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Lok-Chef Kubald: „Rückblickend hätte ich es anders gemacht“

Marko Hofmann
Punkte sammeln für Leipzig: Lok-Chef Steffen Kubald peilt Tabellenplatz 2 bis 5 an.
Punkte sammeln für Leipzig: Lok-Chef Steffen Kubald peilt Tabellenplatz 2 bis 5 an.
Foto: Jan Kaefer (Archiv)
Nach der neuerlichen Spielabsage müssen die Oberliga-Kicker des 1.FC Lok Leipzig weiterhin auf ihren Rückrunden-Auftakt warten. Lok-Chef Steffen Kubald hat derweil im Interview mit L-IZ.de so einiges über Frauen und Fußball, Verträge und auch über eigene Fehler preisgegeben.

Gestalter im Handwerk
Gestalter im Handwerk Zweijähriger berufsbe-
gleitender Studiengang

Es gab in der Winterpause viele Diskussionen um den Etat, um die Trainerfrage und um Sie. Sind Sie froh, dass es nun hoffentlich bald wieder um Fußball gehen wird?

Ja, auf jeden Fall. Es wird wirklich Zeit, dass wir die gigantischen Spiele sehen, die uns von Trainer und Mannschaft versprochen wurden und das viele Zuschauer kommen.

Die Hinrunde lief nicht so berauschend. Haben Sie nicht manchmal gedacht, Sie hätten besser Ihre Frau mal hübsch ausführen sollen anstatt die schlechten Spiele zu sehen?

Nein, definitiv nicht. Ich gucke mir alle Spiele an und das ist mein Verein. Da ärgere ich mich höchstens nach dem Spiel und dann will ich auch meine Ruhe haben, um das für mich selbst zu verarbeiten. Ich will das auch nicht gleich mit allen Leuten ausdiskutieren, sondern erstmal darüber schlafen. Ich kann beispielsweise mit meiner Frau darüber reden oder sie sagt gleich „Mensch, das war aber heute Mist“. Dass ich aber ein Spiel wegen zuletzt schlechter Leistung ausfallen lasse, kommt nicht vor.

Hat Ihre Frau Ahnung von Fußball?

Wenn eine Frau weiß, was Abseits ist, dann denke ich, hat sie auch Ahnung von Fußball.

Ein Mann der klaren Worte - außer beim Thema Etatlücke...
Ein Mann der klaren Worte - außer beim Thema Etatlücke...
Foto: Jan Kaefer (Archiv)
Sie haben in der Winterpause den ungeduldigen Fan kritisiert…

(unterbricht) Das war keine Kritik. Es gab einfach ungeduldige Fans durch die keine Ruhe rein kam. Jörg Seydler hatte von Anfang an keine Chance. Rückblickend hätten wir es anderes gemacht und Trommer für den Rest der Serie genommen. Aber dort wo gearbeitet wird, passieren eben auch Fehler.

Hatten die Fans nach dem dritten Platz in der Vorsaison und Ihrer Ankündigung, dass jetzt die sportliche Neuausrichtung kommt, nicht allen Grund von Erfolgen zu träumen?

Von Fanseite immer. Ich möchte auch jedes Spiel gewinnen. In Aue (Lok spielte guten Fußball, aber nur 1:1/Anm. der Red.) habe ich damals gedacht, dass wir den Bock umgestoßen haben. Das war aber leider nicht so. Ich kann also schon nachvollziehen, dass man sich als Fan ärgert. Aber es wird dann problematisch, wenn man gegenüber Spielern beleidigend wird. Das gehört sich einfach nicht.

Das haben Sie als Fan auch nie gemacht?

Nein.

Was erwarten Sie von der Rückrunde?

Ich hoffe, dass wir ordentlich Fußball spielen und die Mannschaft das umsetzen kann, was Maik Kischko und Uwe Trommer ihnen auf den Weg geben. Es ist für jeden Spieler die Chance, sich bei uns für die neue Saison anzubieten.

Wie lautet das neue Saisonziel?

Die laufende Saison wollen wir zwischen Platz 2 bis 5 beenden.

Was passiert, wenn Lok Leipzig nur Sechster wird?

Da bricht die Welt nicht zusammen, solange wir ordentlich Fußball spielen und wieder mehr Zuschauer kommen.

Ist es auch aus Etatgründen gut, dass es jetzt wieder losgeht?

Natürlich.

Ist Lok zu sehr zuschauerabhängig?

Ja. Das wird aber auch nicht immer gut gehen. Hier müssen wir noch mehr Geld von Sponsoren akquirieren und die Mitgliederkampagne verbessern. Wir wollen unsere Position als zweitgrößter Fußballverein in Sachsen hinter Dynamo Dresden weiter ausbauen.
Kurzfristig müssen wir aber sehen, dass wir den Einnahmenschwerpunkt umlagern und neue Sponsoren suchen.

Wie ist der aktuelle Stand bei der Etatlücke?

