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Leipziger Fußball-Frauen (2): SV Lipsia 93 Eutritzsch - "Wir wollten das durchziehen!"

Jan Kaefer
Um ihren Job im Lipsia-Tor war Ilka Erfurt in dieser Saison wirklich nicht zu beneiden.
Um ihren Job im Lipsia-Tor war Ilka Erfurt in dieser Saison wirklich nicht zu beneiden.
Foto: Jan Kaefer
Es war die bisher schwärzeste Saison in der siebenjährigen Geschichte des Lipsia-Frauenteams. Eine Niederlage jagte die nächste - und der letzte Tabellenplatz war fest reserviert. Woran das lag und warum jetzt alles besser werden könnte, erfuhr L-IZ.de von Kapitän Ilka Erfurt.

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"So eine Saison wie die letzte macht keinem Sportler Spaß!", versichert Ilka Erfurt, Kapitän der Fußballerinnen des SV Lipsia 93. Ein Blick auf die Bezirksliga-Tabelle der abgelaufenen Spielzeit weckt tiefes Verständnis für diese Einschätzung. Von den 16 ausgetragenen Partien musste ihr Team 14 verloren geben. Nur in vier Spielen konnten die Eutritzscher überhaupt eigene Treffer bejubeln - insgesamt ganze sieben Tore. Der alte Spruch drängt sich auf: Willst du Eutritzsch vorne seh'n, musst du die Tabelle dreh'n. "Ich habe in der gesamten Saison nicht einmal auf die Tabelle geguckt", schmunzelt Ilka Erfurt, "so schlecht waren wir noch nie".

Die Saison war nicht leicht zu verkraften.
Die Saison war nicht leicht zu verkraften.
Foto: Jan Kaefer
Aber was ist der Grund dafür, dass die Damen aus dem Leipziger Norden sportlich dermaßen auf die Mütze bekommen haben? "Wir sind mit nur 15 Spielern in die Saison gegangen", erklärt Erfurt - die sowohl im Tor als auch als Feldspielerin einsetzbar ist, "uns war schon klar, dass es eng wird". Oft wurde es verdammt eng. Hier mal ein Ausfall aus familiären Gründen, dort mal einer aus beruflichen Gründen sowie hier und da mal eine Verletzung, dünnten den Kader zum Teil dramatisch aus. "Das Schlimmste was wir in der Saison erlebt hatten, war das Spiel bei Eintracht Süd.", erinnert sich die 26-Jährige, "Da sind wir zu neunt angereist. Nach 30 Minuten hatte ich mich verletzt, da waren wir noch zu acht, und in der zweiten Halbzeit hatte sich noch eine Spielerin von uns verletzt und wir waren nur noch zu siebent". So gesehen, seien sie mit einem 0:7 noch gut bedient gewesen.

Ilka Erfurt: "Ich spiele lieber draußen und gehe nur ins Tor, wenn Not am Mann ist."
Ilka Erfurt: "Ich spiele lieber draußen und gehe nur ins Tor, wenn Not am Mann ist."
Foto: Jan Kaefer
Auch wenn die Aktien für Lipsia schon vor den einzelnen Spieltagen ziemlich im Keller waren, wollte man sich dennoch nicht vorführen lassen. Das Team ging immer mit der Maßgabe auf den Platz, "so gut wie möglich Fußball zu spielen". Zudem wurde gern auch die Weisheit ins Feld geführt: "Es geht los bei 0:0. Einen Punkt haben wir erst mal sicher." Meistens ergab sich dann eine 90-minütige Abwehrschlacht, die den ein oder anderen Gegentreffer dennoch nicht zu verhindern vermochte. "Das Problem war natürlich, dass nach ein, zwei Dingern nicht mehr die Kraft da war, nach vorne etwas zu bewegen, und es fehlten vorn auch die guten Leute", legt Erfurt den Finger in die Wunde.

"Es hat sich ein harter Kern herauskristallisiert."
"Es hat sich ein harter Kern herauskristallisiert."
Foto: Jan Kaefer
Die Diplom-Geographin nimmt aus dieser Katastrophen-Saison dennoch etwas Positives mit. "Es hat sich ein harter Kern herauskristallisiert, der weiß, warum er das hier macht und der Spaß daran hat" - und weiter - "Wenn man eine eingeschworene Gemeinschaft ist, da schnauzt man sich nach einem 0:6 nicht mehr an. Da muss man damit leben und fertig". Ilka Erfurt schätzt ein, dass ihr Team mannschaftsintern ganz gut um die zahlreichen Klippen der Saison geschippert sei: "Ich könnte mir vorstellen, dass es in anderen Vereinen mehr gescheppert hätte". Lediglich eine Spielerin habe nach den ersten Partien entnervt das Handtuch geworden und Lipsia verlassen. Für die restlichen Lipsia-Mädels kam Aufgeben nicht in Frage. "Zurückziehen wollten wir nicht. Denn wir haben uns vorher gesagt, wir ziehen das durch, und das haben wir auch gemacht", so Ilka Erfurt kämpferisch.

