Leipziger Fußball-Frauen (5): Leipziger FC 07 - „Zurück im Breitensport“
Marko Hofmann
16.07.2011
Beim LFC am Gontardweg werden dringend neue Spielerinnen gesucht.
Foto: Marko Hofmann
Einst sollte der Leipziger FC 07 das Aushängeschild des sächsischen Frauenfußballs werden, aber schon beim ersten Schritt hatte man sich vertreten. Vier Jahre nach Gründung des Vereins dominiert der eigentliche Partner, der 1. FC Lok, den sächsischen Frauenfußball und der LFC hat Probleme eine Mannschaft für die Landesliga zusammen zu bekommen.
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Letzte Saison waren es nur zwei. Diese Saison sind es auf einmal fünf Leipziger Mannschaften in der Landesliga Sachsen der Frauen. Um die Liga voll zu machen, durfte nicht nur Eintracht Leipzig Süd aus der Bezirksliga aufsteigen, sondern auch der Zweite, die SG LVB, und die neuangemeldete dritte Mannschaft des 1. FC Lok Leipzig wurde auch gleich in Sachsens höchster Frauenfußball-Liga eingegliedert. Gut für den Leipziger Frauenfußball, schlecht für den LFC. Der hatte schon letzte Saison Besetzungsprobleme trotz eines Kaders von 18 Spielerinnen. Derzeit sind es nur 13. „Wir bezahlen Spielerinnen grundsätzlich nicht mehr und können deshalb nicht konkurrieren“, so LFC-Präsident Michael Zeidler, der der Riege der Herren-Fußballer des ehemaligen SV Leipzig 1910 angehört und seit gut anderthalb Jahren die Geschicke des Vereins leitet.
Präsident Michael Zeidler (re.) mit LFC-Frauentrainer Maik Naumann.
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Übernommen hat er das Amt in schwierigen Zeiten. Der LFC, am Schönefelder Gontardweg spielend, sollte Leuchtturm des sächsischen Frauenfußballs sein. Der Sächsische Fußballverband (SFV) investierte Gelder in das Umfeld, baute zwei Kunstrasenplätze und setzt gerade ein neues Mehrzweckgebäude neben das bereits bestehende. Allerdings nicht für den LFC.
Nach dem Desaster um die Jahreswende 2009/ 2010, über das auch L-IZ.de berichtete, sind keine Verantwortlichen des SFV mehr beim LFC involviert. Zeidler und Vertreter der Herrenabteilung richten es jetzt selbst. „Eigentlich wollten wir zum heutigen Zeitpunkt längst weg sein, aber noch findet sich niemand anderes.“ Der Verband, der Hauptpächter des Geländes ist und den LFC als Unterpächter im Boot hat, nutzte seit dem Desaster die Zeit, um sich neu zu orientieren. So wandte er sich vom LFC ab und unterstützt nun den 1. FC Lok. „Uns werden seitdem neue Pachtverträge angeboten, die wir aber nicht annehmen“. Das Verhalten des Verbands ist ein Unding für Zeidler, denn „wir haben das ursprünglich hier alles nur getan, um dem Verband zu helfen. Den LFC hätten wir als SV 1910, aus dem die Herren kommen, nicht gebraucht“. Das „Leistungszentrums-Intermezzo“ hat dem Verein einen kläglichen Ausflug in den Leistungssport beschert. „Jetzt sind wir wieder im Breitensport angekommen“, sagt Zeidler und scheint stolz darauf zu sein.
Muss Coach Naumann mit seinem Team Abschied vom Großfeld nehmen?