Über Zahlen möchte ich nicht reden.

Es heißt dieses Jahr häufig, dass Lok immer mehr stagniert...

Ja, das ist so. Das zeigt ja auch die Platzierung. Aber die Lücke zu Platz 5 ist nicht zu groß. Natürlich haben wir uns mehr erhofft und mehr gewünscht. Das können wir allerdings jetzt nicht mehr ändern. Uwe Trommer hat in unseren Gesprächen dargelegt, wie er erfolgreich sein will. Wir werden jetzt versuchen, alle an einem Strang zu ziehen.

"Auf jeden Fall versuchen, oben mitzuspielen."
"Auf jeden Fall versuchen, oben mitzuspielen."
Foto: Jan Kaefer (Archiv)
In der Winterpause wollte man 2-3 Spieler holen, es sind aber nur anderthalb Neuzugänge geworden. Warum war nicht mehr drin?

Ich wüsste nicht, dass wir das gesagt haben. Neuzugänge sind in der Winterpause auch immer problematisch. Es gab Gespräche mit Rasenball über Robert Klauß und Patrick Kunig, die wir eventuell ablösefrei hätten kriegen können, aber da konnten wir die finanzielle Last nicht tragen. Das Geld welches die dort verdienen, hätten wir einfach nicht bezahlen können. Christoph Milkau ist zurückgekommen und trainiert in der zweiten Mannschaft. Wenn es sein Beruf zulässt, wird er dort auch zum Einsatz kommen. Bei Benny Fraunholz war die Situation so, dass viel geredet wurde – auch dummes Zeug. Die von Borna geforderte Ablösesumme wollten wir nicht zahlen. Wer Benny Fraunholz gesagt hat, dass er kündigen soll, weiß ich nicht. Wir waren es nicht. Wir müssen nun abwarten was passiert, um für ihn noch die beste Lösung zu finden.

Nächste Saison soll der Aufstieg angepeilt werden…

Wir werden auf jeden Fall versuchen, oben mitzuspielen. Über die genauen Ziele werden wir zum Ende dieser Saison sprechen. Mal sehen, wann wir an die Öffentlichkeit gehen.

Wie kann es der 1. FC Lok Leipzig erreichen, dass trotz der geringen Menge, die Spieler hier verdienen können, trotzdem Verstärkungen kommen?

Das wichtigste Thema ist die berufliche Perspektive. Hier muss unser Ziel sein, dass wir noch mehr Sponsoren, Förderer und Sympathisanten ins Boot holen, die unseren Spielern auch eine berufliche Perspektive geben können. Das wird immer wichtiger. Handwerkliche Berufe sind nicht sonderlich beliebt. Manche Spieler kommen auch, fragen nach einer Lehre und wissen aber nicht mal, was sie überhaupt machen wollen.

Hat Steffen Kubald am Saisonende gut Lachen?
Hat Steffen Kubald am Saisonende gut Lachen?
Foto: Jan Kaefer (Archiv)
Die Verträge von Rico Engler, Ralf Schreiber, Steffen Fritzsch, Anton Köllner und Manuel Starke laufen aus. Wie realistisch sind die Chancen, dass der 1. FC Lok Leipzig die Spieler halten wird, die er halten will?

Teammanager Peter Milkau hat sich vor zwei Wochen mit Frank Baum abgestimmt und bereits mit ein paar Spielern geredet. Natürlich möchten wir alle fünf behalten, da wir perspektivisch auf sie bauen. Aber immer in dem Rahmen in dem wir das von Vereinsseite absichern können. Da müssen wir einfach gucken, wie wir den Spielern eine berufliche Zukunft sichern können. Es ist im Moment auf der Ebene sehr schwierig und wir sind froh über jeden Ausbildungsplatz oder Arbeitsplatz, der uns angeboten wird.

Wie realistisch sehen Sie also die Chancen, dass diese Spieler bleiben?

Ich bin Berufsoptimist und hoffe, dass alle bleiben und auch gern weiter bei uns Fußball spielen.

Ärgert es Sie nicht, dass kleine Vereine wie der ZFC Meuselwitz mehr zu bieten haben, als der 1. FC Lok Leipzig?

Ärgern, ärgern… Meuselwitz ist über die Jahre gewachsen. Da hat Hubert Wolf auch viel Geld hineingesteckt und dasselbe gilt für Holger Nussbaum in Markranstädt, der ja nun durch Red Bull gerettet wurde. Ich ärgere mich nicht, sondern ziehe den Hut vor den Leuten. Gerade vor Hubert Wolf. Genau das macht es aber in Leipzig so schwer. Es gibt hier drei große Vereine und dann noch viele Mannschaften im Bezirk und in der Landesliga und alle wollen etwas vom Kuchen abhaben. Ein Hubert Wolf ist da ein Glücksfall. Ich habe mir das in Meuselwitz angeguckt und wir haben ein gutes Verhältnis. Seine geleistete Arbeit imponiert mir.


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