Diese Willensstärke wurde am allerletzten Spieltag schließlich mit dem ersten und einzigen Saison-Sieg belohnt. 2:1 hieß es am Ende auf dem Sportplatz Thaerstraße gegen Klinga. "Das letzte Spiel war noch mal schön", denkt Ilka Erfurt gern zurück, "und ein schönes Abschiedsgeschenk für unsere Trainer". Dreizehn Jahre lang hatten Gerhart Meyer und sein Sohn Udo die Geschicke des Teams geleitet. "War das 'ne schöne Zeit! Danke für 13 Jahre!", stand auf einem Spruchband, das die Mannschaft ihnen zu Ehren entrollte.

"Kleinfeld war für uns keine Option."
"Kleinfeld war für uns keine Option."
Foto: Jan Kaefer
Im kommenden Spieljahr werden nun Thomas Gundlach und Michael Gliem für Eutrizsch auf der Trainerbank sitzen. Beide kommen aus dem Verein und konnten dort bisher Erfahrungen im Jugend- und Männerbereich sammeln. Das wird jedoch nicht die einzige Veränderung im Frauenteam des SV Lipsia sein, denn die vormals so dünne Personaldecke wurde gehörig aufgepolstert. Durch einen öffentlichen Aufruf und rege Akquisetätigkeit im Verwandten- und Bekanntenkreis, konnten bis jetzt schon acht Neuzugänge vermeldet werden. Damit steht einer weiteren Saison im Großfeldbereich nichts mehr im Wege. Denn absteigen kann Lipsia Eutritzsch nicht, weil die Bezirksliga bereits die unterste Spielklasse für Großfeld-Frauenteams ist. Der nächste Schritt nach unten wäre dann die Stadtliga auf Kleinfeld, aber das, so Ilka Erfurt, "war für uns keine Option". Immerhin gehört die Frauenmannschaft - die einst geschlossen vom SV Victoria in den Leipziger Norden wechselte - seit rund zehn Jahren zum Inventar der Bezirksliga.

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Dieser Vereinswechsel, der vor sieben Jahren über die Bühne ging, erfolgte nicht zuletzt deshalb, weil man sich bei Victoria als Frauenmannschaft nicht mehr sonderlich willkommen fühlte. In Eutritzsch sei das grundlegend anders, versichert Ilka Erfurt, die damals schon dabei war. "Als wir hierher gekommen sind, haben uns die vielen Vereinsaktivitäten und der große Zusammenhalt begeistert", sagt sie, "hier fühlen wir uns ins Vereinsleben integriert". Erst am vergangenen Wochenende feierte man an der Thaerstraße gemeinsam das große Vereinsfest, und auch das Oster- sowie das Herbstfeuer sind fester Bestandteil im Terminplan der Lipsianer.

Nicht nur in der Abwehrmauer sind bei Eutritzsch ständig neue Spielerinnen willkommen.
Nicht nur in der Abwehrmauer sind bei Eutritzsch ständig neue Spielerinnen willkommen.
Foto: Jan Kaefer
Damit für die Fußballfrauen noch ein paar emotionale Freudenfeuer hinzukommen können, sind auch perspektivisch neue Spielerinnen immer willkommen. "Zu uns muss keiner schon als fertiger Spieler kommen", macht Ilka Erfurt Mut, "wir bringen es den Mädels gerne bei, sie können es mit uns zusammen lernen". Besonders freuen würde man sich bei Lipsia darüber, wenn es längerfristig gelingen könnte, eine weibliche B-Jugend-Mannschaft aufzubauen. Denn diese fehlt momentan als Schnittstelle zwischen Kinderbereich und Frauenmannschaft. Gäbe es eine B-Jugend, so hofft man, könnte man mehr Mädchen im Verein halten.

Bei den Lipsia-Spielen ist man auch vom Fenster aus live dabei.
Bei den Lipsia-Spielen ist man auch vom Fenster aus live dabei.
Foto: Jan Kaefer
Vielleicht brechen dann ja auch bald wieder bessere Zeiten für die Eutritzscher Fußballerinnen an. So wie 2006 etwa, als Lipsia im Finale um den Bezirkspokal dem 1.FC Lok II gegenüber stand ("Das war ein richtiges Erlebnis!") oder wie damals, als man noch der Angstgegner von Lissa war ("Das ist nur noch eine Legende."). Jetzt wäre es an der Zeit, neue Legenden zu schreiben.


Die Homepage der Lipsia-Frauen:
www.lipsia-damen.de.vu




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