Foto: Marko Hofmann
Der 1. FC Lok ist Kooperationspartner des Leipziger FC, doch bisher war die Kooperation etwas zu einseitig. „Auf Beschluss des Verbands haben wir zwei Nachwuchsmannschaften und einige starke Damen an Lok abgegeben und nur eine Juniorenmannschaft bekommen“, so der Präsident. Doch das könnte sich bald ändern und auch die Probleme von Frauen-Trainer Maik Naumann lindern, der handfeste, breitensportliche Sorgen hat. Noch fünf Spielerinnen braucht er, um mit einem zahlenmäßig passablen Kader in die Landesliga-Saison gehen zu können. Abwerben will er keine. „Es sollen nur Spielerinnen zu uns kommen, die von ihren Vereinen die Freigabe haben oder vereinslos sind. Wir holen niemanden woanders weg“.
Aber genau das ist das Problem: Woher sollen diese Spielerinnen Mitte Juli noch kommen? Bis 30. Juli kann sich der LFC noch von der Landesliga abmelden, falls sich nicht genügend Fußballerinnen der Mannschaft anschließen. „Bis Ende April muss man die Mannschaft für die kommende Saison melden, aber da wusste ich doch nicht, dass es bald fünf Leipziger Teams in der Landesliga gibt. Jetzt habe ich noch zwei Wochen Zeit, Spieler zu finden. Kommt eine von einem anderen Verein im August, ist sie im Prinzip für die Hinrunde gesperrt“, so Naumann. Über die Uni Leipzig will der Verein nun Spielerinnen akquirieren. Ein paar von Naumanns Schützlingen studieren und sollen entsprechende Kontakte herstellen.
Auch Lok Leipzig hat am Donnerstagabend Hilfe angeboten. „Lok hat uns mitgeteilt, dass sie ein Interesse daran haben, dass es mit dem LFC weitergeht, deswegen wollen sie noch mal mit drei bis vier Spielern reden. Wir müssen einfach mehr miteinander kommunizieren“, so Vize-Präsident Rainer Henze. Doch was passiert, wenn alle Versuche fehlschlagen? Für Zeidler ist der Weg dann klar: „Wenn wir kein Glück haben, werden wir uns vom Großfeld zurückziehen und ein Jahr Kleinfeld spielen“. Das Ende des LFC bedeutet das dann allerdings nicht, zumindest wenn es nach Zeidler und seinen Mitstreitern geht. „Meine Vorstandskollegen und ich haben uns auf die Fahne geschrieben, dass es den LFC ohne Frauenfußball nicht geben wird“. Soll heißen: Bei einem Abstieg in die Niederungen des Kleinfeldfußballs wird im Hintergrund massiv an einer baldigen Rückkehr gearbeitet. Zeidler ist mit dem Mädchen-Nachwuchs beim LFC zufrieden. Die E- und D-Jugend Mädchen werden kommende Saison bei den gleichaltrigen Jungs mitspielen. „Der einzige Verein, bei dem das so ist“, fügt der Präsident an. Diese Mädchen sollen der Grundstein für die Zukunft des LFC sein. „Es ist eines unserer langfristigen Ziele, dass es im Nachwuchs weiter sukzessive vorangehen soll. Eine Menge Eltern investieren sehr viel Zeit und Geld, das hilft uns neben der hervorragenden Arbeit unserer Nachwuchstrainer sehr“. Doch: Es wird lange dauern bis diese Mannschaften im Erwachsenenbereich spielen werden können.
"Es geht uns nur um Breitensport und um Fußball."
Foto: Marko Hofmann
Früher wurden LFC-Mannschaften in der Fremde angefeindet. Vom Retortenverein war da oft die Rede, vom Baby des SFV. „Es passierte auch mal, dass Testspiele nicht zu Stande kamen, weil Trainer nicht gegen uns spielen wollten“, erzählt Naumann. „Jetzt unterhalten wir freundschaftliche Kontakte zu anderen Vereinen“. Der LFC ist angekommen im Leipziger Vereinsleben mit den üblichen Problemen, aber auch Vorstellungen. „Es geht uns nur um Breitensport und um Fußball. Menschen sollen hier ihrem Hobby nachgehen“. Der LFC 07 – ein ganz normaler Sportverein eben.
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