Leipziger Fußball-Frauen (1): Eintracht Leipzig Süd - Aufstieg mit Ansage
Jan Kaefer
29.06.2011
Für die Bezirksliga eine Nummer zu groß: ELS zog souverän in die Landesliga ein.
Foto: Jan Kaefer
Im Leipziger Süden wird eine Erfolgsgeschichte geschrieben. Diese hat noch gar nicht mal sehr viele Kapitel, doch das Happy End scheint bereits zum Greifen nah. Souverän zogen die Fußballerinnen vom SV Eintracht Leipzig Süd (ELS) in die Landesliga ein - und haben große Ziele.
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"Fußball-Märchen-Schloss" Südkampfbahn.
Foto: Jan Kaefer
Es war einmal, irgendwann zu Beginn des Jahrtausends, da trafen sich ein paar aufgeweckte Buben zum Fußball spielen auf öffentlichen Sportplätzen. Eines Tages trug es sich zu, dass ein wunderschönes Mädchen vor ihnen stand und dem vergnüglichen Ballsport ebenfalls fröhnen wollte. Es stellte sich sehr geschickt an im Umgang mit dem runden Leder und so dünkte es ihnen: "Lasst uns noch mehr Mädchen holen und eine ganze Mannschaft daraus formen!". Gesagt, getan. Aus allen Himmelsrichtungen strömten die Mädchen nun herbei und hatten eine wahre Wonne im Spiele mit dem Fußball. Doch einige Monde später, sollte ihnen der bloße Zeitvertreib nicht mehr Genüge tun. Sie wollten ein richtiger Fußballverein sein ihre Kräfte messen mit Frauen anderer Gemarke. Und so zogen sie los in den Süden...
Erfolgreiches ELS-Trainerduo: Sebastian Popp (li.) und Thomas Wedemann.
Foto: Jan Kaefer
Die Fußballer des SV Eintracht Leipzig Süd hatten bis zum Jahr 2007 noch keine Frauen- oder Mädchenteams in ihren Reihen. Ein guter Grund für die ambitionierten Kickerinnen, sich diesem Verein anzuschließen und die erste weibliche Mannschaft zu eröffnet. "Am Anfang gab es viele dumme Sprüche", erinnert sich Sebastian Popp - der sowohl Trainer, Öffentlichkeitsarbeiter sowie Leiter der Frauen- und Mädchenabteilung ist. "Macht uns nur nicht den Rasen kaputt!", wurde gescherzt - oder sich bange gefragt: "Ob das was wird mit Frauen und Fußball?".
Doch die Fußballfrauen ließen sich nicht beirren und legten mit viel Engagement los. Mit zahlreichen Veranstaltungen wie Weihnachtsfeiern und ähnlichem, kurbelten sie das Vereinsleben an. Das hat die Zweifler ziemlich schnell überzeugt, so Popp. "Ich glaube, dadurch hat sich das gesamte Vereinsklima ein bisschen verbessert".
Sportlich starteten die Newcomer mit der Saison 2007/ 2008 in der 1. Kreisklasse. "Am Anfang wollten wir nur so aus Spaß spielen", blickt Sebastian Popp zurück, "die ersten zwei Jahre haben wir auf Kleinfeld in der untersten Liga gespielt". Dann führte sie der Weg in die Stadtliga. Diese Saison 2009/ 2010 sollte die Wende im Konzept der ELS-Frauen bringen. Nach einer bitteren Hinrunde mit vielen knappen Niederlagen, wurde alles anders. Denn etwas weiter nördlich - im Fußball-Leistungszentrum am Gontardweg - platzten gerade einige buntschillernde Erfolsträume des Leipziger FC. Nach Querelen im Verein wurde die Landesliga-Mannschaft der LFC-Frauen aufgelöst. Doch diese hatten nach wie vor Lust auf's Fußball spielen und schauten sich nach neuen Vereinen um.
"Das Ganze ein bisschen besser aufziehen."
Foto: Jan Kaefer
Wie es der Zufall so wollte, war eine dieser Spielerinnen eben jene - oben erwähnte - junge Frau, die einst als erstes Mädchen in die Phalanx der hobbykickenden Jungs eingedrungen war. Victoria Möckel - so heißt sie - kehrte nun also zu ihren fußballerischen Wurzeln zurück. Doch sie kam nicht alleine, sondern brachte der Eintracht gleich noch einige LFC-Kameradinnen mit. Das wirkte wie ein Zaubertrank für das kränkelnde spielerische Niveau von ELS. In der Rückrunde glitt das Team durch die Stadtliga wie das heiße Messer durch die Butter. Fortan jagte ein Sieg den nächsten - gern auch mal zweistellig. Sogar der spätere Stadtmeister SG Räpitz, dem man im Hinspiel noch 0:3 unterlegen war, kam in der Rückrunde bei der "neuen" Eintracht mit 6:0 unter die Räder. Nun war man bereit für größere Taten - nun war man bereit für die Bezirksliga.
