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Ein längst zerplatztes Luftschloss? Grün-weißer Fanclub träumt von Leutzscher Einheit

Redaktion
Die Idee des vereinten Leutzscher Fußball gefiel offenbar schon im Sommer einigen nicht
Die Idee des vereinten Leutzscher Fußball gefiel offenbar schon im Sommer einigen nicht
Foto: L-IZ.de (Archiv)
Der Name ist Programm. Die 46 Mitglieder des Fanclubs „Leutzscher Einheit“ haben sich nicht weniger als die Zusammenführung der tief gespaltenen grün-weißen Fanszene auf die Fahnen geschrieben. Während einer Diskussionsveranstaltung am Freitag in der Vereinskneipe "Leutzscher Holz" mit Vorstandsvertretern von BSG Chemie Leipzig und SG Leipzig Leutzsch wurde aber vor allem eines deutlich: Die Mehrzahl der Fans lehnt eine Vereinigung der beiden Leutzscher Clubs strikt ab.

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Die wenigen Befürworter einer Zusammenführung waren unter den rund 50 Anwesenden leicht auszumachen. "Leutzscher Einheit jetzt!" prangte auf den weißen T-Shirts, die am Einlass verkauft wurden. Der große Renner waren sie nicht. Die Aussage, geschätzte achtzig Prozent der Fanszene seien für die Wiedervereinigung, sorgte dann auch umgehend unter den anwesenden BSG Chemikern für erste Skepsis.

„Wir wollen es hinbekommen das alle an einem Strang ziehen. Entweder wir wollen alle, dass es vorwärts geht, oder wir können es ganz bleiben lassen", erklärt einer der Organisatoren des Treffens. "Man lacht mittlerweile über den Leutzscher Fußball.“ Dann gab es ein paar mahnende Worte an die Vorstände: „Ihr habt Probleme, lasst diese bitte außen vor.“Auch die Fans wurden zu einem respektvollen Umgang angehalten.

Während sich die wenigen anwesenden Anhänger der BSG Chemie anfangs zurückhielten, machten viele Unterstützer der SG Leipzig Leutzsch aus ihrer Ablehnung gegenüber den Untermietern im Alfred-Kunze-Sportpark keinen Hehl. Als BSG Chemie -Vorstand Remo Hoffmann zu Beginn einer hitzigen Debatte äußerte, er sehe die Vereinigung als ambitioniertes Ziel, sei aber gewählt worden, um sich um seinen Verein zu kümmern, taten die ersten SG-Anhänger ihrem Unmut Kund. "Ich bin schon zu Chemie gegangen, als du noch in die Windeln geschissen hast", hielt ihm ein betagter SG-Fan vor. Für die SG-Unterstützer sind allein die Chemiker an der Trennung schuld.

Ein Transparent, hinter dem im Alfred-Kunze-Sportpark aktuell nicht viele stehen
Ein Transparent, hinter dem im Alfred-Kunze-Sportpark aktuell nicht viele stehen
Foto: Patrick Limbach

Die Spielbetriebsaufnahme durch den ursprünglich als Förderverein für den Sachsen-Nachwuchs konzipierten Club vor drei Jahren empfinden viele SG-Fans nach wie vor als Affront, damals gegen den FC Sachsen, heute gegen die SG Leipzig-Leutzsch. "Momentan sind die einzigen Gemeinsamkeiten die Vereinsfarben", beschrieb Chemie-Präsident Oliver Krause den Status Quo und erntete prompt Buhrufe. SG-Vorstand Jamal Engel schätzte dann wohl realistisch ein, dass der Weg ein langer und schwieriger sein werde. „Eine Vereinigung von heute auf morgen sehe ich nicht.“

„Ich beobachte seit 48 Jahren den Niedergang des Leutzscher Fußballs. Mein Eindruck ist, dass es persönliche Differenzen gibt", lenkte ein Anwesender die Diskussion eine andere Richtung. "Für was halten sich die Vorstände eigentlich?“ Sofort stellte Krause klar: „Natürlich reden wir täglich miteinander. Ich glaube da herrscht eine falsche Vorstellung, wir kommen ganz gut miteinander aus. Wisst ihr das eigentlich?“ Jamal Engel schlug in die gleiche Kerbe: „Wir haben hier ein Tagesgeschäft, der Umgang unter den Vorständen ist ein ganz anderer als man sich das draußen vorstellt." Gekonnt inszenierten sich die grün-weißen Präsidien am Freitagabend als chemische Einheit. Insider behaupten jedoch, hinter den Kulissen gehe es weit weniger freundschaftlich zu.

