Absage: Querelen um Trägerwechsel beim Fußball-Fanprojekt Leipzig
Jan Kaefer
17.06.2011
Um die Trägerschaft des Fußball-Fanprojekt Leipzig ist ein politischer Streit entfacht.
Fotos: Jan Kaefer (Archiv)
Wäre es nach dem Willen der Stadt Leipzig gegangen, hätte das Fanprojekt am 1. Juli mit Outlaw gGmbH einen neuen Träger bekommen. Eine Entscheidung, von der sich der bisherige Träger Leipziger Sportjugend e.V. übergangen fühlt. Nachdem nun sogar Sachsens Innenminister Ulbig im Falle eines Trägerwechsels mit Mittelstreichung drohte, erklärte Outlaw am gestrigen Donnerstag seinen Rückzug.
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Dabei schien lange Zeit alles völlig klar zu sein. Bereits am 31. Januar 2011 votierte der Jugendhilfeausschuss einstimmig - bei einer Stimmenthaltung - für einen Trägerwechsel beim Fanprojekt. Ende Mai verkündete die Stadt schließlich, dass das Projekt per Juli in die Trägerschaft der Outlaw gGmbH übergehen wird. Dadurch versprach man sich im Rathaus im Hinblick auf die Fanarbeit "eine qualitative Weiterentwicklung vor allem in den Bereichen der Öffentlichkeitsarbeit, des Führungs- und Krisenmanagements und des Ausbaus der primären und sekundären Präventionsansätze im Bereich der Gewaltprävention".
Die Bestrebungen, den bisherigen Träger Leipziger Sportjugend e.V. durch einen anderen zu ersetzen, stößt bei Udo Ueberschär - dem Leiter des Fanprojekts - auf Unverständnis. "Warum das der Jugendhilfeausschuss beschließt, ist mir unklar. Wir haben eine gute Arbeit geleistet. Vom Jugendhilfeausschuss hat keiner mit uns gesprochen oder war jemals im Fanprojekt, um sich über unsere Arbeit zu informieren", sagte Ueberschär gegenüber L-IZ.de. Zur inhaltlichen Arbeit seines Projektes seien ihm von den verantwortlichen Stellen bisher keine Kritikpunkte angetragen worden. "Im Gegenteil, die Institutionen, mit denen wir zu tun haben - auch das Jugendamt - hatten bis jetzt an unserer inhaltlichen Arbeit und der Methodik nichts auszusetzen".
Politische Muskelspiele des Innenministers
Das schien auch Sachsens Innenminister Markus Ulbig so zu sehen. In einem Interview mit der Leipziger Volkszeitung (LVZ vom 11.06.11) hatte der CDU-Politiker folgende fünf Sätze zum Thema beizutragen: "Wir geben als Freistaat insgesamt 300.000 Euro in die großen sächsischen Fanprojekte. Deshalb verstehen wir auch nicht, wenn beim Leipziger Fanprojekt ein neuer Träger gesucht werden soll. Für uns ist der Verantwortliche des Leipziger Fanprojekts ein verlässlicher Partner und das soll auch so bleiben. Wenn es zu einem Wechsel käme, würden wir überlegen, ob wir die Fördergelder wie bisher weiterzahlen. Das ist in der Diskussion."
Politische Muskelspiele mit dem Geldhahn des Freistaates in der Hand. Diese sind deshalb von besonderer Brisanz, weil das Fanprojekt seine Zuwendung über das Modell der Drittelfinanzierung erhält. Die Stadt Leipzig, das Land Sachsen sowie der Deutsche Fußball Bund (DFB) steuern dafür jeweils ihren finanziellen Teil bei. Schert allerdings - wie in diesem Fall - einer der Partner aus, steht das ganze Projekt auf der Kippe.
Sturm der Entrüstung bei den Parteien
Ulbigs Ansage entfachte in den Parteien einen Sturm der Entrüstung. "Dieses Ansinnen ist angstbehaftet und undemokratisch und wirft wieder mal ein provinzielles und schlechtes Licht auf Sachsen", schimpfte die Leipziger Bundestagsabgeordnete Monika Lazar von Bündnis 90/ Die Grünen. Scharfe Worte fand auch die Linken-Stadträtin Juliane Nagel: "Ich kritisiere die Haltung des Freistaates aufs Schärfste und fordere Innenminister Ulbig auf, sich endlich für die inhaltlichen Argumente pro Trägerwechsel beim Fußball-Fanprojekt in Leipzig offen zu zeigen". Aus ihrer Sicht sei es dem bisherigen Träger Leipziger Sportjugend e.V. nicht gelungen, "eine tatsächliche Zurückdrängung von gewaltaffinen und neonazistischen Erscheinungen in Teilen der Fanschaft" zu erreichen. Stattdessen sei die Einflussnahme von Nazis viel zu lange geduldet worden. Nagel weiter "So konnte die Fan-Gruppierung Blue Caps, die vom NPD-Stadtratskandidaten Enrico Böhm angeleitet wurde, im von der Leipziger Sportjugend betreuten Lok-Fanprojekt ein- und ausgehen - bis dieser Zustand im Jahr 2008 skandalisiert und beendet wurde".
Fanprojekt-Chef Udo Ueberschär wehrt sich gegen diese Kritik: "Als wir über Dritte erfahren haben, dass der Herr Böhm in der rechten Szene aktiv ist und bei der Kommunalwahl kandidieren wird, haben wir als Erste reagiert und ein Hausverbot ausgesprochen. Dann sind wir zum Verein (Lok Leipzig) gegangen, der ebenfalls reagiert und Hausverbot ausgesprochen hat". Den Vorwurf, ein "Nazi-Zentrum" gewesen zu sein, kann Ueberschär nicht nachvollziehen. "Das ist völlig aus der Luft gegriffen und in mehreren Stellungnahmen und Recherchen widerlegt worden. Wenn Frau Nagel oder Frau Lazar Interesse an einer ordentlichen Aufklärung gehabt hätten, hätten sie gern bei uns vorbei kommen und sich darüber informieren können".
Outlaw vermisst Rückendeckung
Den neuen Träger-Aspiranten Outlaw hat der Kanonendonner der letzten Tage unterdessen abgeschreckt - er zog sich am Donnerstag aus der Schusslinine zurück. "Die Übernahme der Trägerschaft der Fanprojekte in Leipzig durch die Outlaw gGmbH zum Beginn der Spielzeit 2011/ 2012 ist gescheitert", teilte die bundesweit tätige Gesellschaft den Medien mit. Als Hauptgrund führte sie an, dass sowohl vom Land Sachsen als auch vom DFB noch keine Entscheidung über die Mitfinanzierung vorliege. "Stattdessen haben wir einem Interview mit dem Innenminister des Freistaates Sachsen entnommen, dass das Land keinen Trägerwechsel will". Outlaw sieht damit die nötige Rückendeckung nicht gegeben. "Wir sind weiterhin gesprächsbereit, aber eine Übernahme des Fanprojektes zum 1. Juli 2011 ist nicht mehr möglich".
Bleibt also eine einfache Frage: Wie geht es weiter mit der Fanarbeit in Leipzig?
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