführer Schauer auf jeden Fall dem FCS treu bleiben.
Für die kommende Woche kündigte Heiko Kratz Gespräche mit Kreditgeber Michael Kölmel an. Der hatte nach Bekanntwerden der Insolvenz bereits 200.000 Euro durch eine gezogene Bürgschaft eingebüßt und steht als wichtigster Gläubiger mit einem siebenstelligen Betrag ganz oben auf der Liste der Verärgerten. Nicht auszuschließen ist, dass dem Chef des Zentralstadions und langjährigem Unterstützer des Leutzscher Fußballs dann noch mal der Klingelbeutel unter die Nase gehalten wird. Denn um die Gläubiger vom Insolvenzplan zu überzeugen, muss das Angebot besser sein als die Quote im Falle einer Liquidation. „Und zwar mehr als nur einen Euro besser“, weiß Insolvenzanwalt Kratz. Und da der FC Sachsen bis Juni kaum noch größere Summen erwirtschaften werde, könne dieses Geld ausschließlich aus Drittmitteln kommen.
Wie nervenaufreibend der Kampf um die letzte Chance für den Traditionsverein aus dem Westen der Stadt momentan ist, ließ Geschäftsführer Lars Schauer dann auch noch durchblicken. In der Diskussion um die Nachfolge des scheidenden Präsidenten Winfried Lonzen forderte der 31-Jährige mediale Ruhe ein. Im Blatt mit den vielen großen Bildern und den schreienden Schlagzeilen hatte sich bereits Aufstiegstrainer Michael Breitkopf zu Wort gemeldet und als Erbe angeboten, was der noch lebendigen FC Sachsen-Führung sauer aufgestoßen war.
Und auch der Print-Primus aus dem Peterssteinweg bekam gleich noch sein Fett weg: Der hatte ausgerechnet Lok-Chef Steffen Kubald und dessen Schatzmeisterin Katrin Pahlhorn auf einer Leserbrief-Seite zum Thema zu Wort kommen lassen, was Lars Schauer sichtlich in Rage brachte. „Das ist Brandstiftung“, entfuhr es dem Geschäftsführer in Richtung des anwesenden LVZ-Reporters, was dieser zum Glück und zur Aufrechterhaltung der allgemeinen Ruhe nicht weiter kommentierte.
Stattdessen bat Schauer um volle Konzentration auf den angestrebten Insolvenzplan: „Die Gläubigerbefriedigung steht jetzt über allem.“ Sollte die Mission gelingen, stünde ab Juli der Neuanfang in der fünften Liga an. „Als normaler Oberligist mit einem Etat sehr, sehr deutlich unter einer Million Euro“, wie Schauer betonte. „Alle anderen Zielstellungen wären unrealistisch.“ Einer Bündelung der Kräfte im Leipziger Fußball erteilte er – zumindest vorerst – eine Absage. „Wir müssen erst mal unsere eigene grün-weiße Familie einen“, bekannte Schauer zum schon oft angesprochenen Thema “VfB Sachsen Leipzig“.
Ob er dazu noch eine Chance bekommt, wird nicht unwesentlich von Michael Kölmel abhängen. Der hat – siehe L-IZ-Interview – eigene Vorstellungen von der fußballerischen Zukunft Leipzigs. Und die ist nach der vierten Pleite in neun Jahren offener denn je. Was auch ein Fingerzeig ist, einmal in anderen Farben zu denken als in grün-weiß oder blau-gelb.
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