"In diesem Moment haben wir beschlossen, das Ganze ein bisschen besser aufziehen zu wollen", verriet Sebastian Popp, "wir haben Nachwuchsmannschaften gegründet und uns das Ziel gesetzt, mit der Frauen-Mannschaft höherklassig spielen zu wollen".
Winkend verabschiedet sich Eintracht Leipzig Süd aus der Bezirksliga.
Foto: Jan Kaefer
"Höherklassig" bedeutet in diesem Zusammenhang, dass die Bezirksliga nur eine Durchgangsstation darstellen sollte. Und anders kann man dies - im Rückblick auf das Spieljahr 2010/ 2011 - auch gar nicht bezeichnen. Nach 16 Partien standen am Saisonende 15 Siege zu Buche, bei einem Unentschieden. Alleine das Torverhältnis von 84:5 wäre Beweis genug für die Überlegenheit der ELS-Truppe. Anfang Juni durfte man deshalb in der Südkampfbahn den Aufstieg in die Landesliga feiern.
Aufstiegsdusche für Trainer Sebastian Popp.
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An Zielen mangelt es dem ehrgeizigen Verein aus dem Süden aber noch immer nicht. "Momentan ist Post SV hinter Lok Leipzig die Nummer 1 im Breitensport. Unser Ziel ist, sie zu überholen - sowohl bei den Frauen als auch bei den Juniorinnen.", gibt Abteilungsleiter Popp die Marschroute vor und unterstreicht: "Wir wollen hier im Leipziger Süden DER Ansprechpartner für alle Frauen und Mädchen sein, die Fußball spielen wollen". Um das zu schaffen, bahnt sich eine Kooperation mit dem Bundesligisten 1.FC Lok Leipzig an. "Wir versuchen mit Lok zu kooperieren, um beiderseitigen Nutzen zu haben. Sie können sich talentierte Nachwuchsspielerinnen sichern, und wir sind dafür erster Ansprechpartner für Spielerinnen die es bei Lok aus Zeit- oder Leistungsgründen nicht schaffen und einen neuen Verein suchen", lässt Popp durchsickern, "es gibt erste Gespräche, die in diese Richtung gehen".
Bei allem Streben nach sportlichem Anspruch, legen die Verantwortlichen bei ELS aber dennoch gesteigerten Wert darauf, das der Spaß an der Sache erhalten bleibt. "Wir wollen das Gleichgewicht von Ehrgeiz und Freude am Fußball wahren", umreißt Sebastian Popp die Vereinsphilosophie, "Man kann hier höherklassig spielen, aber der Spaß geht trotzdem nicht verloren".
Trotz verletzungsbedingten Ausfalls erzielte Victoria Möckel in dieser Saison 5 Tore.
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Den Worten ihres Trainers kann Victoria Möckel nur zustimmen. "Sebastian ist jemand, der es mag, wenn es familiär ist, sich alle gut verstehen und es nicht nur um den Erfolg beim Fußball geht", schätzt die Offensiv-Spielerin ein. Deshalb gehört es ganz selbstverständlich zum Vereinsleben dazu, dass jeder ein Stück zum Gelingen der Gesamtidee beiträgt und dadurch auch sozial Schwächere nicht alleine gelassen werden und eigene Erfolge zu spüren bekommen. "So eine soziale Kompetenz findet man leider im Bereich Frauenfußball nicht so oft", sagt die 26-jährige Assistenzärztin, "das ist etwas Besonderes an diesem Verein".
Die bevorstehende Landesliga-Saison ist für Victoria Möckel allerdings noch eine kleine Wundertüte: "So richtig einschätzen kann ich das Niveau in der Landesliga momentan nicht. Mit viel Motivation und wenn es spielerisch gut läuft, könnten wir durchaus unter die ersten Drei kommen. Aber auch wenn es am Ende ein Platz im Mittelfeld ist, kann man absolut zufrieden sein. Mit fünf, sechs Neuzugängen, alle ausgestattet mit Landesliga- oder gar Regionalliga-Erfahrung, rechnet ihr Trainer.
Wie weit wird der ELS-Erfolgszug noch fahren?
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Über mangelnden Zulauf kann sich Sebastian Popp wirklich nicht beschweren. Dennoch hofft er, dass die Begeisterung um die gerade laufende Frauenfußball-WM vor allem die jüngeren Semester in den Verein zu locken vermag. "Wir erhoffen uns schon, dass wir in den Juniorinnen-Mannschaften viele Mädchen dazu gewinnen werden. Denn es werden in allen Altersbereichen noch Mädchen gesucht, in der B- und C-Jugend besonders dringend".
Und sie spielten glücklich und zufrieden bis ans Saisonende...
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