Konstruktive Vorschläge gab es den ganzen Abend über kaum. SG-Vorstand Frank Schöllhammer erklärte, dass die Mitgliedern beider Vereine große Schritte unternehmen müssten: „Ihr habt die besten Karten, wenn ihr euch einig werdet und uns zu einer Vereinigung zwingt.“ Die meisten Anwesenden machten da nicht den Eindruck, als ob dies demnächst ihr sehnlichster Wunsch werden würde. Jamal Engel ergänzte: “Schlussendlich müssen in Mitgliederversammlungen beider Vereine Mehrheiten einer Vereinigung zustimmen. Mit Blick auf die Hauptversammlungen beim FC Sachsen glaube ich momentan nicht an solche Mehrheiten.“ Eine sportliche Vereinigung musste er ablehnen. Die Idee eine Spielgemeinschaft zu bilden, lasse die Spielordnung nicht zu.

Jamal Engel und SG Leipzig Leutzsch - Präsident Jens Barthelmes (vrnl.) stellten sich ebenso den Fragen wie Vorstände der BSG Chemie (hier beim Neustart den SG Leipzig Leutzsch in Anwesenheit von Sportbürgermeister Heiko Rosenthal)
Jamal Engel und SG Leipzig Leutzsch - Präsident Jens Barthelmes (vrnl.) stellten sich ebenso den Fragen wie Vorstände der BSG Chemie (hier beim Neustart den SG Leipzig Leutzsch in Anwesenheit von Sportbürgermeister Heiko Rosenthal)
Foto: L-IZ.de (Archiv)
Der konstruktivste Vorschlag auf weiter Flur kam von Heidrun Hofmann: „Die Fanclubverbände sollten vielleicht die wichtigsten Reibungspunkte ausarbeiten und dazu bei Heimspielen die Meinung aller Fans per Fragebogen einholen. Das kann man auswerten und sieht erst einmal, wie die Stimmung überhaupt ist.“ Jamal Engel zeigte sich dankbar: „Das wäre ein Schritt mit dem beide Vorstände etwas anfangen können.“ Trotzdem scheint eine Wiedervereinigung unmöglich. Die Diablos, mitgliederstärkste Fangruppierung der BSG Chemie, lehnen einen Zusammenschluss mit der SG Leutzsch per se ab. "Die Gründung der SG Leipzig Leutzsch war aus unserer Sicht ein Angriff auf die BSG Chemie", erklärte Alexander Mennicke, Diablos-Mitglied und Chemie-Ehrenrat.

"Die Diablos waren nie Chemie Leipzig, sind nicht Chemie Leipzig und werden nie Chemie Leipzig sein", versuchte ein Mitorganisator zu provozieren und erntete dafür Zustimmung. "Die SG Leipzig Leutzsch beruft sich meiner Meinung nach auf eine Tradition, die es überhaupt nicht gibt", spielte Mennicke den Ball daraufhin zurück. Die SG-Fans reagierten mit lautstarker Empörung.

Mennecke verwies auch auf das Leitbild seines Vereins BSG Chemie, zu denen sich die Ultras weiterhin bekennen würden. Dazu zähle auch das Eintreten gegen Rassismus und Diskriminierung im Stadion. Ein Punkt, mit dem mancher SG-Fan ein Problem haben dürfte. "Politik bleibt raus!", stellte der Moderator immer wieder klar. Ganz offensichtlich durften dafür auch Neonazis an der Veranstaltung teilnehmen. Einer von ihnen rief direkt nach der Veranstaltung über Facebook seine Kameraden auf, am 26. November das Leutzscher Derby zu besuchen: "Es kommt die Antifa zum Fußball und wollen den Rechten de Fresse polieren. Nehmt es als Priorität!" (Fehler im Original)

Die Mitglieder der "Leutzscher Einheit" wünschen sich dagegen, dass die grün-weiße Fanschar das Spiel gemeinsam und ohne Fantrennung verfolgt. Sie planen vor dem Spiel ein gemeinsames Fanturnier. Damit treffen sie ungewollt den Nerv einiger SG-Anhänger, wenn auch hart und oberhalb der Schmerzgrenze. "Nie im Leben werde ich mich in den Gästeblock stellen", schreit einer durch den Saal. Angesichts des unreflektierten Umgangs mit am 4. September beim Pokalspiel aufgetretenen braunen Problemen in den Reihen der SG Leipzig-Leutzsch - Fans erscheinen die Vereinigungspläne der "Leutzscher Einheit" schon heute wie ein längst geplatztes Luftschloss. Trotzdem laden sie alle Interessierten an jedem ersten Freitag im Monat um 19 Uhr zu Gesprächsrunden ins Vereinslokal.

Am vergangenen Freitag dürfte vor allem einer von dem Treffen profitiert haben. Der Gastwirt.

Der Fanclub „Leutzscher Einheit“ im Netz
leutzscher-einheit.npage.de

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